Die Angst der Pferde vor dem Reiter

Pferde blind und hilflos machen

„Den meisten Pferden wird permanent Angst und Druck gemacht. Sie dürfen sich kaum bewegen, haben Schmerzen, können bei tiefgezogenem Kopf nichts sehen und mit eingezwängten Ganaschen schlecht atmen“, bilanziert die Psychotherapeutin, Reitlehrerin und Richterin aus dem niederländischen Soerendonck, die CAVALLO zum Maimarkt-Turnier begleitete.
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Die dort entstandenen Fotos beurteilte sie zusammen mit drei weiteren Experten, darunter Olympiasiegerin Stückelberger, die über die Bilder regelrecht „erschrokken“ ist: „Was müssen diese Pferde leiden!“

Christine Stückelberger und Ulrike Thiel bemängeln auch, dass zum Psycho-Stress Sitzfehler kommen, welche Balance und Harmonie stören. „Ein großer Teil der Reiter sitzt entweder mit steifem Kreuz oder schlapp und schief im Sattel – und verlangt, dass sich das Pferd nachher in der Prüfung balanciert bewegt“, sagt Thiel, die sich intensiv mit reiterlicher Anatomie und Psychomotorik beschäftigt. „Es entsetzt mich, dass bei diesem gedankenlosen Einwirken bis zum Inkaufnehmen und gezielten Zufügen von Schmerz keiner auch nur die Augenbraue hochzieht.“

Diese Ignoranz ist ebenfalls altbekannt. Schon Horst Stern monierte massakrierte Springpferdemäuler und Frackreiter, die muskelentspannende Mittel unter den Sattel spritzen, um nicht „in der Manier eines Mörserstößels“ auf den Pferderücken hämmern zu müssen. Das war auch damals Doping. Und die Richter waren genauso schwer zu überzeugen, dass sie vom Ehrgeiz getriebenen Athleten auf die Fäuste klopfen müssen.

Foto: Rädlein Angst bei Sportpferden

Dr. Ulrike Thiel in Mannheim 2007.

Beobachtungen auf dem Mannheimer Maimarkt Turnier 2007

Die Kamera läuft: Dr. Ulrike Thiel, Dressurrichterin und Reitlehrerin, filmte auf dem Abreiteplatz des Mannheimer Maimarkt Turniers 2007 mit ihrer Videokamera.

Forum: Doping im Spitzenreitsport - Wie geht es weiter mit den deutschen Reitern?

28.06.2009
Autor: Christine Felsinger
© CAVALLO
Ausgabe 07/2007