Test: Slowfeeder

Das halten Slowfeeder im Praxistest aus

Foto: Rädlein Langsam fressen: Slowfeeder im Test

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Wir haben fünf Slowfeeder für Heu ausgiebig getestet: Wie gesund ist die Fresshaltung, wie zufrieden das Pferd und wie haltbar das Material?

Heu füttern kann ganz schön verzwickt sein: Füttert man ohne Begrenzung, wird manches Pferd zu dick. Reduziert man die Menge, schlagen lange Fresspausen auf Magen und Gemüt. Zahlreiche Slowfeeder auf dem Markt wollen dieses Problem lösen: Pferde sollen aus ihnen deutlich länger an ihrer Heuportion zu knabbern haben.

5 Slowfeeder für Heu im Test

Wir haben fünf Modelle in der Praxis getestet:

  • den „Forager“ von Haygain,
  • die „Heukiste“ von Heufresser,
  • das von Udo Röck entwickelte „HeuToy“,
  • einen „Heukorb“ von Geliebtes Pferd und
  • den „HayBag“ von Kerbl.

Welche Modelle kniffelig waren, welche zu einer schiefen Haltung animierten und welche das Fressen entspannt verlängerten, lesen Sie in unserer Fotostrecke.

Stetiges Kauen schützt den Magen vor Übersäuerung

In freier Wildbahn beschäftigen sich Pferde bis zu 16 Stunden am Tag mit Fressen. Der Pferdekörper ist darauf ausgerichtet, stetig viel rohfaserhaltige Nahrung aufzunehmen.

„Ein Pferd produziert etwa 38 Liter Speichel am Tag“, erklärt Saskia Dworazik, Pferde-Physiotherapeutin und Ernährungsberaterin für Pferde. „Das kontinuierliche Einspeicheln und Kauen bringt die Verdauung in Gang und beugt Übersäuerung vor“, erklärt die Expertin.

Heunetze verlängern Fressdauer

Studien zu Heunetzen zeigen, dass diese die Fressdauer erhöhen können. In einer Studie von Verhaltensforscherin Dr. Margit Zeitler-Feicht und Dr. Stefanie Walker an der TU München verlängerte sich die Fressdauer mit Heunetzen (Maschenweite 4 x 4 cm) auf 86 Minuten pro Kilogramm Heu gegenüber 40 Minuten pro Kilo bei der Fütterung von losem Heu am Boden.

Eine weitere Studie Schweizer Wissenschaftler in Avenches erfasste die Fresszeit von mit einem Netz bedecktem Heu. Mit dem Netz fraßen die Pferde auch hier signifikant langsamer. Innerhalb einer Stunde verzehrten sie mit dem Netz (Maschenweite 3 cm) im Schnitt 1,26 Kilo Trockensubstanz Heu, ohne Netz 1,69 Kilo. Die Verlängerung der Fressdauer war damit weniger ausgeprägt als in der erstgenannten Studie. Grund könnte nach Vermutung der Wissenschaftler sein, dass die Pferde anders als bei den dort verwendeten beweglich hängenden Netzen mit dem Maul auf das Netz drücken und so das Heu leichter fassen konnten.

Dies entspricht auch unserer Erfahrung im CAVALLO-Slowfeeder-Test: Die beweglichen Slowfeeder HeuToy, Heukorb und HayBag machten das Fressen deutlich kniffeliger als die stehenden Varianten Heukiste und Forager. Der gewünschte Effekt der langsamen, stetigen Futteraufnahme wurde bei den sich stark bewegenden Slowfeedern HeuToy und Heukorb nicht bei allen Testpferden auf Anhieb erreicht: Einige kamen an das Heu nicht heran oder gaben das Fressen auf, weil es ihnen zu mühsam war. Mit längerer Eingewöhnungszeit, größeren Maschen oder langfasriger Heubeschaffenheit konnten die beiden Modelle aber genauso wie die drei anderen Slowfeeder im Test die Fressdauer effektiv verlängern.

Foto: Lisa Rädlein CAVALLO Slowfeeder im Test

Bei falscher Fresshaltung drohen Verspannungen

Wichtig für gesundes Fressen ist nicht nur die Dauer, sondern auch die richtige Fresshaltung. „Beim natürlichen Fressen stehen Pferde im Ausfallschritt und senken den Kopf, sodass die Dornfortsätze auseinandergezogen werden und Sehnen, Bänder und Knochen gleichmäßig belastet sind“, erklärt Saskia Dworazik. „Pferde strecken sich in der Natur aber auch mal nach oben, um zum Beispiel Blätter von Bäumen zu fressen.“

Zum Schlucken senken sie den Kopf dann meist wieder ab. Den natürlichen Ausfallschritt nahmen die Testpferde vor allem bei den am Boden stehenden Lösungen ein, also bei dem Forager von Haygain und der Heukiste. Die Kopf-Hals-Haltung war konstant tief. Hingen die beweglichen Slowfeeder tief genug, hatten die Pferde auch hier den Kopf die meiste Zeit über gesenkt.

„Hängen Slowfeeder zu hoch, wird der Nacken überstreckt und die Nahrung kann nicht mehr ungehindert nach unten rutschen“, erklärt Saskia Dworazik. Eine Orientierung gibt die Formel „Widerristhöhe x 0,3 = optimale Fresshöhe“.

„Bei wackelnden Fütterlösungen hielten die Testpferde Kopf und Hals beim Zupfen von Heu häufig schief“, beobachtet Dworazik. „Das könnte auf Dauer dazu führen, dass Ober- und Unterkiefer nicht exakt aufeinandertreffen und die Kauflächen unphysiologisch abgenutzt werden; das ist auch die Folge, wenn der Slowfeeder zu hoch hängt“, weiß die Pferde-Physiotherapeutin.

