Praxis-Test: Bei welchem Tempo kippt ein Pferdehänger?

Sichere Fahrt durch korrektes Beladen

Der Albtraum aller Pferdebesitzer: Ihr voll beladener Pferdeanhänger kommt ins Schlingern. Wie kann man durch richtiges Beladen Risiken minimieren? Und was kann man dagegen tun? CAVALLO machte den Praxis-Test.
Foto: Hersteller Hänger-Test

Wachsam unterwegs: Auch auf gerader Strecke muss der Fahrer auf die kleinste Hängerbewegung achten.

Dass der Pferdeanhänger bei dem Ausweichmanöver kippt, kommt nicht ganz unerwartet. „Damit muss man bei dieser Art von Trailer rechnen. Das ist kein Problem eines einzelnen Herstellers, sondern kann bei jedem anderen Pferdeanhänger auch genauso passieren“, schränkt Testfahrer Thiemo Fleck ein.

Grund ist die Beladung von Pferdeanhängern. „Solche Trailer sind für ihre Breite recht hoch und haben durch die beiden Pferde auch einen hohen und zudem beweglichen Schwerpunkt. Werden die Tiere durch eine möglichst stabile Trennwand nicht zusätzlich eng und sicher gehalten, verstärkt sich diese Tendenz noch.“

Beeindruckt ist der langjährige Fahrzeugtester* von einem anderen Umstand: „Durch die plötzliche Schwerpunktverschiebung der kippenden Pferde fällt der Anhängers aus einer unspektakulären Fahrsituation heraus völlig überraschend und unvorhersehbar auf die Seite.“ Auch die Geschwindigkeit war im Versuch erstaunlich gering: „Als der Anhänger sich auf die Seite legte, zeigte die Tachonadel nur etwas mehr als 40 km/h an“, so Fleck. „Das ist alles andere als schnell und wird von unerfahrenen Anhängerpiloten kaum als gefährlich eingeschätzt.“

Das Kippen selbst bei dieser geringen Geschwindigkeit führt Thiemo Fleck auf mehrere Faktoren zurück. „Neben dem hohen Schwerpunkt des Trailers spielt auch die Masse der Pferde darin eine entscheidende Rolle, und die wird im Zweifelsfall deutlich höher liegen als die Masse des Anhängers.“

Die Schwerpunkthöhe eines Pferds ist nicht zu ändern, wohl aber eine plötzliche Schwerpunktverschiebung. Im schlimmsten Fall kippt bei einem plötzlichen Lenkmanöver ein Pferd zum anderen hinüber, und beide lehnen sich an die Außenwand.

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28.09.2011
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 08/2010