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100 Krankheiten - Das große CAVALLO Symptom-Lexikon

CAVALLO Symptom-Lexikon

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Das „CAVALLO Medizin-Kompendium – Die 100 wichtigsten Pferde-Krankheiten“ ist der umfangsreichste Gesundheitsratgeber für Pferde. Die Krankheiten werden von Tierärzten und Therapeuten ausführlich erklärt. Dabei erfahren Pferdebesitzer alles Wissenswerte über Symptome, Ursachen, Diagnose und Vorbeugung bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten im Krankheitsfall. Hier können Sie das vollständige Medizin-Kompendium als E-Paper oder als gedrucktes Sonderheft bestellen.
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Anämie

CAV Symptom-Lexikon - Anämie
Gerhards
Fohlen, die mit Icterus neonatorum zur Welt kommen, magern stark ab oder sterben früh.

Anämie (Blutarmut) schwächt das Pferd, lässt es lust- und teilnahmslos werden. Es bringt nicht mehr die gewohnte Leistung und ermüdet bereits nach kurzer Belastung. Manche anämischen Pferde bewegen sich unsicher. Trockene oder blasse, auch gelblich verfärbte Schleimhäute sind ein weiteres wichtiges Symptom. Bei manchen Tieren ist der Puls so schwach, dass man ihn kaum fühlen kann, aber schneller als bei einem gesunden Pferd (28 bis 40 Schläge pro Minute). „Häufig liegt auch die Atemfrequenz über dem Normalwert von 10 bis 20 Atemzügen pro Minute“, sagt Tierarzt Dr. Volker Sill von der Pferdeklinik Bargteheide in Schleswig-Holstein. Viele von ihnen sind unruhig, leiden unter Muskelzittern und Schweißausbrüchen, wobei die Körpertemperatur sinken kann. Bei manchen Patienten verfärbt sich der Urin oder Kot dunkel, bei anderen kommt es zu Blutungen der Haut, Schleimhaut und sonstiger Organe.

Andrologische Probleme

CAV Symptom-Lexikon - Andrologische Probleme
Gerhards
Vollwertiger Hengst mit beiden Hoden.

Kryptorchiden (Klopphengste) benehmen sich wie Hengste und decken Stuten, obwohl ihre Hoden verkümmert und verborgen sind. Bei einseitigen Kryptorchiden ist nur einer der Hoden voll entwickelt; der andere ist viel kleiner. Bei beidseitigen Kryptorchiden sind beide Hoden unterentwickelt; die Hodensäcke sind klein, aber mit der Hand zu fühlen. Ein praller Hodensack beweist allerdings nicht, dass er tatsächlich beide Hoden enthält: Die eiförmigen Hoden sind für ungeübte Finger von Nebenhoden, Fettgewebe oder verlagerten Darmschlingen kaum zu unterscheiden. Bei einem Darmvorfall rutscht der Dünndarm in den Hodensack (Hernia scrotalis) oder den Leistenkanal (Hernia inguinalis); manchmal schon vor der Geburt. Bei einer Skrotalhernie ist der Hodensack durch den darin liegenden Dünndarmabschnitt stark vergrößert. Wenn dann noch der Leistenring den vorgefallenen Darm im Hodensack oder Leistenkanal abschnürt, treten heftige Koliksymptome auf. Die Pferde haben Schmerzen, reagieren empfindlich auf Berührungen an Bauch und Genitalien und wollen sich nicht bewegen. Sie stellen die Beine nach vorne und hinten heraus, drehen sich zum Bauch um, manche wälzen sich.

Wenn ein Hengst kastriert wird, kann der Darm durch die Kastrationswunde nach außen rutschen. Oft hängt daneben ein Stück dünne Haut aus der Bauchhöhle. Dieses Netz (Omentum) ist wie der Darm grauweiß und klebrig. Tumore an Penis, Hodensack, Hoden oder Vorhaut (Präputium) sind eine weitere Pferdemänner-Plage. „Es schmiert, eitert und stinkt“, beschreibt Dr. Peter Pongs, Tierarzt aus dem baden-württembergischen Unterschneidheim-Zöbingen, die ersten Anzeichen für Tumore (Neoplasien). Sie können gut- oder bösartig sein und handballgroß werden.

Glatte Papillome und belagähnliche bis blumenkohlwuchernde Plattenepithelkarzinome sind Tumore des Penis und der Vorhaut. Aus der Vorhautöffnung fließen Blut und eine weißlich, schmierige Flüssigkeit. Größere Tumore sieht man beim Ausschachten als Geschwulste oder Schwellung der Vorhaut (manchmal bis zur Leistengegend). Das Pferd hat Probleme beim Harnen.

Bei Hoden-Tumoren schwillt der Hodensack. Das Gewicht des Tumors zieht ihn nach unten. Sarkome der Vorhaut und des Hodensacks setzen sich im Unterhautgewebe fort, wobei das Geschwür das Gewebe zerfrisst. Karzinome können melonengroß werden und nach außen oder zum Penis hin aufbrechen.

Melanome oder Sarkoide sind zunächst nicht schmerzhaft. Wenn sie sich aber durch Dreck oder Reibung entzünden, können sie wuchern und schmerzen. Manchmal bemerkt man einen Tumor erst, wenn das Pferd den Penis nicht mehr einziehen kann.

Ataxie

CAV Symptom-Lexikon - Ataxie
Gerhards
Bruchstelle: Der Pfeil zeigt auf einen gebrochenen Halswirbelfortsatz, der die Nerven schädigt.

Ataxie ist keine Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für gestörte oder fehlende Koordination der Bewegungsabläufe. Viele Pferde haben bereits beim Stehen Probleme. Je länger sie an Ataxie leiden, desto wackliger werden sie. Manche brechen plötzlich in der Hinterhand ein und stürzen aus dem Stand, häufig ausgelöst durch unerwartete laute Geräusche oder andere Außenreize. Die Sturzgefahr steigt, wenn sich die Pferde bewegen. Vor allem abruptes Abstoppen, sogar aus dem Schritt, bereitet ihnen enorme Schwierigkeiten. „Das ist besonders gut zu erkennen, wenn das Pferd geführt wird und man plötzlich wendet. Dabei knicken die Pferde bei einer Linkswendung im rechten Sprunggelenk federnd zusammen, die Hinterhand bricht nach außen weg“, erklärt Pferdefachtierarzt Dr. Michael Nowak von der Tierklinik Karthaus in Dülmen/Nordrhein-Westfalen.

Auch Rückwärtstreten fällt ihnen oft sehr schwer und kann dazu führen, dass sie sich nach hinten überschlagen. Pferde, die an der sogenannten spinalen Ataxie erkrankt sind, reagieren außerdem extrem empfindlich auf Berührungen am Hals.

Neben Bewegungsstörungen zählen fehlende oder eingeschränkte Hautreflexe zu den typischen Symptomen. Betroffen sind vor allem seitliche Halswand, Kniefalte und Kniegelenk-Streckmuskel. Streicht man mit einem Kugelschreiber oder einem anderen spitzen Gegenstand an diesen Körperstellen entlang, zuckt ein gesundes Pferd. Ein Ataxie-Patient reagiert überhaupt nicht oder nur verzögert. Der Versuch, die Halswirbelsäule zu bewegen, scheitert meist. Muss das Pferd den Hals trotzdem zur Seite biegen, etwa weil jemand ruckartig am Halfter zieht, kann es ebenfalls stürzen.

Die meisten Ataxien verlaufen allerdings weniger dramatisch und machen sich nur durch den eigenartigen Gang bemerkbar. Das Pferd hebt die Beine ruckartig vom Boden und stößt sie anschließend nach vorne. Je nachdem, wie schwer das Pferd erkrankt ist, bewegt es sich leicht schwankend bis torkelnd. In der Regel wankt seine Hinterhand mehr als die Vorhand, manchmal sind sogar ausschließlich die Hinterbeine betroffen. Sie werden übertrieben angewinkelt und anschließend kreisförmig nach vorne geführt, häufig überkreuzen sie sich.

Die Vorderbeine schreiten weit aus, Mittelfuß- und Zehengelenke strecken sich übermäßig nach vorne. Dieser sogenannte „Zinnsoldaten-Gang“ verstärkt sich beim Bergauf- und Bergablaufen. Auch das Tempo der Bewegungen verändert sich: Zum Teil gehen die Pferde wie in Zeitlupe, zum Teil völlig überhastet. Weil es ihnen nicht gelingt, die Bewegungsabläufe der Beine zu koordinieren, stolpern sie häufig und stoßen leicht gegen Hindernisse.

Einige Pferde sind nicht mehr in der Lage, einer geraden Strecke zu folgen und ein anvisiertes Ziel zu erreichen. Kranke Fohlen verfehlen das Euter der Mutterstute, erwachsene Pferde Wassereimer oder Futtertrog.Andere an Ataxie erkrankte Pferde fallen außerdem durch Kopfzittern auf. Manche können ihren Kopf gar nicht mehr ruhighalten, bei anderen wird das Zittern durch Außenreize ausgelöst.

Atypische Weidemyoglobinurie

CAV Symptom-Lexikon - Atypische Weidemyoglobinurie
Dr. Gehlen/TiHo Hannover
Das kranke Pferd verkrampft vor Schmerzen und rudert im Liegen mit den Beinen.

Typisch ist plötzliche Muskelschwäche. Die Pferde laufen sehr steif; oft können sie nicht mehr stehen und liegen deshalb auf der Seite. Ihr Urin ist rot- oder kaffeebraun, ebenso wie beim klassischen Kreuzverschlag (Schwarze Harnwinde, Myoglobinurie). Der Harn wird durch den roten Muskelfarbstoff Myoglobin verfärbt. Dieses Protein aus den Herz- und Skelettmuskelzellen transportiert den Sauerstoff innerhalb der Zellen. Die Krankheit lässt Querverbindungen in den Muskelfasern zerfallen. Dadurch wird Myoglobin frei und über die Nieren ausgeschwemmt.

Atmen fällt oft schwer, weil Zwerchfell- und Rippenmuskulatur schmerzen. Die Atemfrequenz liegt deutlich über den normalen 8 bis 16 Zügen pro Minute. Der Herzschlag ist zum Teil stark beschleunigt, der Puls kann auf 100 Schläge pro Minute hochrasen (Tachykardie). Die Körpertemperatur kann erhöht sein oder auch bei normalen 37,3 bis 38 Grad liegen.

„Die Pferde versuchen zu fressen, haben aber teils Probleme beim Schlucken, weil Zungen- und Kaumuskulatur versagen, laut Professor Heidrun Gehlen von der Pferdeklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, die bereits Untersuchungen zur Ursache der atypischen Weidemyoglobinurie des Pferds durchführte. Weil sich die Pferde vor Schmerzen verkrampfen und im Liegen mit den Beinen rudern, denken Besitzer manchmal zunächst an eine Kolik.

Klarheit schaffen Blutuntersuchungen: Sie zeigen vor allem einen enormen Anstieg des Muskelenzyms Creatinkinase (CK). Das entsteht, wenn Muskelzellen zerfallen. Blut- und Urinproben zeigen, dass das Myoglobin die Nieren geschädigt hat. “Bei toten Tieren haben wir auch im Augenkammerwasser massiv erhöhte Harnstoffwerte festgestellt„, sagt Professor Gehlen. Außerdem sieht der Pathologe weißliche, geschwollene Muskelfasern, zum Teil zerstörtes Nierengewebe und degenerierte Herzmuskeln; manchmal auch Lungenödeme mit Schaum in den Bronchien.

Oft haben die Pferde massive Magengeschwüre, “die sich bei starken Schmerzen und Stress sehr schnell entwickeln„, erklärt Professor Gehlen.

Belastungsbedingtes Lungenblute

CAV Symptom-Lexikon - Belastungsbedingtes Lungenbluten
CAVALLO
Die Lunge ist ein gewaltiges Organ, das fast die halbe Pferdelänge einnimmt. Erschütterungen und hoher Blutdruck können die kleinen Kapillaren nahe des Rückens platzen lassen.

In leichteren Fällen hustet das Pferd nach starker Anstrengung, schluckt, obwohl es weder gefressen noch gesoffen hat, oder benötigt längere Beruhigungszeiten. “Auch in Ruhe ist die Atemfrequenz leicht erhöht, etwa 14 statt 8 Atemzüge oder 18 statt 14„, sagt Lungenspezialistin Dr. Heike Kühn, Tierärztin an der Pferdeklinik München-Riem/Bayern.

In schweren Fällen wird das Pferd im Rennen plötzlich langsamer oder bleibt stehen. “Dann blutet es auch aus der Nase„, sagt Dr. Heike Kühn. Insgesamt ist Nasenbluten (Epistaxis) aber sehr selten. Manchmal äußert sich die Krankheit nur in einer scheinbar unerklärlichen Leistungsschwäche. Auch Fälle ohne sichtbare Symptome sind möglich.

Bindehautentzündung

CAV Symptom-Lexikon - Bindehautentzündung
Gerhards
Knallrot, glasig und dick: Die Bindehaut ist stark entzündet.

Bindehaut (Konjunktiva) wird die Schleimhaut genannt, welche die Innenseiten der Augenlider auskleidet und einen Teil des Augapfels überzieht. Ist sie entzündet (Konjunktivitis), schwillt auf einer oder beiden Kopfseiten das Lid. Weil die Bindehaut stärker durchblutet wird als normal, ist sie nicht blassrosa, glatt und glänzend wie bei gesunden Pferden, sondern rot. Sie sieht glasig aus und kann vorquellen. Auge und Umgebung werden wärmer, schmerzen und sind sehr lichtempfindlich, weshalb die Pferde das Auge oft zusammenkneifen. Manche Tiere scheuern sich, weil das Auge juckt. Entzündete Augen tränen stark, wobei die Flüssigkeit wässrig-klar bis schleimig ist. Gelbe Flöckchen darin signalisieren Eiter. Im Extremfall sind sogar die Lidränder mit Eiter verklebt. Solche Pferde haben manchmal Fieber (normal: 37,3 bis 38, 5 Grad Celsius) und fressen nicht mehr richtig.

Blockade des Kreuzdarmbeingelenks

CAV Symptom-Lexikon - Blockade des Kreuzdarmbeingelenks
Wolschendorf
Kreuzbein (blau) und Darmbein (gelb) sind mit Bändern (rot) verspannt. Starke Verschiebung der Knochen lässt Bandfasern reißen; das Gelenk stakst höher heraus.

Das Pferd hat Schmerzen beim Aufstehen und Hinlegen, wälzt sich wenig oder nicht mehr und bewegt sich lustlos. Häufig verstärken sich die Symptome beim Reiten: “Meist merkt man, dass im Bewegungsablauf etwas nicht stimmt, etwa wenn das Pferd auf einem Hinterbein weniger Last aufnimmt als auf dem anderen„, sagt Pferdephysiotherapeutin Christel Auer aus dem baden-württembergischen Singen.

Der Gang ist steif, kurz und schwunglos. “Häufig wehren sie sich bei Seitengängen„, beobachtet Dr. Anton Fürst von der Pferdeklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.

Weil sie die Gelenke der Hinterbeine nicht genügend beugen, schleifen manche Pferde mit den Zehen über den Boden. Andere lahmen mal auf dem einen, mal auf dem anderen Hinterbein.

Die Kruppenmuskulatur kann ungleich ausgeprägt sein, oder die Hüfthöcker (Tuber sacrale) ragen unterschiedlich hervor (engl. hunter’s bump). “Der ungleich hohe Stand der Tuber sacrale ist aber kein Kriterium für eine Blockade oder Schädigung des Kreuzdarmbeingelenks, wenn sich der Sichtbefund nicht plötzlich verändert hat„, betont Pferdeosteopath Kalle Rehm aus Heudorf/Baden-Württemberg: “Es gibt nicht wenige Pferde, die diesen Unterschied haben, aber bezüglich Beweglichkeit und Stabilität beider ISG völlig normal sind.„

Borreliose

CAV Symptom-Lexikon - Borreliose
Prof. Gerhards, Chirurgische Tierklinik der Uni München
Satt gefressen: Eine mit Blut vollgesogene Zecke erreicht die drei- bis vierfache Größe.

Welche Symptome eine Borreliose bei Pferden genau hervorruft, ist wissenschaftlich noch kaum erforscht. Trotzdem bringen Pferdehalter und Tierärzte zahlreiche, sehr unterschiedliche Beschwerden mit der Infektion durch Borrelien in Zusammenhang. Dazu zählen Hufrehe, Augenentzündungen oder Rückenschmerzen.

Typisch für Borreliose ist die so genannte intermittierende Lahmheit, die immer wieder von Phasen unterbrochen wird, in denen das Pferd klar geht. Jeder neue Lahmheitsschub kann an anderer Stelle auftreten; die Lahmheit wandert häufig von einem Bein zum anderen oder von Gelenk zu Gelenk.

Parallel zu dieser wandernden Lahmheit sind häufig die Gelenke arthritisch entzündet und geschwollen. Manchmal lassen Ödeme (Wasseransammlungen unter der Haut) die Beine auch komplett anschwellen. In leichteren Fällen und im Anfangsstadium einer Borreliose geht das Pferd nicht immer lahm, aber in der Regel steif und widerstrebend.

Borreliose-Patienten haben außerdem häufig große Hautprobleme. Ihre Besitzer berichten von starken Problemen beim Fellwechsel; einige Pferde zucken sogar bei der leichtesten Berührung zusammen, weil die Schmerzempfindlichkeit der Haut zunimmt.

Veterinäre vermuten, dass eine fortgeschrittene Borreliose das zentrale Nervensystem (ZNS), also Gehirn und Rückenmark, angreift. Manche Tiere halten dann den Kopf merkwürdig schief. Außerdem zählen Gehirnentzündungen, schmerzhafte Schling- und Schluckbeschwerden, Schweiflähmungen sowie Ataxien zu den möglichen Folgen einer ZNS-Erkrankung. Bei einer Ataxie kann das Pferd seine Bewegungen nur noch mit Mühe koordinieren und schwankt deshalb beim Gehen. Auch Muskelschäden wurden vereinzelt mit Borreliose in Verbindung gebracht.

Der Leistungsabfall, der für diese Krankheit typisch ist, rührt allerdings seltener von schlaffen Muskeln als vielmehr vom schwachen Fieber, das eine Borreliose oft begleitet. Schläfrigkeit, Depressionen und andere Verhaltensänderungen zählen ebenfalls zu den allgemeinen Symptomen, die möglicherweise eine Borrelien-Infektion signalisieren.

Im fortgeschrittenen oder chronischen Stadium verderben die Borrelien vielen Pferden den Appetit. Andere fressen zwar wie gewohnt, magern aber trotzdem ab.

Weil die Symptome so vielfältig sind, ist die Borreliose schwer zu diagnostizieren. Hinter Ödemen, Lahmheiten oder Hautveränderungen können sich zahlreiche andere Krankheiten verbergen; die Gefahr einer Verwechslung ist deshalb groß. Diffuse Beschwerden wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Lethargie liefern erst recht keine schlüssigen Hinweise.

Deshalb sollte der Tierarzt zunächst andere Ursachen aus-schließen. Dazu kann er in einigen bayerischen, baden-württembergischen oder niedersächsischen Labors das Blut des Pferds auf Antikörper gegen Borrelien testen lassen, die eine Infektion anzeigen.

Hieb- und stichfest sind allerdings auch diese Tests nicht. “Es gibt sehr viele Pferde, die zwar hohe Antikörper-Werte haben, aber keinerlei Symptome zeigen„, sagt der Tierarzt und Borreliose-Experte Dr. Peter Kopp vom VetMed-Labor in Ludwigsburg bei Stuttgart. “Umgekehrt leiden manche Tiere unter Symptomen, obwohl ihre Werte völlig in Ordnung sind.„ Der Nachweis ist nur dann erbracht, wenn es gelingt, den lebenden Erreger zu isolieren, was bei Borrelien schwierig ist.

Bornasche Krankheit

CAV Symptom-Lexikon - Bornasche Krankheit
Gerhards
Bornakranke Pferde laufen Kreise in der Box, schwanken beim Gehen und vergessen manchmal zu kauen (Pfeifenrauchen).

Die Bornasche Krankheit (Borna Disease, BD) beginnt mit unspezifischen Symptomen wie erhöhte Temperatur (normal sind 37,2 bis 38,3 Grad Celsius), Schläfrigkeit und leichten Koliken, für die es offenbar keine Erklärung gibt. Das Pferd hat wenig Appetit und vergisst manchmal zu kauen, so dass Heuhalme aus dem Maul hängen (Pfeifenrauchen).

Außerdem kann ein krankes Pferd Probleme beim Wasserlassen haben. Auf Berührungen reagiert es anfangs überempfindlich, vor allem am Kopf; später ist es völlig empfindungslos.

Im fortgeschrittenen Stadium steht es mit schiefem, tiefem Kopf in Sägebock-Haltung, das heißt, die Beine sind nach vorne und hinten gespreizt. Das Pferd hat Mühe mit dem Gleichgewicht, geht steif, schwankend sowie unkoordiniert. Es läuft in der Box im Kreis (Manegebewegung) und drückt bisweilen den Kopf gegen die Wand. Schwerkranke Pferde können außerdem Sehstörungen bis hin zur Blindheit entwickeln.

Typisch sind außerdem Verhaltensänderungen und depressive Zustände, die sich mitunter in Apathie äußern.

Mit fortschreitender Krankheit verhält sich das Pferd immer auffälliger. Im Endstadium bricht es wiederholt zusammen und kann schließlich nicht mehr aufstehen (Festliegen).

Chronisch Obstruktive Bronchitis

CAV Symptom-Lexikon - Chronisch Obstruktive Bronchitis
Kühn
Sekretrinne: Bei RAO verschwimmt die klare Grenze zwischen unpigmentierter Schleimhaut und pigmentierter Haut in der Nüster.

Anfangs hustet das Pferd kaum beziehungsweise nur zu Beginn des Trainings sporadisch. Später wirkt es leistungsschwach, ermüdet und schwitzt schnell. Hustenattacken bis hin zur Atemnot sind aber selten. Typisch ist die Sekretrinne in den Nüstern. “Die klare Grenze zwischen unpigmentierter Nasenschleimhaut und pigmentierter Haut wird unscharf, weil im entzündlichen Sekret Enzyme sind, die die pigmentierte Haut angreifen„, erklärt Pferdefachtierärztin Dr. Heike Kühn von der Pferdeklinik München-Riem. Die Atemfrequenz sinkt nach Belastung langsamer und ist oft auch in Ruhe leicht erhöht (normal sind 8 bis 20 Atemzüge pro Minute). Aus den Nüstern kann schleimig-eitriger Ausfluss fließen. Beim Husten kann Schleim ausgeworfen werden.

Im weiteren Verlauf hustet das Pferd häufiger und atmet besonders angestrengt, wenn es im staubigen Stall steht. Bleibt es ganztägig auf der Weide, hustet es weniger oder gar nicht mehr. Manche Pferde husten allerdings nur im Sommer auf der Weide.

Im fortgeschrittenen Stadium muss das Pferd beim Ausatmen die Luft mit Hilfe der Bauchmus­keln herauspressen, wobei die Dampfrinne an der Flanke sichtbar wird. Das Pferd nimmt ab, bei geringster Anstrengung keucht es und ist kurzatmig.

Cushing-Syndrom

CAV Symptom-Lexikon - Cushing Syndrom
Christiane Slawik
Langes, lockiges Fell, großer Durst und Hufrehe sind typisch für die unheilbare Stoffwechselstörung, die von der Hirnanhangdrüse ausgeht.

Das Equine Cushing Syndrom, ECS, (sprich: kusching) beginnt schleichend ohne klinische Symptome. Später kann die Krankheit vielfältige Beschwerden verursachen. Am auffälligsten ist der so genannte Hirsutismus, ein unnatürlich langes und dickes Fell. Die Haare kräuseln sich zu Wellen oder Locken. Der Fellwechsel ist gestört oder funktioniert überhaupt nicht mehr. Bei manchen Pferden fallen die Haare im Frühjahr zwar wie gewohnt aus, wachsen aber schnell übermäßig lang nach.

Bei sehr vielen Pferden mit Cushing kommt es zur Insulinresistenz, was wiederum oft zu Hufrehe führt. “Wie bei Pferden, die unter dem Equinen Metabolischen Syndrom leiden, geht die Insulinsensitivität verloren, der Zuckerstoffwechel ist erheblich gestört„, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold, Leiter der Pferdeklinik Großostheim/Bayern. Die Reheschübe bei ECS können mild verlaufen, machen den Tieren aber immer wieder zu schaffen. “Es kann auch zu klassischer akuter Rehe mit typischer Rehehaltung kommen„, sagt Dr. Bingold. Typisch sind die Neigung zu Hufgeschwüren sowie schlechte Hornqualität.

Viele Patienten saufen drei- bis viermal soviel wie gesunde Pferde und urinieren dementsprechend oft. Weil ECS-Patienten in einen katabolen (abbauenden) Stoffwechselzustand geraten, magern sie leicht ab, die Muskeln schwinden. Manche haben allerdings krankhafte Fettpolster, vor allem an Hals und Kruppe. Muskelschwäche und -schwund führen häufig zu Senkrücken und Hängebauch. Fruchtbarkeitsstörungen (zum Beispiel ausbleibender Eisprung bei Stuten) können auftreten. Die Pferde wirken manchmal apathisch, oft ermüden und schwitzen sie sehr schnell. “Schlappheit und rasches Schwitzen sind im Frühstadium manchmal die einzigen Anzeichen„, so Dr. Bingold.

Entzündung der Drosselvene

CAV Symptom-Lexikon - Entzündung der Drosselvene
Tierklinik Aggertal
1 Verdickte Vene. 2 Einstichstelle. 3 Abgesacktes Ödem.

Ist die Wand der Drosselvene (Jugularvene) nur leicht gereizt, zeigt das Pferd keine Symptome. “Die Schwellung lässt sich aber gut ertasten, wenn man mit den Fingerkuppen über die angestaute Vene streicht„, sagt Dr. Nicole Latz, Internistin an der Tierklinik Aggertal in Lohmar/NRW. Entwickelte sich ein Entzündungsherd, kann das Gefäß deutlich sichtbar anschwellen, vor allem, wenn der Blutfluss stockt.

Wie gut das Blut fließt, testet der Tierarzt durch die Stauprobe: Mit dem Daumen drückt er das Gefäß am unteren Hals zu. Eine gesunde Vene füllt sich dabei prall zu einem elastischen Strang und entleert sich sofort, wenn der Arzt den Daumen wegnimmt. Je stärker die Vene beschädigt ist, desto langsamer fließt das Blut ab.

Ist der Blutfluss massiv gestört, wird die Vene hart und lässt sich nicht mehr anstauen. Die Berührung des geschwollenen Gefäßes ist sehr schmerzhaft fürs Pferd. Die oberflächlichen Gefäße in der betroffenen Gesichtshälfte können anschwellen, als ob das Pferd hart gearbeitet hätte. Staut sich das Blut in beiden Jugularvenen, schwellen Kopf und Kehlgang zum sogenannten Nilpferdkopf.

