Sattelpauschen: Sinnvoll für Reiter und Pferd?

Cavallo macht den Pauschentest

Foto: Rädlein Test: Besser reiten mit Pauschen?

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Der Traum von vielen Reitern: Ein lockeres Pferd, das auf kleinste Hilfen reagiert. Sattelpauschen sollen ihnen dabei helfen. Experten sagen: Stimmt nicht! Wer hat Recht? Cavallo zeigt den großen Pauschentest.

Beim Thema Pauschen scheiden sich die Geister. Während die einen auf Sättel mit dicken Pauschen schwören, beschimpfen andere solch üppig ausgestattete Sattelmodelle als „Sitzprothesen“. Warum ist das so? Und wer hat Recht?

Vertuschen Pauschen nur einen schlechten Sitz?


Früher hatten Sättel keine Pauschen, und Reiter waren stolz auf ihren Knieschluss. Heute weiß man zwar, dass Schraubstock-Knie den Sitz blockieren. Doch die meisten Sättel werden so gebaut, dass sie dem Reiter schön viel Halt geben. Dicke Kissen vor den Knien sollen vorrutschende Oberschenkel bremsen und helfen, mit „langem Bein“ zu reiten. Viele Reiter fühlen sich deshalb mit Pauschen wohler im Sattel und glauben, sie könnten damit korrekter und ruhiger sitzen. Doch Claudia Butry, Dressurausbilderin und Bewegungstrainerin nach Eckart Meyners, macht bei ihren Reitschülern andere Erfahrungen: „Oft halten Pauschen das Reiterbein und damit auch die Hüfte in einer bestimmten Position fest. Das sieht auf den ersten Blick gut aus und gibt Reitern natürlich auch ein sicheres Gefühl. Aber sie haben so weniger Möglichkeiten, flexibel zu sitzen und den Bewegungen des Pferds zu folgen.“ Dass Pauschen sich negativ auf den Sitz auswirken, ist also wahrscheinlich. Die Frage ist: Vertuschen Pauschen nur einen schlechten Sitz? Oder wird der Sitz durch sie sogar noch schlechter?

Reiten erst mit und dann ohne Pauschen

Um herauszufinden, wie stark Sattelpauschen den Sitz wirklich beeinflussen, suchte CAVALLO Reiter, die üblicherweise mit Pauschen reiten und einen Sattel mit abnehmbaren Klettpauschen besitzen. Drei Reiterinnen mit unterschiedlichen Sätteln machten beim CAVALLO-Experiment mit.

Für alle galt der gleiche Ablauf: Zuerst ritten sie wie gewohnt, dann wurden die Pauschen abgeklettet. Claudia Butry stand den Reiterinnen in dieser ungewohnten Situation als Sitzcoach mit Rat und Tat zur Seite. Sie erklärt, warum das so wichtig ist: „Die meisten Reiter fühlen sich sehr unsicher, wenn sie das erste Mal ohne Pauschen im Sattel sitzen. Mit ein paar Tipps und Übungen kann ich ihnen helfen, damit sie sich wohler fühlen. Das klappt aber in der Regel nicht von jetzt auf gleich.“

Werden sich die Testreiterinnen innerhalb einer Reitstunde an die fehlenden Pauschen gewöhnen? Und wie verändert sich ihr Sitz? In unserer Bilderstrecke erfahren Sie die überraschenden Ergebnisse des Experiments.

Fazit: Noch schlimmer als gedacht

Alle drei Testreiterinnen saßen ohne Pauschen viel besser im Sattel. Die positiven Veränderungen im Sitz waren unmittelbar zu sehen, nachdem die Pauschen abgenommen wurden – und zwar sehr deutlich. Besonders überrascht hat uns, wie schnell die Reiterinnen sich mit dem neuen Sitzgefühl anfreunden konnten. Denn wir hatten damit gerechnet, dass sie länger brauchen, um sich ohne Pauschen im Sattel wohlzufühlen.

Klares Fazit unseres Experiments: Zum Nachmachen empfohlen!

17.01.2018
Autor: Nadine Szymanski
© CAVALLO
Ausgabe 01/2018