Pferdekauf: Was Reiter dabei beachten müssen

Experten-Interview: Höhere Mehrwertsteuer für Pferde?

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Der Europäische Gerichtshof hebt die Mehrwertsteuer für Pferde an. Im Interview mit CAVALLO erklärt Steuerberater Rainer Merzbach welche Auswirkungen diese Entscheidung mit sich bringt.
Foto: privat CAVALLO Pferdesteuer

Rainer Merzbach.

Zur Person:
Rainer Merzbach arbeitet als Steuerberater bei der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft DHPG Dr. Harzem & Partner KG in Bornheim.

CAVALLO: Werden jetzt alle Pferde teurer oder nur hochpreisige Zuchtpferde?

Rainer Merzbach: Da die Änderung sämtliche Arten von Pferden betrifft, die außerhalb einer land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung stehen bzw. nicht als Nahrungs- oder Futtermittel verwendet werden, werden zukünftig alle Pferde teurer.

Dies betrifft in erster Linie private Pferdeliebhaber. Denn diese erwerben durch privates Interesse Pferde und können sich nicht, wie üblicherweise Unternehmer, die gezahlte Mehrwertsteuer vom Finanzamt erstatten lassen. Hierfür fehlt es an der unternehmerischen Betätigung. Dies wird zur Auswirkung haben, dass ein Pferd, welches bislang zum Endpreis von 10.000,00 Euro angeboten wurde, zukünftig einen Preis von 11.121,50 Euro haben wird. Wird also der Verkäufer eines Pferdes die Mehrwertsteuererhöhung ungekürzt an den Erwerber weitergeben, entspricht dies einer Preiserhöhung von rund 11,2 Prozent.

CAVALLO: Wen betrifft die Angleichung überhaupt?

Rainer Merzbach: Mit Urteil vom 12.05.2011 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass die Lieferung von lebenden Pferden nicht mit dem ermäßigten Steuersatz erfolgen darf. Demnach verstößt die aktuelle Rechtslage der Bundesrepublik Deutschland, die bislang den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent zulässt, gegen die Zielvorgaben eines gemeinsamen europäischen Mehrwertsteuersystems.

Damit ist nunmehr die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert, die bisherige Rechtsanwendung an die europäischen Vorgaben anzupassen. Dies wird zur Folge haben, dass zukünftig lebende Pferde mit dem Regelsteuersatz von 19 Prozent besteuert werden. Jedoch ist die Aussage dahingehend einzuschränken, dass lediglich die Pferde mit dem höheren Steuersatz zu bewerten sind, die nicht der Kette der Nahrungs- und Futtermittel zugeführt werden. Ebenso ist davon auszugehen, dass auch der ermäßigte Steuersatz bei den Pferden bleibt, die zum Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft bestimmt sind.

Demzufolge werden insbesondere Erwerbe und Verkäufe von Pferden, die in erster Linie als Dressur-, Reit-, Zirkus- oder Rennpferde verwendet werden, zukünftig im geschäftlichen Verkehr mit 19 Prozent Mehrwertsteuer zu belegen sein.

Foto: Wolschendorf CAVALLO Pferdesteuer

Beim Pferdehändler steigt der Steuersatz.

CAVALLO: Ist jeder Verkäufer mehrwertsteuerpflichtig?

Rainer Merzbach: Hierbei ist zu unterscheiden, in welcher Eigenschaft der Verkäufer handelt. Erwerben Sie von einem gewerblichen Unternehmer, der die Veräußerung aus seinen Unternehmen heraus tätig, sind zwingend 19 Prozent Mehrwertsteuer zu vergüten. Ist der Verkäufer jedoch eine Privatperson, darf er keine Mehrwertsteuer ausweisen. Dementsprechend erwerben Sie „Brutto für Netto“, eine unmittelbare Mehrwertsteuer ist also nicht zu bezahlen.

CAVALLO: Bin ich als Privatverkäufer auch mehrwertsteuerpflichtig oder gibt es eine bestimmte Grenze?