Verbreitet sich die Entzündung außerhalb der Vene, entsteht eine längliche Schwellung. Das Gewebe ist warm, druckempfindlich und schmerzhaft. Das Pferd bewegt Hals und Kopf nur unwillig, wirkt apathisch, verliert den Appetit, bekommt oft Fieber (Normaltemperatur: 37,5 bis 38,5 Grad Celsius). Die Entzündung kann so stark sein, dass sich das Gewebe zersetzt (Nekrose).

Druse

CAV Symptom-Lexikon - Druse
Streitferdt
Druse-Bakterien lassen die Lymphknoten am Kopf zu Beulen schwellen. Viele Stallbesitzer schweigen das hochansteckende Halsweh ­lieber tot – und steigern damit das Risiko fürs Pferd.

Bevor ein mit Druse infiziertes Pferd die ersten Anzeichen zeigt, vergehen etwa acht bis zehn Tage. Hohes Fieber bis 41 Grad Celsius (normal sind 37,5 bis 38,5 Grad) ist das erste Symptom. Das Pferd ist matt, frisst und trinkt wenig. Rund 24 Stunden nach Ausbruch der Krankheit fließt meist ein wässrig-trübes Sekret aus der Nase, das drei bis vier Tage später schleimig-eitrig wird. Die Lymphknoten am Kopf (Kehlgangslymphknoten, Speicheldrüsenlymphknoten) schwellen und bilden Abszesse (Eiteransammlungen); sie sind hart, warm und unter Berührung schmerzhaft.

Die Schwellungen verursachen starke Probleme beim Schlucken; erkrankten Pferden läuft beim Trinken manchmal ein Teil des Wassers wieder aus den Nüstern. Die Nase kann mit Futterresten, Speichel oder eitrigem Ausfluss verschmutzt sein. Um die Rachenschmerzen zu lindern, strecken viele Patienten den Hals nach vorn.

Ein bis zwei Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome brechen die Lymphknoten in der Regel auf, der Eiter entleert sich nach außen oder nach innen in den Rachen oder die Luftsäcke (Ausstülpungen der Ohrtrompete). Wenn die Druse lange nicht heilt, ist der Ausfluss manchmal mit Blut versetzt. Vielen Pferden fließt außerdem Eiter aus den Augen, sie speicheln stark und husten.

Dummkoller

CAV Symptom-Lexikon - Dummkoller
Christiane Slawik
Tumore, Bluthochdruck oder Sonnenstich lassen das Gehirn schwellen, solange, bis das dumm scheinende Pferd verhungert und verdurstet.

Erste Anzeichen sind Abgeschlagenheit und schläfriger Blick. Die Pferde stehen reglos mit gesenktem Kopf in der Box, wirken beim Reiten ungehorsam und scheinen bekannte Lektionen vergessen zu haben. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto träger und phlegmatischer wirkt das Pferd, weshalb Dummkoller auch Schlafkoller genannt wird. Beim Fressen hört es auf zu kauen, so dass ihm die Halme aus dem Maul hängen (Pfeifenrauchen). Beim Trinken taucht es den Kopf oft bis über die Nüstern ins Wasser. Manche taumeln, stolpern, stürzen, drängen zu einer Seite oder laufen im Kreis. Spricht man “dumme„ Pferde an oder berührt sie, reagieren sie immer weniger, nicht einmal, wenn man einen Finger tief in die Ohrmuschel steckt.

Die Hautreflexe sind gestört, Fliegen werden nicht mehr durch Zucken verscheucht. Die Lider schließen sich nicht mehr reflexartig. Manche Pferde erblinden. Kreuzt man Vorder- oder Hinterbeine, bleiben die Pferde so stehen. Beim Rückwärtsrichten setzen sich viele auf die Hinterhand oder kippen um. Selten ist der rasende Koller: Kurzfristig regt sich das Pferd extrem auf, rennt gegen die Boxenwände oder steigt, bevor es wieder phlegmatisch wird.

“Dumme„ Fohlen, die unter angeborener Gehirnwassersucht (Hydrocephalus congenitalis) leiden, saugen im Gegensatz zu gesunden Fohlen nicht, wenn man ihnen den Finger ins Maul steckt. Sie laufen orientierungslos im Kreis, bekommen Krämpfe oder werden bewusstlos.

Durchfall

CAV Symptom-Lexikon - Durchfall
Streitferdt
Durchfall zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Pferden. Die Ursachen reichen von Unterkühlung oder schlechtem Futter bis zur Infektion.

Durchfall (Diarrhöe) ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Alle bringen den Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht und verdünnen den Kot zwischen annähernd fest und wasserdünn. Er riecht oft sauer bis faulig, mitunter begleitet von lauten Darmgeräuschen.

Häufig verändert sich der Kot im Verlauf der Erkrankung. Beim akuten Durchfall wird er schnell flüssig wie Wasser, um dann wieder eine breiige Form anzunehmen. Manche Pferde scheiden zwar normal geformte Äpfel aus, schieben dann aber Wasser nach (Kotwasser). Die meisten Durchfall-Patienten setzen den Kot in kürzeren Abständen und kleineren Mengen ab als sonst. Bei einigen Tieren wird die Diarrhöe aber immer wieder von Phasen unterbrochen, in denen sie überhaupt nicht misten.

Längst nicht jeder Durchfall ist an weitere Symptome gekoppelt. Bei akuten Diarrhöen, die schon durch einmaliges Fressen von unverträglichem Futter ausgelöst werden können, verraten oft nur kotverschmutzte Oberschenkel das Verdauungsproblem. Wenn allerdings der Durchfall beispielsweise auf ein Darmleiden zurückzuführen ist, haben viele Tiere Fieber und sind auffällig lust- und appetitlos. In schweren Fällen plagen sie Krämpfe und Blähungen.

Equines Metabolisches Syndrom

CAV Symptom-Lexikon - Equines Metabolisches Syndrom
Christiane Slawik
Speckpolster an ­Mähnenkamm und Kruppe ­schütten Hormone aus, die den ­Zuckerstoffwechsel stören. Das macht Pferde anfällig für Hufrehe.

Fettpolster quellen vor allem am Hals, auf der Kruppe und am Schweifansatz. Typisch ist chronische Hufrehe. “In vielen Fällen verläuft sie klinisch schwer erkennbar: Das Pferd läuft nur klamm oder fühlig, weil das Hufbein zwar schon absank, aber noch nicht rotierte„, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Christian Bingold von der Tierklinik Großostheim/Bayern. Umgekehrt leidet aber nicht jeder dicke Rehe-Patient am Equinen Metabolischen Syndrom (EMS).

Fruchtbarkeitsprobleme bei Stuten und eine vermehrte Neigung zu Geburtsrehe sind weitere Symptome. EMS-Patienten sind zudem anfälliger für Infektionen. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, das Pferd ermüdet schneller. Im fortgeschrittenen Stadium schrumpfen die Muskeln. “Das Pferd sieht zwar noch propper aus, aber nur, weil es fett ist„, sagt Dr. Bingold.

Equine Motoneuron-Krankheit

CAV Symptom-Lexikon - Equine Motoneuron-Krankheit
Gerhards
Typisch ist die verkrampfte Stellung mit untergeschobenen Hinter- und Vorderbeinen.

Die meisten Pferde mit Equine Motor Neuron Disease (EMND), wie die Krankheit auf Englisch heißt, magern ab, obwohl sie mit Appetit fressen. Sie verlieren Muskulatur und leiden unter Muskelzittern. Oft liegen sie ungewöhnlich lange; beim Laufen trippeln die Hinterbeine.

Typisch für die Nervenkrankheit ist die Körperhaltung im Stehen: Das Pferd verlagert sein Gewicht auf die Hinterbeine, indem es sie möglichst weit unter den Körper stellt. Im Gegensatz zu Rehe-Patienten werden die Vorderbeine nicht nach vorne gestreckt, sondern ebenfalls unter den Körper gestellt. Das sieht aus, als stehe das Pferd auf einem Podest. Den Kopf hält es dabei eher gesenkt, die Schweifrübe wird gehoben. Untersucht der Tierarzt den Augenhintergrund (Funduskopie), sieht er meist Veränderungen an der Farbschicht der Netzhaut (retinales Pigmentepithel). Die Netzhaut degeneriert lokal. “Der Augenhintergrund weist ein bienenwabenähnliches Pigmentmuster auf„, sagt Professor Hartmut Gerhards, Chef der Pferdeklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Pigmenteinlagerungen haben eine braun-schwarze bis gelb-braune Farbe. “Am Übergang zwischen Tapetum lucidum und Tapetum nigrum sind deutliche zackenartige Pigmentstreifen erkennbar„, sagt Gerhards. Das Sehvermögen ist meist nicht beeinträchtigt. Selten ist Muskelschwund das einzige sichtbare Symptom für EMND; Muskelbiopsien sichern die Diagnose ab.

EOTRH Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis

Kless_Privat
Selbst wenn einem EOTRH-erkrankten Pferd die unteren Schneidezähne gezogen werden müssen, kann es nach einer solchen OP wieder Futter zu sich nehmen und sogar grasen.

Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis (kurz: EOTRH) ist eine extrem schmerzhafte Zahnerkrankung, bei der Schneide- und Hengstzähne wie auch Kieferknochen zerstört werden. Das Leiden scheint harmlos zu beginnen: Das Zahnfleisch zwischen den Schneidezähnen zieht sich zurück; in den Spalten sammelt sich Futter. “Bei Pferden mit gesundem, korrektem Gebiss passiert das nicht; bei ihnen reicht das Zahnfleisch nahezu bis zur Kaufläche„, weiß Tierarzt Dr. Timo Zwick von der Tierärztlichen Klinik Gessertshausen in Bayern.

Typisches erstes Anzeichen von EOTRH ist auch eine oft massive Zahnsteinbildung. In der Folge rötet sich das Zahnfleisch und schwillt an. Teils wölbt sich das Zahnfleisch auch oberhalb der Zähne vor und ist bläulich-rötlich verfärbt; Pickelchen und Fisteln bilden sich. Manche Pferde stinken aus dem Maul. Je stärker die Schmerzen werden, desto empfindlicher reagiert das Pferd auf Berührungen am Zahnfleisch. Oft stellen sich Probleme beim Reiten mit Gebiss ein – wie beispielsweise schlechte Anlehnung oder Kopfschlagen; manche Tiere lassen sich gar nicht mehr auftrensen. Die Patienten haben dann auch häufig Schwierigkeiten beim Fressen, vor allem, wenn sie die Schneidezähne einsetzen müssen: So beißen sie Möhren oder auch Äpfel schlechter oder gar nicht mehr ab.

Manche Tiere verhalten sich anders als üblich: Sie wirken teilnahmsloser oder auch aggressiver. Doch Vorsicht: Wenn das Pferd beim Reiten, beim Fressen oder im Verhalten keine Veränderungen zeigt, heißt das noch lange nicht, dass es kein Zahnweh hat. Denn es ist erstaunlich, wie wenig sich manche Tiere selbst extreme Schmerzen anmerken lassen. Wichtig ist daher, die Zähne regelmäßig mindestens einmal im Jahr von einem Zahnspezialisten kontrollieren zu lassen. Den Experten sollten Sie in jedem Fall rufen, wenn Sie erste Symptome wie Zahnfleischrückgang und Zahnsteinbildung bemerken.

Röntgenbilder der Schneidezähne sichern die Diagnose und zeigen dem Arzt, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Ursachen EOTRH ist eine Krankheit, die Pferdemediziner erst vor einigen Jahren beschrieben haben. Die Ursache des Leidens, das vor allem ältere Tiere ab etwa 15 Jahren betrifft (siehe “Risikopatienten„), ist noch nicht geklärt. Was sich abspielt, ist dagegen bekannt: Es entstehen eitrige -Entzündungen, Zahnsubstanz und Knochen werden abgebaut, und Zahnzement wird im Übermaß eingelagert.

Die zerstörerischen Vorgänge spielen sich in einer von außen nicht sichtbaren Region ab: Betroffen ist der Teil des Pferdezahns, der im Zahnfach (Alveole) liegt. Das Zahnfach ist eine Vertiefung im Ober- und Unterkieferknochen; in sie mündet der Zahn mit seinen Wurzeln. Ausgekleidet ist das Zahnfach mit der von Blut- und Lymphgefäßen durchzogenen Wurzelhaut (Peridontium). Diese wiederum überbrückt den winzigen Spalt zwischen Zahnfach und Zahnzement der Zahnwurzel. Im Gegensatz zum menschlichen Zahn, der von Schmelz umgeben ist, hat der Pferdezahn eine Zement-Hülle.

Im gesunden Zahn gibt es Zellen, die den Zahn aufbauen, und solche, die Substanz abbauen. Diese Fresszellen heißen Odontoklasten und werden bei EOTRH übermäßig aktiviert. Den Abbau der Zahnsubstanz bezeichnet man als Resorption. So erschließt sich gleich ein Teil der Krankheitsbezeichnung: Odontoclastic Tooth (= Zahn) Resorption.

Foto-Protokoll EOTRH-OP beim Pferd

Equines Sarkoid

CAV Symptom-Lexikon - Equines Sarkoid
Gerhards
Sarkoide am Auge haben gute Heilungschancen.

Equine Sarkoide sind Bindegewebstumore der Haut. Einzeln oder zu mehreren können sie Pferde, Esel und Mulis befallen und faustgroß werden. Sogar von handballgroßen Sarkoiden wird hin und wieder berichtet. Die Tumore verursachen weder Juckreiz noch Schmerzen und lassen sich in sechs verschiedene klinische Typen unterteilen.

Am schwierigsten ist das okkulte (verborgene) Sarkoid zu erkennen, denn es bleibt unter der Haut verborgen. Lediglich ein deutlich von seiner Umgebung abgegrenzter kahler Fleck im Fell verrät, wo der Tumor sitzt. Bei manchen Pferden dehnt sich diese Kahlstelle mit der Zeit aus. Möglicherweise verändert sich die Haut an den haarlosen Stellen: Sie bildet warzenartiges Gewebe, verhornt oder wird schuppig, was häufig zu Verwechslungen mit Flechten führt. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen manchmal zusätzlich sogenannte noduläre (knotenförmige) Sarkoide an den Kahlstellen. Diese kugelförmigen Knoten treten meist alleine auf und sitzen in der Regel gut verschiebbar unter der Haut. Dabei können Haut und Fellwuchs unverändert sein. Nicht nur unter, auch in der Haut können noduläre Sarkoide wuchern. Manchmal brechen sie nach außen und ähneln Geschwüren.

Verruköse (warzenartige) Sarkoide befallen auch tiefere Hautschichten. Manche sitzen auf einem kleinen Stiel. Sie wachsen meist nur langsam und werden, wenn sie keiner Reizung ausgesetzt sind, selten zum Problem.

Das malevolente (bösartige) Sarkoid breitet sich in den Lymphbahnen aus und wächst aggressiv. Die Haut ist knotig verdickt; das Sarkoid wird leicht mit einer Lympherkrankung verwechselt. “Brechen malevolente Sarkoide auf, ist das Allgemeinbefinden des Pferds höchstens geringgradig gestört„, sagt Dr. Dirk Barnewitz von der Großtierklinik des Forschungszentrums für Medizintechnik und Biotechnologie in Bad Langensalza.

Das fibroblastische (faserbildende) Sarkoid beschädigt die Haut und das Gewebe darunter und ist häufig gestielt. Vor allem unterhalb des Karpalgelenks erreichen viele fibroblastische Sarkoide in wenigen Wochen oder Monaten einen beachtlichen Umfang. Danach tritt oft über Jahre ein Wachstums-Stopp ein. In anderen fibroblastischen Sarkoiden finden ständig Veränderungen statt; sie bessern und verschlechtern sich unaufhörlich. Fibroblastische Sarkoide sind stark durchblutet und auffallend rot. Werden sie verletzt, können sie stark bluten.

Neben diesen fünf Typen gibt es den sogenannten Mischtyp. Er scheint in unzähligen Varianten und Abstufungen vorzukommen und sich zum Teil nur vorübergehend zu bilden, wenn ein okkultes, verruköses oder noduläres Sarkoid in den fibroblastischen Typ übergeht.

Equine Virale Arteritis

CAV Symptom-Lexikon - Equine virale Arteritis
Gerhards
Durch entzündete Gefäße sickert Flüssigkeit und macht dicke Beine.

Viele Pferde haben keine sichtbaren Symptome. Die Krankheit äußert sich zudem sehr unterschiedlich. Im akuten Stadium, das bis zu neun Tagen dauert, haben sie meist hohes Fieber bis 41 Grad Celsius, sind apathisch, fressen schlecht. Nasenausfluss und tränende, gerötete, lichtempfindliche Augen sind häufig. Die Bindehautentzündung kann so schwer sein, dass sich ein Ödem bildet und die Bindehaut (Konjunktiva) auf der Lederhaut (Sklera) Blasen wirft. Typisch sind Schwellungen (Ödeme) vor allem an Beinen und Geschlechtsteilen, seltener an Unterbauch oder Brust.

Die Haut an Kopf und Hals kann punktuell schwellen, was dem Ausschlag bei Nesselfieber (Urtikaria) ähnelt. Entzündete Schleimhäute in Kehlkopfbereich, Rachenraum und Bronchien können zu Husten führen. Bei Lungenödemen droht Atemnot (Dyspnoe). Zu Beginn können Verstopfungen auftreten, später neigen kranke Pferde eher zu Durchfall. “Auswirkungen auf den Verdauungstrakt sind aber selten„, sagt Professorin Christine Aurich, Leiterin der EU-Besamungs- und Embryotransferstation an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Selten sind trippelnder Gang oder Hinterhandlähmungen; extrem selten Störungen des Zentralen Nervensystems mit dummkollerartigen Symptomen, Gesichtslähmungen und Penisvorfall.

Häufig kommt es zur Fehlgeburt oder Geburt lebensschwacher Fohlen. Die Abortrate reicht von unter zehn bis über 50 Prozent; viele Stuten haben vorher keine anderen Symptome. “In Europa sind Aborte eher selten, in Amerika häufiger; möglicherweise, weil andere Virusvarianten aktiv sind„, sagt Professorin Christine Aurich.

Hengste können noch einige Wochen nach der Infektion weniger fruchtbar sein, weil durch die höhere Temperatur im entzündeten Hodengewebe Anzahl und Beweglichkeit der Spermien sinken.

Fesselträgererkrankungen

CAV Symptom-Lexikon - Fesselträgererkrankungen
Gerhards
Deutlich tritt der kranke Fesselträger hervor (Pfeil). Quer dazu läuft ein Blutgefäß.

Der Fesselträger (Musculus interosseus medius), ursprünglich ein Muskel, wandelte sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte zur Sehne. Er läuft vom Vorderfußwurzel- beziehungsweise Sprunggelenk zwischen der Rückseite des Röhrbeins und der tiefen Beugesehne und teilt sich oberhalb der Gleichbeine in zwei Schenkel. Der Fesselträger hält zusammen mit den Gleichbeinbändern und den Gleichbeinen das Fesselgelenk an seinem Platz – ein Trageapparat, der verhindert, dass die Fessel am Boden schleift. Dabei spannt er sich wie eine Spiralfeder bei jedem Schritt, um das Körpergewicht abzufangen.

Der Fesselträger gehört zu den vier großen Sehnen des Pferdebeins und ist seitlich als fingerdicker Strang sichtbar. Ist er verletzt, schwillt er an und erwärmt sich zeitverzögert: Das Pferd hat erst Stunden später, manchmal erst am nächsten Morgen ein dickes Bein und lahmt beim Auftreten (Stützbeinlahmheit). Um akuten Schmerz zu vermeiden, stellt das Pferd die Fessel steiler, was den Fesselträger entlastet. Ist er ganz oder teilweise gerissen, tritt es die Fessel stärker durch oder beugt das kranke Bein. Tückisch sind chronische Fesselträgerentzündungen, bei denen die Schmerzen anfangs so schwach sind, dass das Tier nicht lahmt. Häufig wird weitergeritten; der Fesselträger wird immer stärker beschädigt.

“Ich taste bei Verdacht auf Fesselträgerschaden die einzelnen Sehnen ab, ob sie geschwollen, warm und schmerzempfindlich sind„, sagt Tierarzt Dr. Peter Witzmann, ehemaliger Leiter der Pferdeklinik im württembergischen Kirchheim/Teck. Die wichtigste Untersuchung ist für ihn jedoch der Ultraschall, weil er damit das Ausmaß und den genauen Ort des Schadens erkennt. Liegt die Entzündung in der Nähe der Gleich- oder Griffelbeine, röntgt er zusätzlich. Damit erkennt er, ob ein Überbein auf den Fesselträger drückt.

Auf Röntgen- und Ultraschallbildern ist jedoch schwer zu erkennen, ob der Ansatz zwischen Sehne und Knochen (Fesselträgerursprung) entzündet ist. “Wir setzen deshalb Computertomographie ein, wenn der Fesselträger am Hinterbein unterhalb des Sprunggelenks geschwollen ist„, sagt Dr. Uwe Heidbrink von der Pferdeklinik in Aschheim/Bayern. Andere Tierärzte bevorzugen Szintigraphie, bei der sich radioaktiv markierte Substanz an entzündetes Gewebe anlagert und mit einer Spezialkamera sichtbar wird (Weichteilszintigraphie).

Gallen

CAV Symptom-Lexikon - Gallen
Streitferdt
Beulen am Gelenk sind nicht nur hässlich, sondern manchmal mit Schmerzen verbunden. Deshalb sollte man stets nach den Ursachen der Schwellungen forschen.

Gallen sind beulenförmige Verdickungen der Gelenk- oder Sehnenscheidenkapseln. Manche Pferde haben nur eine Galle, bei anderen bilden sich Beulen an mehreren Stellen.

Die meisten Gallen sitzen an den Beinen, meist an Sprung-, Fessel- oder Kniegelenken. Bei Sprunggelenksgallen (auch Kreuzgallen, durchgehende Gallen, Wassergallen oder Wasserspat genannt) verdickt sich das Talokruralgelenk, ein Teil des Sprunggelenks. Die Gallen sitzen an der Außen- oder Innenseite des Sprunggelenks. Auch der Höcker des zum Sprunggelenk gehörenden Fersenbeins schwillt häufig an. Solche Gallen auf dem Fersenhöcker heißen Piephacken. Im Gegensatz zu Kreuzgallen und Piephacken der Hinterbeine sitzen die selteneren Stollbeulen am Ellbogenhöcker der Vorderbeine.

Viele Beulen werden mit der Zeit größer und erreichen im Extremfall den Umfang einer Faust oder eines Kinderkopfs. Manche Gallen sind warm und druckempfindlich. “Dann geht das Pferd häufig leicht bis deutlich lahm„, sagt Dr. Hubertus Lutz, Fachtierarzt für Pferde und Chirurgie von der Pferdeklinik Aschheim.

Bänder, die die Sehnenscheide umgeben, lassen Gallen besonders deutlich hervortreten. Das ist zum Beispiel bei Sehnenscheidengallen auf der Rückseite des Fesselgelenks der Fall. Diese Gallen werden vom Fesselringband nach oben und unten herausgedrückt.

Gaumensegelverlagerung

CAV Symptom-Lexikon - Gaumensegelverlagerung
Gerhards
Verlagert: Das Gaumensegel hat sich über den Kehldeckel gestülpt.

Typisch ist ein schnarchend-schlotterndes Geräusch beim Ausatmen, vor allem wenn Pferde beim Trab- oder Galopp­rennen stark belastet oder beim Reiten stark beigezäumt werden. Bei zirka 20 Prozent verlagert sich das Gaumensegel geräuschlos. Die Leistungsfähigkeit kann dann vermindert sein. Das Pferd schwitzt stark und bekommt manchmal Hustenanfälle, weil ihm die Luft ausgeht.

Die Atemnot bringt Rennpferde so aus dem Rhythmus, dass sie die Geschwindigkeit nicht halten können. Manche Pferde gehen schlechter am Zügel und versuchen, den Kopf nach oben zu werfen. Verlagert sich das Gaumensegel während des Fressens, kommt es zu Schluckstörungen (Dysphagie). Gerät Futter in die Luftröhre, hustet und würgt das Pferd. Im Nasenausfluss sind Futterreste. “Das wird leicht mit Schlundverstopfung verwechselt„, sagt Dr. Heike Kühn, Tierärztin an der Pferdeklinik München-Riem.

Gehirnerschütterung

CAV Symptom-Lexikon - Gehirnerschütterung
Hans Kuczka
Knapp unterm Schädeldach liegt beim Pferd das rund 500 Gramm schwere Gehirn – viel weiter oben, als manche Reiter glauben.

Nach einem Schlag auf den Kopf bricht das Pferd plötzlich bewusstlos zusammen, die Muskeln sind schlaff. “Die Pferde liegen wie tot da„, sagt Professor Kuno Alexander von Plocki, Leiter der Schwarzwald-Tierklinik im baden-württembergischen Neubulach. Typisch sind fehlende Pupillenreflexe. Die Lider sind geöffnet, die Pupillen stark erweitert. Häufig zucken die Augäpfel. Manchmal harnt oder äpfelt das Pferd unkontrolliert, wenn es am Boden liegt.

“Bei leichter Gehirnerschütterung erholen sich Pferde in wenigen Minuten„, sagt Professor von Plocki. Dabei pocht der Puls gleichmäßig mit 30 bis 44 Schlägen pro Minute; auch die Atemfrequenz ist im Normalbereich (10 bis 20 Atemzüge pro Minute). Die Pferde stehen nach kurzer Erholung wieder auf, schwanken oder straucheln aber noch eine Zeitlang.

Bei schweren Gehirnerschütterungen hält die Bewusstseinsstörung länger an. Die Pferde können mehrere Stunden, maximal bis zu zwei Tage, festliegen. Atmung und Herzschlag sind langsamer als normal. Kommt das Pferd wieder hoch, bewegt es sich noch Tage danach unbeholfen. Einige Pferde halten ihren Kopf zwanghaft schief; manchmal sind Augenlider oder Lippen gelähmt.

Hat sich das Pferd scheinbar über Stunden erholt, verschlechtert sich in einigen Fällen sein Zustand wieder. Es wird unruhig, der Herzschlag langsamer. Manchmal erhöht sich auch die Körpertemperatur (normal: 37,5 bis 38,5 Grad Celsius).

Der Tierarzt röntgt den Kopf, um einen Bruch auszuschließen. Aufgestautes Blut im Schädel (Hämatome) macht der Computertomograph sichtbar.

Genickbeule

CAV Symptom-Lexikon - Genickbeule
Gerhards
Steht das Genick dauernd unter Druck, wächst eine dicke Beule. Schuld sind meist Reiter, die ihre Pferde eng mit Kandare oder mit Schlaufzügeln reiten.

Zwei Schleimbeutel liegen wie Polster auf dem ersten und zweiten Halswirbel. Senkt das Pferd den Kopf, schützen sie das Nackenband, das über die Knochen gleiten kann, statt zu scheuern. Entzündet sich ein Schleimbeutel (Bursitis), wächst unter der Haut im Genick eine Beule, auch Maulwurfsgeschwulst genannt, manchmal bis zum armdicken Wulst. Im akuten Stadium ist der Schleimbeutel geschwollen, warm und wabbelig. Manche Pferde haben Fieber (normal 37,5 bis 38,5 Grad Celsius).

