Outdoor-Decken im Test

Was halten diese Outdoor-Decken aus?

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Outdoordecken im Test

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Reißfest, wasserdicht und atmungsaktiv müssen Outdoordecken sein. Wir haben sechs Modelle bekannter Hersteller im Labor auf Herz und Nieren geprüft.

Sie kommen auf die Koppel und oh Schreck: In der Decke Ihres Pferds klafft ein großer Riss. Kommt Ihnen diese Szene bekannt vor? Dann ist unser Test genau das Richtige für Sie. Wir haben sechs Outdoordecken auf Reißfestigkeit geprüft und dabei sowohl das Obermaterial als auch Schnallen und Gurte im Labor einem Zugtest unterzogen.

Um zu sehen, ob Pferde unter den Decken wirklich trocken bleiben, haben wir die Decken außerdem unter Wasserdruck gesetzt und geprüft, wie atmungsaktiv die Modelle sind.

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Große Unterschiede beim Outdoordecken-Test

Sechs unterschiedliche Outdoordecken bekannter Marken wie Busse, Horseware, Equithème, Felix Bühler, Bucas und Eskadron sendeten wir dazu ins Labor des Prüf- und Forschungsinstituts Pirmasens e. V. (PFI). Insgesamt schnitten die Decken im Test ordentlich ab.

Dennoch gab es große Unterschiede: Die robusteste Decke im Test war in etwa doppelt so reißfest wie das schwächste Modell. Und in puncto Wasserdichte fanden wir einen echten Ausreißer – das von uns getestete Exemplar dürfte nach europäischer Norm gar nicht als wasserdicht bezeichnet werden. Das veranlasste den Hersteller, selbst nachzutesten und die betroffene Modellreihe aus dem Handel zu nehmen.

Grenzwerte wie für die Wasserdichte gibt es nicht für jedes unserer Testkriterien. Für Reißfestigkeit und Atmungsaktivität etwa sind bei Pferdedecken keine Werte vorgeschrieben. Umso interessanter ist es zu sehen, wie gut die Qualität wirklich ist.

Der Reiß-Test setzt die Decken unter Zug

Zu den Kriterien gehörte, wie viel Widerstand das Obermaterial der Decken gegen ein Weiterreißen einer bereits vorhandenen Beschädigung bietet. Das PFI führte hier einen sogenannten Weiterreißtest für uns durch. „Dazu werden Probestücke in Form einer Hose mit zwei Schenkeln aus dem Stoff ausgestanzt“, erklärt Diplom-Ingenieur Kai Tinschert, der die Prüfungen im Labor leitete. „Diese Schenkel werden oben und unten in eine Zugmaschine eingespannt. Dann wird getestet, wie viel Kraft man benötigt, um den Stoff weiter einzureißen.“ Dies wird längs und quer zur Stoffstruktur geprüft.

Am stabilsten war das Obermaterial bei der Decke „Beta Turnout“ von Eskadron. Hier musste die Maschine 356,7 Newton in Längs- und 452 Newton in Querrichtung aufbringen, um den Stoff weiterzureißen. Umgerechnet sind das etwa 36 bzw. 46 Kilogramm, die an der Decke ziehen müssten. Am leichtesten riss die „Rambo Original Turnout“ von Horseware. In Längsrichtung waren umgerechnet rund 28 Kilo nötig, in Querrichtung rund 19 Kilo.

Wichtiger Faktor: die Denier-Zahl

Solche Zugkräfte kann ein Weidekumpel relativ leicht aufbringen. Allerdings wurde im Labor die Weiterreißfähigkeit geprüft und nicht, welche Kraft nötig ist, um überhaupt erst mal einen Riss in die Decke zu bekommen. Hier dürfte der Kraftaufwand höher sein. Ganz so leicht, wie man bei den Werten denken könnte, bekommen Pferde also kein Loch in die Decken.

