Neue Studie zur Rollkur liefert alarmierende Ergebnisse

Die Atemwege verengen sich

Während der Rollkur-Studie in Neustadt-Dosse wurden innerhalb von zwei Wochen 16 Schulpferde mit langen und stark verkürzten Ausbindern longiert und von den Wissenschaftlern untersucht.
Foto: Wehnert CAVALLO Rollkur-Studie Neustadt-Dosse

Tierarzt Ulf-Michel Stumpe justiert das Endoskop am Pferd.

Immer mit dabei: Hendrik Falk, Sattelmeister und Leiter der Neustädter Reitschule. Er hatte ein Auge auf seine vierbeinigen Schützlinge und beriet die Forscher rund um die Ausbildung. Jedes Pferd wurde erst 11 Minuten mit langen Ausbindern longiert. Danach verkürzte Tierärztin und Institutsmitarbeiterin Dr. Mareike Becker-Birk die Ausbinder.

Foto: Stumpe, FU Berlin CAVALLO Rollkur-Studie Neustadt-Dosse

Bei der natürlichen Haltung sind Kehlkopf und Rachen rosa.

Jedes Pferd wurde weitere 14 Minuten mit engem Hals im Schritt, Trab und Galopp an der Longe gearbeitet. Auf dem Laptop sieht Ulf-Michael Stumpe sofort, wie sich der Kehlkopf und Rachen in der Hyperflexion verändern. Durch das Aufrollen des Halses stauen sich im Ganaschenbereich Fettgewebe und Muskulatur.“

Wie sich dieser Engpass aufs Pferd auswirkt, ist reine Physik: Nach dem Strömungsgesetz von Hagen-Poisseuille vermindert jede noch so kleine Verengung im Nasenrachen die Luftzufuhr hoch vier. Die Atemwege verengten sich Stumpe versucht zu veranschaulichen, wie es dem Pferd dabei geht: „Nehmen Sie ein Röhrchen mit einem Durchmesser von drei Zentimetern in den Mund und laufen einen 100-Meter-Lauf. Sie werden schnell außer Puste sein und nach Luft japsen.“

Foto: Stumpe, FU Berlin CAVALLO Rollkur-Studie Neustadt-Dosse

Beim aufgerollten Hals entstehen Blutungen.

Die Engstelle in der Kehle kann zu Rittigkeitsproblemen führen, glaubt Stumpe. „Das Tier versucht, den Kopf nach vorne zu strecken. Verhindern das starke Hände oder Ausbinder, spannt es die Muskeln im Rachen- und Kehlkopfbereich an.“

Damit versucht das Pferd, die Atemwege wieder zu weiten. Diese Verspannung überträgt sich auf den ganzen Körper. Bei einem Testpferd trat sogar ein wenig Blut aus der Schleimhaut. Stumpe weiß noch nicht, warum die feinen Blutgefäße platzten.

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01.02.2010
Autor: Christiane Wehnert
© CAVALLO
Ausgabe 02/2010