Das Pferd lässt sich nicht hinter den Ohren anfassen und hält den Kopf vor Schmerzen tief. Manche stützen das Kinn auf den Futtertrog. Bricht ein eitriger Genickbeutel auf, tropft klumpige, schleimige Flüssigkeit über die Stirn oder seitlich über den Mähnenkamm. Nachdem der Abszess geplatzt ist, fühlt sich das Pferd meist besser und dreht seinen Kopf leichter. Chronisch entzündete Genickbeulen sind weniger auffällig. Die Wände des Schleimbeutels sind dick und mit Gewebeflüssigkeit gefüllt (Bursahygrom). Der Beutel lässt sich wie eine Gelenksgalle unter der Haut verschieben. Das Genick ist trotz Beule beweglich; manche Pferde schlagen beim Reiten jedoch mit dem Kopf. Der Tierarzt röntgt den Hals von der Seite. “Auf dem Röntgenbild sind knöcherne Veränderungen deutlich zu sehen„, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Wolf-Dieter Wagner, Partner an der Tierärztlichen Klinik für Pferde Wolfesing im bayerischen Zorneding, der für seine Doktorarbeit die Genickschleimbeutel untersuchte.

Glaukom

CAV Symptom-Lexikon - Glaukom
Gerhards
Ist der Abfluss des Kammerwassers blockiert, quillt das Auge aus der Höhle, die Hornhaut schwillt und reißt ringförmig ein. ­Erblindet das Pferd?

Der erhöhte Augeninnendruck beim Glaukom ist für Pferde ebenso wie für Menschen mit Grünem Star offenbar kaum schmerzhaft. Starke Schmerzen sind in aller Regel Folge der zugrundeliegenden Erkrankung.

In schweren Fällen, vor allem bei längerer Krankheit, kann der Augapfel (Bulbus) aus der Augenhöhle hervortreten (Hydrophthalmie). Die Hornhaut (Kornea) wird gedehnt und schwillt (Hornhautödem). Zudem können sich Linien bilden, welche die Pupille wie Baumringe umgeben: Dies sind Risse in der vierten Schicht der Hornhaut (Descement-­Membran).

Die Linse im überdehnten Auge kann vollständig (Linsenluxation) oder teilweise (Subluxation) aus ihrer Verankerung reißen und sich verlagern. “Dadurch entsteht ein halbmondförmiger Effekt, man sieht den Augenhintergrund neben dem Linsenrand„, erklärt Professor József Tóth, Leiter der Pferdeklinik Hochmoor in Gescher-Hochmoor/Nordrhein-Westfalen. “Wenn die Linse im Glaskörperraum schwimmt, kann die Regenbogenhaut flattern. Das ist aber für Laien schwer zu erkennen„, sagt der Spezialist für Chirurgie und Augenheilkunde. Berührt die verlagerte Linse die Hornhaut, wird diese trüb. Der hohe Augeninnendruck kann auch die Linse selbst trüben.

Die Pupille ist oft erweitert (Mydriase). Sie schließt sich auch bei kurzem, direktem Bestrahlen per Taschenlampe nur zögerlich. Weil sie auf Lichteinfall nicht mehr blitzschnell reagiert, ist das Pferd lichtscheu. Seine Sehkraft ist eingeschränkt bis hin zur Blindheit. Meist ist nur ein Auge davon betroffen, deswegen merkt der Besitzer oft nichts. Ein Pferd, das nur auf einem Auge gut sieht, kann damit in der Regel sehr gut umgehen.

Gleichbeinlahmheit

CAV Symptom-Lexikon - Gleichbeinlahmheit
Streitferdt
Knotenpunkt Gleichbein (orange): Fesselträger (gelb), tiefe (blau) und oberflächliche Beugesehne (grün) gleiten darüber.

Gleichbeinlahmheit (Sesamoidose) ist ein Sammelbegriff für degenerative Erkrankungen am hinteren Fesselkopf. Chronisch entzünden können sich die Gleichbeine, die Gleichbeinbänder, der Fesselträger, die oberflächliche und die tiefe Beugesehne sowie deren gemeinsame Sehnenscheide. Fein aufeinander abgestimmt, geben sie dem Fesselgelenk Halt. Dieser Trageapparat ist wie eine Hängematte hinter der Fessel aufgespannt und verhindert, dass diese sie bei jedem Schritt am Boden schleift. Wird der Fesseltrageapparat ständig überstrapaziert, verkürzt das Pferd seine Schritte, bis es schließlich chronisch lahmt. Der Fesselkopf schwillt zunächst kaum an; im weiteren Verlauf verdickt sich jedoch der Fuß an den Gleichbeinen.

Im Schritt tritt das Pferd das Fesselgelenk nicht vollständig durch. Das Fesselbein steht steiler; im schlimmsten Fall läuft das Pferd in der zweiten Stützbeinphase wie auf Stelzen (Überköten). Auf hartem Boden lahmt es stärker. Manche Pferde stolpern oft.

Meist sind beide Vorderbeine betroffen, das eine stärker und das andere schwächer. Steht das Pferd, streckt es das schwerer entzündete Bein häufig nach vorn und setzt nur die Hufspitze auf. Ist ein Hinterbein erkrankt, stellt das Pferd auch dieses Bein vor und belastet nur die Hufspitze. Bei starken Schmerzen hebt es das Bein an. Zusätzlich ist meist die gemeinsame Beugesehnenscheide prall gefüllt. Die Sehne wirkt gespannt.

Streckt und beugt man das Fesselgelenk bei aufgehaltenem Pferdebein, hat das Pferd Schmerzen. Auch ein anhaltender Druck auf die Gleichbeine oder die benachbarte tiefe gemeinsame Beugesehnenscheide schmerzt. Die zugehörigen Fesselträgerschenkel, die das Gleichbein umschließen, können knotig verdickt sein und ebenfalls weh tun. “Die Schmerzrezeptoren sitzen vor allem an der Gelenkkapsel, den Rändern und den faserreichen Sehnenscheiden, weniger auf den Gelenkflächen der Gleichbeine„, sagt Professor Lutz-Ferdinand Litzke von der Chirurgischen Veterinärklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Um Knochenveränderungen zu erkennen, röntgt er die Gleichbeine. Risse und Verhärtungen (Ossifikation) an Bändern und Sehnen diagnostiziert er auf dem Ultraschallbild. “Beim Röntgen können Sie nur eine gewisse Zunahme der Weichteile oder Verkalkungen feststellen, nicht aber deren Beschaffenheit„, erklärt er.

Um den Entzündungsort noch genauer einzugrenzen, schließt der Tierarzt zunächst andere Lahmheitsursachen wie Gleichbeinfrakturen oder Sehnenscheidenentzündungen aus. Danach schaltet er gezielt den Schmerz aus. Dafür anästhesiert er abschnittsweise oberhalb der Gleichbeine die tiefen und oberflächlichen Palmar- beziehungsweise Plantarnerven, die die Schmerzen ans Gehirn leiten. Auch eine Anästhesie der Beugesehnenscheide dient der Erkennung der Erkrankung. Sind die Schmerzmelder auf einem betroffenen Abschnitt ausgeschaltet, geht das Pferd kurzfristig lahmfrei, oder das Lahmen verbessert sich zumindest deutlich.

Graskrankheit (Grass Sickness)

CAV Symptom-Lexikon - Graskrankheit (Grass Sickness)
Straub
Untergestellte Hinterbeine sind ein Symptom der chronischen Grass Sickness.

Bei der Graskrankheit werden Nervenzellen zerstört, die unter anderem das Verdauungssystem steuern. Das lähmt Darm, Magen, Speiseröhre und häufig auch den Schlund. Die Oberlider der Augen hängen herab (Ptosis), wodurch das Pferd schläfrig wirkt. Anfangs können Kolik-Symptome auftreten: Das Pferd flehmt, scharrt oder wälzt sich. Meist kann es nicht äpfeln oder presst harte, gelb verschleimte Äpfel hervor. Die Bauchdecke ist gespannt. Der Darm gurgelt wenig oder gar nicht. Beim Tasten findet der Tierarzt kleine, harte, schleimüberzogene Kotballen im Dickdarm. Die Mastdarm-Schleimhaut ist auffallend trocken.

Bei akuter Grass Sickness sind Pferde zunehmend benommen und teilnahmslos, lassen den Kopf hängen, schwanken manchmal, die Muskeln zittern. Die Tiere schwitzen stark und trocknen aus. Sie liegen auffallend viel. Die Schleimhäute sind schmutzig-verwaschen und gelb-rötlich verfärbt. Zähe, blutige Krusten können die Nüstern verkleben. Das Herz schlägt mehr als 60 Mal pro Minute (normaler Puls: 18 bis 40). Viele Pferde können kaum schlucken. Speichel und Futter können aus den Nüstern fließen, wenn sie versuchen zu fressen. Manchmal hängt die Zunge schlaff aus dem Maul.

“Beim chronischen Verlauf sind Abmagerung, untergestellte Hinterbeine und zunehmend aufgezogener Bauch typische Symptome„, sagt Professor Reto Straub von der Vetsuisse Fakultät der Schweizer Universität Bern. “Eine definitive Diagnose ist aber erst nach dem Tod des Pferds möglich.„ Dazu nimmt ein Pathologe Gewebeproben aus Nervenknoten und Darm und untersucht sie unterm Mikroskop, wobei er für die Grass Sickness typische Gewebeschäden findet.

Die Großtierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität von Edinburgh/Großbritannien nutzt einen einfachen Test, der als Anhaltspunkt für die Diagnose am lebenden Tier gilt: Die Tierärzte träufeln dem Patienten Phenylephrin-Augentropfen (0,5 prozentige Verdünnnung) in ein Auge. Bei Grass-Sickness-Patienten heben sich innerhalb von 30 Minuten die Wimpern des Oberlids im Gegensatz zum unbehandelten Auge.

Viele Pferde sterben ein bis zwei Tage, nachdem die ersten Symptome auftraten. Andere liegen ohne vorherige Krankheitszeichen plötzlich tot auf der Weide.

Griffelbeinbruch

CAV Symptom-Lexikon - Griffelbeinbruch
Gerhards
Griffelbeine sind nutzlose Fingerreste am Röhrbein. Erst wenn sie kaputtgehen, machen sie sich bemerkbar.

Griffelbeine sind Überreste der Entwicklung des Pferds vom Mehr- zum Einzeher: Die schmalen, länglichen Knochen sind verkümmerte Mittelfußknochen des ehemaligen Zeige- und Ringfingers. Sie schmiegen sich paarweise an Innen- und Außenseite des Röhrbeins unter dem Vorderfußwurzel- und Sprunggelenk. Bricht eins der acht Griffelbeine, lahmt das Pferd meist nur, wenn sich Knochenenden durch die Haut bohren. Am häufigsten brechen die beiden Griffelbeine an den Innenseiten der Vorderbeine.

“Viele Pferde mit gedeckten Brüchen, bei denen der Knochen die Haut nicht durchbohrt, gehen, wenn überhaupt, nur taktunrein„, sagt Tierärztin Marlis Gronenberg von der Pferdeklinik Seeburg in Brandenburg. Nach einer Pause verschwindet der unreine Gang oft, um nach Belastung wieder aufzutreten. Das betroffene Bein kann zwischen Beugesehnen und Röhrbein schwellen. Tastet man das Bein ab, reagieren manche Pferde druckempfindlich. Manchmal lässt sich das untere Ende des abgebrochenen Griffelbeins, das Griffelbeinköpfchen, unter der Haut verschieben. Sind die Griffelbeine von Natur aus ungleich lang, ist dabei eine Fehldiagnose schnell gestellt. Erst auf dem Röntgenbild erkennt der Tierarzt den Griffelbeinbruch sicher. “Dort ist die Fraktur leicht zu erkennen. Schwierig ist nur, bei den wenigen Anhaltspunkten überhaupt auf die Idee zu kommen, die Griffelbeine zu röntgen„, sagt Tierärztin Gronenberg.

Gynäkologische Probleme

CAV Symptom-Lexikon - Gynäkologische Probleme
Gerhards
Per Flankenschnitt wurde der Stute ein Eierstock entfernt.

Am häufigsten signalisiert schleimiger Scheidenausfluss ein Problem. Er ist graugelb bis schokoladenbraun und haftet als schmieriger Belag an Schweif und Schenkelinnenseiten. Einige Stuten verlieren tropfenweise dunkelrotes Blut, manchmal fließt frisches, hellrotes Blut in größeren Mengen. Starke Euterschwellungen sind oft mit sehr hohem Fieber verbunden. Das Euter ist sehr warm, Berührungen tun der Stute weh. Leichte Schwellungen verursachen in der Regel keine Schmerzen beim Berühren; das Euter hat normale Temperatur.

Gynäkologisch kranke Stuten harnen sehr häufig oder pressen, als ob sie dringend müssten. Sie krümmen außerdem oft den Rücken, schleifen die Hinterbeine nach und heben oder verdrehen den Schweif. Bei anderen Stuten hört man im Trab und Galopp ein Zischen oder Blubbern. Manche Stuten rossen gar nicht, andere viel stärker und länger als normal. Dauerrossige Stuten sind manchmal extrem aggressiv, schlagen und beißen, sobald man sich ihnen nähert oder sie berührt. Andere verhalten sich wie Hengste, treiben in der Herde Wallache und Stuten auseinander und springen manchmal sogar auf andere Stuten auf. Bei chronischen Problemen magern viele Stuten ab, bekommen stumpfes Fell, manchmal Fieber, schwitzen und ermüden schnell.

Haarausfall

CAV Symptom-Lexikon Haarausfall
Hans Kuczka
Außer dem Fellwechsel gibt es zig andere Gründe, weshalb Pferde Haare lassen. Manchmal wird das Pferd bis auf Mähne, Schweif und Fesselbehang kahl.

Beim krankhaften Haarausfall (Alopezie) verliert das Pferd Haare, ohne dass sich dabei die kahlen Hautflächen verändern. “Die Haut zeigt zum Beispiel keine Krusten oder Rötungen„, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Ulrich Walliser, Leiter der Pferdeklinik Kirchheim/Baden-Württemberg.

Alopezie ist vom Fellwechsel leicht zu unterscheiden. Beim Fellwechsel bildet sich schon vor dem Ausfallen des Winter- beziehungsweise Sommerfells unter der Haut eine neue Haaranlage; die neuen Haare schieben sofort nach. Alopezie hinterlässt dagegen kahle Stellen. Außerdem kommt sie im Gegensatz zum Fellwechsel, der Pferde nur im Frühjahr und Herbst haaren lässt, ganzjährig vor.

Bei der häufigsten Form, der generalisierten oder diffusen Alopezie, verliert das Pferd am ganzen Körper Haare. Manche Tiere sind sogar bis auf Mähne, Schweif und Fesselbehang kahl. Bei der umschriebenen Alopezie entstehen dagegen einzelne, klar abgegrenzte Kahlstellen. Sie sind rund, oval oder ungleichmäßig; manchmal symmetrisch angeordnet. Mit der Zeit können sie zusammenfließen und flächige Muster im Fell hinterlassen. Manchmal färbt sich die kahle Haut mit der Zeit dunkel.

Sehr selten kommen Fohlen nackt zur Welt. Entweder sind die Haare im Mutterleib ausgefallen und schwimmen im Fruchtwasser, oder es wächst dem Fötus gar kein Fell.

Von der Alopezie abzugrenzen ist Haarausfall, der durch Juckreiz und Scheuern entsteht. Haarlose Hautpartien sind dann meist rot und geschwollen; manchmal nässen sie oder bluten sogar. Oft scheuern sich die Pferde das Langhaar ab.

Hahnentritt

CAV Symptom-Lexikon Hahnentritt
Gerhards
Der Zuckfuß ist lästig fürs Pferd und stört bei der Arbeit. Schuld sind entzündete Nerven, gestörte Sehnenrezeptoren, Bakterien oder sogar Löwenzahn.

Charakteristisch ist das abrupte Beugen eines oder beider Hinterbeine, weshalb die Krankheit Hahnentritt oder Zuckfuß (engl. stringhalt) heißt. Das Bein wird ruckartig Richtung Bauch gezogen, als wolle das Pferd Fliegen verscheuchen. Ebenso schlagartig wird das Bein wieder gestreckt. Sind beide Hinterbeine betroffen, zieht das Pferd sie meist weniger stark in die Höhe, sondern läuft eher stechschrittartig wie ein Soldat im Paradeschritt. “Ein beidseitiger Hahnentritt ist aber sehr selten„, sagt Pferdetierarzt Dr. Dirk Fister, Chef der Tierärztlichen Klinik für Pferde in Bilsen bei Hamburg.

Die Bewegungsstörung tritt nur auf, wenn das Pferd aus dem Stand anläuft oder Schritt geht. “Hahnentritt ist eine reine Schrittkrankheit; im Trab oder Galopp ist der Gang unverändert„, erklärt Fister. In engen Wendungen oder beim Rückwärtsrichten verstärkt sich das Zucken. Bei manchen Pferden verschwindet es vorübergehend, wenn sie ein paar Minuten gehen. Längeres Stehen in der Box verstärkt dagegen die Symptome. “Die Tiere haben dabei keine Schmerzen„, sagt Dr. Fister.

Eine regionale Besonderheit ist der australische Hahnentritt (australian stringhalt), der vor allem in Australien und Neuseeland vorkommt; auch in Japan und den USA wurden Fälle dokumentiert. Dabei sind meist beide Hinterbeine hochgradig betroffen; bei einigen Pferden sind die Muskelkrämpfe so stark, dass sie sich kaum noch fortbewegen können. Beuger und Strecker an der Außenseite des Kniegelenks schrumpfen (Atrophie). Außerdem kann es zu Kehlkopflähmungen kommen.

Harnsteine

CAV Symptom-Lexikon Harnsteine
Tierklinik Hochmoor 2003
Das Pferd presst und presst, aber kein Tröpfchen Urin fließt. Schuld kann zuviel Kalzium sein, das stachelige Harnsteine bildet.

Das Pferd steht breitbeinig, will pinkeln und schafft es nicht. Hengste und Wallache schachten ihren Schlauch oft längere Zeit aus, ohne dass etwas passiert. Tröpfelt es doch, ist der Urin oft rötlich oder flockig-gelb, manchmal auch extrem trüb und riecht streng nach Ammoniak. Die Innenseiten der Oberschenkel und Hinterbeine können mit Blut und Harn verkrustet sein; manche Pferde stöhnen vor Schmerzen, krümmen den Rücken, gehen klamm und sind unruhig wie Koliker. Ihre Blase ist zum Bersten voll.

Normalerweise harnt ein Pferd fünf bis acht Mal in 24 Stunden. Je nach Durst und Wasserangebot sind das zwischen 5 und 15 Liter, was 40 bis 50 Prozent der aufgenommenen Wassermenge entspricht. Nur noch Rinnsale bleiben übrig, wenn kleine Klumpen (Harnkonkremente) Niere, Harnleiter, Harnblase oder Harnröhre verlegen. Diese Konkremente sind unterschiedlich hart, groß und schwer: Harnsand ist sandkörnig; Harngrieß heißen die mit bloßem Auge sichtbaren Harnsteinchen, und Harnsteine wachsen bis auf doppelte Gänse-Ei-Größe.

“Harnsteine in der Blase sind das größte Problem, Nierensteine sind beim Pferd dagegen sehr selten„, sagt Dr. Wolfgang Scheidemann von der Tierklinik Hochmoor im nordrhein-westfälischen Gescher-Hochmoor. Er sucht nach ovalen Steinen, die oft am Blasenhals liegen. Die Blasenwand ist meist chronisch verdickt. Zusätzlich untersucht der Tierarzt mit Endoskop und Ultraschall-Gerät die harnab-leitenden Wege, um die Harnsteine aufzuspüren. Unterm Mikroskop enthält der Harn massenhaft Plattenepithelzellen, Leukozyten, rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie unterschiedliche Kristalle, Zeichen für Blasen- entzündungen.

Hautpilz

CAV Symptom-Lexikon Hautpilz
Gerhards
Aus erbsengroßen Kahlstellen werden entzündliche Kampfzonen, wenn Hautpilz wuchert.

Pilze verursachen jede 10. bis 15. Hautkrankheit bei Pferden. Anfangs bilden sich stecknadel- bis erbsengroße Erhebungen auf der Haut. Nach kurzer Zeit fallen dort die Haare aus: Es entstehen kleine Kahlstellen, die von ihrer Umgebung scharf abgegrenzt und häufig mit Schuppen und später mit Schorf bedeckt sind. Weil sie häufig Juckreiz verursachen, scheuern sich die Tiere oft so heftig, dass die Schwellungen platzen und nässen. Aber auch ohne Scheuern fällt im fortgeschrittenen Stadium manchmal der Schorf ab, und die feucht glänzende, offene Unterhaut kommt zum Vorschein.

Dauert die Hautpilzerkrankung (Dermatomykose) an, weiten sich Herde aus, es entstehen ringförmige Entzündungszonen (“Kampfzonen„). Im Inneren dieser Zonen heilen die Herde allmählich ab, die Haare wachsen vom Zentrum aus nach. Einzelne Herde können zu großflächigen Hautveränderungen zusammenwachsen.

Oft wuchert der Pilz zuerst an Kopf, Hals oder Schultern. Später kann er auf die seitliche Brust und die Flanken sowie Kruppe und Rücken übergreifen. Am häufigsten wächst er in Sattel- und Gurtlage, wo die Haut warm und feucht ist, optimale Lebensbedingungen für Pilze. Außerdem ist die Sattel- und Gurtlage beim Reiten permanent mechanischen Reizungen ausgesetzt, da bilden sich schnell Entzündungen. Die Lage der Hautveränderungen kann helfen, einen Hautpilzbefall besser von der ansonsten sehr ähnlichen Räude zu unterscheiden: Während die durch Milben verursachte Räude bevorzugt Beine, Mähnenkamm, Schopfansatz und Schweifrübe befällt, macht sich der Pilz gerade an diesen Körperstellen nur selten breit (siehe auch Räude). Klarheit verschafft ein Pilznachweis im Labor.

Headshaking

CAV Symptom-Lexikon Headshaking
Christiane Slawik
Das lästige Kopfschütteln plagt Pferde schon seit mindestens 200 Jahren.

Das Pferd reagiert, als krabbele eine Fliege in seiner Nase. Es schüttelt reflexartig seinen Kopf in alle Richtungen, schnaubt oder niest. Manche Pferde ziehen permanent die Oberlippe hoch wie beim Flehmen und spielen mit der Zunge. Sie stampfen mit den Vorderbeinen, rubbeln die Nase an den Beinen oder schubbern sie an Zaunpfahl oder Trog. Einige reiben sich die Nase auch im Trab am Boden und scheuern sich die Nüstern blutig. Aus der Nase läuft klarer bis weißlicher Schleim; die Augen tränen.

Häufig zeigen Pferde solche Symptome unter Stress. Viele schlagen nur beim Auftrensen oder beim Reiten mit dem Kopf – meist nach der Lösungsphase. Andere schleudern beim Turnier mit dem Kopf. Oft verstärken sich die Symptome an warmen, sonnigen Tagen. Manche Pferde reagieren auf Lichtreflexe im Schnee. Lichtempfindliche Headshaker wollen starkes Sonnenlicht meiden, stellen sich in den Schatten, stecken ihr Gesicht unter den Schweif des Nachbarn oder drücken ihr Gesicht gegen die Wand. Beim Saufen tauchen sie die Nüstern tief unter Wasser. Wind kann die Symptome verschlechtern oder verbessern.

Herpes

CAV Symptom-Lexikon Herpes
Gerhards
Leichtes Fieber und Nasenausfluss sind typische Symptome bei Herpes-Rhinopneumonitis.

Eine Herpes-Infektion kann Pferde auf vielfältige Weise krank machen. Am häufigsten verursacht sie Rhinopneumonitis, eine Atemwegserkrankung, deren Symptome einer Influenza ähneln: Das Pferd bekommt zunächst wässrig-klaren Nasen- und Augenausfluss, der später oft eitrig wird. Am Unterkiefer schwellen manchmal die Lymphknoten; häufig fressen kranke Tiere schlecht.

Die meisten erwachsenen Rhinopneumonitis-Patienten haben ein bis zwei Tage lang leicht erhöhte Körpertemperatur von 38,6 bis 39 Grad Celsius, während das Fieber bei Influenza ohne weiteres über 40 Grad steigen kann. Höheres Fieber ist typisch bei Jungpferden bis zu zwei Jahren.

Während Influenza meist trockenen, bellenden Husten auslöst, verursacht Rhinopneumonitis eher feuchten Husten. Außerdem husten die meisten Rhinopneumonitis-Patienten nur unter Belastung.

Auch die Anzahl erkrankter Pferde in einem Stall erlaubt Rückschlüsse auf die Art der Atemwegsinfektion: Während sich Influenza oft explosionsartig ausbreitet, erkranken an Rhinopneumonitis meist nur einzelne Tiere.

Häufig verschwimmen die Krankheitsbilder aber so sehr, dass selbst Tierärzte Herpes-Rhinopneumonitis kaum von Influenza unterscheiden können. Sicherheit liefern Labortests.

Herpes-Viren können Fehlgeburten (Virus-Abort) bei Stuten auslösen. Infizierte Stuten erscheinen völlig gesund oder zeigen allenfalls leichte Symptome einer Atemwegserkrankung. Ohne Warnsignale tritt der Abort dann zwischen siebtem und zehntem, nicht aber vor dem fünften Trächtigkeitsmonat auf.

Manchmal wird das Fohlen ausgetragen, ist aber bei der Geburt bereits tot oder so schwach, dass es binnen weniger Tage stirbt. Obwohl der Virus-Abort meist nur einzelne Tiere trifft, können in einem großen Bestand mehrere Stuten verfohlen. Eine seuchenartige Ausbreitung (Abortsturm) kommt heute kaum noch vor.

Schwerwiegend sind zentralnervöse Störungen, die aber weniger häufig auftreten: Die neurologischen Störungen können sich als leichte Lähmungserscheinungen äußern, die bis hin zum Festliegen und Tod des Tiers führen.

“Häufig sind Ataxien der Hintergliedmaßen zusammen mit Urin- und Kotabsatzstörungen„, sagt die Herpes-Expertin Dr. Antonie Neubauer-Juric vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Manchmal zeigt sich eine Herpes-Infektion als koitales Exanthem, ein Ausschlag an den Schleimhäuten der Genitalien, der in Deutschland aber nur sporadisch vorkommt. Bei infizierten Stuten bilden sich an Schamlippen und Euter, bei Hengsten und Wallachen am Penis kreisrunde Bläschen. Mitunter sind auch die Schenkel befallen. Nach kurzer Zeit werden die Bläschen zu gelben Knötchen, die wenige Tage später aufplatzen und kleine weiße Flecken auf der Schleimhaut hinterlassen.

Hinter manchen Horn- und Bindehautentzündungen des Auges vermuten Tiermediziner ebenfalls Herpes-Erreger. Symptome sind Pünktchen auf der Hornhaut-Oberfläche, leicht geschwollene Hornhäute, gerötete Bindehäute, tränende Augen und krampfhaft zugekniffene Lider.

Alle Symptome können getrennt, gleichzeitig oder nacheinander auftreten. So ist es möglich, dass eine herpesinfizierte Stute vor dem Verfohlen an Rhinopneumonitis erkrankt und schließlich mit zentralnervösen Störungen zu kämpfen hat.