Entscheidend für die Reißfestigkeit ist unter anderem die Webtechnik: Das stabilste Modell von Eskadron besteht im Obergewebe aus Polyesterfaser und ist in einer sogenannten Panamabindung gewebt. Dazu werden alle Fäden im Gewebe doppelt gelegt. Häufig verwendet wird für Regendecken auch die Ripstop-Technik. Dabei werden in regelmäßigen Abständen dickere Fäden eingewebt. Dadurch entsteht eine mehr oder weniger sichtbare Kästchenstruktur des Stoffs. Diese Webung soll die Reißfestigkeit erhöhen. In unserem Test lagen die Modelle aus Ripstop-Polyester in Sachen Reißfestigkeit allerdings eher auf den hinteren Rängen. Der Grund könnte sein, dass diese beiden Decken etwas geringere Denier-Zahlen aufwiesen. Die Denier- Zahl gibt das Gewicht pro Fadenlänge und damit die Dicke der Fäden an (1 Denier = 1 Gramm pro 9000 Meter). Neben der Webtechnik ist sie also ein entscheidender Faktor in Sachen Reißfestigkeit.

Außerdem spielt das verwendete Material eine wichtige Rolle. Besonders stark und dabei relativ leicht ist ballistisches Nylon. „Es hat das beste Verhältnis von Stärke und Gewicht“, sagt Ulf Casselbrant von Bucas. Tatsächlich landete die Decke „Atlantic Turnout“ aus ballistischem Nylon von Bucas bei der Reißfestigkeit des Obermaterials im Test gemeinsam mit dem Modell von Felix Bühler auf dem zweiten Platz. Die ebenfalls aus ballistischem Nylon hergestellte Decke von Horseware war dagegen von allen Modellen im Test am wenigsten reißfest. Das könnte daran liegen, dass sie mit 1000 Denier auch die geringste Fadenstärke im Test hatte.

Käufer sollten daher auf die Denier-Zahl achten, auch wenn sie nicht alleine ausschlaggebend ist. Außerdem lohnt es sich abzuwägen, was Ihnen wichtiger ist: eine sehr hohe Reißfestigkeit oder ein leichteres Gewicht und damit eine gute Händelbarkeit der Decke. Steht Letzteres für Sie im Vordergrund, kann auch eine geringere Denier-Zahl ausreichen.

Schwachstellen an Gurten und Schnallen sind Nähte

An Gurten und Schnallen können gewiefte Deckenzerstörer beim Spielen auf dem Paddock besonders gut zupacken. Darum zogen auch wir im Labor kräftig daran und testeten, welchen Kräften sie standhielten. „Dazu werden die Gurte mit geschlossenen Verschlüssen und mit den am Stoff angenähten Enden in eine Zugprüfmaschine eingespannt“, erklärt Kai Tinschert. „Das schwächste Glied war hier meistens die Naht am Ende des Gurtbands.“

Die Nähte rissen bei Zugkräften zwischen 604 und 3440 Newton, umgerechnet also zwischen rund 61 und 350 Kilogramm. Gaben die Nähte am Gurtband nicht nach, brachen bei ähnlichen Zugkräften Karabiner, Ringe oder Schnellverschlüsse. Die Schnellverschlüsse aus Metall zum Einhaken, wie sie sehr häufig an Bauchgurten zu finden sind, verbogen sich im Zugtest bei hohen Kräften zudem oft. Insgesamt hielten die Gurte und Schnallen deutlich höheren Zugwerten stand als das Obermaterial. Das ist gut so, denn im Gegensatz zum Weiterreißtest sind die Bedingungen beim Ausreißtest der Verschlüsse genauso wie auf der Weide.

Die schlechtesten Einzelwerte bei Gurten und Verschlüssen lieferte in unserem Test die Decke von Horseware. Die am schnellsten gerissene Naht im Test (62 kg) befand sich an einem Bauchgurt der Horseware-Decke. Außerdem riss das Gummiband unterm Schweif bei 604 Newton bzw. rund 62 Kilogramm.

Da die übrigen Gurte und Verschlüsse der Decke allerdings recht stabil waren, landete die Decke von Horseware im Durchschnitt noch auf dem dritten Platz in puncto Stabilität der Verschlüsse.

Spitzenreiter war hier die Decke „Atlantic Turnout“ von Bucas, deren Gurte im Schnitt 2420 Newton bzw. rund 247 Kilo standhielten. Das Schlusslicht bildete die Decke von Felix Bühler mit im Schnitt 1310 Newton bzw. 133 Kilogramm.

