GHP: Die 10 besten Übungen zur Gelassenheitsprüfung

Das Rappeln aus der Kiste

Bei der Gerittenen GHP stellt der Reiter das Pferd an der Hand vor und absolviert dann im Sattel im Schritt zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge. Er soll feinfühlig und kaum sichtbar auf das Pferd einwirken. Das gilt auch für das Hindernis Rappelsack. Hat ein Pferd Angst vorm ­­Rappel­­sack, teilen Sie den Schrecken einfach durch zwei – erst Rappel, dann Sack.
Foto: Cavallo Ein Helfer zieht die Dosen, das Pferd wird daran vorbei geführt.

Das macht Krach.

Erträgt Ihr Pferd jedes Rappeln ohne zu zappeln, sind Sie bereit für die Gerittene Gelassenheitsprüfung (GHP). Bei der achten Aufgabe müssen Sie durch eine markierte Gasse reiten, während neben Ihnen ein Helfer mit viel Getöse einen Klappersack zieht. Das hört sich schlimmer an, als es ist. „Es gibt Pferde, die sich überhaupt nicht vor Geräuschen fürchten“, beruhigt die Pferdetrainerin Bess Klingmüller aus dem schwäbischen Mössingen. „Sie müssen also nicht erwarten, daß Ihr Pferd sich ängstigt. Dann tut es das vielleicht auch gar nicht, weil Sie von Anfang an ruhig bleiben.“

Weil in der Prüfungssituation freilich die wenigsten Reiter ruhig bleiben, müssen Sie vorher üben. Erst am Boden, dann im Sattel. Selbst wenn Sie die Geführte GHP mit Note 1 bestanden haben, heißt das nicht, daß das Pferd das Geklapper auch dann über sich ergehen läßt, wenn Sie oben sitzen. „Zerlegen Sie die Aufgabe mit dem Klappersack in ihre Bestandteile“, rät die TTEAM-Lehrerin Bea Borelle. „Erst hören, dann gucken lassen.“ Zu Hörtest befüllen Sie eine leere Getränkedose mit Steinchen und rappeln leise. Ihr Pferd soll dabei auf der Stelle stehen. Danach dürfen Sie heftiger rappeln und dabei auch um Ihr Pferd laufen.

Bleibt es gelassen stehen, holen Sie eine Plastiktüte, zeigen sie Ihrem Pferd und laufen auch mit der Tüte um das Pferd. Erschrickt es bei einem der beiden Aufgabenteile, legen Sie Tüte oder Dose wieder weg, stellen das Pferd ruhig an den Ausgangsort zurück und fangen von vorne an.

„Geben Sie Ihrem Pferd zwischendurch Pausen, und zählen Sie langsam bis 20. In den 20 Sekunden muß Ihr Pferd nichts tun und wird mit nichts konfrontiert. Diese Zeit braucht es, um drüber nachzudenken“, erklärt Bea Borelle. Ist es zappelig, nutzen Sie die Zeit ruhig, um Ihrem Pferd den Kopf abzustreichen und es zu beruhigen. Im nächsten Schritt füllen Sie Dosen in einen Sack. Damit es ordentlich klappert, müssen Sie zum Üben einen Kartoffel- oder Karottensack mit etwa 15 leeren Konservendosen füllen. Die Dosendeckel dürfen keine scharfen Kanten haben, sonst zerschneiden diese den Sack, und die Dosen fallen heraus.

An den Sack knüpfen Sie ein etwa drei Meter langes Seil. Zeigen Sie Ihrem Pferd den Sack, lassen Sie es schnüffeln und gehen dann samt Sack in der Hand wieder ums Pferd herum – einmal links-, einmal rechts herum. Dann folgt der nächste Schritt: Nehmen Sie Ihr Pferd an die Longe, gehen Sie ein paar Schritte weg, und halten Sie den Sack an der Schnur zwischen sich und dem Pferd. Drehen Sie sich zum Pferd um, gehen Sie rückwärts und ziehen dabei den Sack vom Pferd weg. Mit der anderen Hand zupfen Sie an der Longe und fordern das Pferd auf, dem Sack zu folgen.

„Die Pferde fühlen sich nicht vom Sack bedroht, wenn er sich von ihnen wegbewegt. Das macht die meisten Pferde neugierig, und sie wollen den Sack erkunden“, erklärt Bea Borelle. Spielen Sie ruhig mit der Neugierde Ihres Pferds und lassen es eine Weile hinterherlaufen, bis Sie wieder stoppen und das Pferd den Sack erkunden lassen. Verfolgt es den Sack nicht freiwillig, sondern bleibt wie angewurzelt stehen, lassen Sie es ruhig auf dieser Warteposition. Fordern Sie aber mit sanftem Zupfen an der Longe und am Rappelsack die Aufmerksamkeit des Pferds. Es darf nicht zum nächsten Grashalm laufen und auch keine Koppelgenossen beobachten, sondern soll sich auf Sie und den Sack konzentrieren.

Hat das Pferd auch keine Angst mehr vor einem Sack, der sich am Boden bewegt, können Sie es neben sich führen und den Sack zwischen sich und dem Pferd ziehen – erst auf Kopfhöhe des Pferds, dann auf Schulterhöhe. Anschließend lassen Sie das Seil länger, so daß der Sack hinterm Pferd rappelt. „Spielen Sie immer wieder mit der Geräuschkulisse, rappeln Sie mal lauter, mal leiser. Reagiert Ihr Pferd ängstlich, können Sie auch mal ganz aufhören, um dann das Geräusch wieder anschwellen zu lassen“, empfiehlt Bess Klingmüller.

Nach diesem Stufentraining üben Sie die komplette GHP-Aufgabe. Engagieren Sie einen Helfer, der den Sack über vorher ausgelegte Backsteine ziehen soll. Diese Hindernisse verstärken das Rappeln. Der Helfer sollte den Sack so ziehen, daß er hinter Ihrem Pferd rappelt. Ist für Ihr Pferd der Klappersack so wenig bedrohlich wie das Geklapper des Futterwagens, können Sie aufsitzen. Dann dürfte es kein Problem mehr sein, an einem Helfer, der den Sack zieht, vorbeizureiten – selbst wenn der Helfer heftiger rappelt. Erschrickt das Pferd dennoch, hilft wie immer ein Übungsschritt zurück.

Bauen Sie den Rappelsack ruhig in den Alltag ein. „Ich habe beispielsweise schon den Sack an meinen Fuß gebunden und so das Pferd longiert“, verrät Bea Borelle. „Ganz normal, im Schritt, Trab und Galopp, mal ganze Bahn und so weiter. Bei jedem meiner Schritte klap perte es mal lauter, mal leiser. Das Pferd gewöhnt sich nicht nur an den Sack, sondern auch daran, daß es sich konzentrieren soll – egal was in der Umgebung passiert.“

Das erfordert Routine und Körperbeherrschung beim Longenführer, damit der nicht über seine eigenen Beine stolpert. Wer dabei weniger versiert ist, nimmt den Rappelsack mit zum Putzen, zum Spaziergang oder läßt einen Helfer klappern, während man Dressurlektionen reitet. „Eins dürfen Sie aber nie: den Sack am Pferd festbinden“, schärft Bea Borelle ein. „Egal wie gelassen es ist, wenn der Sack nicht sofort an Schrecken verliert, sobald das Pferd sich ängstigt, haben Sie es anschließend um so schwerer.“

14.01.2009
Autor: Redaktion CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 11/2006