Herzrhythmusstörungen

CAV Symptom-Lexikon Herzrhythmusstörungen
Gerhards
Aussetzer: An der EKG-Kurve erkennt man, dass beim Sinusrhythmus ein Herzschlag fehlt (Pfeil). Das ist typisch für einen AV-Block.

Pferde mit Herzrhythmusstörungen (kardiale Arrhythmie) sind selten leistungsschwach und wenig belastbar. Wenn doch, schwitzen sie bei Anstrengung stark und erholen sich nur langsam, was bei wenig geforderten Hobbypferden weniger auffällt als bei Sportpferden. Manche bluten aus der Nase, wenn es zu Blutungen in die Lunge kam.

Das Herz schlägt entweder zu schnell (Tachykardie), das heißt mit einer Ruhe-Frequenz von mehr als 60 Schlägen. Normal sind 30 bis 40 Schläge pro Minute. “Je höher der Ruhe-Puls, desto dramatischer ist die Situation; über 100 Schläge sind lebensbedrohlich„, sagt Dr. Alexandra Feichtenschlager, die in Meerbusch/Nordrhein-Westfalen eine kardiologische Praxis für Pferde hat. Oft atmen Pferde mit Tachykardie auch schneller als die üblichen 10 bis 20 Züge pro Minute.

Schlägt das Herz zu langsam (Bradykardie), kann das ebenfalls die Leistung beeinträchtigen.

Die häufigste Form der Arrhythmie ist das Vorhofflimmern, das die Leistung der Pferde meist deutlich schwächt. Manche taumeln, bekommen Koliken oder kollabieren schlimmstenfalls.

Bei Kammerflimmern ist das Pferd in Lebensgefahr: Der Herzmuskel zieht sich so schnell und unkontrolliert zusammen, dass er kaum noch Blut aus der Herzkammer pumpen kann. Das Pferd ist sofort bewusstlos, sein Puls kaum zu ertasten.

Hitze-Probleme

CAV Symptom-Lexikon Hitze-Probleme
Christiane Slawik
Heiße Sommertage haben zwei Nachteile, die für Pferde tödlich enden können: Entweder schwitzen sie zu viel und saufen zu wenig. Oder sie müssen stundenlang in der prallen Sonne stehen.

Hitzschlag und Austrocknen (Dehydration) sind die beiden wichtigsten Hitzeprobleme beim Pferd. Ob es dehydriert ist, sagt der Hautfaltentest: Kneifen Sie dem Pferd an der Schulter in die Haut, bis sich eine Falte bildet. Lassen Sie los, und schauen Sie auf die Uhr: Dauert es länger als drei Sekunden, bis die Haut wieder glatt ist, ist zuwenig Wasser im Gewebe.

Beim Reiten bemerkt man Dehydration zuerst am Nachlassen der Leistung. Die Pferde werden plötzlich schlapp, manche schwanken. Auch Koliken und andere Verdauungsprobleme können auftauchen.

Die Pferde schwitzen stark, ihr Puls schlägt schwach und schnell, im Extremfall mit 240 Schlägen pro Minute. Nach einem längeren, schweißtreibenden Ritt erholt sich ein dehydriertes Pferd nur langsam. Während der Puls bei gesunden Pferden nach zehn Minuten Pause deutlich unter 70 Schläge pro Minute fällt und sich nach einer halben Stunde wieder auf den Ruhewert (28 bis 40 Schläge) normalisiert, bleibt er bei dehydrierten Pferden auf 60 bis 80 Schlägen pro Minute stehen.

Die Körpertemperatur steigt bei Austrocknung. “39 bis 39,5 Grad Celsius sind normal bei Pferden, die sich bewegen„, sagt Dr. Juliette Mallison, Tierärztin und Präsidentin des Vereins der Deutschen Distanzreiter und -fahrer (VDD). “Aber ab 40 Grad wird es kritisch. Dann können die Pferde kollabieren.„

Bei Hitzschlag sind die Symptome ähnlich, die Gefahr eines Kreislaufkollapses ist sogar noch größer. Die Körpertemperatur steigt. “Über 42 Grad Celsius sind für ein Pferd sehr gefährlich, 43 Grad sind lebensbedrohlich„, erklärt Dr. Mallison. Die Pferde sind ängstlich und apathisch, atmen rasch und oberflächlich. Ihre Schleimhäute sind blaurot verfärbt. Am Anfang schwitzen sie stark, später ist ihre Haut trocken und heiß.

Sie taumeln plötzlich, stürzen und bleiben liegen. Manche sind bewusstlos, können aber trotzdem von Krämpfen geschüttelt werden. Manche sterben, sofort oder nach ein paar Stunden.

Dehydration und Hitzschlag lassen sich oft nur an der Stärke der Symp-tome unterscheiden. So steigt die Körpertemperatur bei Hitzschlag manchmal auf 43 Grad Celsius. Hitzschlag und Dehydration können außerdem Folgekrankheiten wie Kolik, Hufrehe und Kreuzverschlag (Tying up) auslösen.

Hornsäulen

CAV Symptom-Lexikon Hornsäulen
Gerhards
Ein angefräster Huf nach der OP.

Hornsäulen sind kegelförmige bis zylindrische Säulen oder leistenartige Wucherungen von krankem und übermäßig hartem Horn. Sie wachsen an der Innenfläche der Hornwand und verbreitern die Blättchenschicht halbkreisförmig in Richtung Hufmitte. “Ein Keratom, also eine echte Neubildung von Horn, wird von den Tierärzten meist erst beim Röntgen entdeckt„, sagt Huforthopäde Jochen Biernat aus dem rheinland-pfälzischen Morbach, Gründer des Deutschen Institut für Huforthopädie (DIfHO). Auch beim Ausschneiden entdecken Hufschmiede die Hornveränderung, der oft wenig Bedeutung beigemessen wird, eher nur zufällig oder wenn sie infiziert ist.

Einige Pferde laufen damit schmerzfrei, andere lahmen. Manche schonen den Zehenbereich, indem sie das Vorderbein mit einer Schleuderbewegung nach vorn schwingen und den Huf mit den Trachten aufsetzen. Bei der eitrigen Hornsäule pocht die Mittelfußarterie. Das Pferd zuckt zusammen, wenn der Tierarzt mit der Hufzange auf die Hornsäule drückt. Klopft er mit dem Perkussionshammer darauf, klingt der Huf im Bereich der Hornsäule anders als im gesunden. Die unterschiedlich großen, oft gelblichen Hornsäulen können in ihrem Zentrum eine dunkle Öffnung haben, aus der eine schmutziggraue oder eitriggelbe Flüssigkeit fließt. Manchmal steigt der Eiter an der Hornwand auf und bricht am Kronsaum durch. Die meisten Hornsäulen sind allerdings trocken.

Hufabszesse

CAV Symptom-Lexikon Hufabszesse
Gerhards
Ein spitzer Stein, ein Schlag auf die Hufwand – mehr braucht es oft nicht, damit ein Hufabszess entsteht. Er kann das gesamte Sohlenhorn unterhöhlen.

Hufabszesse lassen das Pferd meist stark lahmen. Es schont den kranken Hufabschnitt: Steckt der Abszess im vorderen Teil, fußt es nur kurz mit der Zehe auf. Sitzt er weiter hinten, belastet es den Ballenteil so wenig wie möglich. Die Lahmheit verstärkt sich auf hartem Boden.

Im Stehen entlasten viele Tiere das schmerzende Bein, indem sie es nach vorne stellen. Oft sind die Schmerzen so stark, dass das Pferd nur noch auf drei Beinen steht. Manchmal verliert es den Appetit, viele betroffene Tiere liegen auffällig häufig und lang. Bei manchen schwillt das Bein oder zumindest die Hufkrone leicht an. Die Untersuchung mit der Hufzange schafft meist Klarheit: Sobald der Tierarzt damit einen Abszess berührt, reagiert das Pferd mit heftiger Abwehr und versucht, das Bein wegzuziehen. Auch der Griff an die Fessel hilft bei der Diagnose – am kranken Bein ist die Fesselbeuge meist wärmer, die Arterie am Fesselkopf pulsiert stärker und schneller. Breitet sich der Hufabszess aus, beschleunigt sich der Pulsschlag, auch Atemfrequenz und Körpertemperatur können höher sein als bei einem gesunden Pferd.

Hufeinbruch

CAV Symptom-Lexikon Hufeinbruch

Das Pferd kann stark lahmen und entlastet den schmerzenden Huf im Stand. Wird es zum Laufen gezwungen, setzt es den Huf nur kurz auf oder humpelt auf drei Beinen. Hufbeinbrüche werden daher manchmal mit Hufabszessen verwechselt.

“Weil das Hufbein in den meisten Fällen aber nur fein eingerissen ist, lahmen die Pferde oft nicht so stark; häufig bemerkt man es erst im Trab oder auf engen Wendungen„, sagt Dr. Thomas Buyle, Fachtierarzt für Pferde aus Kernen/Baden-Württemberg.

Reicht der Bruchspalt bis ins Hufgelenk (intraartikuläre Fraktur), kann jede Beugung, Streckung und Drehung des Gelenks extrem schmerzhaft sein. “Bei feinen Rissen reagiert das Pferd auf Bewegungen des Hufgelenks nicht so heftig„, sagt Dr. Buyle. Weniger schmerzt meist auch ein Bruch im Hufbeinast, ohne dass das Gelenk betroffen ist (extraartikuläre Fraktur).

Drückt der Tierarzt die Trachten mit der Hufzange zusammen (Trachtenspanngriff), steigert das den Schmerz. Der Puls an der Mittelfußarterie pocht deutlich; gut zu ertasten ist er auf Höhe der Gleichbeine. Die Lahmheit klingt nach einigen Ruhetagen ab; wird das Pferd belastet, humpelt es aber wieder wie zuvor.

Hufknorpelverknöcherung

CAV Symptom-Lexikon Hufknorpelverknöcherung
Gerhards
Alarmstufe weiß: Im Röntgenbild, von der Rückseite des Hufs aufgenommen, sieht der Tierarzt deutlich die verknöcherten Hufknorpel (Pfeile).

Hufknorpelverknöcherungen werden selten früh erkannt, weil das Pferd anfangs meist nicht lahmt. Der Tierarzt entdeckt sie oft zufällig, etwa wenn er die Hufrolle bei der Kaufuntersuchung röntgt. Betroffen sind fast immer nur die Vorderhufe auf einer oder beiden Seiten; häufig verknöchert nur ein Hufknorpel eines Hufs.

Sind einer oder mehrere Knorpel komplett verknöchert (Ossifikation), verkürzt sich bei den meisten Pferden die Schrittlänge, vor allem auf hartem Boden und in engen Zirkeln. Dass sich der Gang gar nicht verschlechtert, ist selten. “Vor allem wenn die Hufknorpel beider Vorderhufe betroffen sind, fällt der stumpfe Gang aber oft kaum auf„, sagt Pferdetierarzt Dr. Matthias Baumann vom Trainings- und Rehazentrum Fohlenhof Steinberg in Reichertsheim/Bayern. In seiner langjährigen Praxis hatte er bisher kaum Pferde, die aufgrund der Verknöcherungen stark lahmten; meistens stellte sich heraus, dass die Lahmheit Folge einer anderen Erkrankung war.

Wenn sich an den Knorpeln blumenkohlförmige Knochenzubildungen entwickeln, sind sie am Kronsaum auf Höhe der Trachten zu ertasten. Bricht ein verknöcherter Knorpel, zum Beispiel durch einen Ballentritt, lahmt das Pferd deutlich. Solche Frakturen sind laut Baumann aber selten.

Hufkrebs

CAV Symptom-Lexikon Hufkrebs
privat
Hufkrebs stinkt – und bleibt trotzdem oft unentdeckt, weil Hufschmiede den tiefen Schnitt ins Horn nicht wagen. Welche Folgen hat das?

Hufkrebs (Pododermatitis chronica verrucosa) stinkt so penetrant wie Strahlfäule. Und ebenso wie Strahlfäule beginnt auch Hufkrebs meist in der mittleren Strahlfurche. Trotzdem sind beide Hufkrankheiten leicht auseinanderzuhalten.

“Strahlfäule erzeugt nur eine schwarze, übelriechende Schmiere„, sagt Huforthopäde Jochen Biernat aus Morbach/Rheinland-Pfalz, Gründer der Deutschen Huforthopädischen Gesellschaft. “Bei Hufkrebs quillt in dieser Feuchtigkeit außerdem die Lederhaut auf und verfärbt sich weißlich.„

Ein käsiger Belag bildet sich, der lange unsichtbar bleiben kann. “Meistens trocknet die weiche Pampe außen ab und lässt einen Überzug aus normal aussehendem, trockenem Horn zurück. Diese Schicht ist oft nur einen Millimeter dick, aber dick genug, um zu verbergen, was darunter ist„, beschreibt Huforthopäde Jochen Biernat.

Zwar kommt die Fäulnis beim Ausschneiden der Hufe manchmal schon im Anfangsstadium zum Vorschein. Aber laut Huforthopäde Biernat trauen sich viele Hufschmiede gerade dort nicht zu schneiden, wo es am nötigsten wäre. “Wenn das Pferd zuckt, haben sie Angst, dass es blutet, und lassen die Finger weg„, sagt er. Die Folge: “Hufkrebs kann jahrelang vor sich hingammeln, ohne dass man es merkt.„

Irgendwann ist die Lederhaut aber so stark geschwollen, dass sie die Außenschicht aus trockenem Horn durchbricht und nach außen quillt. “Die Lederhautzöttchen, die normalerweise nur einen Millimeter lang sind, können sich bei Hufkrebs auf einen halben bis ganzen Zentimeter vergrößern„, sagt Biernat. Form und Aussehen der Lederhaut ähneln dann einem Blumenkohl.

Oft bleibt Hufkrebs auch deshalb so lange unentdeckt, weil er beim Pferd erst spät Schmerzen und Lahmheit auslöst. “Dann hat der Krebs schon auf die Hufwände übergegriffen und einen großen Teil der Hornkapsel ausgehöhlt”, erklärt Jochen Biernat.

Das Pferd läuft sozusagen auf einem halbhohen Schuh, der stellenweise keine Verbindung mehr zum Leben hat„, beschreibt Huforthopäde Jochen Biernat. “Man sollte meinen, dass solche Tiere überhaupt nicht mehr laufen können”, sagt er. „Doch die meisten von ihnen lahmen erstaunlicherweise nur leicht.“

Hufrehe

CAV Symptom-Lexikon Hufrehe
Munter
Spätfolge: Unbehandelte Rehehufe nehmen mit der Zeit Knollenform an.

Hufrehe ist extrem schmerzhaft, was sich unter anderem durch Muskelzittern, Schwitzen sowie erhöhte Puls- und Atemfrequenz äußert. In vielen Fällen steigt die Körpertemperatur. Manche Tiere fressen nicht, krümmen den Rücken, legen sich hin. Vor allem Lahmheit ist typisch: Hochgradig erkrankte Pferde sträuben sich in der Regel gegen jede Bewegung; in leichteren Fällen verweigern sie zwar den Trab, gehen aber relativ bereitwillig Schritt.

Der Gang verändert sich, weil das Pferd versucht, die Zehe zu entlasten: Es tritt zuerst mit Ballen und Trachten auf, klappt dann mit dem vorderen Teil des Hufs nach. Wenn nach dem Abfußen das Gewicht auf drei Füßen lastet, wird der Schmerz stärker. Deshalb setzen an Hufrehe erkrankte Pferde das vierte Bein so schnell wie möglich wieder auf. Die Schritte werden kurz und flach.

Meist sind die Vorderhufe krank. „Nur manchmal sind alle vier Beine betroffen, sehr selten nur ein Bein“, sagt Pferdefachtierärztin Anke Rüsbüldt aus Tangstedt bei Hamburg. Im Stehen entlastet es die Vorderbeine, indem es die Hinterfüße so weit wie möglich unter den Körper stellt und die Vorderbeine so weit wie möglich nach vorne.

Weitere Symptome: ständige Gewichtsverlagerung von einem Bein aufs andere, längeres Stehen mit angehobenem Fuß, Sträuben gegen Hufegeben.

Im akuten Stadium steigt die Temperatur der Hufwand, die Blutgefäße am Fesselkopf pulsieren stark. Drückt oder klopft man gegen die Vorderwand des Hufs oder gegen die Sohle, zeigt das Pferd deutliche Anzeichen von Schmerz.

Hufrollenentzündung

CAV Symptom-Lexikon Hufrollenentzündung
Sabine Stuewer
Harte Stopps, verformte Hufe und falsche Aufzucht überlasten den Komplex aus Strahlbein, tiefer Beugesehne und Schleimbeutel. Hilft ein Beschlag lahmenden Pferden?

Bei einer fortgeschrittenen Hufrollenentzündung geht das Pferd aufgrund von Schmerzen hochgradig lahm. Weil sich die Krankheit in diesem Stadium nicht mehr heilen lässt, sollten Besitzer ihre Pferde genau beobachten und bei folgenden Anzeichen den Tierarzt rufen: Das Tier tritt vorsichtig an, geht klamm oder mit kurzen Schritten; die Lahmheit springt vom einem zum anderen Vorderbein über. Stolpern und unregelmäßige Bewegungen können zudem Schmerz in den Vorderbeinen signalisieren.

Einige Pferde versuchen, das kranke Bein durch Heben oder Nachvornestellen zu entlasten. Manche scharren eine Grube in den Boden, in die sie die Zehenspitze absenken. Die Trachten stehen erhöht auf der zurückgescharrten Erde, was Gewicht von der Hufrolle nimmt und den Schmerz verringert.

Die Provokationsprobe kann eine Hufrollenentzündung entlarven: „Führen Sie das Pferd auf festem Untergrund, und lassen Sie es an der Hand einen Zirkel traben“, rät Dr. Christian Bingold von der Pferdeklinik Großostheim bei Aschaffenburg. Das löst den sogenannten Wendeschmerz aus. „Tritt das Pferd sehr vorsichtig oder lahmt es, stimmt vermutlich etwas nicht.“ Der Tierarzt betäubt die Nerven, die zur Strahlbeinregion führen. Rühren Schmerz und Lahmheit von der entzündeten Hufrolle, ist das Pferd nach der Betäubungsspritze lahmfrei. Oder es lahmt auf dem anderen Vorderbein, falls die Hufrolle dort ebenfalls erkrankt ist.

Danach röntgt der Tierarzt die Strahlbeinregion, um knöcherne Veränderungen am Strahlbein festzustellen. „Inzwischen sind manche röntgenologische Veränderungen nicht mehr so sehr von Bedeutung wie in den Weichteilstrukturen der Hufrolle“, sagt Dr. Bingold. Das sind Strahlbeinbänder und tiefe Beugesehne, die er mittels Ultraschall und Kernspintomographie (MRT) untersucht. MRT liefert die umfangreichsten Informationen und erlaubt die genaueste Diagnose.

Infektiöse Anämie

CAV Symptom-Lexikon Infektiöse Anämie
Gerhards
Bremsen und Stechmücken transportieren das tückische Virus von Pferd zu Pferd. Für infizierte Tiere gibt es keine Rettung: Sie müssen getötet werden.

Bei einem schweren akuten Anfall von Equiner Infektiöser Anämie (EIA, Ansteckende Blutarmut der Einhufer) steigt die Körpertemperatur meist über 40 Grad Celsius. Das Fieber geht zwischendurch zurück, um später erneut anzusteigen. Fieberschübe und -pausen wechseln in unregelmäßigen Abständen. Muskelschwäche, zittern und schwanken beim Gehen, Benommenheit bis Apathie sind weitere Symptome. Manchmal färben sich die Schleimhäute leicht gelblich oder rötlich – am häufigsten an den Bindehäuten der Augenlider, die außerdem oft fleckig aussehen und glasig geschwollen sind.

Auf der Unterseite der Zunge entstehen oft Punktblutungen. Auch Blutungen in der vorderen Augenkammer und im Darm, die zu rotgefärbtem Durchfall führen, können vorkommen. Manchmal bilden sich Ödeme an Bauch oder Beinen.

Einige Pferde fressen kaum, die meisten haben jedoch erstaunlich guten Appetit. Wird die Krankheit chronisch, magern sie auch bei reichlich Futter ab und verlieren innerhalb weniger Tage bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts.

Erst im chronischen Stadium leiden die Pferde an mehr oder minder stark ausgeprägter Anämie (Blutarmut). Weil die Zahl roter Blutkörperchen abnimmt, ermüden sie schon nach kürzester Belastung. Sie geraten in Atemnot, der Plus steigt deutlich. Die Muskelschwäche, die einige Pferde bereits im akuten Stadium zeigen, kann sich bis zur Hinterhandlähmung steigern. Fieberschübe und -pausen folgen nun langsamer aufeinander als in der akuten Phase.

Diese Symptome verraten nur selten eindeutig eine Infektiöse Anämie. Es gibt zig Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Krankheiten, etwa sämtlichen Varianten der durch Futtermängel oder Gift ausgelösten Anämie (siehe Seite 6). Außerdem sind manche Anzeichen oft so schwach, dass sie übersehen werden. Geschätzte 30 bis 90 Prozent der infizierten Tiere entwickeln keinerlei Symptome.

Influenza

CAV Symptom-Lexikon Influenza
Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Bronchoskopie: Verschleimte, geschwollene Bronchien.

Influenza ist eine hochansteckende Virusinfektion, die die Atemwege eines Pferds befällt. „Influenza hat einen typischen Krankheitsverlauf, der sie von anderen Atemwegserkrankungen unterscheidet“, sagt Professor Peter Thein, Virologe und Pferdefachtierarzt an der Tierärztlichen Fakultät der Universität München.

Erstes Indiz ist die sehr kurze Inkubationszeit. Sie dauert meist zwischen 12 bis 24 Stunden, selten auch bis zu acht Tagen.

In der Regel erkranken fast alle Pferde eines Bestands gleichzeitig: Sie bekommen schlagartig Fieber, das bis auf 42 Grad Celsius steigen kann. Fiebrige Phasen wechseln mit fieberfreien.

Die erste Fieberzacke dauert in der Regel bis zu drei Tagen, in Ausnahmefällen bis zu einer Woche. Dann fällt das Fieber für Stunden oder einige Tage auf die normale Körpertemperatur, um danach erneut anzusteigen. „Im allgemeinen beobachten wir während der Influenzainfektion bis zu drei und mehr Fieberschübe“, sagt Professor Thein.

Mit dem ersten Fieberschub setzt ein kräftiger, trockener Husten ein, der für Pferde schmerzhaft ist. Dabei können schon zu Beginn der Erkrankung bis zu zehn Hustenattacken pro Stunde das Pferd schütteln. Zum Zeitpunkt der ersten Fieberpause kann sich dieser Husten wieder bessern; er wird eher oberflächlich, feucht und ist dann weniger schmerzhaft.

Aus den Nüstern kommt klarer, wässriger bis schleimiger Nasenausfluss; meist sind die Bindehäute gereizt und entzündet. Das Pferd atmet schneller als die normalen 10 bis 20 Züge pro Minute und presst beim Ausatmen den Bauch.

Die Kopflymphknoten können während der akuten Phase druckempfindlich sein; das Pferd ist schlapp bis zur Apathie und frisst nicht.

Um das Virus zu bestimmen, schickt der Tierarzt Sekretproben ins Labor, wo das Influenza-Virus in bebrüteten Hühnereiern angezüchtet wird. Nach drei bis vier Tagen ist der Virustyp feststellbar.

„Es gibt auch Schnelltests im Handel, die durch ein Antigen-Nachweisverfahren in kürzester Zeit eine Diagnose liefern. Um den Virustyp zu isolieren, muss er im Anschluss aber trotzdem noch im Labor angezüchtet werden“, sagt Professor Thein.

Karpaltunnel-Syndrom

CAV Symptom-Lexikon Karpaltunnel-Syndrom
Gerhards
Das Pferd hat Schmerzen und versucht, das kranke Vorderbein zu entlasten.

Der Karpaltunnel ist ein Hohlraum am hinteren Rand des Vorderfußwurzelgelenks. Er entsteht, weil die Ränder von Unterarmknochen, Karpalknochen, Metakarpalknochen und Erbsenbeinknochen (Os carpi accessorium) eine knöcherne Rinne bilden, über der wie ein Deckel ein mehrere Millimeter starkes Halteband liegt (Retinaculum flexorum).

In diesem Tunnel laufen, eingebettet in lockeres Bindegewebe, die oberflächliche und die tiefe Beugesehne. Sie haben eine gemeinsame Karpalbeugesehnenscheide, die vor mechanischen Reizungen schützen soll. Diese vier bis zehn Zentimeter lange Hülle umschließt außer den Sehnen auch die Gefäße und Nerven, die sich dicht an die Sehnen schmiegen.

Sammelt sich Flüssigkeit in der Sehnenscheide, geraten Nerven, Gefäße und Sehnen im Karpaltunnel unter Druck. Das Pferd hat Schmerzen und lahmt. Unter zunehmender Belastung lahmt es meist stärker, nach Ruhe schwächer. „Typisch ist eine stark wechselnde Lahmheit“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Karl Pauritsch aus Gössendorf in Österreich. „Auf der ersten Bahn geht das Pferd klar, auf der nächsten plötzlich stocklahm.“ Manche Pferde stolpern viel.

Die prall gefüllte Sehnenscheide wölbt sich häufig unter der Haut vor. Die Schwellung seitlich des Karpalgelenks kann sich bis in den Unterarmbereich ausdehnen. Bei frischen Erbsenbeinbrüchen ist die Bruchstelle häufig fühlbar; bei alten, unbehandelten Brüchen kann man das gebrochene Erbsenbein vermehrt unter der Haut seitlich verschieben.

Tastet man den Karpaltunnel ab, zeigt das Pferd Druckschmerz. Mit der Karpalbeugeprobe will der Tierarzt das Lahmen verstärken, um es sicher dem Karpalgelenk zuzuordnen.

Die Leitungsanästhesie, bei der das Bein abschnittsweise betäubt wird, ist ein weiterer Schritt der Diagnose: Betäubt der Tierarzt die Karpalbeugesehnenscheide, müsste das kranke Pferd lahmfrei gehen. „Mit der Leitungsanästhesie kann man den Schmerz allerdings nicht vollständig ausschalten, so dass die Lahmheit häufig nicht ganz verschwindet“, sagt Dr. Pauritsch, der deshalb zur Sonografie rät. „Es gab freilich bisher kaum Berichte, wie das Karpaltunnelsyndrom im bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden kann“, ergänzt er.

Deshalb untersuchte der Pferdefachtierarzt in einer Studie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover 10 Pferde mit Karpaltunnelsyndrom und im Vergleich fünf gesunde Pferde mit dem Ultraschallgerät, das mit einem Linearschallkopf ausgerüstet war. „Die Sonografie ist hier das Diagnose-Mittel der Wahl“, bilanziert Dr. Pauritsch, der Veränderungen im Bereich der Sehnenscheide, der Sehnen und Bänder auf dem Bildschirm beurteilte. Zusätzlich röntgte er das Karpalgelenk, um Knochenveränderungen zu erkennen.

Noch besser sind freilich Kernspintomographie (MRT) und Computertomographie (CT), die gestochen scharfe Bilder von Beugesehnen, Sehnenscheide, Halteband und Knochenrändern des Karpaltunnels liefern.

Katarakt

CAV Symptom-Lexikon Katarakt
Gerhards
Die getrübte Linse löste sich aus ihrer Verankerung.

