Ankaufsuntersuchung: Diese 8 Schritte müssen Sie kennen

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Foto: Fellner Pferdekauf: So geht eine Ankaufsuntersuchung

1. Infogespräch

Im Infogespräch klärt der Tierarzt mit Käufer und Verkäufer, welchen Umfang die Untersuchung haben soll und wer die Kosten übernimmt.

Der Tierarzt erläutert zudem die Vertragsbedingungen der Untersuchung. „Das Infogespräch nimmt erfahrungsgemäß viel Zeit ein. Es ist sehr wichtig, denn dabei legen alle den Fahrplan für die Kaufuntersuchung fest“, sagt Dr. Enno Allmers.

Verkäufer und Käufer einigen sich, wer den Untersuchungsvertrag unterschreibt und somit die Tierarztkosten trägt. Erst dann beginnt der Pferde-Check.

2. Identifikation des Pferds

Steht überhaupt das richtige Pferd vor mir?

Das prüft der Tierarzt als erstes. Bei gechippten Tieren liest er mit einem Gerät an der linken Halsseite den Chip aus und vergleicht die 15-stellige Identifikationsnummer mit der im Equidenpass.

Ist das Pferd nicht gechippt, identifiziert der Veterinär es anhand der Abzeichen und Wirbel. Er notiert zudem Zahnalter, Geschlecht, Farbe, Rasse und den Brand.

3. Check: Haut, Atmung, Puls und Temperatur

Bei der Allgemeinuntersuchung tastet Tierarzt Dr. Enno Allmers das Haarkleid und den Pferdekopf ab, prüft den Körper auf Narben und Tumore und checkt Ernährungs- sowie Pflegezustand, Puls und Atmung.

Zudem misst er die Körpertemperatur, um Infektionskrankheiten auszuschließen. „Stelle ich hier akut etwas fest wie erhöhte Temperatur, endet die Ankaufsuntersuchung. Sie kann erst weitergehen, wenn das Tier wieder belastbar ist“, sagt der Tierarzt.

Sofern möglich, notiert der Tierarzt auch die Kotbeschaffenheit. Hat das Tier Durchfall? Der Pferdeapfel ist eines der Zeichen, mit dem sich aufs Allgemeinbefinden schließen lässt.

„Meist äpfelt das Pferd beim Abladen vom Transporter oder es ergibt sich während der Untersuchung“, so der Klinikleiter.

4. Untersuchung in der Ruhe - Herz und Augen

Der Tierarzt horcht das Herz ab.

Er schaut zudem mit einer Lupe und einem Ophtalmoskop in die Augen. So sieht er auch die hinteren Abteilungen des Auges. Er untersucht das Auge auf eine Trübung der Linse, Hornhautverletzungen und Zeichen von Entzündungen. Die Untersuchung erfolgt in einem dunklen Raum.

4. Untersuchung in der Ruhe - Atmungssystem

Lässt sich Husten auslösen? Der Tierarzt testet das mit Druck auf den Kehlkopf, so trifft die Schleimhaut aufeinander.

Hustet das Pferd mehrfach, kann das für eine Reizung des Kehlkopfs sprechen. „Einmal husten ist aber noch okay“, so Dr. Allmers.

Zudem klopft der Arzt die Lunge ab. So erfährt er etwa, ob die Lunge überdehnt ist. Ein veränderter Schall steht für eine Erkrankung.

4. Untersuchung in der Ruhe - Maulhöhle und Gebiss

Der Tierarzt schaut, wie die Zähne aussehen und ob welche fehlen. „Eine exakte Kontrolle aller Zähne ist allerdings nur mit Sedierung möglich“, meint Dr. Allmers.

4. Untersuchung in der Ruhe - Äußere Geschlechtsorgane abtasten

Das ist besonders bei Tieren für die Zucht wichtig.

Bei Stuten checkt der Tierarzt etwa, wie gut das Gesäuge ausgebildet ist. Beim Hengst, ob die Hoden symmetrisch sind.

4. Untersuchung in der Ruhe - Mediaktionsprobe

Auf Wunsch des Aufraggebers nimmt der Tierarzt eine Blut- oder Harnprobe. „Ich rate allen Kunden dazu“, sagt der Arzt.

Harnproben sind noch genauer als Blutproben. Die Probe weist nach, ob das Pferd mit Schmerzmitteln gesund gespritzt wurde oder Beruhigungs- oder Aufputschmittel bekam.

Proben können sofort untersucht oder auf Wunsch bis zu sechs Monate lagern, falls sich später Hinweise auf eine Manipulation ergeben.

Um Manipulationen zu vermeiden, haben die Probenbehälter einen speziellen Verschluss, der sich nur mit Gewalt wieder öffnen lässt.

5. Untersuchung des Bewegungsapparats - die Gliedmaßen

Bei der Kontrolle der Beine tastet der Tierarzt die Sehnen ab und kontrolliert, ob das Pferd Narben hat, die auf frühere Verletzungen weisen.

