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Impfen von Pferden: Sinnvoll oder Geldmacherei?

Impfen Pro und Contra

Wer sein Pferd gut schützen möchte, fühlt sich zwischen Streit und widersprüchlichen Informationen hilflos. Wir klären auf über Impf-Gegner-Thesen und strittige Spritzen.

Die Debatte rund ums Impfen von Kindern und Erwachsenen ist aktuell auf dem Siedepunkt. Radikale Impfgegner melden sich lautstark zu Wort, Unentschlossene sind verunsichert. Zu wenig Menschen sind bereit, sich impfen zu lassen. Das hat die Weltgesundheitsorganisation WHO kürzlich sogar als eines der zehn größten Gesundheitsrisiken der Welt eingeordnet.

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Unter Pferdebesitzern sind die kategorischen Impf-Verweigerer seltener. Trotzdem haben sie eine gefährliche Wirkung. Denn mit falschen Thesen verhindern sie, dass Pferde vor schweren oder sich schnell ausbreitenden Krankheiten geschützt werden.

Fazit

Radikale Impfgegner, die andere Pferdebesitzer verunsichern und dadurch generell vom Impfen abhalten, sind gefährlich. Im schlimmsten Fall sind sie mitverantwortlich für den qualvollen Tod von Tetanus-kranken Pferden.

Gerade bei Krankheiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod führen, zählt jedes einzelne geschützte Pferd – und jeder vermeidbare Todesfall ist einer zu viel. Nicht nur für das betroffene Pferd selbst, sondern auch für dessen Besitzer, der einen großen Verlust erfährt.

Unhaltbare Thesen über Impfungen aufzustellen, hat Zerstörungspotential. Sich kritisch zu informieren, ist dagegen richtig.

Was passiert bei einer Impfung?

1. Tote oder abgeschwächte Erreger, die die Krankheit nicht auslösen können, werden dem Pferd gespritzt.

2. Fresszellen zerkleinern die Erreger. Wenn sie nicht alle Erreger beseitigen können, kommen B-Zellen zu Hilfe.

3. Bestimmte B-Zellen, die zum Erreger passen, binden sich an ihn. Danach teilen sie sich. Dadurch entstehen mehr Zellen, die den Erreger erkennen können.

4. Die B-Zellen präsentieren die Erreger den T-Helferzellen. Auch die Fresszellen aktivieren durch Abbauprodukte des Erregers an ihrer Oberfläche T-Helferzellen. Diese stimulieren über Botenstoffe wiederum weitere B-Zellen.

5a. Ein Teil der B-Zellen produziert dann Antikörper gegen den Erreger. Das sind spezielle Eiweiße, die sich an bestimmte Stellen des Erregers binden und ihn dadurch unschädlich machen. Außerdem können die Erreger so leichter von Fresszellen erkannt werden.

5b. Ein Teil der B- und T-Zellen entwickelt sich zu Gedächtniszellen. Sie erkennen den Erreger wieder, wenn sich das Pferd ansteckt, und können ihn sofort bekämpfen, bevor die Krankheit ausbricht.

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Lisa Rädlein
Jede Impfung trägt der Tierarzt in den Equidenpass ein, mit Datum und Impfstoff.

Welche Impfung, wann und wie häufig?

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Lisa Rädlein
Die Einstichstelle muss vor dem Impfen desinfiziert werden. Bakterien könnten sonst Abszesse verursachen.

Herpes: Die „Brexit“-Debatte des Impfens mit Pro, Contra & Jein

Die equinen Herpesviren (EHV1 und 4) können Virusaborte, Atemwegsinfektionen sowie Equine Herpes Myelitis (EHM), den „Schlaganfall“ des Pferds, auslösen. Der Expertenstreit ums Impfen:

Pro: Die Ständige Impfkommission Veterinär (StIKo) empfiehlt halbjährliches Impfen für alle Pferde. „Selbst wenn ein Pferd trotz Impfung erkrankt, sind die Virusmengen, die es ausscheidet, viel geringer“, sagt Prof. Dr. Karsten Feige von der StIKo Vet und Präsident der Gesellschaft für Pferdemedizin. Dadurch verringere sich die Ansteckungsgefahr für andere Pferde deutlich. Dieser Effekt trete aber erst ein, wenn mindestens 90 Prozent der Pferde in einem Bestand geimpft seien.

