Praxis-Test: Bei welchem Tempo kippt ein Pferdehänger?

Testhänger kippt bei Tempo 40

Der Albtraum aller Pferdebesitzer: Ihr voll beladener Pferdeanhänger kommt ins Schlingern. Wie gefährlich ist so eine Situation wirklich? Und was kann man dagegen tun? CAVALLO machte den Praxis-Test.
Foto: Lisa Rädlein Hänger-Test

Mitgeschleift: Der umgestürzte Trailer rutscht hinter dem Zugfahrzeug auf dem Asphalt her. Die Anhängerklappe öffnet sich aber nicht, die stabile Vollpoly-Konstruktion hält.

Wie kann man testen, bei welcher Geschwindigkeit ein Gespann schlingert oder gar kippt? Vorbild ist der vom Verband der Automobilindustrie (VDA) entwickelte doppelte Spurwechseltest: Das Gespann soll in einer Pylonengasse erst drei Meter nach links ausweichen und danach wieder nach rechts auf die ursprüngliche Spur zurückwechseln. Die Testfahrt soll mehrfach bei steigender Geschwindigkeit wiederholt werden.

Um das Fahrverhalten möglichst realistisch zu simulieren, müssten eigentlich zwei Pferde mitfahren. Um keine Tiere zu gefährden, ersetzen sie zwei bewegliche, mit je 500 Kilo eher leichtgewichtige Pferdedummys. Ihr Schwerpunkt entspricht mit etwa 1,20 Meter Höhe dem eines durchschnittlichen Warmblutpferds. Eine Kamera im Inneren zeichnet das Verhalten der Dummys im Anhänger auf.

Beim ersten Testdurchlauf mit 35 Kilometer pro Stunde lässt sich das Gespann von kundiger Hand noch einfach und unspektakulär um die Pylonen zirkeln, doch schon beim zweiten Anlauf mit nun 40 km/h sieht die Sache anders aus: Zwar gelingt der erste Spurwechsel, doch beim Wiedereinscheren auf die Ausgangsspur fliegen die Pylonen, der Anhänger hebt schlagartig mit den Rädern einer Seite ab, Sekunden später liegt er auf der Seite. Nur eine geistesgegenwärtige Reaktion des Testfahrers bewahrt dabei das teure Zugfahrzeug vor Schäden.

Äußerlich erscheint der solide Transporter unversehrt. Die Anhängerklappe hat gehalten. Doch im Innern herrscht Chaos: Die Pferdedummys liegen übereinander und haben die Kamera unter sich begraben. Die Trennwand ist aus ihrer Verankerung gerissen. Echte Pferde hätten einen solchen Unfall kaum unbeschadet überstanden. Auch der Anhänger ist stark mitgenommen: Die linke Außenseite ist abgeschliffen, der Rahmen, auf dem die gesamte Konstruktion ruht, ist völlig verzogen.

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28.09.2011
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 08/2010