Mit der Zange prüft er, ob die Hufsohle druckempfindlich ist, was auf eine Lederhautentzündung hindeuten kann.

Er prüft auch den Beschlag: Hat das Pferd etwa orthopädische Eisen? Wenn ja, warum? Bei diesem Part geht der Tierarzt ähnlich wie bei einer Lahmheitsdiagnostik vor.

5.Untersuchung des Bewegungsapparates - Rücken und Hals

Ist die Muskulatur verspannt? Gibt es Veränderungen an der Kruppe? Reagiert das Pferd schmerzhaft? Wenn ja, lässt sich die Reaktion reproduzieren? Wie weit lässt sich der Hals biegen? Dieser Biege-Test etwa kann Probleme in der Halswirbelsäule aufdecken.

5. Untersuchung des Bewegungsapparates - Provokationsproben

Sie zeigen, wie das Pferd auf stärkere Belastung reagiert.

Der Veterinär hebt ein Bein an und beugt einzelne Gelenke für etwa eine Minute. Danach trabt das Pferd auf gerader Strecke vor, und der Arzt beurteilt den Gang.

Er lässt das Pferd zudem wenden, rückwärtsrichten und auf dem Zirkel traben. So lassen sich etwa Ataxien feststellen.

5. Untersuchung des Bewegungsapparates - Vorführen im Schritt und Trab

Der Tierarzt beurteilt, wie sich das Pferd im Schritt und Trab an der Hand auf hartem Boden und gerader Strecke bewegt. Lahmt das Pferd? Hängt der Schweif nach links oder rechts? Läuft das Pferd zehenweit oder zeheneng?

6. Untersuchung bei und nach Belastung

Nun untersucht der Tierarzt, wie Herz, Atmungssystem und Bewegungsapparat des Pferds auf Arbeit reagieren. Dazu trabt das Pferd je fünf Minuten links- und rechtsherum an der Longe. Dann galoppiert es noch ein paar Runden mit Ausbindern auf der linken Hand: Denn Kehlkopfpfeifen zeigt sich ausgebunden auf dieser Hand am stärksten. Ist das Pferd nicht longierbar, wird es im Freilauf bewegt. Der Tierarzt prüft: Hat das Pferd ungewöhnliche Atemgeräusche? Hustet es? Hat es Nasenausfluss? Lahmt es? ...

6. Untersuchung bei und nach Belastung

Aufschluss über die Kondition gewinnt der Veterinär über die Puls- und Atemfrequenz vor und nach der Belastung sowie die Beruhigungswerte. Im Protokoll notiert er zudem die Untersuchungsbedingungen, etwa die Bodenbeschaffenheit der Reithalle oder des Reitplatzes.

7. Zusätzliche Untersuchungen - Röntgen, Ultraschall, Endoskopie

Röntgenaufnahmen sind nur sinnvoll, wenn das Pferd gut durch die klinische Untersuchung gekommen ist“, sagt Dr. Allmers.

Ist das der Fall, empfiehlt er standardmäßig 12 Röntgenbilder: vier Übersichtsaufnahmen der Zehe an allen Beinen, je drei Bilder der Sprunggelenke sowie die Oxspring-Aufnahme (Strahlbein) an beiden Vorderbeinen.

Auf Wunsch kann die Röntgenuntersuchung etwa um Knie und Rücken erweitert werden.

Bei Zuchtstuten empfiehlt sich ein Ultraschall, um den Zustand der Eierstöcke zu checken.

Eine Endoskopie erlaubt bei auffälligem Husten oder Atemgeräuschen eine genauere Untersuchung der Atemwege des Pferds.

8. Besprechung und Protokoll

Was hat der Kunde am Ende in der Hand?

Nach der Ankaufsuntersuchung erhält der Auftraggeber ein schriftliches Protokoll. Der Tierarzt hat darin seine Befunde eingetragen.

Wie umfangreich das Protokoll sein muss, ist nicht vorgegeben. Dr. Enno Allmers etwa hat einen standardisierten Untersuchungsbogen, in dem er seine Ergebnisse notiert.

Zudem gibt es ein abschließendes Gespräch mit dem Auftraggeber. „Grundsätzlich ist es Aufgabe des Tierarztes, dass die Beurteilung der Befunde für den Laien verständlich ist“, sagt Dr. Enno Allmers.

Bei der Beurteilung des Pferds berücksichtigt der Experte auch die Nutzung des Pferds. Schließlich macht es einen Unterschied, ob der Kunde das Tier als Zuchtstute, Schulpony, Freizeitpferd oder Hochleistungssportler einsetzen möchte.

Gibt der Tierarzt eine Kaufempfehlung? „Nein. Er erklärt die Untersuchungsergebnisse und schätzt die gesundheitlichen Risiken ein. Ob der Kunde das Pferd dann kauft oder nicht, muss dieser selbst entscheiden“, sagt der Fachtierarzt für Pferde.
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