Prof. Feige: „Momentan sind es oft nur 20 bis 30 Prozent.“ Komme es dann zu einer Infektion im Stall, sei der Infektionsdruck einfach zu groß. „Die erkrankten Pferde scheiden so viele Viren aus, dass auch der Schutz der geimpften Pferde nicht mehr ausreicht.“ Dadurch sei der falsche Eindruck entstanden, die Herpes-Impfung wirke nicht. Und was ist mit der neurologischen Form? Dagegen schütze die Impfung weniger gut, so Prof. Feige. „Allerdings verläuft eine Herpes-Infektion nur selten neurologisch. Der Anteil liegt im einstelligen Prozentbereich.“

Contra: „Man sollte sich Herpesimpfungen sparen“, fordert Prof. Dr. Dr. Peter Thein. „Sie können unter Umständen mehr schaden als nützen.“ Der Fachtierarzt für Pferde und Mikrobiologie befasst sich seit den 1970ern wissenschaftlich und praktisch mit diesen Virusinfektionen. Kein derzeitiger EHV-Impfstoff verhindere eine Neuinfektion mit diesen Viren oder die Reaktivierung ihrer latenten Infektion. In diesem Fall nisten sich die Viren im Körper ein und schlummern dann meist in Lymphgewebe und Nervenzellknoten (Neuroganglien).

Laut Prof. Thein sind etwa 80% der Pferde latent mit EHV1 infiziert. Insbesondere Stress aktiviert die latent ruhenden Viren. Sie werden wieder aktiv, vermehren sich und werden in der Regel über den Atemweg ausgeschieden – auch von den geimpften Pferden. „Die Impfantikörper, die als Maßstab für Schutz gelten, sind bei Herpesvirusinfektionen bezüglich Immunschutz völlig unmaßgeblich, weil sie nicht schützen.“ Aus seinen Studien folgert Prof. Thein:

1. Virusaborte treten unabhängig vom Impfstatus der Stuten auf, auch in durchgeimpften Beständen. „Es ist bewiesen, dass Stuten mit höchsten Antikörpertitern EHV1-spezifisch abortieren, während Stuten ohne Antikörper die Infektion überstehen, ohne zu abortieren“, sagt Prof. Thein. „Das Management mit Trennung der Jahrgänge, Quarantäne, Hygiene usw. bringt deutlich mehr für die Reduktion der Abortraten als die Impfung.“

2. Atemwegsinfektionen sind in erster Linie Erstinfektionen mit Serotyp 4 der Herpesviren bei Absetzern und jungen Pferden; klinisch relativ unbedeutend, da meist schwach ausgeprägt, für den Aufbau der natürlichen Abwehr aber von Bedeutung. Sie rechtfertigen keine Impfung.

3. Wiederholte EHV1-Impfungen erhöhen laut international dazu vorliegenden Ergebnissen das Risiko für EHM. Die Immunreaktion sei hier wahrscheinlich Teil des Problems, worauf auch die patho-histologischen Ergebnisse an den Gefäßen der Nervensubstanz des Rückenmarks EHM-erkrankter Pferde hinwiesen.

Jein: Die amerikanische Tierärzteorganisation AAEP zählt Herpes nicht zu den Core-Impfungen, die jedes Pferd haben sollte. Sie empfiehlt ein halbjährliches Impfintervall nur für bestimmte „Risikopatienten“: Pferde unter fünf Jahre; Pferde mit Kontakt zu tragenden Stuten; Pferde in Ställen mit häufig wechselndem Bestand sowie Sport- und Showpferde. Tragende Stuten sollten dreimal geimpft werden (5., 7., 9. Monat). „Eine Impfpflicht besteht nur für Turnierpferde“, sagt Dr. Bettina Wagner von der Cornell Universität. Auch in den USA ist strittig, ob häufige Impfungen das EHM-Risiko erhöhen. Dazu gebe es keine zuverlässigen Studien, so Wagner. „Die Erfahrung zeigt, dass dies nicht so ist.“

Influenza: Impf-Tücken bei Pferdegrippe

Influenza ist die klassische Infektion, deren Immunschutz in erster Linie auf Antikörperbildung beruht. Prof. Dr. Dr.Thein empfiehlt die halbjährliche Wiederholungsimpfung, entsprechend der LPO. Klar ist allerdings: 100-prozentig schützen Impfungen nicht.

