Praxis-Test: Bei welchem Tempo kippt ein Pferdehänger?

Praxis-Test: Bei welchem Tempo kommt das Aufpendeln?

Der Albtraum aller Pferdebesitzer: Ihr voll beladener Pferdeanhänger kommt ins Schlingern. Ab welchem Tempo pendelt sich ein Pferdehänger auf? Und was kann man dagegen tun? CAVALLO machte den Praxis-Test.
Foto: Rädlein CAVALLO CUP

Thiemo Fleck ist Fahrexperte
und Testredakteur bei promobil.

Dieses gefürchtete Aufpendeln beginnt fast unmerklich: „Stellen Sie sich ein Anhängergespann wie das schwingende Pendel einer Standuhr vor. Genauso schwingt der Anhänger durch einen leichten Lenkimpuls oder einen Windstoß, etwa beim Überholen eines Lkw, hin und her“, sagt Thiemo Fleck. „Durch die Seitenführungskraft der Reifen und den Luftdruck gegen die Anhängerseitenwand wird der Hänger immer wieder auf die Spur zurückgeführt – und darüber hinaus. Das System beginnt sich aufzuschaukeln.“ Jetzt wird es kritisch.

Bemerkt der Fahrer seinen schlingernden Anhänger nicht und beschleunigt weiter, führt er dem Pendeln weitere Energie zu, es verstärkt sich. Solange, bis im besten Fall die Räder des Anhängers seitlich wegrutschen und das Gespann ins Schleudern kommt. Rutschen die Reifen nicht, kippt der Anhänger einfach um.

Früher rieten Fahrschullehrer deswegen: Gas geben, um das Gespann zu strecken. „Das ist genau falsch“, sagt Thiemo Fleck. „Je mehr Energie in der Pendelschwingung vorhanden ist, desto kritischer wird die Angelegenheit und das Risiko, dass der Anhänger schleudert oder kippt.“ Gegen Pendeln oder Schlingern hilft nur eines: „Bremsen Sie das Gespann kontrolliert herunter.“

Alternativ helfen elektronische Stabilisierungssysteme wie das bekannte LEAS von BL-Trading und das technisch anspruchsvollere ETS02 des Bremsenherstellers Knott. Ein Sensor am Anhänger registriert dessen Pendelschwingungen. Erreichen sie einen kritischen Punkt, lösen die Systeme die Feststellbremse des Anhängers aus. Dadurch wird das Gespann gestreckt, das Pendeln klingt ab. Das LEAS kann an jeden Pferdeanhänger selbst nachgerüstet werden und kostet etwa 649 Euro. Knotts ETS02 liegt bei 1250 Euro. Großer Pluspunkt der Systeme: Sie reagieren auch, wenn der Anhänger durch Seitenwind oder plötzliche Lenkbewegungen beginnt zu schlingern.

Loading  
28.09.2011
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 08/2010