Rainer Merzbach: Grundsätzlich ist ein Privatverkäufer nicht mehrwertsteuerpflichtig. Dies bedeutet konkret, dass er keine Mehrwertsteuer bei Pferdeverkäufen ausweisen darf. Selbst ein Antrag auf freiwilligen Ausweis und Abführung von Mehrwertsteuern ist, da es sich um Privatpersonen handelt, nicht zulässig. Auf der anderen Seite darf er dann auch nicht, anders als bei Gewerbetreibenden, die gezahlte Vorsteuer bei Kauf eines Pferdes vom Finanzamt zurückfordern.

Wird die Tätigkeit des Privatverkäufers nachhaltig durchgeführt, könnte sich hieraus sehr schnell eine unternehmerische Betätigung entwickeln. Gewinnerzielungsabsicht ist hierbei übrigens kein entscheidendes Merkmal. In Folge dessen würde die ursprüngliche Privatperson umgewidmet in einen Unternehmer, der dann üblicherweise zum Ausweis und zur Abführung von Mehrwertsteuern verpflichtet ist. Hierbei gilt jedoch die so genannte Kleinunternehmergrenze von Umsatzerlösen bis 17.500 Euro im Vorjahr sowie von nicht mehr als 50.000 Euro im Kalenderjahr. Zur zutreffenden Abgrenzung sollten sich betroffene Pferdeliebhaber mit ihrem Steuerberater in Verbindung setzen, damit von Beginn an eine rechtssichere Anwendung gewährleistet ist. Im schlimmsten Fall könnte die Finanzverwaltung Steuernachforderungen erheben.

CAVALLO: Worauf muss ich als Käufer jetzt achten?

Rainer Merzbach: Das besprochene Urteil sagt eindeutig, dass das aktuell geltende nationale Recht unzutreffend ist. Damit ist die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert, die bisherige rechtliche Auslegung anzupassen. Wie und wann die Finanzverwaltung in dieser Sache reagiert ist noch nicht spruchreif.

Insofern sollten sich diejenigen, die sich zurzeit mit der Anschaffung eines Pferdes beschäftigen und nicht die Mehrwertsteuer vom Finanzamt vergütet bekommen, schnell entscheiden. Denn die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Pferde wird auch in Deutschland kommen. Und damit werden sich die Preise erhöhen.

CAVALLO: Kann ich die Mehrwertsteuer irgendwo geltend machen?

Rainer Merzbach: Wie bereits gesagt, gilt das System des Mehrwertsteuerausweises sowie der Vergütung von gezahlter Mehrwertsteuer für Privatpersonen nicht. Hierfür müsste der Pferdeverkäufer zum Unternehmer werden, was insbesondere eine nachhaltige Tätigkeit in diesem Bereich verlangt.

Sollten dann auch noch die Grenzen der Kleinunternehmerschaft, auf die gegebenenfalls durch gesonderten Antrag verzichtet werden können, überschritten sein, besteht die Möglichkeit der Vergütung von gezahlter Mehrwertsteuer.

Dies erfolgt durch Erstellung von Umsatzsteuervoranmeldungen, die in der Regel monatlich bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen sind. Nach Verrechnung mit der zu zahlenden Umsatzsteuer wird die Finanzverwaltung die zuviel gezahlte Mehrwertsteuer vergüten. Hierdurch entsteht jedoch ein nicht unwesentlicher Verwaltungsaufwand, der insbesondere dann genauestens zu prüfen ist, wenn es an einer ernstlich gewollten Unternehmereigenschaft fehlen sollte.

Hintergrund:

Steuerberater Rainer Merzbach/DHPG Bornheim:

Tätigkeitsschwerpunkte:
Steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie mittelständischer Unternehmen gewerblicher Art.

Ansprechpartner bei strategischen Entscheidungen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft. Begleitung bei Fragen der Unternehmensnachfolge sowie der Unternehmensveräußerung. Mitwirkung bei Finanzierungs- und Investitionsberatung sowie Erstellung von Liquiditäts- und Steuerplanungen.

11.06.2011
Autor: Redaktion CAVALLO
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