Sauna für Pferde - so funktioniert's

Das bringt Sauna für Pferde

Foto: Elke Vogelsang CAVALLO Pferdesauna

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Viel mehr als heiße Luft: Sauna ist Therapie und Wellness für Pferde – die Wärme putzt Atemwege frei und lockert verspannte Muskeln.

Hannoveraner-Wallach Spirit steht unter Dampf! Ihm wird heute ordentlich eingeheizt, weil Schleim seine Atemwege blockiert. Der Wallach sauniert. Über seinem Kopf sprühen Solevernebler Salz in die Luft. Das ist wie Urlaub an der Nordseeküste – nur schaut Spirit gegen eine Holzwand statt gegen den Horizont. Das stört ihn offenbar nicht: Der Braune hat die Augen halb geschlossen und schwitzt bei 50 Grad Celsius.

Sauna ist Wellness und Medizin zugleich: Sie soll Pferdemuskeln lockern, Gelenk- und Sehnenprobleme kurieren, die Atemwege putzen, das Immunsystem stärken, entschlacken und eine Wohltat für die Haut sein.

Erfahrungen mit der neuen Pferdesauna

"Regelmäßige Saunagänge haben beim Pferd ähnliche Effekte wie beim Menschen“, sagt Kathrin Plewka von Gut Allerwiesen in Häuslingen/Niedersachsen (www.gutallerwiesen.de). Zusammen mit Peter Ebernickel betreibt sie seit November 2017 eine neu entwickelte Pferdesauna mit Sole. Dort saunieren Pferde mit Verspannungen, Ekzemer und vor allem Tiere mit allergisch bedingten Atemwegsbeschwerden wie Spirit.

Der COB-Patient reagiert auf Allergene in Heu und Stroh. Seit vier Wochen quält ihn trockener Husten. Seine Besitzerin hörte von der neuen Sauna und besprach mit dem Tierarzt die Idee, Spirits Bronchien zu bedampfen. Spirit bekam grünes Licht. „Schon nach dem ersten Saunatag lief’s nur so aus der Nase, der Schleim löste sich“, sagt Reiterin Hannah Martian.

Die optimale Sauna-Temperatur für Pferde

...liegt zwischen 45 und 60 Grad. Heißer sollte es für die Vierbeiner nicht sein. Bei diesen Temperaturen entsteht ein mildes Klima mit einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Das ist optimal, um etwa Medikamente zu vernebeln.

Pferde inhalieren in der Sauna besonders gut. Die Hitze lässt das Herz schneller pumpen und beschleunigt die Atmung. Zudem atmen die Tiere tiefer ein. Das Inhalieren von Salzluft soll die Durchblutung der Schleimhäute in den Nüstern anregen und diese abschwellen lassen, Bakterien, Viren und Staub aus dem Atemtrakt putzen und Schleim lösen.

Hitze kurbelt zudem die Durchblutung an

Hitze wirkt wie ein moderates Trainingsprogramm: Blutgefäße werden weit gestellt und das Blut rauscht besser durch den Körper. Die Muskeln lockern sich. Davon profitieren Pferde mit Bewegungsstörungen und orthopädischen Problemen. „Sauna kann vor einer osteopathischen oder physiotherapeutischen Behandlung sinnvoll sein“, weiß Karin Kattwinkel. Sie leitete von 2001 bis 2010 ein Pferde-Rehazentrum mit Sauna in Walsrode. Heute ist die Expertin in Sachen Pferdegesundheit mobil im Rheinland unterwegs und betreibt ein Lehrinstitut für Pferdefachberufe (www.equo-vadis.de). „Manche Pferde sind so verspannt, dass therapeutische Griffe kaum möglich sind. Nach einem Saunagang ist die Muskulatur deutlich lockerer und damit weniger schmerzhaft, was die Behandlung erleichtert.“

Saunieren kann verblüffende Diagnosen ans Licht bringen

Dem Trakehner der Gesundheitsexpertin rettete die Sauna quasi das Leben. Das Pferd hatte nach einem Unfall Probleme mit dem ersten Halswirbel. Es schlug vor Schmerzen mit dem Kopf, ließ sich kaum noch führen. Keine Behandlung half. Dann las Karin Kattwinkel über die Effekte des Saunierens. Sie wollte es bei ihrem Wallach probieren.

Der Headshaker saunierte täglich zwei Mal. Nach einer Woche tropfte dem Pferd plötzlich Eiter aus allen Poren. „Die Stirn- und Nebenhöhlen waren bis zum Anschlag voller Flüssigkeit“, sagt Karin Kattwinkel. Aufgrund der Wirbelblockade hatte sich dort Eiter gesammelt, was über Jahre unbemerkt geblieben war. Nach zwei Wochen Sauna war auf dem Röntgenbild kein Eiter mehr sichtbar – und das Pferd hörte mit dem Headshaking auf.

