cav-0418-erstaunliche-heilung-stoppi-lir6970-mit-teaser (jpg) Lisa Rädlein

4 Notfälle: Was tun, wenn das Pferd erkrankt?

Grundregeln bei Unfall oder Krankheit

Jeder Fall ist anders – ein paar Grundregeln bei einem Unfall oder einer ernsten Erkrankung des Pferds gibt es aber doch. Denn richtiges Verhalten kann die Heilungschancen erhöhen und im Zweifel sogar das Leben des Pferds retten!

Was tun bei einem Beinbruch?

Hier zählen wohlüberlegte Planung und Behandlung. Entscheidend ist, unmittelbar nach dem Unfall bei der Erstversorgung des Bruchs und dem Transport in die Klinik keine Fehler zu machen.

Alarmsignale: Pferd lahmt stark, belastet betroffene Gliedmaße zumeist gar nicht oder kaum.

Was tun Sie? Sofort stehenbleiben und Tierarzt rufen! Bei Verdacht auf Beinbruch darf das Pferd keinen Schritt mehr bewegt werden! Ist es eine Fissur, also ein feiner Riss, könnte diese zum Bruch werden; im Fall eines Bruchs könnten sich die Bruchstellen (weiter) verschieben.

Was tut der Tierarzt: Dank digitaler Technik kann der Tierarzt Röntgenbilder vor Ort sofort beurteilen und erste Entscheidungen treffen. Bei offenen Brüchen zählt die schnelle Gabe eines Antibiotikums, um die Infektionsgefahr zu verringern.

Sicher transportieren: Der Tierarzt schient das Bein mittels spezieller Techniken und mit modernsten Materialien, damit sich der Bruch nicht weiter verschiebt und Schäden an Weichteilen möglichst gering bleiben. Eventuell muss der Kreislauf des Pferds stabilisiert werden. In der Tierklinik können Tierarzt und Besitzer dann in Ruhe über die Behandlung entscheiden.

Prognose: Glatte Brüche oder Fissuren haben in der Regel bessere Heilungschancen als offene Brüche oder Trümmerfrakturen.

Was tun bei einer Vergiftung?

Akute Vergiftungen können tödlich sein oder auch bleibende Organschäden verursachen.

Alarmsignale: Das Pferd zittert, krampft, leidet unter Durchfall, Kolik und Bewegungsstörungen, schlimmstenfalls versagt der Kreislauf.

Was tun Sie? Sofort den Tierarzt rufen! Futter entfernen. Giftquelle suchen, z.B. neues Futter, andere Weide, Zäune oder Wände frisch gestrichen? Kann man rekonstruieren, wann das Pferd das Gift gefressen hat? Diese Infos sind wichtig für die Behandlung. Besteht der Verdacht auf Vergiftung durch Pflanzen oder Futterverderb hilft es, Proben sicherzustellen und dem Tierarzt zu zeigen.

Was tut der Tierarzt: Neben der Behandlung der akuten Symptome ist das Ziel, das Gift schnell aus dem Körper zu bekommen. Da Pferde nicht erbrechen können, muss der Magen per Nasenschlundsonde gespült werden. Ein Abführmittel kann dafür sorgen, dass im Darm weniger Giftstoffe aufgenommen werden. Für manche Gifte gibt es Gegengifte. Was im individuellen Fall zu tun ist, entscheidet der Tierarzt.

Prognose: Ist bei einer Vergiftung stark abhängig davon, welches Gift in welcher Menge aufgenommen wurde.

Was tun bei einer Kolik?

Kolik ist ein weiter Begriff – er umfasst alle schmerzhaften Krankheitsanzeichen im Bereich des Magens oder Darms eines Pferds.

Alarmsignale: Pferd ist unruhig, scharrt, flehmt, wendet sich oft zum Bauch um, wälzt sich. Manche Pferde schwitzen und werfen sich auf den Boden.

Was tun Sie? So schnell wie möglich den Tierarzt rufen! Eine unbehandelte Kolik führt nicht selten zum Tod. Scheint der Kreislauf des Pferds stabil, kann man versuchen, es bis zum Eintreffen des Tierarztes im Schritt zu führen. Ist der Kreislauf stark beeinträchtigt, sollte das Pferd nicht bewegt werden, um es nicht zusätzlich zu belasten.

Was tut der Tierarzt: Besitzer befragen (z.B. seit wann zeigen sich Koliksymptome), Vitalwerte checken, Darmgeräusche abhören, rektale Untersuchung, Nasenschlundsonde schieben (Infos über Füllungszustand des Magens), Blutuntersuchung (Hämatokrit, Gesamteiweiß), Ultraschall, Bauchhöhle punktieren. Bei akuten Koliken laufen Diagnose und Therapie oft parallel ab. Der Tierarzt kann während der Diagnose bereits Medikamente geben; beispielsweise Schmerzmittel oder Mittel zum Entkrampfen, etwa bei Verstopfungskolik. Bei Verdacht auf Dünndarmverschluss, extremer Aufgasung, Leistenbruch beim Hengst oder Magenriss empfiehlt der Veterinär eine OP. Je früher eine nötige OP erfolgt, desto besser die Prognose. Bei einer Kolik geht es um Minuten!

Prognose: Auch nach einer Operation stehen die Chancen auf vollständige Genesung heute dank modernster Operationsmethoden und Nachsorge recht gut.

Was tun bei einer Infektion?

Infektionskrankheiten sind in vielen Fällen ansteckend. Manche Infektionen verlaufen tödlich, andere sind unter bestimmten Umständen lebensbedrohlich.

Alarmsignale: Pferd ist matt, apathisch, appetitlos, hat Fieber sowie evtl. auch Husten und Nasenausfluss.

Was tun Sie? Tierarzt rufen: Eine schnelle Diagnose ist nicht nur für das betroffene Pferd wichtig, sondern auch zum Schutz der anderen Tiere. Kranke und verdächtige Tiere isolieren, das minimiert das Ansteckungsrisiko; bei hochansteckenden Krankheiten wie Herpes und Druse ist das Pflicht. Auf besondere Hygiene achten, andere Pferde nicht berühren.

Was tut der Tierarzt: Die Therapie richtet sich nach der Art der Infektion. Bei einer bakteriellen Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Hier ist es wichtig, genau zu bestimmen, welche Keime bekämpft werden müssen, denn nicht jedes Medikament wirkt bei jedem Keim. Manche Keime sind sogar resistent, sprechen also gar nicht auf Antibiotika an.

Prognose: Variiert je nach Art und Schwere der Infektionskrankheit. Manche Infektionen klingen, richtig behandelt, ohne Schäden ab, andere können tödlich verlaufen oder dauerhafte Beeinträchtigungen wie Ataxie verursachen.

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