Wird die Linse eines oder beider Augen trüb, leidet das Pferd an Katarakt (Grauer Star). Je nach Lage und Ausmaß der Trübung unterscheidet man Totalstar, Kern- oder Rindenstar.

Beim Totalstar ist die gesamte Linse trüb. Auf diesem Auge kann das Pferd zwar zwischen hell und dunkel unterscheiden, aber keine Gegenstände mehr erkennen. „Der Blick durch eine trübe Linse ist wie die Sicht durch eine beschlagene Autoscheibe“, vergleicht Professor Hartmut Gerhards, Augenspezialist und Leiter der Pferdeklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Pferd erschrickt immer häufiger, weil es Gegenstände oder Menschen nur noch schemenhaft erkennt.

Der Kernstar hat einen getrübten Linsenkern, während die seitliche Rindenzone oder Teile davon durchsichtig sind. Die zentrale Trübung ist meistens so stark, dass auch der Kernstar die Sehkraft verschlechtert.

Beim Rindenstar liegt die Trübung am Kapselrand. Sind die vorderen und hinteren Kapselnähte betroffen (Nahtstar), sieht das Pferd aus, als trage es einen dreistrahligen Stern auf der Linse. Diese Trübungen beeinträchtigen das Sehen nicht immer.

Wucherungen an der Linsenkapsel bilden oft scheiben-, ring- oder punktförmige Trübungen. Um die Sehkraft zu untersuchen, leuchtet der Tierarzt mit einem gebündelten, kräftigen Lichtstrahl direkt ins Auge. „Zwinkert das Pferd mit dem Lid und verengt sich die Pupille, sind Netzhaut und Sehnerv intakt, und das Pferd kann sehen“, sagt Professor Gerhards. Eine Linsentrübung leuchtet grau-weiß auf, wenn der Strahl durch die Linse dringt.

Die unter Laien übliche Methode, mit einer Hand vor dem Pferdeauge hin- und herzuwedeln, sagt dagegen nichts über die Sehkraft aus, weil bereits der entstehende Luftstrom den Lidschlag auslösen kann.

Um weitere Erkrankungen des inneren Auges (Aderhaut, Iris, Glaskörper) festzustellen, macht der Tierarzt ein Ultraschallbild vom Auge. Mit dem Elektroretinogramm (ERG) misst er elektrische Ströme auf der Netzhaut. Anhand der Kurvenausschläge kann er nachweisen, ob die Netzhaut lichtempfindlich reagiert.

Kehlkopferkrankungen

CAV Symptom-Lexikon Kehlkopferkrankungen
Hans Kuczka
Der Kehlkopf reguliert die Atmung. Wird er auf Dauer von Viren oder Bakterien attackiert, pfeifen die Pferde beim Einatmen. Eine Operation hilft manchmal.

Eine akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis) verursacht in der Regel kaum Beschwerden. Erkrankte Pferde husten aber häufig, zunächst trocken, später manchmal feucht und meist schmerzhaft. Viele Pferde bekommen Hustenanfälle, wenn sie aus dem Stall kommen und sich in kalter Luft bewegen. Andere beginnen beim Fressen zu husten. Staubige Luft löst besonders schwere und langanhaltende Hustenanfälle aus. Manchmal verursacht eine Kehlkopfentzündung klaren bis eitrigen Nasen- und Augenausfluss und lässt die Kehlgangslymphknoten schwellen. Schwillt auch die Kehlkopfschleimhaut, gibt der Patient schnarchende bis röchelnde Geräusche von sich.

Kehlkopfpfeifer atmen im Trab und vor allem Galopp mit einem pfeifenden, keuchenden, röchelnden oder grunzenden Geräusch ein. Während gesunde Pferde ausatmen, wenn das im Galopp führende Bein fußt, haben viele Kehlkopfpfeifer Schwierigkeiten, ihre Atmung mit den Bewegungen zu synchronisieren. Sie wiehern oft leise und heiser, husten und verschlucken sich öfter.

Je höher die Geschwindigkeit und je länger die Belastung, desto lauter und durchdringender wird das Geräusch. So kann aus weichem Pfeifen im kurzen, gemäßigten Trab ein lautes Keuchen im langanhaltenden, schnellen Galopp werden. Meist verschwindet das Geräusch aber nach wenigen Atemzügen wieder, wenn das Pferd zur Ruhe kommt.

Kieferfraktur

CAV Symptom-Lexikon Kieferfraktur
Gerhards
Stufe um Stufe: Durch den Bruch hat sich der Unterkiefer verschoben.

Kieferfrakturen sind beim Pferd nicht selten, wobei der Unterkiefer häufiger bricht als der Oberkiefer.

Besonders schnell splittert der Unterkiefer an der zahnlosen Lücke (Lade). Dort liegt beim Reiten das Trensen- oder Kandarengebiss, gepolstert durch die Zunge, die sich breit über Knochen und Lade legt. An dieser Engstelle ist zwischen den beiden Unterkieferästen bei einem normal großen Warmblüter nur drei Zentimeter Platz, so dass gerade das Gelenk der Trense dazwischen passt.

Häufig ist der Kieferbruch offen, Knochensplitter bohren sich durch die Haut nach außen. Bei gedeckten oder geschlossenen Brüchen dagegen sind außen am Kopf höchstens ein Knubbel an der Bruchstelle oder eine vermehrte Beweglichkeit feststellbar.

In den ersten Tagen nach dem Bruch kann das Pferd Fieber bekommen. Die Bruchstelle schwillt diffus und schmerzhaft an. Um dem Schmerz auszuweichen, streckt das Pferd den Kopf vor. Aus dem leicht geöffneten Maul hängt die Zunge; Speichel fließt. Das Pferd hat üblen Mundgeruch. „Es kann nicht richtig kauen, frisst sehr langsam oder manchmal gar nicht mehr“, sagt Pferdezahnspezialist Privatdozent Dr. Claus Peter Bartmann aus Bad Reichenhall.

Im Bereich des Oberkiefers brechen meistens ein oder mehrere Zahnfächer (Alveolen) der Schneidezähne, was als Zahnfachfraktur bezeichnet wird. Dann stehen die Schneidezähne schief oder wackeln, Blut läuft aus dem Maul, der Oberkiefer schwillt an.

Der Tierarzt spült vor der Untersuchung die Maulhöhle mit Wasser, um Futterreste aus offenen Brüchen zu entfernen. Danach öffnet er das Maul sehr vorsichtig, betrachtet die Maulhöhle samt Gebiss und röntgt den Kiefer in verschiedenen Ebenen. Auf den Bildern erkennt er die Bruchlinien und Verlagerungen von Knochen oder Zähnen.

Kissing Spine

CAV Symptom-Lexikon Kissing Spine
Gerhards
Wenn die Dornfortsätze aneinander reiben, spricht man von Kissing Spine. Pferde mit „küssender Wirbelsäule“ gelten als unheilbar, haben aber längst nicht immer Rückenschmerzen.

Typisch sind Rückenschmerzen, die mit der Zeit immer stärker werden. Viele Pferde weichen beim Putzen zur Seite aus oder drücken den Rücken weg. „Auch Probleme beim Satteln, Gurten, Aufsitzen oder Anreiten gehören dazu“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Michael Nowak von der Tierklink Karthaus in Dülmen/Nordrhein-Westfalen. „Der Grund muss nicht unbedingt Kissing Spine sein. Aber man sollte den Rücken auf jeden Fall checken lassen.“

Beim Reiten tun sich Pferde oft mit der Längsbiegung schwer und laufen steif durch Wendungen. Sie gehen häufig schwunglos, halten den Schweif schief oder klemmen ihn ein und wollen oft nicht vorwärts. Andere wehren sich gegen den Zügel, tragen den Kopf schief oder schlagen mit dem Kopf. Auch wenn ein Pferd ständig Kreuzgalopp geht, hat es möglicherweise Kissing Spine. Beim Springen kann es ebenfalls Probleme geben; manche Pferde verweigern plötzlich. Im Extremfall tut der Rücken so weh, dass die Pferde buckeln und steigen, sowie der Reiter im Sattel sitzt. Andere gehen vor Schmerzen durch oder bleiben starr stehen.

Kniegelenksarthrose

CAV Symptom-Lexikon Kniegelenksarthrose
Pferdeklinik Dallgow
Krankes Knie mit arthrotischen Veränderungen (Plateau, siehe Pfeil) am Schienbein.

Im Frühstadium wird die Arthrose leicht übersehen, weil das Pferd nicht lahmt. Wird es aus der Box geholt, läuft es etwas steif und braucht ein paar Minuten, um sich einzulaufen.

Später werden die Schmerzen stärker, das Pferd lahmt aber zunächst nur nach Belastung. Wird es nicht gearbeitet, scheint sich die Lahmheit zu verbessern. Aber sie flammt auf, sobald wieder trainiert wird. Das Pferd tritt hinten kürzer, schlurft und fußt stärker auf der Zehe, weshalb sich das Hufhorn oder Eisen an der Zehe mehr abnutzt.

Im fortgeschrittenen Stadium lahmt das Pferd meist auch, wenn es lediglich auf der Weide läuft. Ein harter und unebener Boden kann die Lahmheit zusätzlich verschlimmern. Die Oberschenkel- und Kruppenmuskulatur schrumpft. Es ist möglich, dass das Kniegelenk anschwillt. Im Stand entlastet das Pferd das kranke Bein, manche legen sich wegen der Arthrose nicht mehr hin. Wenn sie ständig unter starken Schmerzen leiden, werden sie teilnahmslos oder aggressiv und magern ab.

Kolik

CAV Symptom-Lexikon Kolik
Hans Kuczka
Kolik ist das häufigste Leiden der Pferde und Todesursache Nummer 1. Dabei ist Kolik strenggenommen gar keine Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für Bauchschmerzen aller Art.

Kolik ist eine Sammelbezeichnung für meist schmerzhafte Magen-Darm-Erkrankungen verschiedener Ursachen. „Kolik ist also keine Krankheit, sondern ein Syndrom, bei dem verschiedene charakteristische Symptome zusammentreffen“, sagt Dr. Wolfgang Scheidemann von der Tierklinik Hochmoor im nordrhein-westfälischen Gescher-Hochmoor.

Koliker zeigen ihre Schmerzen meist sehr deutlich: Sie sind zunehmend unruhig, flehmen, scharren und schlagen gegen den Bauch, legen sich hin und stehen wieder auf. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, wälzen sie sich, werfen sich zu Boden und toben, wobei sie zwischendurch scheinbar symptomfrei minutenlang ruhig liegen können.

Charakteristisch für eine Krampfkolik, die mit über 50 Prozent häufigste Kolikform, sind plötzlich einsetzende, wenige Minuten andauernde, heftige Schmerzattacken. Diese wechseln mit Phasen, in denen die Pferde keine Anfälle haben. Während dieser Pausen verhält sich ein Krampfkoliker oft völlig normal.

Andere Koliker verhalten sich auffällig ruhig. Um den Bauch zu entlasten, stellen sie Vorder- und Hinterbeine weit nach vorne oder hinten, drehen den Kopf zur schmerzenden Bauchseite. Manche Kolikformen erkennt man an der typischen Körperhaltung: Fohlen mit Magengeschwüren liegen häufig scheinbar entspannt an die Boxenwand gelehnt. Heftiges Toben und rücksichtsloses Wälzen deuten meist auf eine Dickdarmdrehung hin. „Bei Magenüberladung setzen sich manche Pferde wie Hunde hin“, sagt Dr. Scheidemann.

Geblähter Bauch, Fressunlust, geweitete Nüstern, erhöhte Puls- und Atemfrequenz (normaler Ruhepuls: 30 bis 44 Schläge/min; Atmung in Ruhe: 10 bis 20 Züge/min) sowie starkes Schwitzen sind typisch. Laute Darmgeräusche signalisieren eine beginnende Gaskolik. Bei Krampfkolik sind dagegen nur wenige oder gar keine Darmgeräusche zu hören.

Kreuzverschlag

CAV Symptom-Lexikon Kreuzverschlag
Streitferdt
Klatschnass: Schwitzen und Muskelzittern sind ebenfalls typische Symptome für Kreuzverschlag.

Kreuzverschlag, Feiertagskrankheit, Tying up, Rhabdomyolyse oder Lumbago sind die traditionellen Bezeichnungen für Muskelerkrankungen bei Pferden. „Wie man inzwischen weiß, gibt es verschiedene Muskelerkrankungen, die durch diese Bezeichnungen aber nicht widergespiegelt werden“, sagt Dr. Christian Bingold von der Pferdeklinik Großostheim bei Aschaffenburg. Ihre Symptome gleichen sich zwar, die Muskelerkrankungen haben aber unterschiedliche Ursachen.

Auch das Ausmaß eines Kreuzverschlags kann sehr unterschiedlich sein. „Im günstigsten Fall merken Sie als Reiter gar nichts, nur Laborwerte würden etwas anzeigen“, sagt Dr. Bingold. Nimmt die Störung zu, bewegt sich das Pferd auf der Hinterhand zunehmend steif und unwillig. Im Extremfall kann es keinen Schritt mehr laufen, knickt in der Hinterhand ein und legt sich fest.

Für einen Laien ist es oft schwierig, einen schweren Verschlag von einer Kolik zu unterscheiden, da sich die Symp-tome ähneln. „Im Gegensatz zur Kolik legt sich das Pferd relativ still hin“, erklärt Dr. Bingold. Es versucht sich nicht zu wälzen, weil dies mit Schmerzen verbunden wäre. Es schaut sich aber häufig wie ein Koliker nach hinten um oder flehmt vor Schmerzen. Ein sehr starker Kreuzverschlag kann neben Kolik auch mit anderen extrem schmerzhaften Krankheiten verwechselt werden – etwa Beckenbrüche, Thrombosen der Hinterhandarterien, Harnröhrensteine oder Tetanus.

Bei schweren Verläufen wird die Muskulatur steinhart, schwillt an und ist extrem druckempfindlich. Die Pferde schwitzen besonders in den betroffenen Muskelregionen, die Körpertemperatur steigt über die normalen 37,5 bis 38,2 Grad Celsius. Die Temperaturmessung kann aber sehr irreführend sein, da nach der Arbeit die Körpertemperatur auch ganz natürlich deutlich ansteigen kann. Bei Schmerzen zeigt das Pferd einen ängstlichen Gesichtsausdruck, sein Atem scheint gepresst. Atemfrequenz und Puls steigen. „In solch schlimmen Fällen färbt sich der Harn zu einer Farbe, die Cola ähnelt. Das ist ein Katastrophensignal“, sagt Dr. Bingold.

Bei milderen Verläufen fehlen diese gravierenden Symptome, weshalb auch für Tierärzte die exakte Diagnose schwierig ist. „Zuverlässigstes Indiz für eine Muskelstoffwechselstörung ist der Anstieg der Muskelenzyme im Blut“, so Dr. Bingold. Der Tierarzt nimmt deshalb bei Verdacht auf Kreuzverschlag eine Blutprobe. Nicht jede kleine Erhöhung der Muskelwerte ist dramatisch. „Erst wenn die Laborwerte um ein Mehrfaches ansteigen, kann man von einem Verschlag sprechen“, sagt Dr. Bingold. Die sicherste Diagnose stellt der Tierarzt nach einer Muskelbiopsie, bei der er dem sedierten, stehenden Pferd eine Muskelprobe entnimmt.

Lebererkrankungen

CAV Symptom-Lexikon Lebererkrankungen
Christiane Slawik
Die Leber ist die größte Drüse und gleichzeitig das Chemielabor des Pferds. Was passiert bei Störfällen in der Stoffwechsel-Zentrale?

Im Gegensatz zum Menschen sind Lebererkrankungen beim Pferd selten. Weil die Leber zahlreiche Funktionen hat, können die Symptome vielfältig sein. Akute Leberleiden äußern sich vor allem durch gelblich verfärbte Schleimhäute; bei vielen chronischen Leberleiden ist dieses Alarmzeichen aber schwach oder gar nicht vorhanden. Außerdem können Schleimhäute auch gelb werden, wenn die Leber gesund ist. Die gelbe Farbe kommt vom Gallenfarbstoff Bilirubin. „Leicht gelbliche Schleimhäute haben 10 bis 15 Prozent aller gesunden Pferde“, sagt Pferdefachtierärztin Dr. Inka Kreling von der Tierärztlichen Klinik Binger Wald in Waldalgesheim/Rheinland-Pfalz. Außerdem neigen sie zu sogenannten Hunger-Schleimhäuten: Wenn ein Pferd länger als ein bis zwei Tage nichts frisst, steigt der Bilirubin-Spiegel, ohne dass das Pferd leberkrank ist.

Ähnlich leicht zu verwechseln sind auch alle anderen Symptome eines Leberschadens: Leistungsschwäche, Abmagerung (meist fressen und saufen Leber-Patienten wenig), Verdauungsstörungen aller Art wie Blähungen, Verstopfung mit trockenen, kleinen Äpfeln oder Durchfall mit schmerzhaftem Kotdrang. Einen wichtigen Hinweis kann die Körpertemperatur geben: „Pferde mit Leberschäden können konstant oder auch wechselnd auftretendes Fieber haben“, sagt Dr. Inka Kreling. Während sich manche Leberkranken ungern bewegen und viel liegen, leiden andere unter zwanghaftem Bewegungsdrang. „Bei schweren Leberschäden häufen sich im Körper schädigende Substanzen, die das Nervensystem beeinflussen“, erklärt die Tierärztin. In einem solchen Fall laufen Pferde häufig nur noch monoton im Kreis. Meist können sie ihre Bewegungen nicht mehr richtig koordinieren und schleifen mit den Zehen über den Boden.

Auch das Verhalten verändert sich oft drastisch. Viele sind zeitweise teilnahmslos, verharren stundenlang auf einem Fleck oder drücken apathisch den Kopf gegen die Boxenwand. Dann wieder geraten sie in höchste Erregung, werden aggressiv, leiden unter Muskelzuckungen oder werden von Krämpfen geschüttelt. Deshalb wird dieser Zustand auch Leberkoma oder Leberkoller genannt.

Bei chronischer Leberinsuffizienz können in seltenen Fällen blutiger Harn oder dunkel verfärbter Durchfall auftreten. Pferde, die sich etwa durch Pflanzen vergiftet haben und an Photosensibilisierung leiden, reagieren extrem empfindlich auf ultraviolettes Licht.

Weil die Symptome meist nicht eindeutig sind, reicht die klinische Untersuchung für die Diagnose eines Leberschadens nicht aus. Viele Hepatopathien (Leberleiden) folgen zudem auf andere Erkrankungen wie Herpesinfektionen bei Fohlen, Druse, Fohlenlähme, Leptospirose, Parasitenbefall oder Blutvergiftung und verstecken sich hinter deren Beschwerden.

„In der Regel sind mehr als 80 Prozent des Lebergewebes geschädigt, bevor es zu klinischen Symptomen kommt, unabhängig von der Ursache der Erkrankung“, so Dr. Kreling. Ein Blutbild, die Fibrinogenbestimmung und die Aktivitätsbestimmung von verschiedenen Enzymen dienen als Suchprogramm für die Leberdiagnostik. „Über die Art der Erkrankung geben diese Laborparameter aber nur bedingt Auskunft“, sagt Dr. Kreling. Mittels Ultraschall stellt der Tierarzt die veränderte Größe und Struktur der Leber dar, was aufgrund der Größe des Organs nur in bestimmten Abschnitten gelingt. Die Leberbiopsie (Entnahme von Lebergewebe) kann wichtige Informationen über die Art der Erkrankung liefern. Sie ist aber nicht bei allen Erkrankungen angezeigt, etwa nicht bei Leberabsessen oder Gerinnungsstörungen.

Luftsackerkrankungen

CAV Symptom-Lexikon Luftsackerkrankungen
Gerhards
Eitriger Ausfluss deutet auf Empyem.

Variieren je nach Art der Erkrankung. Sind die Luftsäcke vereitert (Luftsackempyem), fließt Eiter schubweise aus einer oder beiden Nüstern, vor allem, wenn das Pferd den Kopf senkt. Die Nüsternseite verrät aber nicht sicher, welcher Luftsack betroffen ist. Das Sekret ist erst eitrig-flüssig, manchmal mit etwas Blut vermengt. Später kann der Ausfluss käsiger werden und sogar komplett versiegen. Der Ganaschenbereich schwillt mehr oder weniger stark, Druck ist schmerzhaft. Bei starker Schwellung sind Schluckbeschwerden häufig. Vor allem beim Einatmen können rasselnde Geräusche zu hören sein. Auf Dauer magert das Pferd ab, obwohl es gut frisst. Pilzinfektionen (Luftsackmykosen) verlaufen in der Regel ohne deutliche Symptome, solange die Pilze keine Gefäße oder Nerven schädigten. Sind Nerven geschädigt, kann es zu Gleichgewichtsproblemen sowie Schling- und Schluckbeschwerden kommen. Manche Pferde halten den Kopf schief, schwitzen einseitig unter einem Ohr, oder das obere Augenlid hängt einseitig herab. Das Gaumensegel kann sich verlagern, was bei Belastung zu pfeifenden Atemgeräuschen führt. Haben Pilze Blutgefäße geschädigt, blutet das Pferd plötzlich stark aus einer oder beiden Nüstern. Typisch für Luftsacktympanie, bei der sich Luft im Luftsack staut, sind massive, schmerzlose Schwellungen im Kehlbereich ohne Nasenausfluss. Klopft man mit dem Finger auf die Schwellung, klingt das wie eine dumpfe Trommel. Starke Schwellungen verursachen Schluckbeschwerden und Atemnot.

Lungenentzündung

CAV Symptom-Lexikon Lungenentzündung
Gerhards
Beim Abklopfen hört man, ob die Lunge verschleimt ist.

Bei einer akuten Lungenentzündung ist grundsätzlich die Körpertemperatur erhöht. Daran kann man sie leicht von einer chronischen Bronchitis unterscheiden. Ein Pferd hat dann manchmal über 40 Grad Celsius Fieber (normal sind 37,5 bis 38,3 Grad Celsius). Das Blutbild stützt die Diagnose: Es zeigt immer eine Leukozytose, also eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen.

Sie verschwindet ebenso wie das Fieber, wenn die Lungenentzündung nach etwa sechs Wochen chronisch wird. Die Körpertemperatur ist wieder normal bis leicht erhöht. Nach körperlicher Anstrengung kann das Pferd allerdings erneut Fieber bekommen.

Egal ob akut oder chronisch, Pferde mit Lungen-entzündung (Pneumonie) sind meist apathisch und matt. Sie verlieren den Appetit, bei längerer Erkrankung magern sie ab. Manche schwitzen oder zittern leicht. Herz- und Atemfrequenz sind anormal hoch. Oft atmen die Pferde mit weit geöffneten Nüstern und geraten schon bei leichter körperlicher Belastung in Atemnot. Nur wenige von ihnen husten. Wenn sie es tun, ist der Husten feucht und schmerzhaft. „Pferde mit einer Lungenentzündung husten immer sehr leise und gequält; Pferde mit einer Erkrankung der oberen Atemwege husten dagegen immer laut und bellend“, erklärt Pferdefachtierarzt Dr. Henning Schlumbohm aus Waldenbuch bei Stuttgart.

Manchmal quillt schleimig-eitriger Nasenausfluss aus den Nüstern. Grau bis blutig-rot und faulig-süßlich stinkend ist er für die sogenannte Aspirationspneumonie typisch.

Magengeschwüre

CAV Symptom-Lexikon Magengeschwüre
Gerhards
Stress im Training und Fastfood in der Krippe fressen Krater in die Schleimhaut. Sie können sogar Koppen auslösen.

Typisch sind schlechter Appetit, stumpfes Fell und Abmagerung. Manche Patienten flehmen, kauen leer, speicheln oder knirschen mit den Zähnen. Häufig leiden sie unter leichten Koliken und sind weniger leistungsfähig.

Auch Koppen kann ein Hinweis sein. Weil die Symptome nicht eindeutig sind, und nicht jedes Tier mit Magengeschwüren überhaupt Symptome zeigt, ist eine Magenspiegelung (Gastroskopie) für die Diagnose wichtig.

Mauke

CAV Symptom-Lexikon Mauke
Gerhards
Nässe, Schmutz und geschwächte Haut sind ideale Voraussetzungen für eine Hautentzündung in der Fesselbeuge. Die ersten Symptome müssen schnell erkannt und bekämpft werden.

Bei Mauke entzündet sich die Haut in der Fesselbeuge. Wer die Fesselbeugen seines Pferds regelmäßig inspiziert, erkennt eine Mauke schon im Anfangsstadium: Bei typischem Krankheitsverlauf rötet sich an dieser Stelle des Pferdebeins zunächst die Haut, Knötchen und Bläschen bilden sich. Im Verlauf entsteht eine nässende, wunde Oberfläche mit übel riechendem, schmierigem Belag (nässende Mauke).

„Schmutzansammlungen können zusammen mit abgesondertem Sekret und oberflächlichen Hautzellen dicke, bröckelige Borken bilden, die auch an den Behängen kleben“, erklärt Dr. Jacek Gawda von der Pferdeklinik Aggertal in Lohmar-Wahlscheid/Nordrhein-Westfalen. Weil die kranke Haut juckt, trippeln manche Pferde unruhig, stampfen mit dem Huf auf, knabbern am Bein.

Im chronischen Stadium wird die Haut dicker. Manchmal verhornt die Haut und bildet warzenartige Krusten. Diese Warzenmauke wird auch Strauch- oder Igelfuß genannt, weil die Haare rund um den Kronsaum bürstenartig abstehen. Bei der Brandmauke greifen anaerobe Bakterien, die unter sauerstoffarmen Bedingungen gedeihen, die Unterhaut in der Fesselbeuge an. Einige Mauke-Patienten lahmen, weil ihnen die Risse, Schuppen oder Krusten in der Fesselbeuge Schmerzen bereiten.

Maulhöhlenentzündung

CAV Symptom-Lexikon Maulhöhlenentzündung
Wolschendorf
Wenn das Pferd nur zaghaft kaut, können drückende Ge­bisse, Pilzgift im Futter oder Viren schuld sein.

Ist die Mundhöhle entzündet (Stomatitis), fließt meist Speichel aus dem Maul. Das Pferd kaut kaum oder sehr vorsichtig, bevorzugt feuchtes, weiches Futter. Wird die Krankheit schlimmer, hören manche Pferde ganz auf zu fressen.

Die Mundschleimhaut ist gerötet und schwillt. Die Schwellung kann sich auf Maulwinkel und Lippen ausdehnen. Schon leichte Schmerzen können dazu führen, dass das Pferd das Trensengebiss nicht mehr annimmt oder sich beim Reiten gegen die Zügel wehrt.

Abgestorbene Schleimhautschichten lösen sich und vermischen sich mit Speichel. Gräuliche bis dunkelbraune Beläge verursachen einen oft süßlichen Mundgeruch.

Wirft die Schleimhaut linsengroße Blasen, ist das Pferd appetitlos und bekommt Fieber, deutet das auf vesikuläre Stomatitis. Die Bläschen können sich nicht nur auf Zunge und Mundschleimhaut zeigen, sondern auch am Kronsaum der Hufe, am Ballen und sogar am Euter. Wenn die Bläschen im Maul platzen und Bakterien eindringen, bilden sich eitrige Pusteln (Stomatitis pustulosa), die sich zu tiefen Geschwüren entwickeln können.