Vorsicht bei Entzündungen

„Alles, was der Körper eingeschlossen hat, kann durch die Hitze in der Sauna aufbrechen“, weiß Karin Kattwinkel. Typisch sei auch eine Erstverschlimmerung nach der Sauna. Zudem kann die Hitze schlummernde Entzündungen wecken. „Ich kenne etwa Pferde, bei denen ein verstecktes Hufgeschwür plötzlich explodierte oder eine verkapselte Bisswunde wieder aufbrach“, sagt die Reha-Expertin.

Bei jedem Pferd ist vor dem Saunieren ein Gesundheits-Check angebracht. Ein Tierarzt sollte Puls, Atmung und Temperatur und damit die Stabilität des Kreislaufs prüfen. Denn nur Pferde mit stabilem Kreislauf dürfen in die Sauna.

Tabu ist die Schwitzkiste generell für laktierende Stuten wegen möglicher Veränderungen der Milchproduktion. Für tragende Stuten und Pferde im Wachstum wäre der zusätzliche Energieverbrauch eine zu hohe Belastung. Patienten mit offenen Verletzungen, Entzündungen und Fieber dürfen ebenfalls nicht saunieren.

Wie verläuft ein Saunagang beim Pferd?

Die Tiere sollten etwa zwei Stunden vor dem Saunagang keine schwere Kost wie Kraftfutter zu sich nehmen, da der Körper sonst zu sehr mit der Verdauung belastet ist. Ein Saunaaufenthalt dauert 20 bis 40 Minuten. Danach sollte das Pferd eine Abschwitzdecke tragen und an der frischen Luft geführt werden zum Abkühlen. Man kann auch die Hufe mit einem Wasserschlauch kühlen.

„Patienten wie Spirit mit Atemwegsproblemen werden dann im Trab longiert, damit sie den gelösten Schleim abhusten“, sagt Pferdesauna-Betreiberin Kathrin Am besten sollte das Pferd während der Saunakur nicht geritten werden, denn Schwitzen schlaucht. Wenn das Pferd am Wochenende auf dem Turnier war, kann ein Saunagang am Montag den Muskeln beim Regenerieren helfen. Soll das Pferd vom Physiotherapeuten behandelt und zuvor gelockert werden, empfiehlt sich ein Saunagang direkt vor der Behandlung.

Muss das Pferd schwitzen?

Manche Tiere schwitzen nicht bei den ersten Saunagängen. Der Körper muss sich erst daran gewöhnen. Spannend: Einige Pferde schwitzen genau an den Stellen stark, wo sie gesundheitliche Probleme haben. „Der Schweiß kann wie eine Landkarte für den Therapeuten sein“, so Kattwinkel.

Was ist wichtig für die Sicherheit in der Pferdesauna?

Das Pferd sauniert angebunden – ähnlich wie im Pferdehänger. „Wichtig ist, dass die Pferde nicht mit dem Saunaofen in Berührung kommen können“, sagt Saunabauer Mike Meder (www.megasauna.de). Bei der von ihm entwickelten Pferdesauna mit Solevernebler für zwei Pferde auf Gut Allerwiesen steht der 12-Kilowatt-Ofen hinter Holzbalken getrennt vom Tier. Er heizt geräuscharm, um die Pferde nicht zu irritieren. Die Temperatur ist aus Sicherheitsgründen auf 60 Grad begrenzt. Ein Temperaturfühler dient als Überhitzungsschutz. „Die Sauna schaltet sich selbst ab, wenn es zu heiß werden sollte“, erklärt Meder.

Mehrere Fenster ermöglichen es, das Pferd auch von außen im Blick zu behalten. „Gerade bei den ersten Saunagängen sollte immer jemand bei dem Pferd sein und checken, wie es sich verhält“, sagt Kathrin Plewka. Platzangst hätten aber die wenigsten Pferde. Fast jedes Tier gehe gerne in die Schwitzkiste.

Ihr Pferd soll auch mal in die Sauna?

Checken Sie das Angebot von Tierkliniken, Tierärzten und Reha-Höfen, um eine Pferdesauna in Ihrer Nähe zu finden. Gut Allerwiesen etwa ermöglicht ambulante und stationäre Saunaaufenthalte. Ein Saunagang kostet um die 30 Euro. Es gibt zudem Anbieter von mobilen Saunen, die im Anhänger von Hof zu Hof rollen.

26.05.2018
Autor: Alena Brandt
© CAVALLO
Ausgabe 04/2018