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Entscheidung im EU-Parlament Keine strengeren Regeln für Antbiotika-Einsatz bei Tieren

Dr. Andreas Palzer vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) schlug Alarm: Bestimmte antimikrobielle Mittel sollten für Pferde und alle anderen Tiere verboten werden. Das EU-Parlament stimmte nun gegen den Antrag auf strengere Regeln.

Update: Das EU-Parlament hat am 16. September bekanntgegeben, dass es für den Verordnungs-Entwurf der Kommission zum Antibiotikaeinsatz bei Tieren gestimmt hat. Der Antrag auf strengere Regeln zum Antibiotika-Einsatz bei Tieren, der fünf Antibiotikagruppen vor allem Menschen vorbehalten sollte, ist damit gescheitert. Ziel des Antrags war es, Antibiotikaresistenzen vorzubeugen. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte hatte sich gegen ein Verbot von Reserveantibiotika für Tiere eingesetzt.

CAVALLO: Im September wird das EU-Parlament darüber entscheiden, ob Tiere weiterhin mit Notfall-Antibiotika behandelt werden können. Was hieße das konkret für Pferde?

DR. ANDREAS PALZER: Es gibt derzeit grundsätzlich ohnehin nur noch 14 für Pferde zugelassene Antibiotika. Wenn ein Resistenztest ergibt, dass nur noch bestimmte Präparate wirksam sind, werden Reserveantibiotika bei schweren Atemwegserkrankungen, Wundinfektionen mit Staphylokokken oder bei Nabelentzündungen bei Fohlen eingesetzt. Diese Medikamente würden dann unter das Anwendungsverbot für Tiere fallen, auch für Pferde.

Das heißt, Sie könnten Pferde nicht mehr behandeln, obwohl es Medikamente gibt?

Ja, darauf würde es hinauslaufen. Wenn das Verbot kommen sollte, können Tierärzte den Haltern von schwer erkrankten Tieren nur noch raten zu beten oder das Pferd einschläfern zu lassen, selbst wenn man die Erkrankung therapieren könnte. Kommt dieses Anwendungsverbot, dürfen Tierärzte auch keine Wirkstoffe mehr umwidmen. Derzeit ist es ja noch möglich und häufig nötig, dass wir für Pferde mit Equidenpass Antibiotika verwenden, die für Schweine oder Rinder zugelassen sind.

Was ist der Hintergrund für die geforderte Neuregelung?

Die Neuvorlage ist im Rahmen der Diskussion über die neue EU-Verordnung entstanden. Hier werden antimikrobielle Mittel festgelegt, die für die Behandlung im Human- bereich reserviert werden sollen. Die Neuvorlage wurde von den Grünen eingebracht. Sie befürchten, dass in der industriellen Tiermast zu viele Antibiotika missbräuchlich eingesetzt werden. Das entspricht allerdings nicht dem aktuellen Wissensstand. Ein solches willkürliches Verbot würde bedeuten, dass alle Tiere, auch Haustiere, nicht mehr mit der noch einzigen therapeutischen Möglichkeit behandelt werden können.

Was können Tierhalter tun?

Man kann den Abgeordneten nur klar machen, dass die Tierhalter damit nicht einverstanden sind. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte ja einen ausgeglichenen Vorschlag erarbeitet. Dieser sah bereits vor, dass einige Wirkstoffe reserviert werden können. Verbote müssen auf wissenschaftlicher Basis erfolgen und auch den Tierschutz berücksichtigen.

Hinweis: Als Pferdehalter können Sie sich an einer Unterschriften-Kampagne des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) beteiligen.

Außerdem gibt es hier ein Online-Petition gegen das geplante Verbot.

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