1. Handicap: Die Impfstoffe können nicht immer den aktuell kursierenden Virusstamm enthalten. Prof. Thein: „Sie haben eine Vorlaufzeit von circa bis zu zwei Jahren, um eine Impfstoffproduktion mit den aktuell kursierenden Antigenvarianten in der Menge fertigzustellen, die man im Feld braucht.“ Die 0.I.E.-Empfehlung für den aktuellen Virusstamm sei theoretisch richtig, aber praktisch kaum machbar. „Denn während der Impfstoffproduktion kennt man diesen im Zweifel noch nicht.“ So bleibe nur zu hoffen, dass in der Produktionszeit kein neuer Antigentyp dazu komme.

2. Handicap: Dieses beschrieb Prof.Thein schon 2017 in einem Fachartikel in der Pferdeheilkunde: „Wir haben auch bei Influenza keine international vergleichbare Methode, den Immunstatus eines Pferdes definitiv festzulegen.“ Sein Vertrauen ist nach Vergleichsuntersuchungen der gleichen Pferdseren in unterschiedlichen Laboren bezüglich der erhaltenen deutschen Ergebnisse erschüttert. „Die Antikörperbefunde differierten in den verfügbaren beiden Tests der beiden Institute signifikant.“

Tetanus: Wird zu oft gegen Wundstarrkrampf geimpft?

Die Impfung ist lebenswichtig, sind sich alle Experten einig. Strittig ist allerdings, wie oft ein Pferd geimpft werden sollte. Laut Gebrauchsanweisungen der Impfstoffhersteller, die im Zweifel auch vor Gericht als Maßstab für einen Prozess gegen den Tierarzt herangezogen werden könnten, liegt das Wiederholungsintervall bei zwei bis drei Jahren.

Die Kritik: „Das ist zu oft“, sagt Prof. Thein. Der Schutz halte viel länger. Die Halbwertszeit der schützenden Antitoxine liege, wie beim Menschen, bei bis zu 15 Jahren und mehr, wenn das Pferd richtig geimpft wurde. Prof. Thein rät, bei Fohlen mit der Grundimmunisierung erst gegen Ende des ersten Lebensjahres zu beginnen, da die maternalen, kolostralen Antikörper lange nachweisbar seien und eine früher vorgenommene Impfung negativ beeinflussen können. Sei der Impfstatus eines Pferdes unklar, könne der Tierarzt den Antitoxintiter über einen erhältlichen Schnelltest erfassen.

„Es gibt in unseren Untersuchungen Pferde, die im Alter von fünf Jahren schon zehnmal oder mehr gegen Tetanus geimpft wurden“, so Prof.Thein. „Gegen diese sinnlose Überimpfung sollten sich Pferdebesitzer wehren.“ Zustande kommen solche Zahlen vor allem, wenn der Tierarzt routinemäßig eine Impfstoffkombination aus Influenza/Tetanus einsetzt und sich hierbei nach dem halbjährlichen Impfintervall für Influenza richtet.

Grundimmunisierung: Wie Sie Ihrem Fohlen den besten Impfschutz geben

Wer ein Fohlen gezüchtet hat, möchte es bestmöglich schützen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Impfen?

Die offizielle Empfehlung der StIKo Vet ist die Impfung gegen Tetanus, Influenza und Herpes im Alter von sechs Monaten. Wann das Fohlen idealerweise geimpft wird, hängt aber auch vom Impfstatus der Mutterstute ab. „Damit wirkungsvolle Konzentrationen von Antikörpern in der ersten Milch enthalten sind, sollte sie möglichst im letzten Trimester der Trächtigkeit (8. bis 11. Monat) noch einmal gegen Influenza, Herpes und Tetanus geimpft werden“, so Dr. Andreas Roeckl.

Abweichend von den Herstellerangaben sollte das Fohlen dann erst mit frühestens sechs, besser erst mit neun Monaten geimpft werden. „Wird ein Fohlen zu früh geimpft, schalten die noch vorhandenen Antikörper aus der Biestmilch die Impfantigene aus. Folge ist ein lebenlang mangelhafter Impfschutz“, warnt Dr. Roeckl. Wurde die Mutterstute dagegen nicht korrekt geimpft, können Fohlen laut Dr. Roeckl schon Ende des vierten Lebensmonats geimpft werden.

