So erkennen Sie einen Hitzschlag beim Pferd

Wenn Pferde überhitzen

Foto: Pixabay Pferd auf Weide
Heiße Tage können für Pferde tödlich enden: Sie stehen zu lange in der prallen Sonne, schwitzen zu viel und saufen zu wenig. Ein Hitzschlag droht.

Die Vollblutstute kam beim Galopprennen als erste ins Ziel – und dann kaum noch einen Schritt weiter. Noch auf dem Geläuf schwankte die Stute plötzlich, der Schweiß rann nur so übers Fell, und sie schien regelrecht zu hecheln. Der Tierarzt diagnostizierte Kreislaufprobleme, ausgelöst durch Dehydration (Austrocknung). Der Notstand im Wasserhaushalt entsteht, wenn der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als das Pferd saufen kann. Diese Gefahr ist bei Hitze oder starker Anstrengung am größten.

So machen sich Hitzeprobleme bemerkbar

Zu den Symptomen gehören Leistungsschwäche, langsame Erholung nach Belastung und Apathie. Manche Pferde haben Koliksymptome, Krämpfe oder Verdauungsprobleme. Der Puls ist schwacher und schnell, die Atmung schnell und oberflächlich.

Die Schleimhäute, gut sicht- und tastbar am Zahnfleisch, geben wichtige Hinweise auf den Kreislaufzustand des Pferds. Alarmsignale: Sie sind bläulich oder dunkel verfärbt; bei Druck aufs Zahnfleisch (Kapillarfüllungszeit) bleibt die Druckstelle länger als 3 Sekunden weiß; bei über 4 Sekunden besteht Lebensgefahr! Das Pferd kann bewusstlos zusammenbrechen, der Kreislauf kollabieren.

Einen Anhaltspunkt, wie es um den Flüssigkeitshaushalt des Pferds steht, liefert der Hautfaltentest: Wenn Sie an der Schulter des Pferds eine Hautfalte anheben, sollte sich diese nach dem Loslassen sofort wieder glätten. Glättet sie sich erst nach zwei bis drei Sekunden, spricht das für eine Flüssigkeitsunterversorgung.

Das verursacht die Probleme

Kritisch wird es, wenn Pferde an einem Tag mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts ausschwitzen und dies nicht sofort durch Saufen ausgleichen.

Neben Schwitzen entzieht auch lang anhaltender Durchfall dem Körper Flüssigkeit. Deshalb ist Dehydration eine häufige Todesursache bei Salmonellosen und anderen Infektionen, die starken Durchfall auslösen.

Zum Hitzschlag, den Tierärzte auch als akute Wärmestauung bezeichnen, kommt es ausschließlich bei extrem heißem Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft kann den Pferdeschweiß nicht mehr aufnehmen, er verdunstet nicht und kühlt den Körper nicht.

Schuld ist außer Überanstrengung bei schwülheißem Wetter auch falsche Unterbringung. In überfüllten, schlecht belüfteten Ställen staut sich die Hitze. Stundenlanges Stehen in Hängern, Turnierzelten oder praller Sonne führt ebenfalls manchmal zum Hitzschlag, bei dem sich das Innere des Pferds bis auf 50 Grad aufheizt.

Ein Hitzschlag kann auch durch Dehydration entstehen. Viele Pferde bekommen aber einen Hitzschlag, ohne dass sie dehydriert sind.

Wie verläuft die Krankheit?

Wenn dehydrierte Pferde über zehn Prozent ihres Körpergewichts durch Schwitzen oder Durchfall verlieren, dickt ihr Blut ein. Das verhindert, dass lebenswichtige Organe ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Mittelfristig bricht der Stoffwechsel zusammen, später kollabiert der Kreislauf.

Bei Hitzschlag legt der Wärmestau im Körper die Blutzirkulation lahm. Das Blut erreicht die Organe nicht mehr, Sauerstoffversorgung und Stoffwechsel brechen zusammen. Nur das Gehirn füllt sich übermäßig mit Blut. Ein lebensgefährlicher Kreislaufschock droht, wenn das Pferd nicht sofort behandelt wird.

Welche Folgen drohen?

Ein paar Mechanismen wollen wir näher beleuchten: Weil Dehydration die Durchblutung drosselt, ist die Darmbewegung (Peristaltik) gestört. Das Futter wird schlecht transportiert, durch die Darmwand sickern Toxine und können Hufrehe auslösen.