Eitrige Pusteln auf Mundschleimhaut und Zunge können außerdem Symptome für eine Infektion mit Pferdepocken (ansteckende pustulöse Mundhöhlenentzündung) sein.

Melanome

CAV Symptom-Lexikon Melanome
Hans Kuczka
Die schwarzen Knoten wachsen meist bei Schimmeln. Wenn Füchse oder Braune sie bekommen, sind die Tumore viel aggressiver.

Melanome sind graue, schwarze oder schwarzbraune Knoten unter der Haut. Weil sie die Haut nicht durchbrechen, lassen sie sich gut von anderen Tumoren wie zum Beispiel Equinen Sarkoiden unterscheiden.

Die bösartigen Hautgeschwulste haben meistens nur ein, zwei Zentimeter Durchmesser, werden in Ausnahmefällen aber so groß wie ein Kopf. Manche Pferde haben ein einziges Melanom, andere sind im fortgeschrittenen Krankheitsstadium von ihnen übersät.

Es gibt harte und weiche Melanome. Beide sind nicht wärmer als die gesunde Haut, und ihre Berührung tut dem Pferd nicht weh.

Grundsätzlich können sich die Knoten überall am Körper bilden, häufig entstehen sie aber unter der Schweifrübe und um den After herum. Auch Penis, Vorhaut und Scheide gehören zu den meistbefallenen Körperstellen. Am Kopf wachsen Melanome oft an den Lippen und den unpigmentierten, haarlosen Stellen rund ums Auge. Sie können aber gelegentlich sogar im Inneren des Auges sitzen.

Erkrankungen der Milz

CAV Symptom-Lexikon Erkrankungen den Milz
Gerhards
Diese Milz ist auf unglaubliche 57 Kilo angeschwollen. Das Pferd hatte Leukose.

Milzblutungen verlaufen manchmal dramatisch: Die Pferde bekommen lebensbedrohliche Kolikanfälle, krümmen den Rücken auf, atmen schwer und schwitzen. Die Schleimhäute sind blass, das Herz schlägt schneller als die üblichen 28 bis 40 Mal pro Minute. Bei geringen Milzblutungen haben Pferde mildere kolikartige Schmerzen, die rasch wieder verschwinden, oder gar keine Beschwerden.

Milde Koliksymptome sind auch meist das Leitsymptom, wenn sich der Dickdarm zwischen Milz und Milz-Nieren-Band einklemmt. Die Pferde sind unruhig, flehmen, scharren mit den Hufen, halten den Kopf tief oder schauen zum schmerzenden Bauch. Der Tierarzt stellt die Diagnose, indem er den Darm abtastet. Den Grimmdarm kann er bei einer solchen Einklemmung bis zum Milz-Nieren-Band verfolgen.

Krankhafte Veränderungen der Milz sind dagegen wegen der unterschiedlichen Symptome schwer zu erkennen. Typische Milz-Krankheitssymptome wie Appetitlosigkeit, Abmagerung, Apathie und Leistungsschwäche sind ebenso typisch für viele andere Krankheiten. Manchmal hat das Pferd Fieberschübe (über 39 Grad Celsius); mitunter bilden sich Ödeme, die von der Brust bis zum Euter reichen können. Häufig sind die Schleimhäute anämisch blass.

Die Milz schwillt an, was man äußerlich allerdings nicht erkennt. Um die Milzvergrößerung zu erkennen, tastet der Tierarzt die Milz durch den Darm ab und ultraschallt sie. Im Blutbild können die Lymphozyten-Werte erheblich erhöht sein.

Muskelzerrungen

CAV Symptom-Lexikon Muskelzerrungen
Gerhards
Gezerrte und gesunde Muskeln werden asymmetrisch. Von hinten betrachtet erscheint die Kruppe schief.

Bei einer Muskelzerrung werden einzelne Muskeln oder Muskelpartien durch einen plötzlichen Ruck überdehnt, ohne dass sie reißen. Betroffen sind vor allem Rücken-, Kruppen- und Oberschenkelmuskeln. Auch Oberarm- und Halsmuskulatur können überstreckt werden.

Ein Pferd dehnt gezerrte Muskeln nur unter Schmerzen. Deshalb lahmen viele Pferde bei Zerrungen, sobald sie sich bewegen müssen (Hangbeinlahmheit), oder sie gehen steif. Sind die Halsmuskeln gezerrt, vermeidet das Pferd schmerzhafte Dehnungen, indem es den Hals schief trägt.

Jeder Druck auf die Zerrung schmerzt. Das nutzt der Tierarzt zur Diagnose. Er tastet das Pferd ab, um die betroffenen Muskeln zu orten. Sie fühlen sich angespannt und steif an, sind manchmal warm und schwellen, oder das Pferd bekommt Krämpfe.

Ein weiteres Alarmsignal: Gezerrte und gesunde Muskeln werden asymmetrisch, was besonders deutlich bei einer Zerrung des Kruppenmuskels zu sehen ist. Von hinten betrachtet, erscheint das Pferd schief. Häufig sind die Symptome jedoch schwer erkennbar.

Nabelbruch

CAV Symptom-Lexikon Nabelbruch
Gerhards
Ein Nabelbruch beginnt mit einer harmlosen Beule und wird lebensbedrohlich, wenn sich ein Stück Darm einklemmt. Deshalb müssen Nabelbrüche auch behandelt werden, wenn sie keine Beschwerden verursachen.

Fohlen sind am anfälligsten für Nabelbruch (Hernia umbilicalis) und zeigen 10 bis 14 Tage nach der Geburt Symptome. Vor und hinter der Nabelnarbe in der Mitte des Unterbauchs bildete sich ein Spalt, der zwar unter der Haut verborgen, aber so groß ist, dass man ihn mit den Fingern ertasten kann. Außerdem schwillt der Bauch an dieser Stelle leicht an. Deutlicher wird die Schwellung in der Nabelgegend erst ab der dritten oder vierten Lebenswoche. Sie ist halbkugel- oder eiförmig und fingerkuppen- bis faustgroß; manchmal erreicht sie den Umfang eines großen Kürbis’.

Manche Beulen sind weich und lassen sich mit den Fingern leicht in die Bauchhöhle zurückschieben. Sie sind weder wärmer als ihre Umgebung, noch hat das Fohlen beim Berühren Schmerzen.

Am Bauch erwachsener Nabelbruch-Pferde prangen häufig Beulen, die wärmer sind als die umliegende Haut und bei Berührung schmerzen. Solche Schwellungen fühlen sich in der Regel hart an und können nur mit Mühe oder überhaupt nicht in die Bauchhöhle gedrückt werden. Außerdem zeigen viele Pferde heftige Kolik-Symptome. Ihre Körpertemperatur liegt über den normalen 37,5 bis 38,5 Grad Celsius. Die Tiere sind extrem unruhig, zittern, schwitzen stark und wälzen sich vor Schmerzen, wobei sie zwischendurch manchmal minutenlang auf dem Rücken liegen. Häufig schlägt ihre Ruhelosigkeit in Apathie um.

Nasenbeinbruch

CAV Symptom-Lexikon Nasenbeinbruch
Gerhards
Nasenbluten ist oft das einzige sichtbare Symptom.

Variieren nach Art des Bruchs. Bei Impressionsbrüchen ist der Nasenrücken an der Bruchstelle eingedellt. „Das sieht aus wie eine angeklopfte Eierschale“, beschreibt Dr. Thomas Buyle, Fachtierarzt für Pferde aus Kernen in Baden-Württemberg. Anschließend schwillt die Stelle, weil sich durch die verletzten Blutgefäße Hämatome bilden.

Bei Splitterbrüchen sind manchmal kleine Knochenstücke in der Wunde zu sehen. „Bei gedeckten Brüchen ist die Haut über der Fraktur intakt“, sagt Dr. Buyle. Berührt man die Bruchstelle, zuckt das Pferd wegen der Schmerzen zurück. Ist der Nasenbeinknochen (Os nasale) nur eingerissen (Fissur), ist Abtasten dagegen nicht unbedingt schmerzhaft.

Oft blutet das Pferd aus den Nüstern, weil die Nasenschleimhaut verletzt ist. „Das ist bei gedeckten Brüchen meist das einzige Symptom, das die Besitzer sehen“, sagt der Pferdefachtierarzt.

Starkes Nasenbluten (Epistaxis) deutet darauf, dass auch die Nasenmuscheln oder die Nasenscheidewand zwischen linkem und rechtem Nasenraum verletzt sind.

„Die knöchernen Nasenmuscheln sind das Riechorgan. Sie sehen aus wie eingerollte Papierblätter; das vergrößert die Oberfläche, damit das Pferd gut wittern kann“, erklärt Dr. Thomas Buyle.

Viele zarte Gefäße sorgen für intensive Durchblutung. „Sind diese empfindlichen Gefäße verletzt, schwillt die Nasenschleimhaut, und die Nasengänge verengen sich. Häufig hört man dann ein schnarchendes Atemgeräusch“, sagt Dr. Buyle.

Wenn in schweren Fällen beide Nasengänge zuschwellen, kann die Atemnot lebensgefährlich werden. Bei Sauerstoffnot bricht der Kreislauf zusammen.

Selten bewegt sich die Haut über dem Bruch im Atemrhythmus: Atmet das Pferd ein, wird sie angesaugt, atmet es aus, wird sie vorgewölbt. „Das sieht man nur bei sehr schweren Verletzungen, wenn die trennenden Hautschichten zerstört sind“, sagt Buyle.

Häufig ist einer der beiden Tränennasenkanäle (siehe Tränen-Nasen-Kanal-Blockade) eingedrückt, die direkt unter den Nasenbeinknochen verlaufen. Dann tränt das gleichseitige Auge.

Nasenbluten

CAV Symptom-Lexikon Nasenbluten
Gerhards
Verletzungen im Kopfbereich, Pilze in den Luftsäcken oder Tumore können beim Pferd Nasenbluten auslösen. Wann ist der Blutverlust ­gefährlich?

Nasenbluten (Epistaxis) kann unterschiedlich stark sein; bei heftigen Blutungen (Rhinorrhagie) können Pferde in wenigen Minuten mehrere Liter Blut verlieren. Je nach Ursache bluten manche nur aus einer, andere aus beiden Nüstern. Die Blutung kann nach wenigen Minuten aufhören, mehrere Stunden oder Tage anhalten oder überhaupt nicht mehr stoppen. Farbe und Beschaffenheit des Bluts variieren von hellrot und schaumig bis bräunlich und mit Flocken durchsetzt.

Je nach Ursache siehe unten ist Nasenbluten mit weiteren Symptomen gekoppelt wie etwa gelegentliches Schnaufen und Husten, übel riechender Atem, Kopfschütteln, Scheuen.

Manche Pferde geben schnarchende bis röchelnde Atemgeräusche von sich, würgen plötzlich oder haben starke Schluckbeschwerden. In seltenen Fällen sind Gesichtsnerven gelähmt, so dass etwa ein Augenlid herunterhängt.

Nervenlähmung

CAV Symptom-Lexikon Nervenlähmung
Gerhards
Wenn bei Stürzen oder Stößen Nerven gequetscht werden, drohen Muskelschwund, Hängelippe oder Abmagerung.

Nervenlähmungen können überall dort vorkommen, wo Nerven verlaufen. „Deshalb kann der Bewegungsapparat ebenso betroffen sein wie die Organe“, erklärt Dr. Jacek Gawda, Pferdefachtierarzt von der Pferdeklinik Aggertal in Lohmar-Wahlscheid bei Köln.

Lähmungen sind nicht schmerzhaft, führen aber zum Ausfall bestimmter Funktionen. So kann es sich um eine Lähmung handeln, wenn ein Pferd sein Bein nicht mehr aufstellen, nach vorne führen und belasten kann. Eine häufige Nervenlähmung trifft den Nervus radialis, der für das Strecken vom Schultergelenk bis zu den Zehengelenken des Vorderbeins zuständig ist. Bei einer totalen Radialislähmung machen sowohl die Streckmuskeln von Vorderfußwurzelgelenk als auch der Musculus triceps unterhalb des Schultergelenks schlapp. Dann erscheint das kranke Bein länger als das gesunde: Das Pferd hält das Schultergelenk gestreckt, das Ellbogengelenk hängt weit nach unten durch. Das Vorderfußwurzelgelenk ist schwach, das Fesselgelenk dagegen gebeugt. Solche Pferde tun sich mit dem Aufstehen schwer und wollen sich nicht vom Fleck rühren.

Je nachdem, was gelähmt ist, zeigt das Pferd unterschiedliche Symptome. „Auffallend ist immer die Unfähigkeit, gewisse Bewegungen auszuführen, wie zum Beispiel das Auge zu schließen oder die Nüstern weit zu stellen“, sagt Dr. Gawda. Ist die Harnblase gelähmt, kann das Pferd das Harnen, bei gelähmter Schließmuskulatur das Äpfeln nicht mehr kontrollieren.

Lähmungen begleiten oft schwere Allgemeinerkrankungen wie Wundstarrkrampf (Tetanus) oder Botulismus. Dann ist auch das Allgemeinempfinden des Pferds gestört; es bekommt zum Beispiel Krämpfe, Fieber oder ist apathisch.

Nesselfieber

CAV Symptom-Lexikon Nesselfieber
Gerhards
Nesselfieber zählt zu den häufigsten Hautproblemen bei Pferden. Obwohl es meist harmlos verläuft und bald wieder verschwunden ist, kann es im Extremfall zum Erstickungstod führen.

Erkrankt ein Pferd an Nesselfieber (Urtikaria), bilden sich innerhalb kürzester Zeit mit Flüssigkeit gefüllte Hautquaddeln. Meist zeigt sich der Ausschlag an Hals, Schulter und seitlicher Brust, an Kruppe und Hinterhand seltener. Manche Tiere sind allerdings am gesamten Rumpf und gelegentlich auch an den Beinen mit Quaddeln übersät.

Auffällig ist das Streifen-Nesselfieber. Bei dieser seltenen Form sind die Quaddeln in bleistiftdicken, parallel verlaufenden Streifen an Brust und Bauch sichtbar.

Die Quaddeln treten vereinzelt oder sehr zahlreich auf und sind unterschiedlich groß. Die kleinsten kann man mit bloßem Auge an einigen aufgestellten Fellhaaren erkennen, andere werden erbsen- bis fünfmarkstückgroß. Sie können Form und Größe verändern und zusammenwachsen. Die teigigen Hautveränderungen sind in der Regel weder schmerzhaft noch mit Juckreiz verbunden. „Bei leichter Ausprägung, die bei den meisten Pferden auftritt, ist das Allgemeinbefinden nicht gestört“, sagt Tierärztin Dr. Ulrike Häusler-Naumburger aus Dreieich bei Frankfurt/Main.

Nur wenn das Nesselfieber überdurchschnittlich stark ist, leiden Pferde unter starkem Juckreiz und werden zunehmend matt und apathisch. Bei akutem Nesselfieber haben einige Patienten außerdem Fieber oder zumindest deutlich erhöhte Temperatur.

Die Symptome hängen oft von der Ursache der Erkran- kung ab. Wenn eine Kontaktallergie das Nesselfieber aus- löst, nässt der Ausschlag häufig und wird von entzündlichen Hautrötungen begleitet. An den betroffenen Stellen fallen dann die Haare des Pferdes aus oder sie verfärben sich dunkel.

Steckt eine Futtermittelallergie hinter den Beschwerden, konzentriert sich der Ausschlag manchmal auf die Umgebung des Afters. Weil dieser Bereich juckt, scheuern sich viele Tiere ähnlich wie bei Wurmbefall oder Sommerekzem die Schweifrübe. Auch Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Kolik können dann vorkommen.

Geschwollene Augenlider oder Nüstern können bei allen Varianten des Nesselfiebers vorkommen. Sie sind aber bei Arzneimittelallergien in der Regel am deutlichsten ausgeprägt. Im Extremfall schwillt der gesamte Kopf des Pferdes an („Nilpferdkopf“).

Erkrankungen der Netzhaut

CAV Symptom-Lexikon Erkrankungen der Netzhaut
Gerhards
Angeborene Netzhautabhebung.

Wenn die Netzhaut (Retina) krank ist, merkt man im Frühstadium häufig nichts. Um Schäden sicher zu diagnostizieren, muss der Tierarzt den Augenhintergrund (Fundus) spiegeln (Ophthalmoskopie/Funduskopie).

Ist die Netzhaut bereits geschädigt, sieht das Pferd meist schlechter. Das Sehvermögen können Sie selbst testen, indem Sie das Pferd am langen Strick über am Boden liegende Stangen und gegen Hindernisse (Latten, Bänder, et cetera) in unterschiedlicher Höhe führen. Um festzustellen, ob es auf einem Auge schlechter sieht als auf dem anderen, werden die Augen abwechselnd mit einer Kappe abgedeckt.

Mit der Hand vor dem Auge zu wedeln, ist kein tauglicher Sehtest: Die Lider des Pferds sind so empfindlich, dass sie bereits durch den Luftzug zwinkern. Aussagekräftiger ist die Drohgebärde: Dazu hält man die geballte Faust etwa 60 Zentimeter entfernt vom Auge und spreizt plötzlich die Finger.

Sieht das Pferd schlecht, kann das ein Zeichen für Netzhautentzündung (Retinitis) sein. Wenn die lichtempfindlichen Netzhautzellen zugrunde gehen (Netzhautatrophie), sehen die Pferde besonders im Dunkeln schlechter. In beiden Fällen reagieren die Pupillen langsamer. „Die Pupille schließt sich bei kurzem, direktem Bestrahlen mit einer Taschenlampe nur sehr zögerlich; ein gesundes Auge reagiert blitzschnell auf Lichteinfall“, erklärt Professor Hartmut Gerhards, Chef der Pferdeklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Funktioniert die Netzhaut gar nicht mehr, bleibt die Pupille permanent weit geöffnet. Seit der Antike wird dies als „Schönblindheit“ bezeichnet, weil das Auge dann dunkel und besonders hübsch aussieht.

Sind bestimmte Zellen der Netzhaut defekt, sehen die Pferde nur im Dunkeln und im Dämmerlicht schlechter („Nachtblindheit“); bei hellem Licht merkt man nichts.

Löst sich die Netzhaut von der Aderhaut (Ablatio retinae), erblindet das Pferd. Netzhautablösungen sind häufig Folge einer Periodischen Augenentzündung; die wiederkehrende Uveitis äußert sich meist durch stark tränende, lichtempfindliche Augen und geschwollene Lider (vor allem das obere). Die Pupille verengt sich zum Schlitz, das schmerzende Auge wird zusammengekniffen. Die Schmerzen können so stark sein, dass das Pferd scharrt oder flehmt. Einige haben leichtes Fieber, keinen Appetit und stehen apathisch in der Box. Schließlich trübt sich die Linse und schimmert milchig-blau.

Nierenentzündung

CAV Symptom-Lexikon Nierenentzündung
Streitferdt
Die Nieren (rot) liegen geschützt unter Fettschichten und Wirbelsäule.

Eine Nierenentzündung wird häufig erst spät oder gar nicht bemerkt, weil sie sich im Schlepptau anderer Krankheiten entwickelt und von deren Symptomen überdeckt werden kann.

„Die Symptome der Nierenentzündung ähneln der einer Kolik“, sagt Dr. Stephen Eversfield von der Wiesbadener Tierklinik. Das Pferd wirkt matt und frisst schlecht. Es hat häufig Durst und setzt zuviel oder zuwenig Harn ab. Dabei krümmt es häufig seinen Rücken, geht klamm und ist unruhig, weil es Schmerzen hat. Manchmal ist die Körpertemperatur erhöht (normal: 37,5 bis 38,3 Grad Celsius).

Später können sich Ödeme an Brust, Beinen und Unterbauch bilden.

Weil Nierenentzündungen oft unerkannt, aber auch sehr schmerzhaft verlaufen können, erhärten Blut- und Urinuntersuchungen den Verdacht. Sind im Blutplasma die Zahl der Harnstoffmoleküle (normal: 3,3 bis 6,7 Millimol/Liter) und der Kreatininmoleküle (normal: 90 bis 160 Mikromol/Liter) erhöht, ist die Niere überlastet und deren Stoffwechsel gestört.

Den Urin fängt man mit etwas Geduld in einem sterilen Gefäß auf. „Sie sollten Urin aus der Mitte und vom Ende eines Strahls getrennt auffangen“, sagt Dr. Eversfield, „dann ist auch der Urin aus dem Bodensatz der Blase dabei.“ Fünf- bis achtmal uriniert ein Pferd in 24 Stunden; die Harnmenge schwankt zwischen 5 und 15 Litern. Ein Trick hilft beim Sammeln: Ein Pferd, das zwei bis drei Stunden ohne Einstreu stand, uriniert oft, wenn man es kurz bewegt und danach in eine Box mit frischer Einstreu stellt. Gelingt das nicht, führt der Tierarzt einen Katheter durch die Harnröhre ein.

Im Labor kommt der Urin unters Mikroskop. „Sind abgestorbene Nierengewebszellen im Urin, ist die Niere geschädigt“, sagt Dr. Eversfield. Die abgestoßenen Nierenzellen sind Epithelzellen und Harnzylinder (Ausgüsse der unteren Nierenkanälchen) mit unverwechselbarer Form.

Findet der Tierarzt zusätzlich massenhaft Bakterien und weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sowie einige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im sehr trüben und gelblich-flockigen Urin, hat das Pferd eine eitrige Nierenentzündung (Nephritis purulenta).

Bei der nicht-eitrigen Form (Nephritis non purulenta) schwim- men statt dessen sehr viele Proteine, besonders Albumine, im Harn (Proteinurie). Dies kann zu einer Eiweißunterversorgung des Pferds führen. Neben Proteinen sind Erythrozyten im Urin, besonders viele bei akuten Entzündungen.

Die entzündeten Nieren sind geschwollen, leicht schwammig und druckempfindlich. Der Tierarzt kann durch den Darm meist nur die linke Niere abtasten. Deshalb untersucht er die Nieren von außen auch mit Ultraschall. Er misst ihre Größe und sucht nach Zysten. Außerdem erkennt er die Oberflächenstruktur. Bei eitrigen Entzündungen sitzen unterhalb der Nierenkapsel gelbliche Eiterpünktchen, die meist die gesamte Nierenrinde besiedeln.

Bei einer Biopsie sticht der Tierarzt mit der Nadel ins Nierenrindengewebe und nimmt eine Probe. Den Einstich kontrolliert er in der Regel mit dem Ultraschall. Unterm Mikroskop findet er Bakterien und Leukozyten sowie abgestorbene Nierengewebszellen.

Ödeme

CAV Symptom-Lexikon Ödeme
Dr. Birgit van Damsen
Elefantenbeine entstehen meist durch Infektionen, ­Allergien und mangelnde ­Bewegung. Sollten ­geschwollene Gliedmaßen bandagiert werden?

Ödeme treten häufig an den Gliedmaßen auf, vor allem an den Hinterbeinen. Manchmal schwellen die Beine dick und unförmig wie Walzen, so dass man die Gelenke kaum noch erkennt. Auch an Brust, Unterbauch, bei Stuten am Euter und bei Hengsten und Wallachen an der Vorhaut können sich Ödeme bilden. Beim sogenannten Nilpferdkopf schwillt der Kopf stark an.

Phlegmonen sehen Ödemen zum Verwechseln ähnlich, sind aber prall, heiß, schmerz- und fieberhaft.

Man unterscheidet zwei Typen: Stauungsödeme sind schmerzfrei und so teigig, dass man Fingerabdrücke noch nach Minuten sieht. Sie sind kalt, was sie sowohl von Phlegmonen als auch von entzündlichen Ödemen unterscheidet.

„Entzündliche Ödeme sind wärmer als Stauungsödeme, aber nicht so heiß wie Phlegmonen“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Peter Witzmann aus Leinfelden bei Stuttgart.

Gleiches gilt für die Schmerzempfindlichkeit. „Wenn man mit den Fingern auf ein Stauungsödem drückt, lassen sich die Pferde das ohne weiteres gefallen“, sagt Dr. Witzmann. „Bei entzündlichen Ödemen wird es schon problematischer, und bei Phlegmonen wehren sich die Pferde heftig.“

Ohrenerkrankungen

CAV Symptom-Lexikon Ohrenerkrankungen
Christiane Slawik
Das Ohr sieht aus, als ob es zerknüllt wurde. Der seltene Defekt ist angeboren und beeinträchtigt dieses Pferd nicht.

Nicht alle Erkrankungen am Ohr sind schmerzhaft. Akute Erkrankungen treten meistens einseitig auf. Bei Ohrenschmerzen hält das Pferd das Ohr zur Seite und trägt den Kopf schief. Das kranke Ohr hängt tiefer und stellt sich kaum auf, wenn das Pferd die Ohren spitzen will. Es schüttelt oft den Kopf, reibt das Ohr gegen die Beine oder lässt sich nicht an den Ohren berühren. Viele Pferde mögen das Anfassen am Ohr grundsätzlich nicht. Wehrt sich ein Pferd dagegen, muss es also nicht zwingend ein krankes Ohr haben.

Manchmal verklebt das Fell am vorderen Rand der Ohrmuschel oder unter dem Ohr mit Wundsekret. Es kann aus dem Mittelohr, einer Wunde oder aus dem Ausgang einer Ohrfistel tropfen. Bei der Fistel fließt aus einer etwa nadelkopf- bis linsengroßen Öffnung ein milchig-weißliches oder eitriges Sekret.

Auch die Haut der Ohrmuschel kann erkranken. Nässende Ekzeme, Abschürfungen, Schnittverletzungen und Insektenstiche können Juckreiz auslösen.Auf der inneren Ohrfläche sitzen häufig kleine, ausgetrocknete, sandkörnergroße Krusten, die oft mit Schuppen bedeckt sind. Manchmal sind die inneren Ohrmuscheln rosa bis weiß gefleckt, leicht verdickt und krustig.

Am Ohrrand siedeln Warzen und kugelartige Hautgeschwülste, die so groß wie Tennisbälle werden können. Diese rötlichen Hautwucherungen (Fibrome) sind haarlos. Verhornte, zerklüftete oder mit eitrigem Sekret bedeckte Wucherungen deuten auf Equine Sarkoide. Deutlich kleinere Warzen sind flach, trocken und sehen aus wie Streusel.

Blutergüsse, die das Ohr manchmal wie Kissen aussehen lassen, kommen beim Pferd selten vor.

Periodische Augenentzündung

CAV Symptom-Lexikon Periodische Augenentzündung
Gerhards
Im Urin von Mäusen und Ratten stecken Leptospiren. Manchmal dringen die Bakterien ins Augeninnere und entzünden es. Mit jedem neuen Schub wächst die Gefahr, dass das Pferd erblindet.

Eine akute Periodische Augenentzündung kann so schmerzhaft sein, dass Pferde dabei scharren oder flehmen. Einige haben leichtes Fieber, stehen apathisch und appetitlos in der Box.

