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Futter - ist Bio-Kost wirklich besser fürs Tier?

Wie wertvoll ist Bio-Futter?

Wer seinem Pferd etwas Gutes tun will, kauft Öko-Hafer. Doch ist die Bio-Kost wirklich besser fürs Tier? Plus Forums-Tipps.

Das aktuelle Ökobarometer des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ­meldet, dass 17 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Bio-Lebensmittel kaufen, jeder zweite gelegentlich.

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Was für den Menschen gut sein soll, kann dem Pferd nicht schaden, denken viele und ­füttern ihre Tiere mit Bio-Heu, loben mit Bio-Möhren oder -Äpfeln, verwöhnen mit Müslis aus ökologischem Landbau und streuen mit Bio-Stroh ein. Dafür müssen sie mehr bezahlen. Ist „Bio“ das wirklich wert? Ist es für Pferde gesünder als herkömmliche Produkte?

In konventionell erzeugtem Obst und Gemüse aus Deutschland stecken kaum mehr Schadstoffe als in ökologisch angebautem. Das stellte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Stuttgart in einer Langzeit-Untersuchung während der Jahre 2002 bis 2006 fest.

„Je nach Länderherkunft der Ware gab es allerdings deutliche Unterschiede“, betont Eberhard Schüle vom CVUA, der an der Untersuchung beteiligt war. So wurden beispielsweise nur zwei Prozent der deutschen Produkte aus konventionellem Anbau beanstandet – bei den italienischen waren es bis zu 13 Prozent; vor allem Möhren fielen dort negativ auf.

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Achtung Bio: Schimmelgefahr ist überall

Bio-Futter und Bio-Stroh dürfen daher keine Gentechnik und keine chemischen Wachstumsstopper wie Halmverkürzer für Weizen, Roggen und Gerste enthalten. Diese Mittel werden in der herkömmlichen Land-wirtschaft eingesetzt und bewirken, dass die Stengel kurz bleiben und dadurch die Halme unter der schweren Ährenlast nicht brechen.

„Zwischen der letzten Behandlung mit Halmverkürzern und der Ernte muss der Landwirt jedoch eine vorgeschriebene Wartezeit einhalten, damit sich nach der Ernte keine giftigen Substanzen mehr im Stroh befinden“, sagt Fütterungsexperte Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung an der Freien Universität Berlin und verweist auf entsprechende Regelungen, sodass Pferdebesitzer sich keine Sorgen um die Gesundheit ihrer Tiere machen müssen. "Bewirtschaftet der Landwirt ordnungsgemäß seine Felder, sind nach der Ernte keine giftigen Rückstände mehr im Stroh.“

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Rädlein
Selbst Heu kann schimmeln.

„Bei Stroh ist die Qualität wichtig, es besteht die Gefahr, dass sich Schimmel bildet und dieser in der Futterkrippe landet“, sagt Zentek. „Die Schimmelgefahr existiert aber überall, egal, ob der Landwirt biologisch oder konventionell produziert.“

Kaum Nährstoffunterschiede

Alle Pferde werden mit selbst angebautem Bio-Heu sowie Öko-Gerste und -Hafer versorgt. „Ich bin überzeugt, dass Krankheiten und Allergien von Pferden auch durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel hervorgerufen werden können.“

Mit dieser Annahme ist Regina Schanz keineswegs alleine: Zwei Drittel aller Bio-Käufer greifen zu, um sich – oder ihr Pferd – gesünder zu ernähren.

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Lisa Rädlein
Pferdehaltung - alles Bio oder was?

Ob biologisch erzeugte Lebens- und Futtermittel tatsächlich gesünder sind, ist allerdings umstritten – vor allem, weil die Menge an sogenannten Gesundstoffen (Flavonoide) in Pflanzen nicht zwingend von der Anbaumethode abhängt; Flavonoide können freie Radikale im Körper neutralisieren. So verglich das Institut für Ernährungsphysiologie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe den Flavonoid-Gehalt von Apfelsorten (Elstar und Golden Delicious) aus konventionellem und biologischem Landbau aus ganz Deutschland. Ergebnis: Elstar-Äpfel, unabhängig von der Anbauweise, enthalten am meisten Flavonoide; konventionell angebaute Golden Delicious am wenigsten. Für den Gehalt an Gesundstoffen scheinen daher Sorte und Anbaugebiet entscheidender zu sein als die Art der Erzeugung.

„Was den Nährstoffgehalt betrifft, unterscheiden sich Bio-Futtermittel von konventionellen nicht grundsätzlich“, meint Fütterungsexperte Jürgen Zentek. Er kommt zu dem Schluss: „Der Nährstoffgehalt hängt von der Sorte, vom ­Anbau, dem Boden, der Düngung und noch von ­anderen Faktoren ab.

Mehr Arbeit für Landwirte

Ein weiterer Nachteil ist die knappe Verfügbarkeit. Bisher gibt es in Deutschland nur wenige Futtermittelhersteller, die Leckerlis, Pellets, Müsli, Mineral- und Vitaminfutter aus kontrolliert ökologischem Landbau anbieten. Dazu gehören die niedersächsische Firma Eggersmann und Mühldorfer Pferdefutter aus Obertaufkirchen in Bayern.

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An Futterraufen gibt es den ganzen Tag Zugang zum Rauhfutter.

Klartext: Bio-Futtermittel für Pferde sind hochwertige Produkte. Sie sind den ebenfalls hochwertigen Produkten aus konventionellem Anbau jedoch nicht überlegen. Mit Bio geht es dem Pferd gut, ohne Bio ebenfalls.

Hintergrund

Wo „Bio“ draufsteht, ist auch „Bio“ drin. Denn der Begriff, wie auch der Zusatz „Öko“, ist durch EG-Rechtsvorschriften geschützt:
Nur wenn das Produkt frei von chemischen Pflanzenschutz- sowie leicht löslichen Düngemitteln ist (Ausnahmen sind möglich) und keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) enthält, darf der Zusatz auf die Verpackung.

Das staatliche Bio-Siegel findet man aber auf keinem Kraftfuttersack. „Nur unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse, beispielsweise Heu und Hafer, sowie Lebensmittel bekommen das Siegel“, sagt Dr. Axel Woitowitz von der Öko-Kontrollstelle ABCERT AG im schwäbischen Esslingen.

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