Kranke Pferde impfen: Stress fürs Immunsystem

„Wird ein krankes Pferd geimpft, verläuft die Krankheit meist schwerwiegender, weil die Impfung das schon beschäftigte Immunsystem zusätzlich belastet“, so Prof. Karsten Feige.

Ist ein Pferd schon angesteckt, aber noch ohne Symptome, ist eine Impfung ebenso belastend. „Deshalb sollte man nicht gegen eine Krankheit impfen, wenn andere Pferde des Bestands schon mit ihr infiziert sind“, rät Prof. Karsten Feige von der StIKoVet.

Impfung & Allergien: Was ist bei empfindlichen Pferden besonders wichtig?

Eine starke allergische Reaktion tritt meist innerhalb kürzester Zeit auf. Bei empfindlichen Pferden sollte der Tierarzt deshalb nach der Impfung zunächst in der Nähe bleiben. „Im schlimmsten Fall kann das Pferd mit plötzlichem Kreislaufversagen zusammenbrechen. Das habe ich aber noch nie erlebt“, so Dr. Roeckl.

Gelegentlich gibt es eine Quaddelsucht. Dann ist das Pferd innerhalb von Minuten nach der Impfung mit Pusteln und Quaddeln übersäht. Der Tierarzt entscheidet, ob er ein Antihistaminikum (meist Kortison) spritzt oder darauf setzt, dass die Hautveränderungen innerhalb von Stunden oder einem Tag alleine abklingen – je nach Ausprägung und Kreislaufsituation des Pferds. Bei der nächsten Impfung sollte in solchen Fällen ein anderer Impfstoff gewählt werden.

Vorhandene Allergien können durch Impfungen verstärkt werden. Allergiker-Pferde reagieren ohnehin zu stark auf Allergene. „Impfungen können das Immunsystem noch weiter stimulieren“, so Dr. Heike Kühn. Da Allergiker aber auch anfälliger sind, etwa für Atemwegserkrankungen, sollte man trotzdem impfen. „In der Zeit danach sollten Sie allergieauslösende Reize noch penibler vermeiden als sonst“, rät Kühn.

Ausblick: Was tut sich bei Impfungen?

Hoffnung gibt es bei Sommerekzem: Forscher an der Universität Zürich entwickeln derzeit zwei Impfstoffe (siehe Meldung in CAVALLO 06/2018). Die Markt-Zulassung ist für das Jahr 2021 geplant. Die beiden Impfstoffe wirken therapeutisch: DERMAVAX reduziert die Zahl allergischer Entzündungsquellen in der Haut, ITCH-VAX den Juckreiz.

Stichwort Herpes: Forscher um Prof. Bettina Wagner an der US-Universität Cornell entwickeln einen Test, der nach der Impfung die Zahl der gebildeten Antikörper prüft. Das soll die individuelle Impf-Strategie verbessern.

Das sollten Sie übers Impfen wissen

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Lisa Rädlein
Welche Impfung wann und wie oft? Bei diesen Fragen werden Pferdebesitzer im Stich gelassen. Experten widersprechen sich.

Aktuelles zur Impfpraxis

Die Impfpraxis hierzulande krankt – und zwar in mancherlei Hinsicht. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von Prof. Dr. Dr. Peter Thein, Dr. Michael Düe und Dr. Albert Röhm, die aktuell in der tierärztlichen Fachzeitschrift Pferdeheilkunde (1/2 2019) erschienen ist.

Die Autoren untersuchten, ob und inwieweit die Grundvoraussetzungen für wirksame Impfungen erfüllt sind, insbesondere gegen Herpes, Influenza und Tetanus. Basis dieser Untersuchung waren 151 Pferde aus drei Beständen mit insgesamt 1495 kontrollierten Impfungen. Ihr Vergleich zwischen „Stand der Wissenschaft vs. Impfpraxis“ fällt kritisch aus: Gegen Herpes und Tetanus werde zu oft geimpft; die Influenzaprophylaxe und -diagnostik sei verbesserungswürdig.

Die Autoren folgern und fordern: Tierärzte sollen sich sehr viel intensiver als bisher über Sinn, Ziel, Qualität und Legalität von Impfungen informieren und darüber diskutieren – nicht nur untereinander, sondern auch mit den verantwortlichen Institutionen und den Pferdebesitzern.