Manchmal sind beide, manchmal ist nur ein Auge entzündet. Das kranke Auge wird immer wieder zusammengekniffen. Vor allem das obere Lid ist oft sehr stark geschwollen. Auch Binde- und Hornhaut sind häufig geschwollen, außerdem ist die Bindehaut gerötet, und das Auge tränt stark. Die Pupille verengt sich schlitzförmig. Zwischen den akuten Schüben passt sie sich langsamer an Licht und Dunkelheit an als bei gesunden Pferden. Außerdem ist das Auge manchmal von Schlieren getrübt. „Selbst wenn es schon stark geschädigt ist, kann das Auge aber zwischen den Schüben völlig normal aussehen“, sagt Professor Hartmut Gerhards, Leiter der Pferdeklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, der jährlich mehrere hundert Pferde mit Periodischer Augenentzündung behandelt. Eine Untersuchung mit dem Augenspiegel (Ophthalmoskop) sichert die Diagnose.

Liegt die Entzündung eher im hinteren Augenabschnitt, ist dies offenbar kaum schmerzhaft für das Pferd. Dann schreitet die Krankheit leicht unbemerkt voran, bis das Pferd seine Sehkraft einbüßte.

Phlegmonen

CAV Symptom-Lexikon Phlegmonen
Gerhards
Schon eine kleine Wunde genügt, damit bei Pferden das Bein dick anschwillt und sich daraus ein fieberhafter Einschuss entwickelt.

Auffälligstes Symptom ist die Schwellung, die am häufigsten an den Beinen auftritt. Zunächst schwillt nur ein kleiner Hautabschnitt, der beetartig hervorsteht. „Charakteris­tisch ist ein fester, teigiger, schmerzhafter Strang, nämlich das entzündete Lymphgefäß, an der Schenkelinnenfläche“, sagt Dr. Peter Witzmann, Fachtierarzt für Pferde aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart.

Oft dauert es nur wenige Stunden, bis das ganze Bein dick ist und sich nicht mehr beugen lässt. Der geschwollenen Bereich ist heiß und schmerzhaft. Das Pferd lahmt. Die meisten Patienten haben Fieber, werden schlapp und verlieren den Appetit. Häufig schwitzen sie, Puls und Atem beschleunigen sich wegen der starken Schmerzen.

Grundsätzlich können Phlegmonen überall auftreten. Besonders groß werden sie an Stellen mit viel Bindegewebe, etwa Lippen oder Innenseiten der Oberschenkel. Kopfphlegmonen werden lebensgefährlich, wenn die Entzündung auf das zentrale Nervensystem übergreift. Bei Rachenphlegmonen ist die gesamte Ganaschengegend geschwollen, häufig verursachen sie Atemnnot. Das Pferd streckt dabei Kopf und Hals nach vorne, um besser atmen zu können. Typisch sind auch Kau- und Schluckbeschwerden.

Räude

CAV Symptom-Lexikon Räude
Gerhards
Haar-Los: Sarkoptesmilben breiten sich von Hals und Widerrist über den ganzen Rumpf aus.

Heftiger Juckreiz ist das erste Symptom. Er tritt an unterschiedlichen Körperstellen auf, je nachdem, welche der drei Räudemilben-Arten (Sarkoptes-, Psoroptes-, Chorioptesmilben) das Pferd befiel.

Sarkoptesmilben (Sarcoptes equi) siedeln erst an Kopf, Hals und Widerrist, bevor sie sich über den Körper ausbreiten; verschont bleiben in der Regel nur die Beine. Die Haut fühlt sich warm an, wird krustig, borkig und sondert entzündliches Sekret ab. Die Haare fallen fleckenförmig aus; durch ständiges Scheuern verliert das Pferd immer mehr Fell. Schließlich wirft die Haut Falten, vor allem an Hals und Schulter.

Gleichzeitig magert das Pferd stark ab (Kachexie), obwohl es frisst. „Es hat hohe Proteinverluste, weil sich die Parasiten von Gewebsflüssigkeit und Hautzellen ernähren. Das Eiweiß im Futter reicht nicht aus, um den erhöhten Verbrauch zu decken“, erklärt Dr. Gunda Heffe, Fachtierärztin für Pferde aus Seedorf/Niedersachsen.

Psoroptesmilben (Psoroptes equi) befallen meist zuerst Mähnenkamm, Schweif- und Schopfansatz. Die Hautveränderungen ähneln der Sarkoptesräude, die Haut wirkt aber trockener und erinnert an Pergamentpapier, die Falten sind schwächer.

Psoroptes-Ohrräude (Psoroptes cuniculi), die bei Pferden selten ist, äußert sich durch starkes Kopfschütteln und schiefgehaltenen Kopf. Die Ohren sind sehr empfindlich, das Pferd weicht jeder Berührung aus.

Chorioptesmilben (Chorioptes bovis) bevorzugen die Fesselbeugen der Hinterbeine. Seltener breiten sie sich außerdem an Vorderbeinen und Schweifrübe aus. Weil Fußräude („Itchy Leg“) stark juckt, stampfen und trippeln die Pferde. Sie versuchen, sich zu scheuern oder die Fesseln zu benagen. Die Haut schuppt, suppt und verkrustet; oft bildet sich ein talgiger, schmieriger Belag.

Schale

CAV Symptom-Lexikon Schale
Gerhards
Überbeine am Kron-, Fessel- oder Hufbein heißen Schale – entzündliche Knochenwucherungen, die durch Stellungsfehler, schlechten Hufbeschlag oder falsches Reiten verursacht werden.

Schale erkennt man besonders im Anfangsstadium nur schwer. Manche Pferde lahmen schon zu Krankheitsbeginn, andere erst nach längerer Erkrankung, wobei sich die Lahmheit bei der Arbeit unterschiedlich zeigt: Einige Pferde gehen unklar und laufen sich ein. Bei anderen zeigt sich die Lahmheit erst nach längerer Arbeit. Oft geht Schale mit einer langsam stärker werdenden Stützbeinlahmheit einher. Dabei belastet das Pferd das kranke Bein kürzer als das gegenüberliegende gesunde. Dadurch fällt es beim Laufen auf das gesunde Bein.

Schale-Pferde neigen zu Trachtenfußung, fußen also mit dem hinteren Teil des Hufs auf. Ihre Bewegungen können sich auch verkürzen; ihr Raumgriff geht verloren, der Gang wird stumpf und klamm. Im Stehen entlasten viele Pferde abwechselnd die Vorderbeine, wobei sie diese oft, ähnlich wie bei einer akuten Hufrehe, nach vorne stellen.

Ein weiteres Symptom können abstehende Haare am Kronsaum sein. Manchmal schwillt, besonders im Anfangsstadium, das Bein auf Höhe des Fessel- oder Krongelenks. Die Schwellung ist wärmer als das restliche Bein, Druck tut weh. Oft wird die kranke Stelle allerdings nur dick, wenn das Pferd läuft, und schwillt später wieder ab. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es häufig zu deutlich sichtbaren, knochenharten Schwellungen am Kronsaum, die nicht mehr verschwinden.

Schilddrüsenunterfunktion

CAV Symptom-Lexikon Schilddrüsenunterfunktion
Hans Kuczka
Die Zyste an der Schilddrüse behindert das Pferd stark.

Fohlen, die mit Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose/Hypothyreodismus) geboren werden, sind schwach; manche haben einen Kropf (Struma). Die Körpertemperatur ist niedrig, teils nur um 36 Grad Celsius. Sie sind lethargisch und haben mitunter solche Koordinationsprobleme, dass sie nicht zum Saugen aufstehen können. „Wir beobachten außerdem Fehlstellung der Kieferknochen, Rupturen der Strecksehne, Sehnenverkürzungen und verzögerte Verkalkung der Knochen des Sprung- und Karpalgelenks“, sagt Dr. Jacek Gawda, Leiter der Tierärztlichen Klinik für Pferde Aggertal in Lohmar/Nordrhein-Westfalen. Entscheidend ist, in welcher Entwicklungsphase des Fötus die Unterfunktion auftrat.

Die Verknöcherung des Skeletts ist gestört, die Wachstumsfugen schließen sich langsamer. Kranke Tiere bleiben im Wachstum zurück und haben häufiger Infektionen. Ihr Fell ist lang und struppig, der Fellwechsel verlangsamt.

Erwachsene Pferde können ebenfalls einen Kropf bekommen. Weitere Symptome sind niedrige Körpertemperatur (normal: 37,5 bis 38,4 Grad Celsius) und verlangsamter Herzschlag (unter 24 bis 28 Schlägen pro Minute); einzelne schwitzen nicht (Anhydrosis). Manche nehmen deutlich an Gewicht zu und sind träge. Das Fell kann beiderseits gleichmäßig ausfallen, vor allem an Kopf und Beinen.

„Bei Hengsten wurden herabgesetzte Libido und reduzierte Spermienzahlen festgestellt; bei Stuten kann die Rosse unregelmäßig werden oder der Zyklus zum Stillstand kommen“, sagt Dr. Gawda. Sport- und Rennpferde zeigen bei warmem Wetter mitunter schlechtere Leistungen. Sie neigen zu wiederkehrenden Myopathien (Muskelentzündungen).

Hufrehe trat in Versuchen mit künstlich ausgelöster Hypothyreose nicht auf.

Schlundverstopfung

CAV Symptom-Lexikon Schlundverstopfung
Geiger/CAVALLO
Würgende Pferde sind ein Notfall: Äpfel, Möhren oder Pellets können in der Speiseröhre steckenbleiben und Lungenentzündung auslösen.

Das Pferd hört plötzlich auf zu fressen und lässt Futterbissen aus dem Maul fallen. Viele Tiere strecken den Hals vorwärts-abwärts und würgen, bis nach einer Weile aus Maul und Nüstern schwallartig Speichel mit Futterresten quillt.

Die Anzeichen einer Schlundverstopfung gleichen häufig milden Koliksymptomen. Das Pferd wird unruhig, schaut ängstlich, scharrt und schwitzt. Typisch sind Husten und Schnauben. Auf der linken Halsseite, wo die Speiseröhre verläuft, kann eine wurstförmige Beule zu sehen sein. „Eine solche Beule ist allerdings leichter zu ertasten als zu sehen“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Maximilian Pick aus dem bayerischen Icking.

Seborrhoe

CAV Symptom-Lexikon Seborrhoe
Gerhards
Bei der öligen Variante der Seborrhoe fließt der Talg im Übermaß; das Fell ist fettig und sieht struppig aus.

Die Haut schuppt sich massiv, wobei die Schuppenbildung meist lokal begrenzt ist. Betroffen sind vor allem Hals- und Brustbereich, Mähne und Schweif sowie Röhrbeine oder Kronsaum. Selten breiten sich die Schuppen über den gesamten Körper aus.

Aus Hautschuppen und Talg können sich kleieartige, ölige Beläge bilden; das Fell fühlt sich fettig an. In schweren Fällen riecht es nach ranzigem Öl. Die Haare der betroffenen Regionen werden glanzlos und dünn, fallen oft sogar büschelweise aus. Außerdem können kranke Pferde abmagern, obwohl sie genügend fressen.

„Ob und wie stark betroffene Pferde unter Juck-reiz leiden, ist unterschiedlich. Es hängt von der Ursache ab“, sagt Veterinär-Dermatologin Cornelia Johansen, die in der Kleintierpraxis Dr. Wienrich in Schwanebeck bei Berlin Hauterkrankungen bei Hunden, Katzen und Pferden behandelt.

Sehnenschäden

CAV Symptom-Lexikon Sehnenschäden
Spenlen
Wenig elastisch und anfällig: Fesselträger (2), tiefe Beugesehne (3), oberflächliche Beuge­sehne (4). Die Strecksehne ist mit (1) bezeichnet.

Hängen von Art und Ausmaß des Sehnenschadens ab. Typisch: Der erkrankte Bereich schwillt mehr oder weniger stark an und erwärmt sich, was aber oft erst nach Stunden sichtbar ist. „Bei einer Entzündung der Fesselträgersehne ist die Schwellung weniger deutlich“, schränkt Pferdefachtierarzt Dr. Maximilian Pick aus Icking/Bayern ein (siehe „Fesselträgererkrankungen“).

Je nach Art und Ursache der Erkrankung kann eine Lahmheit sofort oder mit bis zu einwöchiger Verzögerung auftreten; in manchen Fällen lahmt das Pferd gar nicht. Chronische Sehnenentzündungen sind deshalb besonders tückisch, weil das Pferd weiter geritten wird, was den Schaden vergrößert.

Auch die Sehnenscheide kann betroffen sein. Dies ist eine schlauchförmige, mit Flüssigkeit gefüllte Hülle, die im Bereich des Fesselgelenks mehrere Sehnen umgibt und vor übermäßiger mechanischer Reizung schützt. Sammelt sich Flüssigkeit in der Sehnenscheide, entstehen auf der Rückseite des Fesselgelenks kastanienförmige Ausbuchtungen, die sogenannten Sehnenscheidengallen. Bei einer akuten Entzündung sind sie prall mit Flüssigkeit gefüllt, erwärmt und schmerzhaft. Manchmal geht das Pferd dann gering- bis mittelgradig lahm. Im chronischen Stadium sind die Gallen dagegen weniger druckempfindlich und nicht wärmer als ihre Umgebung. „Im allgemeinen verursachen sie keine Lahmheit und sind dann nur Schönheitsfehler“, sagt Dr. Pick.

Die Diagnose muss der Tierarzt stellen, weil Sehnenschäden leicht mit anderen Erkrankungen (etwa Ödeme, Phlegmone, im Extremfall sogar Knochenbrüche) verwechselt werden. Der Tierarzt tastet zunächst das Bein ab, eine Ultraschall-Untersuchung zeigt Ausmaß und genauen Ort des Schadens.

Shivering-Syndrom

CAV Symptom-Lexikon Shivering-Syndrom
Gerhards
Pferde, die unter dem Shivering-Syndrom leiden, ziehen urplötzlich die Hinterbeine unter den Bauch und heben den Schweif. Die Kruppenmuskeln krampfen.

Charakteristisch sind Muskelkrämpfe, die vor allem eines oder beide Hinterbeine, Kruppe und Schweif betreffen. Kranke Pferde verharren krampfartig mit halbgebeugten oder unter den Bauch gezogenen Beinen, besonders wenn die Hufe zum Säubern, Ausschneiden oder Beschlagen hochgehoben werden. Gleichzeitig heben sie oft den Schweif.

Im Gegensatz zum Hahnentritt, mit dem die Krankheit anfangs leicht verwechselt wird, stellen die Pferde ihre Hufe allerdings nicht schlagartig wieder auf den Boden, sondern setzen sie langsam ab, wenn der Anfall vorbei ist. Das kann nur ein paar Sekunden oder auch einige Minuten dauern.

Im fortgeschrittenen Stadium sind manche Tiere nicht mehr in der Lage, die Beine längere Zeit locker hochzuhalten, so dass das Beschlagen und selbst das Ausschneiden des Hufs unmöglich wird. In sehr seltenen Fällen sind auch die Vorderbeine betroffen, die beim Hochheben nach vorne gestreckt werden, während die Muskeln über den Ellenbogen zittern.

Muskelspasmen können auch in der Kopf- und Nackenregion auftreten, so dass die Augenlider schnell zwinkern, und die Ohren zucken. „Das ist aber sehr selten“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Dirk Fister, Chef der Tierärztlichen Klinik für Pferde Bilsen bei Hamburg.

Wenn das Pferd vorwärts läuft, zuckt es entweder gar nicht oder nur während der ersten paar Schritte. „Unter dem Reiter und unter Belastung sind keine Symptome zu sehen, es sei denn, das Pferd läuft rückwärts. Das können Shivering-Pferde oft nur sehr schlecht und nur für ein paar Schritte“, sagt Dr. Fister.

Die Symptome verschlimmern sich, wenn das Pferd aufgeregt ist. „Shivering-Pferde sind meist keine guten Hängerfahrer; sie kommen häufig schweißnass an, weil die Anfälle ihnen Angst machen“, sagt Dr. Fister. „Oft löst ein unbekannter Bodenbelag wie der Gummiboden im Behandlungsraum einen Anfall aus“, beobachtet der Tierarzt.

Die Muskulatur schrumpft (Atrophie), wenn die Krankheit fortschreitet; die Beine werden steifer, die Hinterhand schwächer. Häufig stehen Pferde dann auch ungewöhnlich breitbeinig.

Sommerekzem

CAV Symptom-Lexikon Sommerekzem
Sabine Stuewer
Rattenschweif: Viele Ekzem-Pferde scheuern sich ihre juckende Schweifrübe kahl.

„Hauptsymptom ist der Juckreiz“, sagt Pferdefachtierärztin Anke Rüsbüldt aus Tangstedt bei Hamburg. Ein von Sommerekzem geplagtes Pferd scheuert sich bei jeder Gelegenheit. Um die Insekten zu vertreiben, schlägt es mit dem Schweif, tritt mit den Hinterbeinen unter den Bauch und galoppiert immer wieder kurz über die Weide.

Unter der Haut bilden sich kleine Knoten, sogenannte Papeln. Diese Knötchen sind stecknadelgroß mit höchstens drei Millimeter Durchmesser. Sie sitzen vor allem entlang der Bauchnaht sowie an der Rückenlinie zwischen Ohren und Schweif. Zu den besonders gefährdeten Körperstellen zählen Schopfansatz, Mähnenkamm, Widerrist, Kruppe und Schweifrübe. Aber auch Ohren, vorderer Teil des Kopfs, Hals und Schultern können mit Papeln übersät sein.

Durch das Scheuern entstehen kahle Hautpartien sowie offene und nässende Wunden. Typisch sind kahle Schweifrübe (Rattenschweif) und abgescheuerte Mähne. Bei leichterer Erkrankung und in einem relativ frühen Stadium ist das Langhaar zwar vorhanden, aber glanzlos, dünn und brüchig. Der Mähnenkamm ist häufig geschwollen und warm.

Spat

CAV Symptom-Lexikon Spat
Hans Kuczka
Spat ist eine Arthrose des Sprunggelenks und zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen der Hinterbeine. Meist verursacht der Reiter die schmerzhafte Krankheit, indem er die Hinterhand seines Pferds überstrapaziert.

Oft macht sich Spat erst durch verspannte Rückenmuskeln bemerkbar. Klarer ist er an der typischen, sich langsam entwickelnden Spatlahmheit zu erkennen. Zunächst tritt diese gering- bis mittelgradige Lahmheit nur im Übergang von Ruhe zu Bewegung auf, nach ein paar Schritten verschwindet sie. Im fortgeschrittenen Stadium hält die Lahmheit häufig an.

Auch wenn das Pferd nicht lahmt, verändert sich sein Gangbild. Weil es das erkrankte Hinterbein nicht mehr richtig anwinkelt, verkürzen sich seine Schritte. Einige Pferde wollen das Beugen der schmerzenden Sprunggelenke vermeiden, indem sie mit den Hinterbeinen nach außen schlingern. Andere verlagern ihr Gewicht auf die Zehen der Hinterhufe, die sie über den Boden schleifen. Sie geben nur ungern Huf und schonen auch im Stehen das erkrankte Bein.

Allerdings muss keins dieser Symptome auftreten. Einige Pferde, die trotz fortgeschrittenem Spat geritten werden, lahmen nie. Oft kann die Spatprobe Klarheit verschaffen. Obwohl sie Spat nicht immer zweifelsfrei nachweist, ist sie in vielen Fällen hilfreich bei der Diagnose. Dabei wird das Hinterbein eine Minute lang nach vorne angewinkelt und das Sprunggelenk so stark wie möglich gebeugt. Anschließend muss das Pferd traben. Lahmt es während der ersten Trabtritte deutlich stärker als sonst, gilt dies als Hinweis auf Spat.

Bei der sogenannten Leitungsanästhesie fällt der Befund positiv aus, wenn das Pferd plötzlich nicht mehr lahmt. Dazu betäubt der Tierarzt per Injektion die Nerven, die Schmerzen aus dem Sprunggelenk ans Gehirn leiten. Kommt der Schmerz und damit die Lahmheit aus dem Sprunggelenk, geht das Pferd nach der Injektion klar. Sitzt die Lahmheitsursache in einem anderen Körperteil, lahmt es weiter. „Genauer lässt sich die Lahmheitsursache durch eine Gelenksanästhesie eingrenzen“, sagt Dr. Rüdiger Brems von der Pferdeklinik Wolfesing im bayerischen Zorneding. Hierbei injiziert der Tierarzt das Anästhetikum direkt in die Sprunggelenke. „Wenn die Lahmheit dann verschwunden ist, ist der Nachweis sicher.“

Auch Röntgenuntersuchung und Knochenszintigraphie, bei der sich ein zuvor injizierter radioaktiver Stoff an den erkrankten Gelenkstellen ablagert, dienen der Spat-Diagnose.

Neben der Lahmheit sind Knochenzubildungen an der Innenseite des Sprunggelenks die wichtigsten Symptome. Diese sogenannten Exostosen sind harte, meist mit bloßem Auge erkennbare Verdickungen. Sie bilden sich im fortgeschrittenen Stadium und sitzen im unteren Drittel der Gelenk-Innenseite. In seltenen Fällen entstehen Exostosen an der Außenseite des Gelenks. Dann sprechen Fachleute von Rehspat oder von einem Rehbein. Exostosen und Spatlahmheit können zusammen, aber auch unabhängig voneinander auftreten. Spaterkrankungen ohne Knochenzubildungen werden als unsichtbarer Spat bezeichnet.

Speichelsteine

CAV Symptom-Lexikon Speichelsteine
Zwick
Wenn Kalziumbrocken den Speichelfluss blockieren, schwellen die Ganaschen. Wann muss die Speicheldrüse verödet werden?

Treten erst auf, wenn die Speichelsteine wachsen oder den Speichelfluss behindern. Speichelsteine im Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse sind manchmal von außen als Knubbel vor der Backe zu sehen. Die Masse fühlt sich hart an und lässt sich unter der Haut verschieben. Das Pferd frisst und trinkt normal und hat keine Probleme mit dem Trensengebiss.

Die Mündung des Speichelgangs der Ohrspeicheldrüse im Maul kann vergrößert sein, was der Tierarzt am besten durchs Endoskop sieht. Mit bloßem Auge lässt es sich nur erkennen, wenn das Pferdemaul per Maulgatter geöffnet und gut ausgeleuchtet wird.

Solange der Speichel am Stein vorbeifließen kann, ist die Schwellung der Speicheldrüse gering und schmerzlos. Erst wenn Speichelsteine den Speichelfluss blockieren, schwillt die Speicheldrüse dieser Seite stark an; das Abtasten der Schwellung schmerzt. „Wenn der Speichel nicht vorbeifließt, ist der Gang gestaut, was man von außen sehen kann“, sagt Dr. Johanna Castell, Tierärztin an der Tierärztlichen Klinik Gessertshausen/Bayern.

Strahlfäule

CAV Symptom-Lexikon Strahlfäule
Munter
Strahlfäule kommt beim Pferd sehr häufig vor. Fäulnisbakterien zersetzen das weiche Strahlhorn und verbreiten penetranten Gestank.

Vor allem ein penetrant fauliger Geruch signalisiert Strahlfäule im Pferdehuf. Nach und nach zerfällt das Strahlhorn zu einer schmierigen, schwarzen Masse. Es bilden sich Fäulnisspalten und Aushöhlungen. Wenn das Horn schneller zerfällt als nachwächst, schrumpft der Strahl, bis er sich schließlich völlig ablöst.

Tetanus

CAV Symptom-Lexikon Tetanus
Gerhards
Ein Pferd mit Tetanus bei Ankunft in der ­Klinik. Deutlich erkennt man die breit­beinige Stellung. Noch kann das Pferd seine Ohren bewegen.

Wundstarrkrampf (Tetanus) macht die Muskeln steif und verursacht Krämpfe (Spasmen), die gelegentlich auch ausbleiben. Meist beginnt die Krankheit damit, dass sich das Pferd steif und schwerfällig bewegt. Besonders Wenden und Rückwärtstreten bereiten ihm Mühe.

Dann ändern sich Körperhaltung und Verhalten: Die Tiere werden schreckhafter und empfindlicher, ihre Reflexe sind stärker ausgeprägt als bei gesunden Pferden.

Sie blähen die Nüstern, ziehen Maulwinkel und Ohren nach hinten und heben leicht den Schweif. Manche von ihnen verlieren den Appetit, andere hören beim Fressen plötzlich auf zu kauen, so dass ihnen Futter aus dem Maul fällt. Nun krampfen, ausgelöst vor allem durch Berührungen, Geräusche oder grelles Licht, besonders die Hals- und Kiefermuskulatur.

Nach etwa 24 Stunden werden Krämpfe und Schmerzen beim Kauen und Schlucken stärker. Bald sind die Muskeln so hart, dass das Pferd weder das Maul öffnen noch schlucken kann. Deshalb tropft oft Speichel aus dem Maul.

Die Krämpfe weiten sich vom Kopf auf den ganzen Körper aus, bis alle Muskeln bretthart sind. Krampfen jene Muskeln, die zum Stehen gebraucht werden, geht das Pferd in die sogenannte Sägebockhaltung: Es stellt die Beine weit auseinander und streckt den Kopf nach vorne und unten.

Später kann es Hals und Kopf nicht mehr senken, was Fressen vom Boden unmöglich macht. Der Dauerkrampf der Rückenmuskulatur führt nach einer Weile zum sogenannten Opisthotonus. Dabei drückt das Pferd die Wirbelsäule ins Hohlkreuz und biegt Kopf und Hals nach hinten.

Ein weiteres auffälliges Symptom ist der Nickhautvorfall. Die im inneren Augenwinkel sitzende Nickhaut überdeckt einen größeren Teil der Hornhaut als üblich. Bei leichtem Schlag gegen den Kopf oder auch bei Berührungen des Augapfels fällt die Nickhaut noch weiter vor.

Die Ohren sind im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit starr nach vorne gerichtet. Vor allem Fohlen strecken häufig den Schweif gerade vom Körper weg. Sie bekommen Schweißausbrüche, der Puls steigt über die üblichen 30 bis 44 Schläge pro Minute. Sie atmen rasch und flach.

Tollwut

CAV Symptom-Lexikon Tollwut
Gerhards
Tollwütige Pferde haben Schaum ums Maul, werden aber nicht aggressiv.

Anfangs ist das infizierte Pferd schreckhaft und unruhig. Die Bisswunde, durch die Tollwutviren ins Pferd gelangen, juckt. Deshalb scheuert, leckt oder benagt es die Wunde, die meist an Maul, Nüstern oder Vorderbeinen sitzt. Manche Pferde scharren, stampfen und peitschen mit dem Schweif. Die Unruhe steigert sich langsam zur rasenden Wut: Das Pferd tobt in der Box und schlägt gegen die Wände. Selten beißt oder schlägt es Menschen oder andere Pferde.

„Das klassische Erregungsstadium gleicht aber eher dem Stadium der sogenannten Stillen Wut“, sagt Professor Peter Thein, Virologe und Pferdefachtierarzt an der Universität München. Solche Pferde sind nicht aggressiv, sondern apathisch und liegen viel.

Nach der Wut-Phase ändern sich Körperhaltung und Verhalten: Die Pferde sind erschöpft und schwitzen. Sie verweigern Wasser und Futter. Stattdessen versuchen sie, Holz, Pferdeäpfel und andere ungewöhnliche Stoffe zu fressen. In diesem Stadium kann Tollwut leicht mit Kolik verwechselt werden: Die Pferde stöhnen und wälzen sich. Sie stehen breitbeinig und wollen äpfeln oder urinieren, schaffen es aber nicht. Bei diesen Krampfanfällen, die meist nur kurz dauern, zucken die Kau- und Atemmuskeln.

