Kotwasser – Tipps & Service für Pferdebesitzer

Fütterung ist entscheidend

Dass immer mehr Pferde ­unter Kotwasser leiden, merkt auch Andrea Everding. Sie ist Beraterin bei der Futterfirma Eggersmann aus Rinteln in Niedersachsen.
Foto: Wolschendorf

Beim Futtern soll‘s entspannt zugehen. Stress kann bei rangniedrigen Pferden Kotwasser auslösen.

„Vor allem in den letzten zwei Jahren häufen sich bei uns die Anfragen zu Problemen mit Kotwasser. Besonders stark im Winter“, sagt sie. ­Eggersmann entwickelte ein Futter, das mit Lignocellulose das Wasser stoppen soll. „Lignocellulose bindet Wasser, weil es eine ­Netzstruktur bildet. So wird der Nahrungsbrei aufgelockert, und die Mikroflora verdaut die ­Nährstoffe besser. Das reduziert Kotwasser“, erklärt Everding die Wirkung des Futters.

Dr. Dorothe Meyer hält dagegen, dass es lediglich die Symptome beseitige, nicht jedoch die Ursache: „Einfach nur Löschpapier zu nehmen, halte ich nicht für sinnvoll.“ Auch Professor Kienzle rät zur Vorsicht, vor ­allem bei quellfähigen Futtermitteln wie Flohsamen, Kleie und Trockenschnitzeln. „Bei unsachgemäßer Anwendung und Fütterung können diese zu Koliken führen. Füttern Sie solche Sachen mit Gefühl“, warnt Ellen Kienzle. Kritisch steht die Wissenschaftlerin der Gabe von Laktobazillen gegenüber. „Wer sagt mir, dass dies die richtigen Bakterien für den Pferdedarm sind? Ein Pferd hat natürlicherweise keine Laktoflora.“ Kienzle empfiehlt lieber Bierhefe oder Yea Sacc als Probiotika. Ingrid Vervuert stimmt ihr zu: „Bierhefe liefert Zellwand­bestandteile und hat einen erhöhten Vitamin-B-Gehalt. Das fördert die positiven Bakterien. Deren Produkte unterdrücken die schlechten Bakterien.“

Vieles von dem hat Svenja Glaser ohne Erfolg ausprobiert. Von einer Züchterin hörte sie, Freiberger würden stark stickstoffgedüngtes Heu nicht vertragen und öfters mit Kotwasser reagieren. Seither bekommt Lovis weniger Heu, dafür mehr Stroh und im Winter protein­arme Heucobs – das Kotwasser ist seither so gut wie versickert. Ellen Kienzle rät, das Heu nicht zu reduzieren: „Ist die Ursache für Kotwasser ein Magen­geschwür oder eine Blinddarm-Verstopfung, riskiere ich Koliken. Natürlich wird der Kot dadurch trockener, aber unter Umständen fängt man sich ­andere Probleme ein.“

Auch mit bereits stark verholztem Heu haben Pferde ein Problem: „Dann kann Kotwasser auftreten, weil die Dickdarmsymbionten zu viel von der Rohfaser Lignin nicht abbauen können“, sagt Dorothe Meyer.

Ingrid Vervuert beobachtete Kotwasser bei Pferden mit Silage-Fütterung und vermutet, dass Stickstoffverbindungen in der Silage Flüssigkeit mit sich ziehen und so für Kotwasser sorgen. Ihre Empfehlung: Wechsel von Silage auf Heu, gerne in Verbindung mit Bierhefe und Rübenschnitzeln. „Mit Hilfe von Lignocellulose bessert sich Kotwasser kurzfristig. Langfristige Ergebnisse gibt es nicht“, sagt sie. Von einem ständigen Futterwechsel rät sie ab. „Die Mikroflora braucht mindestens mehrere Wochen, um sich anzupassen.“ Ihr Favorit gegen Kotwasser sind Sojabohnenschalen. Sie könnten von der eher positiven Mikroflora sehr leicht als Nährsubstrat verwendet werden. „Leider sind sie sehr schwer zu bekommen“, bedauert Ingrid Vervuert.

08.09.2009
Autor: Kristina Glaser
© CAVALLO