Praxis-Test: Bei welchem Tempo kippt ein Pferdehänger?

Trennwand-Bruch: Pferde fallen zur Seite

Der Albtraum aller Pferdebesitzer: Ihr voll beladener Pferdeanhänger kommt ins Schlingern. Wie gefährlich ist so eine Situation wirklich? Und was kann man dagegen tun? CAVALLO machte den Praxis-Test.
Foto: Lisa Rädlein Hänger-Test

Ein Computer zeichnet beim Test Geschwindigkeit und Pendelbewegung des Trailers auf.

„Das kann passieren, wenn die Trennwand zwischen den beiden Pferden nicht ausreichend verankert ist“, so Thiemo Fleck. „Die Wand fängt zwar einen Teil des Gewichts auf. Ist sie instabil und gibt nach, lastet wiederum schlagartig das Gewicht von zwei Pferden auf der Seite des Fahrzeugs – das Kippen ist kaum mehr zu verhindern. Dasselbe passiert auch, wenn die Trennwand oder -stange zu niedrig ist und das Tier bei Querkräften über die Stange rollt oder rutscht. Der Rest ist dann reine Physik“, sagt Fleck. „Die Gewichte im Anhänger verschieben sich schlagartig. Er fällt um.“

Wie instabil diese Trennwände oft sind, zeigte sich bei Messungen, die CAVALLO bei sieben gängigen Anhängermodellen vornahm. „Bei einem moderaten Druck von 200 Kilo gaben die Trennwände teilweise bis zu 70 Millimeter nach“, sagt Thiemo Fleck.

Dabei wäre Abhilfe einfach. „Durch ordentliche Verankerung an Boden und Decke sowie durch solide Querstreben“, schlägt Fleck vor. Von den flexibel und komfortabel zu handhabenden abklappbaren Zwischenwänden vieler Trailer müssten sich die Pferdebesitzer dann aber wohl verabschieden. Ebenso von der Vorstellung, Hindernissen auch bei geringen Geschwindigkeiten einfach ausweichen zu können. „Der Fahrtest beweist, wie sensibel Gespanne dabei reagieren“, so Fahrexperte Thiemo Fleck. Sein Tipp: „Fahren Sie möglichst vorausschauend und passen Sie das Tempo jederzeit der Situation an. Nehmen Sie Kurven schön langsam, egal, ob jemand von hinten drängelt.“

Diese Fahrtipps gelten auch, wenn der Anhänger über eine Sicherheitskupplung verfügt. Zwar können solche Spezialkupplungen nicht verhindern, dass Anhänger bei geringen Geschwindigkeiten wie im Test ausbrechen und kippen. Sie wirken aber sehr effektiv dem gefürchteten Anhängerschlingern bei höheren Tempi entgegen, das im Extremfall auch zum Kippen den Anhängers führen kann. Im Kopf dieser Kupplungen sind Reibbeläge untergebracht, die beim Ankuppeln gegen die Kupplungkugel gepresst werden. So werden die Pendelbewegungen bereits im Ansatz unterdrückt. Neben den Modellen AKS 3004 und AKS 3504 des Herstellers ALKO hat sich die WS 3000 von Winterhoff bewährt. Sie kosten zwischen etwa 350 bis 450 Euro plus Einbau.

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28.09.2011
Autor: John Patrick Mikisch
© CAVALLO
Ausgabe 08/2010