Kauen und Schlucken schmerzen. Deshalb tropfen Speichel und Futterreste aus Maul und Nüstern. Häufig wiehert das Pferd heiser. Es hält seinen Kopf schief, wenn Gesichtsnerven gelähmt sind. Einige Pferde erblinden. Das tollwutkranke Pferd hat Fieber (höher als die normale Temperatur von 37,5 bis 38,3 Grad).

Manche Hengste schachten den Schlauch aus; Stuten spritzen wie in der Rosse Urin. „Die Pferde zeigen Orientierungs- und Koordinierungsstörungen sowie eine fortschreitende Lähmung der Hinterhand“, beschreibt Professor Thein das Endstadium der Krankheit. Puls und Atmung sind hoch, das Pferd schwankt und bricht zusammen.

„Erfahrungsgemäß wird Tollwut erst in einem sehr späten Stadium erkannt oder falsch diagnostiziert“, sagt der Virologe. Weil ihre Symptome mit vielen Krankheiten verwechselt werden können, kommen tollwutinfizierte Pferde mit unterschiedlichsten Diagnosen in die Kliniken – etwa Verdacht auf Kolik, Rehe, Tetanus, Vergiftung oder Schlundverstopfung.

Weil das Virus am lebenden Pferd nicht nachweisbar ist, müssen andere Erkrankungen, zum Beispiel Störungen des zentralen Nervensystems, spinale Ataxien, Bornasche Krankheit, Herpes und andere Viruserkrankungen
systematisch ausgeschlossen werden.

Nach dem Tod des Pferds untersucht ein Labor das Gehirn, um das Tollwutvirus sicher zu diagnostizieren. Dafür gibt es mehrere Testverfahren. Beim Immunfluoreszenztest wird das Antigen des Tollwutvirus’ mit einem Farbstoff markiert. Es ist damit unter UV-Licht sichtbar. Vom Virus veränderte Nervenzellen im Gehirn (Negri-Körperchen) lassen sich an Gewebeschnitten unterm Elektronenmikroskop bestimmen. Die modernste Methode ist der Nachweis des typischen Virusproteins mit spezifischen Antikörpern am Gehirnschnitt.

Beim Inokulationstest spritzt man Mäusen aufgeschwemmte Gehirnzellen des tollwutverdächtigten Pferds. Waren diese Zellen infiziert, werden die Hinterbeine der Mäuse in den folgenden 20 Tagen gelähmt.

Tränen-Nasen-Kanal-Blockade

CAV Symptom-Lexikon Tränen-Nasen-Kanal-Blockade
Gerhards
Triefauge: Weil dem Pferd ständig Tränen übers Fell rinnen, fallen die Haare aus. Die Kahlstellen sind typisch für verstopfte Kanäle.

Jeder Lidschlag benetzt die Hornhaut im Auge, damit sie nicht austrocknet. Dazu produzieren die Tränendrüsen 20 bis 30 Milliliter wässrigen Film pro Minute, der am Rand des oberen Augenlids aus dem Tränensack tropft. Er sammelt sich im inneren Augenwinkel, ehe ihn der Lidschlag gleichmäßig über die Hornhaut verteilt.

Überschüssige Tränenflüssigkeit sickert in den unteren Tränensack, dessen Öffnung wie ein dunkel gefärbtes Pünktchen vorne unter dem Augapfel liegt. Von dort fließt sie durch den rund 25 Zentimeter langen Tränennasenkanal in die Nasenhöhle. Dieses Abflussrohr ist eine dünne Schleimhaut, die von einer knöchernden Rinne umschlossen wird. Es kann leicht verstopfen, und dann läuft die Tränenflüssigkeit nicht mehr ab.

„Ein bis zwei Tröpfchen im inneren Augenwinkel sind normal. Wenn es heiß, staubig oder sehr trocken ist, können es auch mehr sein“, sagt Augenspezialist Professor Hartmut Gerhards, Leiter der Klinik für Pferde an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ist der Kanal verstopft, tränen die Augen dagegen andauernd. Manchmal tropft es nur aus einem Auge, wenn die Tränenflüssigkeit nicht richtig abfließt.

Durch den ständigen Tränenfluss (Epiphora) ist die Haut unter dem inneren Augenwinkel feucht und verkrustet. Entzündet sich der Tränennasenkanal, wölbt sich manchmal der Oberkiefer, oder das Nasenbein schwillt an. Einige Pferde reiben ständig den Kopf, weil sie das Gefühl eines Fremdkörpers am Auge haben.

Ob das Tränenleitsystem vom Auge zur Nase verstopft ist, prüft der Tierarzt, indem er Fluoreszein ins Auge träufelt. „Der grünliche Farbstoff ist im Normalfall in 30 Sekunden in den Nüstern angekommen“, sagt Professor Gerhards.

Untersuchen Tierärzte den Kanal von der Nase her, sedieren sie das Pferd gewöhnlich. In die rundliche Öffnung in der Nasenscheidewand (wo die pigmentierte in die unpigmentierte Schleimhaut übergeht) führen sie eine Knopfkanüle oder einen elastischen Katheter ein und pressen mit Druck eine körperwarme Spülflüssigkeit, etwa Natriumchlorid- oder Kaliumpermanganatlösung, in den Tränengang. Sind Tränennasenkanal, Tränensäcke und Tränenpünktchen frei, spritzt ein kleiner Strahl der Spülflüssigkeit aus den Tränenpünktchen des jeweiligen Auges.

Gelingt die Spülung nicht, steckt der Tierarzt unter Narkose einen feinen Nylonkatheter durch einen Tränenpunkt mindestens bis in den Tränensack und spritzt Kontrastmittel in den Kanal. Auf dem Röntgenbild kann man dann erkennen, ob und wo der Kanal verstopft ist.

Überbeine

CAV Symptom-Lexikon Überbeine
Gerhards
Überbeine werden oft ­angefüttert und sind nicht immer nur Schönheitsfehler: Wenn die Knochenauftreibungen auf Bänder drücken, können sie ein Pferd lahmlegen.

Überbeine kommen sehr häufig vor. Die Knochenauftreibungen sind verschieden stark ausgeprägt und können so groß wie Hühnereier werden. In neun von zehn Fällen bereiten sie dem Pferd keine Probleme. Nicht alle Überbeine sind mit bloßem Auge zu sehen oder zu ertasten. Viele verschwinden unter Muskeln und Sehnen oder deren Ansatzstellen am Knochen, so dass sie nur ein Röntgenbild zeigt.

Alle knöchernen Verdickungen an Knochen werden als Überbeine bezeichnet, egal an welcher Stelle des Skeletts sie sitzen. „Am häufigsten liegen sie an der Innenseite der Vorderbeine zwischen Karpal- und Fesselgelenk in der Nähe der Griffelbeine“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Stephen Eversfield von der Tierklinik Wiesbaden.

Selten sitzen sie an der Unterseite des Unterkiefers, wobei ein Unterkieferast oder auch beide betroffen sein können.

„Im Bereich der Gliedmaßen können sie zu mehr oder minder ausgeprägten Lahmheiten führen, was von Größe und Lage am Bein abhängt“, sagt Dr. Eversfield. Gefährlich sind Überbeine, die sich an den Ansatzstellen von Sehnen und Bändern oder in direkter Nachbarschaft von Nerven bilden, die sogenannten Insertionsdesmopathien.

Oft entstehen sie im Bereich der Griffelbeine. Dabei können die Überbeine neben der Insertionsdesmopathie im Bereich der Griffelbeinbänder auch Druck auf einen dort verlaufenden Nerv ausüben; das Pferd kann chronisch lahmen.

Vergiftungen

CAV Symptom-Lexikon Vergiftungen
Gerhards
Punktförmige Blutungen im Maul durch Ionophoren-Gift.

Typisch sind Koliken, Durchfälle und Muskelkrämpfe. Tragende Stuten verfohlen. Pflanzengifte stören oft das Nervensystem, obwohl sie hauptsächlich in Leber und Nieren wirken. Die Tiere schwanken, haben Lähmungen etwa im Schlund (Speichel rinnt aus dem Maul). Einige reagieren auf Geräusche oder Bewegungen extrem schreckhaft. Ist die Leber durch Gift (Toxin) gestört, kann das Pferd apathisch wirken, aber auch tobsüchtig mit zwanghaftem Laufdrang: Es kreiselt oder drückt den Kopf gegen eine Wand.

Hat Gift die Nieren angegriffen, leuchten die Schleimhäute im Maul backsteinrot statt rosa. Im Endstadium eines Nierenschadens hat der Harn durch das Hämoglobin (eisenhaltiger roter Blutfarbstoff) eine braunrote Farbe. Hufrehe kann auf Selen- und Schwermetallvergiftungen deuten. Oft fallen Mähnen- und Schweifhaare aus.

Vergiftungen durch Ionophoren (steigern den Ionentransport durch die Zellmembran) lähmen Hinterbeine, lösen Kolik und Durchfall aus; das Muskelgift führt zum Festliegen, das Herz versagt. Kumarin (Blutgerinnungshemmer in Rattengift), löst innere Blutungen aus, Harn und Kot sind blutig. Pilzgifte (Mykotoxine) können Rehe verursachen; typisch sind auch Erblindung, Herzrhythmusstörungen und Ataxie (neurologische Bewegungsstörung mit unkoordiniertem, taumelndem Gang). Sind Heu oder Stroh mit dem Pilz Stachybotrys atra befallen, schwellen Haut und Schleimhäute am Kopf (Nilpferdkopf).

Verhakte Kniescheibe

CAV Symptom-Lexikon verhakte Kniescheibe
Gerhards
Hocken und Strecken: Beim erwachsenen Pferd wird das Bein steif.

Das Knie ist das größte und komplizierteste Gelenk des Pferds. Es besteht aus Schienbein, Oberschenkel und Kniescheibe, die durch Kreuzbänder und Menisken fixiert sind. Das Knie setzt sich aus dem Kniescheibengelenk und Kniekehlgelenk zusammen. Beide Scharniere bewegen sich synchron. Im Kniescheibengelenk bewegt sich die Knie-scheibe, gehalten durch drei Bänder, auf dem Rollkamm des Oberschenkelknochens wie ein Bob im Eiskanal. Über die Kniescheibe gleiten Sehnen, die Schub und Last der oberen Muskeln auf das Bein übertragen.

Verhakt sich die Kniescheibe am Knochenvorsprung, bleibt das Bein gerade. Das Pferd streckt das steife Bein nach hinten. „Es wirkt wie ein Holzbein, weil das Pferd sein Sprunggelenk nicht mehr beugen kann“, sagt Dr. Uwe Heidbrink von der Tierärztlichen Klinik für Pferde im bayerischen Aschheim. Der Huf berührt noch den Boden.

Falls das Pferd noch laufen kann, zieht es das steife Bein hinter sich her. Gewöhnlich hakt nur eine Kniescheibe, die andere bleibt beweglich. Die festsitzende Kniescheibe und die straff gespannten Kniescheibenbänder sind fühlbar.

Bei manchen Pferden springt die Kniescheibe von selbst in die Rollfurche zurück. Dabei verfängt sich die Kniescheibe kurz am Ende jedes Tritts, sobald sich das Bein nach hinten streckt.

Setzt das Pferd das betroffene Bein vor, befreit sich die Kniescheibe plötzlich und rutscht meist mit einem scharfen Schnappen zurück. Dabei kommt das Pferd kurz aus dem Takt, weil das Kniegelenk vorschnellt – vor allem, wenn das Pferd um die Ecke geht und das betroffene Bein innen ist.

Pferde mit Kniescheibenproblemen schlurfen häufig im Schritt und schleifen die Zehe über den Boden. Viele mögen nicht bergab- oder bergaufgehen. Beim Traben zögern sie kurz, das betroffene Bein vom Boden anzuheben. Im Galopp springen Pferde mit Kniescheibenproblemen leicht in den Kreuzgalopp.

Manchmal machen sich springende Kniescheiben allerdings erst bemerkbar, wenn junge Pferde in der Ausbildung vermehrt die Hinterbeine beugen müsssen. Sie fangen an zu schlingern, wenn sie das entsprechende Hinterbein belasten sollen, etwa beim Kurzkehrt.

Warzen

CAV Symptom-Lexikon Warzen
Christiane Slawik
Warzen wuchern wie hässliche Streusel auf der Haut und sprießen meist am Kopf. Wie infiziert sich das Pferd mit dem Virus?

Warzen (Verrucae) sitzen vor allem am Kopf, meist an Maul, Nüstern, Augen und Ohren. Bei Stuten wachsen sie manchmal am Euter, bei Wallachen und Hengsten am Schlauch. Fohlen kommen bisweilen mit angeborenen (congenitalen) Warzen zur Welt.

Warzen sind oft grau bis rosa; ihre Oberfläche kann glatt sein oder zerklüftet wie Blumenkohl. Im Gegensatz zu Equinen Sarkoiden (häufigste Form von Hauttumoren beim Pferd) sind Warzen oft nicht größer als Reiskörner; meist sprießen sie in Gruppen von 10 bis 100 Exemplaren. Sie tun nicht weh und jucken selten. Schubbert sich das Pferd am Kopf oder scheuert das Halfter, kann die Haut einreißen und bluten.

Warzen wuchern nicht nur als hässliche Streusel auf der Haut, sondern auch tiefer im Bindegewebe (Fibropapillomatose) und können so groß wie Tomaten werden. Die Bindegewebsgeschwulste sind rundlich, knotig oder knollig, sie können sich weich oder hart anfühlen, sie wachsen meist einzeln.

In den Ohrmuscheln nennt man Warzen auch „aurales Plaque“. Sie bestehen aus kleinen, runden, unpigmentierten Flecken, die kaum höher sind als die umliegende Haut.

White Line Disease

CAV Symptom-Lexikon White Line Disease
Sabine Stuewer
Bei 90 Prozent aller ­Pferdehufe ist die Weiße Linie marode: Pilze und Bakterien fressen den weichen Inter­zellularkitt, die Hufwand löst sich von Hufbeinträger und Sohle.

Die Weiße Linie (Zona alba) bildet eine flexible Nahtstelle zwischen Hufsohle und Hufwand. „Sie ist genau genommen nur etwa einen halben Millimeter breit und trennt das Wandhorn der Hufwand vom Blättchenhorn des Hufbeinträgers“, erklärt Huforthopäde Klaus Köhler aus dem badischen Denzlingen. „Mit Weißer Linie meinen die meisten allerdings beides: sowohl das Röhrchenhorn der eigentlich hauchdünnen weißen Linie als auch das Blättchenhorn des drei bis fünf Millimeter breiten Hufbeinträgers.“

Ist dieser gemeinsame Bereich von Bakterien befallen, kommt es zu Erkrankungen, die unter dem englischen Namen White Line Disease zusammengefasst werden. Dazu gehören auch Phänomene wie eine hohle oder lose Wand. „Die Weiße Linie ist krank, wenn sie nicht mehr sauber und durchgehend weiß ist“, sagt Köhler. Meist beginnt die Krankheit an der Sohle, wo der Huf am stärksten gedehnt wird. Tauchen hier erste schwarze Stellen auf, haben Bakterien und Pilze mit der Zerstörung begonnen. Sie zersetzen das weiche, feine Gewebe der Weißen Linie und fressen sich durch die Hufwand zum Kronrand empor. Zurück lassen sie eine schwarze, krümelige, teils flüssige Masse.

Erste Alarmzeichen sind kleine schwarze Höfe um die Nagellöcher, die beim beschlagenen Pferd unter den abgenommenen Eisen auftauchen. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, breiten sich die Bakterien unter der Hufwand aus, wobei sie den Huf von innen heraus zerstören. Der Schmied entdeckt diese hohlen Stellen, indem er die Hufwand abklopft. Die Eisen fallen leicht vom Huf ab, da sie im schwachen und rissigen Horn keinen Halt mehr finden. Röntgenbilder zeigen große Höhlen in der Hufwand. Da die White Line Disease im Anfangsstadium keine Schmerzen verursacht, gehen die Pferde nicht lahm.

Widerristfistel

CAV Symptom-Lexikon Widerristfistel
Gawda
Orthovoltage-Bestrahlung soll Entzündung und Schmerz lindern.

Der Widerristbereich schwillt an, fühlt sich warm an und ist extrem schmerzempfindlich. Später bricht die Entzündung durch die Haut, und Eiter fließt aus röhrenartigen Öffnungen. Diese Fisteln liegen häufig links oder rechts vom Widerrist. Der eitrige Ausfluss kann dazu führen, dass an diesen Stellen die Haare ausfallen. Auch Hautentzündungen (Dermatitis) sind möglich.

Wegen der Schmerzen tritt das Pferd mit den Vorderbeinen kürzer, hebt sie schlechter und schleift in schweren Fällen mit den Zehen am Boden. Bei Patienten mit Widerristfisteln ist die Körpertemperatur oftmals leicht erhöht (normal 37,5 bis 38,3 Grad Celsius). Das kranke Pferd frisst aber meist dennoch mit gutem Appetit.

Wildes Fleisch

CAV Symptom-Lexikon Wildes Fleisch
Gerhards
Damit Wundlöcher gestopft werden und neue Haut über Wunden wachsen kann, muss der Körper eines Pferds so schnell wie möglich Granulationsgewebe bilden. Doch manchmal produziert er zuviel.

Bei Wildem Fleisch handelt es sich um pilz- bis blumenkohlförmige Wucherungen in und aus den Wunden. Sie können so groß wie ein Kopf werden und sitzen meist an den Beinen. Wildes Fleisch ist dunkelrot bis bräunlich, tut nicht weh, verursacht aber manchmal Juckreiz und blutet, wenn das Pferd sich scheuert. Manche Pferde entwickeln zudem Fieber oder Ödeme (mit Gewebsflüssigkeit gefüllte Schwellungen) in der Umgebung der Wunde.

Wundversorgung

CAV Symptom-Lexikon Wundversorgung
Dossenbach
Scharfe Kanten in der Box, Weidezäune aus Stacheldraht, Tritte vom Koppelnachbarn – die Verletzungsquellen für Pferde sind fast unerschöpflich. Was tun, wenn die Haut klafft und blutet?

Von einer Wunde spricht man, wenn Haut oder Schleimhaut teilweise oder total durchtrennt sind, wobei auch tieferliegendes Gewebe verletzt sein kann. „Für den Pferdehalter ist es wichtig, den Schweregrad einer Wunde richtig einzuschätzen“, sagt Pferdefachtierarzt Dr. Lothar Köhler, ehemaliger Leiter der Tierklinik Wahlstedt in Schleswig-Holstein. So können kleine, kaum sichtbare Stichwunden an den Beinen schwere Gelenkschäden verursachen, während eine großflächige, spektakulär aussehende Wunde im Bereich der Flanken problemlos heilen kann.

Fließt aus einer Wunde hellrotes, möglicherweise pulsierendes Blut, sind Arterien verletzt. Diese Blutungen können je nach Lage der Wunde sehr heftig sein. „Allerdings besteht bei Wunden mit arteriellen Blutungen im Beinbereich keine akute Lebensgefahr“, so Dr. Köhler. Sind Venen verletzt, rinnt dunkelrotes Blut. Solche Blutungen hören nach zirka 10 bis 20 Minuten von selbst auf.

Wunden, die durch stumpfe Gewalteinwirkung entstanden sind, bluten oft gar nicht. Dabei wird das Gewebe gequetscht, was selbst größere Blutgefäße verschließt. Sie werden oft erst bemerkt, wenn sich die Wunde infiziert und der Wundbereich anschwillt oder eitert.

Zahnprobleme

CAV Symptom-Lexikon Zahnprobleme
Sdun
Pferde können aus dem Maul riechen, bekommen Zahnfleischbluten, Karies oder Zahnstein. Deshalb müssen sie mindestens ein Mal jährlich zum Zahnarzt.

Pferde, die im Stall plötzlich das Maul aufreißen, mit dem Unterkiefer spielen oder ihn seitlich verschieben, signalisieren dadurch oft Zahnprobleme. Bei stärkeren Beschwerden fressen sie langsamer und weniger, bevorzugen weiches Futter. Viele halten beim Kauen inne und lassen Futterbissen aus dem Maul fallen. Zigarrenförmige Futterwickel im Trog oder auf dem Boden sind ein Indiz.

Andere Pferde kauen vorsichtig auf und ab, anstatt wie üblich seitlich zu mahlen; sie schmatzen und speicheln stark beim Fressen und Reiten. Im Kot sind unverdaute Futterreste, ganze Haferkörner oder Heuhalme.

Dass ein Pferd Zahnprobleme hat, merkt man häufig auch beim Reiten. Es wehrt sich gegen den Zügel, geht auf einer Hand deutlich fehlerhafter oder lässt sich schlecht stellen. Schiefe Kopfhaltung, Verwerfen im Genick und Widerstand gegen Wenden, Biegen, Halten oder ein fester Rücken können auf Zahnprobleme deuten. Im Extremfall signalisiert das Pferd mit Kopfschütteln, Zungenstrecken, Steigen oder Bocken seine Schmerzen. Manche Pferde kneifen beim Auf- oder Abtrensen das Maul zu oder weichen mit dem Kopf aus.

Schlundverstopfung oder Verstopfungskolik können ebenfalls auf kranke Zähne hindeuten. Gestank aus Maul oder Nüstern sowie eitriger Nasenausfluss sind Symptome. Krankes Zahnfleisch ist oft geschwollen und stark gerötet, manchmal blutet es. Feine Risse und Wunden in Wangen- oder Zungenschleimhaut können ebenfalls Zahnprobleme signalisieren. Der Kiefer ist manchmal an einer oder mehreren Stellen geschwollen.

Einige Pferde magern ab, wirken müde und apathisch. Beim Reiten kommen sie schnell ins Schwitzen. Ihr Fell wird glanzlos und struppig, der Fellwechsel ist unvollständig oder später als bei gesunden Tieren.

Zahnverlust

CAV Symptom-Lexikon Zahnverlust
Zwick
Rohe Gewalt, saure Silage und falscher Schliff nagen am Pferde-Gebiss. Wann muss der Zahn raus?

Abgebrochene Schneidezähne sehen Sie, wenn das Pferd das Maul zum Auftrensen oder beim Gähnen öffnet. Kaputte Backenzähne, vor allem die hinteren (Molaren), sieht nur der Tierarzt, wenn er das Maul mit einem Maulgatter spreizt und mit einer Lampe ausleuchtet.

Sind Zähne frisch abgebrochen, kann blutiger Speichel oder Blut aus dem Maul tropfen. Wie bei allen Erkrankungen im Bereich der Maulhöhle können zudem Fress-Störungen, einseitiger Nasenausfluss und schlechter Geruch aus Maul oder Nüstern auftreten. Weil Pferde schlecht gekautes Futter kaum verwerten, magern sie ab; einige bekommen Koliken oder Durchfall.

Schmerzen im Maul können zu vielen Rittigkeitsproblemen führen – von Verwerfen, Aufrollen und Kopfschlagen bis hin zu Headshaking-Symptomen, Verspannungen und Lahmheiten.

Zungenverletzungen

CAV Symptom-Lexikon Zungenverletzungen
Tierklinik Grube Königsberg
Die Zunge ist ein dicker Muskel, der mit stabiler Schleimhaut überzogen ist. Dennoch ist sie ein Sensibelchen, das leicht blutet und schlecht heilt.

Schon beim Auftrensen kann das Pferd widersetzlich sein. Manche lassen sich nicht mehr am Kopf berühren. Beim Reiten oder Fahren versucht das Pferd, sich dem Zügel zu entziehen, schlägt mit dem Kopf und wehrt sich.

Wegen der Schmerzen frisst es schlecht. Manchen fällt Futter aus dem Maul, aus dem es manchmal unangenehm riecht. Eventuell fließen Speichel, Blut oder eitriges Sekret aus dem Maul. Einige Pferde haben Fieber.

Ist ein Teil der Zunge fast vollständig abgetrennt, hängt die Zungenspitze manchmal aus der Lade oder zwischen den Schneidezähnen. Bei manchen Verletzungen ist die Zungenspitze ganz abgerissen. Bei einigen Pferden schwillt die Zunge an und quillt bis zu einer Handbreit aus dem offenen Maul. Dann kann das Pferd Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken bekommen.

Um das Maul eingehend untersuchen zu können, sediert der Tierarzt das Pferd falls nötig und setzt ihm ein Maulgatter ein. Dann sucht er die Zunge nach Wunden, Druckstellen und anderen krankhaften Veränderungen ab.

Zwerchfellbruch

CAV Symptom-Lexikon Zwerchfellbruch
Gerhards
Ein Zwerchfellbruch im Röntgenbild.

Das Zwerchfell trennt Brustorgane wie Lunge und Herz von Verdauungsorganen wie Därmen und Nieren. Durch einen Riss (Bruch) im Zwerchfell verlagern sich Bauchorgane oder Organteile in die Brusthöhle. Verklemmen sich Darmteile in der Bruchöffnung, hat das Pferd heftige Schmerzen.

„Die meisten Pferde mit einem Zwerchfellriss zeigen ähnliche Symptome wie ein Koliker. Nur wenige Fälle haben ausschließlich Atembeschwerden wie etwa eine erhöhte Atemfrequenz, Atemnot, Leistungsabfall und Husten“, sagt Pferdefachtierärztin Dr. Inka Kreling von der Tierklinik Binger Wald in Waldalgesheim/Rheinland-Pfalz. Bei diesen Pferden handelt es sich meist um einen Zwerchfellriss deutlicher Größe, so dass hier zwar ein hoher Anteil der Bauchhöhlenorgane in den Brustkorb verlagert ist, aber keine Einklemmung stattfindet, die wieder zu Koliksymptomen führen würde.

Manche Pferde geraten in einen Schockzustand, der sich durch flache Atmung, kaum fühlbaren Puls und kalten Schweiß ankündigt.

Beim Abhören der Lunge, besonders im unteren Brustkorbbereich, sind keine Atemgeräusche feststellbar, es klingt alles gedämpft. Bei der Perkussion (Abklopfen des Lungenbereiches) mit den Fingern oder einem Perkussionshammer sind ebenfalls gedämpfte Regionen auszumachen.

Bei der rektalen Untersuchung ist oft eine gewisse Leere der Bauchhöhle auffallend. Auf Röntgenbildern zeigen sich Bauchorgane in der Brusthöhle. Um festzustellen, in welcher Brustkorbhälfte sie liegen, röntgt der Tierarzt das Pferd von beiden Seiten. „Allerdings wird durch den Herzschatten das Darstellen von Bauchhöhlenorganen im unteren Brusthöhlenbereich röntgenologisch limitiert“, sagt Dr. Kreling. „Die Ultraschalluntersuchung ist hier sinnvoller und aussagekräftiger und sollte als Routineuntersuchung immer bei Verdacht auf Zwerchfellriss eingesetzt werden.“ Auch die Laparoskopie bietet diagnostische Möglichkeiten. Hierbei werden die Bauchhöhlenorgane durch das Einführen eines Endoskops in die Bauchhöhle untersucht.

Weil Risse im Zwerchfell selten sind, lautet die Verdachtsdiagnose meistens Kolik. Spätestens bei der Kolikoperation fühlt der Tierarzt den Riss im Zwerchfell.

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