cav-201903-impf-irrsinn-gesundheits-check-lir9308-v-amendo (jpg) Lisa Rädlein

5 Thesen von Impf-Gegnern im Fakten-Check

Wie gefährlich sind Impf-Verweigerer?

Nicht nur ungeimpfte Pferde sind ansteckend: Oft infizieren auch Impf-Verweigerer andere mit ihren kruden Glaubenssätzen. Die fünf wichtigsten Thesen der Gegner im Fakten-Check.

„Die Pharmaindustrie will mit Impfungen nur Geld machen“

Impfungen machen einen Löwenanteil des Geschäfts von Pharmaunternehmen aus – dieser Ansicht sind viele Impfgegner. Angeblich unterziehen die Unternehmen die Gesellschaft daher aus Geldgier einer Gehirnwäsche. Das ist falsch. Impfstoffe gehören zur Gruppe der sogenannten Biologika. Dazu zählen zum Beispiel auch Mittel zum Nachweis von Seuchen. Biologika machten im Jahr 2017 229 Millionen des Umsatzes mit Tierarzneimitteln in Deutschland aus. Das sind 28 Prozent vom Gesamtumsatz mit Arzneimitteln für alle Tierarten (811 Millionen).

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Die Impfstoff-Entwicklung ist keine Goldgrube: „Von ersten Forschungen bis zur Zulassung eines Impfstoffs kann es zehn Jahre oder länger dauern“, erklärt Tonja Graßmann von MSD. „Und dann läuft es schon optimal.“ Viele Impfstoffe schaffen es nämlich trotz jahrelanger Forschung nie bis zur Marktreife. Und wenn doch, sorgt die komplexe Herstellung dafür, dass es viele Jahre dauern kann, bis ein Impfstoff die Kosten für Forschung, Entwicklung und Herstellung deckt.

„Impfungen sind unnötig. Krankheiten kann man behandeln“

Die krankmachenden Bakterien und Viren gibt es nicht? Oder ihre Existenz wurde zumindest nie bewiesen? Welch ein Blödsinn: In jedem Impfstoff stecken schließlich abgeschwächte oder inaktivierte Erreger. Impfungen schützen Pferde häufig vor lebensbedrohlichen Krankheiten. Tetanus etwa ist oft tödlich.

„Eigentlich wäre aus meiner Sicht sogar eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nötig, wenn jemand sein Pferd nicht gegen Tetanus impfen lässt“, sagt Tierarzt Dr. Andreas Roeckl von der Tierklinik Schabelhof. „Er mutet ihm sehr starke, vermeidbare Schmerzen zu, wenn es sich infiziert.“

Trotz moderner Medizin schwer behandelbar sind auch Viruserkrankungen wie Influenza: „Gegen Viren ist noch kein Kraut gewachsen, Medikamente können nur die Ausbreitung im Körper hemmen“, so Dr. Heike Kühn, Tierärztin am Immunologischen Zentrum für Pferde im bayerischen Seeon-Seebruck.

Fazit: Krankheiten sind heute eher heilbar – genauso wie die Unfallchirurgie heute mehr Möglichkeiten hat. Trotzdem greift jeder Autofahrer selbstverständlich zum Gurt.

„Impfungen wirken nicht. Auch geimpfte Pferde werden krank“

Tatsächlich kann keine Impfung ausnahmslos alle geimpften Pferde schützen – ebenso wie kein Medikament bei jedem Patienten wirkt. „Manche Pferde reagieren schnell auf eine Impfung und der Impfschutz hält lange an. Es gibt aber vereinzelt Impf-Versager, die auf eine Impfung nicht reagieren und keine Antikörper bilden“, erklärt Dr. Heike Kühn. Auch wenn Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz bieten, sind sie sinnvoll. Zähneputzen garantiert auch keine kariesfreien Zähne. Sie putzen trotzdem.

Generell gilt: Ein Impfstoff erhält nur dann eine Zulassung, wenn er gut genug wirkt. Der Hersteller muss das durch Untersuchungen zeigen. In Deutschland prüft danach das Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe die wissenschaftlichen Beweise.

Meist machen unabhängige Wissenschaftler auch nach der Zulassung weitere Studien zu den Impfstoffen, zum Beispiel an Universitäten und Forschungsinstituten. Dadurch gewinnen sie laufend mehr Wissen darüber, wie die Impfungen wirken und wie sicher sie sind. So können Impfstoffe weiterentwickelt werden.

„Impfungen sind nicht sicher und machen Pferde krank“

„Die meisten Impfstoffe sind sogenannte Totimpfstoffe und können nicht krankmachen“, erklärt Prof. Karsten Feige von der Ständigen Impfkomission Veterinär (StIKo Vet.). Sie enthalten abgetötete Erreger oder lediglich Bruchstücke des Erregers. In Lebendimpfstoffen stecken dagegen lebende Viren, deren Wirkung abgeschwächt wurde. „Auch bei Lebendimpfstoffen sind die Erreger so stark geschädigt, dass sie keine Krankheit auslösen können“, erklärt Prof. Karsten Feige. Bei Lebendimpfstoffen treten allerdings etwas häufiger Nebenwirkungen auf als bei Totimpfstoffen, selten kann es zu krankheitsähnlichen Symptomen kommen.

Die Verträglichkeit von Impfstoffen muss für ihre Zulassung nachgewiesen sein. Auch nach der Zulassung wird jede einzelne Charge vom Paul-Ehrlich-Institut kontrolliert. Nebenwirkungen sind trotzdem möglich. Bei manchen Pferden schwillt etwa die Einstichstelle an oder sie haben eine erhöhte Temperatur. Diese Effekte sind damit in der Regel deutlich harmloser als die Krankheit, gegen die die Impfung schützt, und kein Grund, darauf zu verzichten.

„Dass Krankheiten aussterben, hat mit Impfungen nichts zu tun“

Keine Frage: Pferde erhalten heute im besten Fall hochwertiges Futter, sie werden gut gepflegt und der Stall wird regelmäßig gemistet. Verbesserte Hygiene und Fütterung sind aber sicherlich nicht der Grund, dass es weniger Seuchen oder Krankheiten gibt. Tetanus-Erreger kommen etwa vor allem in der Erde vor – und Weidegang und Matschkoppeln gehören zum Pferdeleben nun mal dazu. Dass weniger Pferde an Wundstarrkrampf sterben, ist eine Folge der Impfung und nicht hygienisch reiner Pferdehaltung.

Stichwort Tollwut: Während sie noch in den 1980er-Jahren vor allem unter Füchsen weit verbreitet war, gilt Deutschland seit 2008 dank eines jahrelangen, sehr wirksamen Impfkonzepts als tollwutfrei. Um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, wurden etwa Impfköder für Füchse über gefährdeten Gebieten abgeworfen. Dank des Erfolgs solcher Aktionen müssen sich Pferdebesitzer in Deutschland heute kaum Sorgen machen, dass ihr Pferd auf der Koppel von einem tollwütigen Fuchs gebissen und angesteckt wird. In anderen Teilen der Welt sind dagegen heute noch Menschen bedroht: „In Afrika und Asien sterben jährlich rund 59.000 Menschen, darunter 40 Prozent Kinder, an dieser Tierseuche“, so Tonja Graßmann vom Impfstoff-Hersteller MSD Tiergesundheit.

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