Unsere Testpferde hoben trotz richtiger Aufhängung ab und zu den Kopf, um aus der oberen Öffnung zum Befüllen der Slowfeeder zu stibitzen oder hielten den Kopf schief. „Die Verbiegung im Genick war aber nicht dauerhaft in einer Position gegeben. Zum Schlucken und Kauen senkten die Pferde den Kopf meist wieder ab und hielten ihn gerade. Daher ist die Gefahr von Verspannungen oder anderen negativen Folgen eher gering“, so Dworazik.

„Trotzdem sollten die Pferde zwischen unterschiedlichen Slowfeedern wählen und ihre Fressposition so variieren können“, rät die Expertin. „Fressen sie womöglich dauerhaft schief, sind Verspannungen wahrscheinlich. Am besten ist es daher, wenn das Heu sowohl bodennah und unbewegt als auch aus einem beweglichen Slowfeeder angeboten wird.“

Testpferde zeigten kaum aktives Frustverhalten

Unser Test zeigte, dass die Pferde die Slowfeeder sehr unterschiedlich annahmen. Deshalb ist es besonders wichtig, das Pferd genau zu beobachten und eventuelle Frustanzeichen beim Fressen zu erkennen.

„Es gibt aktives Frustverhalten wie scharren oder tänzeln und passives Frustverhalten wie angespannte Muskulatur oder hochgezogene Lippen und Nüstern“, erklärt Saskia Dworazik. „Auch wenn ein Pferd sich wie in einer Übersprungshandlung häufig am Bein kratzt oder immer wieder den Kopf vom Slowfeeder wegdreht, kann das auf Frustration hinweisen – genauso wie ein dauerhaft rabiater Umgang damit.“ Unsere Testpferde zeigten kaum aktives Frustverhalten. „Bei Heukorb, HayBag und HeuToy wendeten sich die Testpferde aber immer wieder mal ab und schauten weg“, beobachtet Saskia Dworazik auf den Videoaufnahmen.

Um Resignation zu vermeiden, sollten die Fressöffnungen gerade bei frei schwingenden Slowfeedern daher nicht zu klein sein oder zusätzliches Heu gereicht werden. „Wenn der Hunger gestillt ist, gehen Pferde entspannter an die Slowfeeder heran und lassen sich weniger frustrieren“, so Dworazik. Am zufriedensten wirkten die Testpferde beim Fressen aus den unbeweglichen Slowfeedern Heukiste und Forager.

Slowfeeder im Test sind recht zahnfreundlich

Eine eventuell zu starke Abnutzung der Schneidezähne durch die Slowfeeder fürchtet Pferde-Physiotherapeutin Saskia Dworazik kaum – zumal keiner der Slowfeeder Fressgitter aus hartem Metall hatte.

„Oft zupfen die Pferde das Heu ohnehin eher mit den Lippen heraus. Bei frei hängenden Varianten können sie mit den Zähnen außerdem kaum großen Druck ausüben.“ Sie empfiehlt, das Verhalten zu beobachten. „Knabbert ein Pferd sehr oft am Slowfeeder herum oder arbeitet dauerhaft energisch mit den Zähnen, ist ein Modell aus weichem Material sinnvoll.“

Welche Slowfeeder die richtigen für Sie und Ihr Pferd sind, sollten Sie sorgsam aussuchen. Die Modelle erfüllen verschiedene Bedürfnisse. Welchen Slowfeeder wir für welchen Zweck empfehlen, lesen Sie in unserer Fotostrecke.

So haben wir die Slowfeeder getestet

Alle Slowfeeder wurden von mindestens zwei Pferd-Besitzer-Paaren getestet. Eines der Testpferde überwachten wir bei jedem der Slowfeeder über mehrere Tage mit einer Überwachungskamera, die bei Bewegung immer wieder kurze Videos aufzeichnete. So konnten wir beobachten, nach welcher Zeit wie viel Heu aufgefressen war.

Zudem baten wir auch die anderen Tester, kurze Videosequenzen beim Fressen aus den verschiedenen Slowfeedern aufzunehmen. Eine Auswahl der Videos schickten wir an Pferde-Physiotherapeutin und Pferde-Ernährungsberaterin Saskia Dworazik. Sie beurteilte für uns Fresshaltung und -verhalten. Zudem schilderten die Pferdebesitzer ihre Erfahrungen aus dem Praxistest.

Mit dieser Kamera haben wir gefilmt

Zum Aufzeichnen der Videos nutzten wir die Überwachungskamera „Arlo Go“ (ca. 350 Euro, www.netgear.de). Der Clou: Die Kamera braucht kein WLAN, sondern sendet aufgezeichnete Videos über die Mobilfunkverbindung in die Cloud. Sie können über Handy oder Computer angesehen werden, auch eine Live-Überwachung ist möglich. Während unseres Tests verlor die Kamera allerdings wegen des schlechten Netzes immer wieder die Verbindung. Die Einrichtung der Kamera war ebenso unproblematisch wie die Befestigung im Stall, das Gerät ist outdoortauglich. Wird die Kamera ohne Stromanschluss betrieben, muss der Akku regelmäßig geladen werden.

Fazit: Ideale Lösung für alle mit gutem Mobilfunknetz im Stall!

06.10.2018
Autor: Natalie Steinmann
© CAVALLO
Ausgabe 09/2018