Feuchtigkeit muss gut vom Körper weggeleitet werden

So entscheidend die Strapazierfähigkeit von Pferdedecken ist: Ohne gute Atmungsaktivität bieten sie keinen Komfort fürs Pferd. Feuchtigkeit muss vom Körper weggeleitet und nach außen abgegeben werden, damit kein Tropenklima unter der Decke entsteht. Besonders gut schnitten hier zwei Modelle ab: Die „Beta Turnout“ von Eskadron wies eine überdurchschnittlich gute Wasserdampfaufnahme auf. Die „Professional Winter II“ von Busse hatte gleichmäßig gute Werte bei Wasserdampfaufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit. Beide Kriterien sind wichtig für ein trockenes Pferd.

Für den Test der Wasserdampfaufnahme spannten die Profis die Stoffproben im Labor acht Stunden lang über ein mit definierter Wassermenge gefülltes und in sich geschlossenes System, sodass die Probe während der gesamten Prüfung nicht in Kontakt mit Wasser war. Davor und danach wurden die Proben gewogen. So konnten die Labormitarbeiter feststellen, wie viel Wasserdampf die Probe jeweils aufnahm. Um die Wasserdampfdurchlässigkeit zu prüfen, wurden die Proben über einen Behälter mit Trockenmaterial gespannt und über den Prüfzeitraum unter Bewegung im Normalklima belüftet. Dann wurde der Behälter samt Trockenmaterial und Materialprobe gewogen: Anhand der Gewichtsänderung wurde die Durchlässigkeit für Wasserdampf festgestellt.

Eine gute Atmungsaktivität zu erreichen, ist für Hersteller ganz schön kniffelig. Die Herausforderung ist laut Andree Baumgartner von Eskadron, die bestmögliche Kombination von Wasserdichtigkeit, Feuchtigkeitstransport, Atmungsaktivität und Scheuerschutz zu finden. So sei etwa Fleecefutter zwar sehr leitfähig, könne aber in der Bewegung scheuern. „Optimal für gefütterte Decken sind glatte, aber atmungsaktive Linings, die auf dem Fell nicht scheuern und zügig die Feuchtigkeit in die Füllung und dann ans Obermaterial weiterleiten“, erklärt Baumgartner.

Die Decken waren sehr dicht – mit einer Ausnahme

Gute Atmungsaktivität nützt nichts, wenn die Decke bei Regen nicht dicht hält. Die gute Nachricht: Fast alle Decken hielten im Test sehr hohem Wasserdruck stand. Nachgewiesen wurden Wassersäulen zwischen mindestens 3570 und mindestens 6630 mm. Danach drang in der Prüfeinrichtung aus technischen Gründen Wasser am Stoff vorbei, nicht aber hindurch. Damit waren fast alle Decken sehr dicht. Zum Vergleich: Eine Wassersäule von 2000 mm reicht laut Norm aus, damit handelsübliche Zeltböden als wasserdicht bezeichnet werden dürfen.

Lediglich unser Testexemplar der Decke „Highneck Detroit“ von Felix Bühler konnte die Anforderungen an wasserdichte Textilien nicht erfüllen. Schon bei einer Wassersäule von 451 mm drang der erste Tropfen durch. Angegeben hatte Krämer eine Wassersäule von 5000 mm. Das Ergebnis veranlasste Krämer, selbst weitere Tests durchzuführen. Resultat: Die Wasserdichtigkeit beim Deckenmodell Detroit mit 50-Gramm-Wattierung war tatsächlich unzureichend. „Wir haben daraufhin die Decke umgehend aus dem Verkauf genommen“, erklärt Geschäftsführer Christopher Schmeckenbecher. „Bei allen anderen Wattierungen dieser Decke, die wir ebenfalls getestet haben, ist die Wasserdichtigkeit gegeben.“ Künftig will Krämer nicht nur die Musterdecken im Labor und im Praxistest prüfen, sondern auch die finale Produktion zusätzlich testen. Damit reagiert das Unternehmen vorbildlich auf den CAVALLO-Test.

Alle Details zu den Testergebnissen finden Sie in unserer Bildergalerie. Werfen Sie einen Blick darauf und finden heraus, welche Decke in welcher Kategorie besonders gut abgeschnitten hat und die richtige für Ihr Pferd ist.

24.10.2018
Autor: Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe 10/2018