Musterrechnung: Lohnt sich die Impfung?

Eine Tetanus-Impfung kostet ca. 30 Euro, die Behandlung der Krankheit 500 bis mehrere Tausend Euro. Lohnt sich eine Influenza-Impfung genauso? Influenza-Viren sind oft beteiligt, wenn ein Pferd hustet. Der Vergleich:

Behandlung:
• Husten/Atemwegsinfekt: ca. 300 Euro (bei drei Untersuchungen + Medikamenten)
• bei bakterieller Bronchitis: rund 700 Euro (bei fünf Untersuchungen + Medikamenten) Impfung inkl. Voruntersuchung:
• rund 48 Euro (alle sechs Monate, zur Grundimmunisierung zweite Impfung nach 6 bis 8 Wochen)

Nebenwirkungen: Von Schwellung bis Fieber: Was ist normal?

Bei lokalen Unverträglichkeiten schwillt das Muskelgewebe um die Einstichstelle an. Bei starken Reaktionen sollte man beim nächsten Mal einen anderen Impfstoff wählen, der etwa kein Eiweiß enthält. „Abschwellende Gels und Cremes helfen“, rät Tierarzt Dr. Andreas Roeckl. Hat das Pferd einen schmerzhaften steifen Hals, den es nicht gut senken kann, hängen Sie einen Heusack auf.

Ein Abszess mit Fieber und lokalen Schmerzen kann wie bei jeder Injektion entstehen, wenn Bakterien beim Einstich von der Hautoberfläche in die Muskulatur gelangen. Das passiert selten. „Je nach Ort des Abszesses kann dies eine lange Behandlung bis hin zu Operationen nach sich ziehen“, so Dr. Roeckl.

Eine erhöhte Temperatur nach der Impfung ist normal und sogar erwünscht. „Sogar leichtes Fieber ist in Ordnung“, erklärt Tierärztin Dr. Heike Kühn. „Zieht es sich über Tage, sollte aber der Tierarzt verständigt werden.“ Das gilt auch, wenn das Pferd allgemein in schlechter Verfassung ist.

Unser Standpunkt: Das Leid mit den Impf-Leitlinien

Leitlinien sollen leiten – und zwar möglichst nicht in die Irre. Die „Leitlinie zur Impfung von Pferden“ soll Tierärzten fachlich unabhängige und wissenschaftlich fundierte Standards an die Hand geben. Erarbeitet hat sie der Arbeitskreis Pferd der StIKo Vet, kurz für Ständige Impfkommission Veterinärmedizin. Diese bewertet den Einsatz von Impfstoffen in der Tiermedizin, spricht Empfehlungen zur Verwendung von Impfstoffen aus und berät die Bundesregierung. Hält sich der Tierarzt an die Leitlinien, müsste das eigene Pferd also bestmöglich geschützt sein.

Doch so einfach scheint es leider nicht zu sein. Insbesondere die Debatte zur Herpes-Impfung (siehe Impfungen) lässt Pferdebesitzer ratlos zurück – und vermutlich auch manche Tierärzte. Experten vertreten hier komplett kontroverse Standpunkte, jeweils mit dem Hinweis auf wissenschaftliche Belege. Welcher Empfehlung soll man nun folgen: Herpes-Impfen ja oder nein?

Der Blick über den großen Teich liefert auch nicht den erhofften Durchblick: Amerikanische Tierärzte haben noch mal andere Ratschläge zum Herpes-Schutz – die zum Teil ebenfalls widersprüchlich sind.

Und auch bei der lebenswichtigen Tetanus-Spritze schwanken Tierärzte zwischen den Impfintervallen. Zumindest sind sich hier Experten einig, dass ein halbjährliches „rein damit“ keine Empfehlung ist.

Unser Fazit: Insbesondere zur Herpes-Prophylaxe ist eine neue Debatte dringend nötig. Pferdebesitzer wie Tierärzte sind darauf angewiesen zu wissen, was nun „Stand der Wissenschaft“ ist. Zumindest aber müssen sie ehrlich aufgeklärt werden, wenn es über die Interpretation von Studien keinen Expertenkonsens gibt. Sonst reiben sich am Ende nur radikale Impfgegner die Hände. Und damit ist keinem Pferd gedient.

Und wie stehen Sie zur Herpesimpfung?

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