Fürs Wohl der Pferde – Schweiz schreibt 2-Zentimeter-Regel für Reithalfter vor

Foto: Rädlein Reithalfter richtig verschnallen
Der Schweizer Pferdesportverband schreibt ab 2020 einen verpflichtenden Abstand von 2 Zentimetern zwischen Nasenriemen und Nasenrücken vor.

Nach Dänemark zieht die Schweiz nach und führt ab 2020 eine Zentimeter-Regel für Nasenriemen ein. Seit Januar 2018 müssen in Dänemark seither mindestens 1,5 Zentimeter Abstand zwischen Nasenrücken und Nasenriemen bleiben. Die Schweiz geht sogar noch einen halben Zentimeter weiter und schreibt 2 Zentimeter vor. Dieser Platz soll mit einem speziellen Messgerät überprüft werden können. Wie genau die Regel umgesetzt wird, erarbeitet der Vorstand im nächsten Jahr.

CAVALLO setzt sich seit Jahren gegen zu enge Reithalfter ein

CAVALLO setzt sich bereits seit Jahren gegen zu enge Nasenriemen ein – zuletzt mit einer Unterschriftensammlung in Zusammenarbeit mit der VFD und dem Ausrüster Dauberg&Roth auf der Equitana 2017. 3000 Unterschriften kamen dabei zusammen, die der Reiterlichen Vereinigung (FN) bei einem Forschungs-Kongress zum Pferdewohl in der Schweiz übergeben wurden. Die Forderung: Die bisherige Zwei-Finger-Regel zu überdenken und verbindliche Regeln zur Reithalfter-Kontrolle schaffen und konsequent umsetzen.

Enge Nasenriemen sorgen für Schmerzen und Stress

Eng gezogene Nasenriemen bereiten dem Pferd nicht nur Stress, sondern auch Schmerzen. Weil empfindliche Nervenbahnen am Kopf verlaufen, ist starker Druck schmerzhaft. Zudem kann das Pferd nicht mehr richtig Kauen. Warum ziehen manche Reiter die Reithalfter dann trotzdem zu? Weil sie es nicht besser wissen oder weil sie Reiterfehler wie eine harte Hand damit vertuschen möchten: Ist das Maul zu, kann das Pferd sich nicht mehr durchs Maulöffnen dem Druck entziehen. Auch Zungenfehler, die durch harte Hände entstehen, werden durch zugeschnallte Mäuler verdeckt.

Seit vielen Jahren wird das Thema Reithalfter bei CAVALLO heiß diskutiert. Vor 15 Jahren überprüften wir zusammen mit Michael Putz die Nasenriemen einiger hundert Turnierpferde. Bei gut einem Drittel waren sie zu fest verschnallt. CAVALLO veröffentlichte im Jahr 2015 einen offenen Brief der Tierärztin Dr. Kerstin Tönnies an die FN. Der Grund: Bei einem Bundeschampionat beobachtete sie etliche Jungpferde mit viel zu engen Reithalftern. Hier können Sie den kompletten Brief nachlesen.

Im Juni 2016 drehte sich das CAVALLO-Top-Thema rund um die Freiheit fürs Pferdemaul. Messungen zeigten, dass jedes zweite Reithalfter zu eng saß – aus Unwissenheit oder mit voller Absicht der Reiter. Auch Biologin Dr. Kathrin Kienapfel forscht seit Jahren zum Thema Nasenriemen und gehört zum Fachbeirat Ethik und Tierschutz bei der Vereinigung der Freizeitreiter in Deutschland (VFD). Zusammen mit anderen Experten entwickelte sie ein Positionspapier, mit dem sie neue Regeln zum Pferdewohl einfordern.

CAVALLO zeigt, wie Reithalfter richtig verschnallt werden

19.12.2018
Autor: Cathrin Flößer
© CAVALLO