Auch die Organe leiden: Durch Sauerstoffmangel im Gewebe sterben Zellen ab, was zu Hirnödemen, Schäden im zentralen Nervensystem oder der Lunge führen kann. Bei Wassermangel erzeugen die Nieren stark konzentrierten Urin oder stellen die Urinproduktion ein. Gifte, etwa aus dem Eiweiß-Abbau, werden kaum noch ausgeschieden – Organschäden und Nierenversagen drohen.

Erste Hilfe und Therapie beim Hitzschlag

Hören Sie bei Verdacht auf ein Hitzeproblem sofort mit der Arbeit auf. Stellen Sie das Pferd an einen ruhigen, kühlen und schattigen Ort. Rufen Sie sofort den Tierarzt. Lassen Sie es während der Wartezeit möglichst viel saufen.

Nur Wasser reicht allerdings nicht, es enthält zu wenig Elektrolyte. Tipp für die Elektrolyt-Gabe: „Geben Sie nur isotonische, am besten flüssige Elektrolyt-Präparate, die die gleiche Konzentration wie Schweiß und Blutplasma haben“, rät Dr. Juliette Mallison. Von Elektrolyt-Pasten hält sie wenig. „Weil diese eine höhere Konzentration als das Blutplasma haben, liegen sie im Magen und ziehen das Wasser aus dem Körper dorthin. Wenn das Pferd nicht viel trinkt, trocknet es noch mehr aus.“

Lassen Sie das Pferd möglichst grasen. Gras besteht zu 90% aus Wasser und enthält viele Elektrolyte.

Reiben Sie das Pferd mit einem klatschnassen Schwamm ab. Lassen Sie das Wasser kurz auf dem Fell und ziehen es mit dem Schweißmesser ab. Wiederholen Sie die Prozedur mehrmals. „Nur wenn das Wasser vom Körper des Pferds wegkommt, wird die Hitze abgeleitet.“

Danach soll man ausgetrocknete Pferde eindecken. „So kühlen sie nicht so schnell aus und bekommen keine steifen Muskeln oder zusätzlichen Stress“, erklärt die Tierärztin. Die Decke muss aber wasserdurchlässig sein, damit der Schweiß verdunsten kann. Bei heißem Wetter reicht eine Fliegendecke.

Bei Hitzschlag ist dickes Eindecken dagegen tabu. Sonst staut sich die Hitze noch mehr. Wichtig ist Abkühlung mit reichlich Wasser, feuchter Erde oder Eispackungen im Genick. Bewährt haben sich Kaltwasserdruckmassagen: Man spritzt das Pferd mit einem Wasserschlauch kalt ab und massiert den Körper intensiv mit einer Bürste. Die Massage sollte etwa fünf Minuten dauern und nach 30 bis 60 Minuten wiederholt werden.

Nach dem Abkühlen stehen kollabierte, festliegende Pferde manchmal von allein wieder auf. Solange sie liegen, schonen sie ihren Kreislauf: Man sollte daher nie versuchen, sie mit Gewalt hochzuscheuchen!

Stark ausgetrocknete Pferde wollen oft nichts saufen. Der Tierarzt gibt ihnen per Nasenschlundsonde oder Infusion 30 bis 50 Liter Kochsalzlösung. Vorher nimmt er Blut, um festzustellen, welche Elektrolyte fehlen und der Kochsalzlösung zugesetzt werden müssen. Bewusstlose Pferde mit Hitzschlag bekommen Infusionen mit kreislaufstärkenden Mitteln und Medikamente, die den Herzmuskel anregen.

Wie lässt sich vorbeugen?

Bringen Sie Ihrem Pferd möglichst von klein auf bei, überall zu trinken, auch aus Bächen. Ist Ihr Pferd trotzdem pingelig, sollten Sie auf Turniere, Wander- oder Distanzritte genug Wasser von zu Hause mitnehmen. Auf Transporten müssen Pferde alle zwei Stunden getränkt werden. Nutzen Sie bei Wanderritten jede Trinkgelegenheit und lassen die Tiere bei Pausen grasen. Rohfaserreiches Futter beugt Austrocknung vor. Im Sommer brauchen Pferde einen Sonnenschutz wie Bäume oder Unterstände.

Risiko-Patienten

Gefährdet sind vor allem Military- und Distanzpferde. Besonders gefährdet sind untrainierte Pferde, weil sie schnell schwitzen. Grundsätzlich vertragen Robustrassen mit dichtem Fell Hitze schlechter als etwa Araber. Zur Risikogruppe zählen auch alte Pferde mit Kreislaufproblemen und Tiere, die durch Krankheit oder Erschöpfung geschwächt sind.

22.08.2018
Autor: Linda Krüger
© CAVALLO
Ausgabe 08/2018