Reitschulen in Oberhausen im Test

Reitschule im Test: Reit- und Fahrverein Ziethen

Foto: CAVALLO CAVALLO Reitschultest Oberhausen

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CAVALLO hat den Reit- und Fahrverein Ziethen nahe Oberhausen getestet. Hier finden Sie alle Infos.

Eigentlich hätte mein Name im Reitbuch stehen sollen, doch Fehlanzeige. Da Reitlehrerin Inga-Lena Schnack am Testtag auf einem entfernten Springplatz unterrichtet, kann ich sie nicht fragen, welches Pferd ich für die Reitstunde fertig machen soll. Dabei sollte ich extra eine SMS mit meinem Namen schicken, nachdem ich die Stunde beim Reit- und Fahrverein telefonisch gebucht hatte.

Schnell das Schulpferd richten

Zum Glück treffe ich noch einen anderen Reitlehrer, der mir ein Schulpferd zuteilt. Ich darf Conny fertig machen, ein Connemara-Pony. Beim Putzen fallen mir Knubbel an Gurtlage und Kopf des Wallachs auf. Ich spreche später die Reitlehrerin darauf an: „Das ist typisch Schimmel – er hat Hautprobleme. Das stört ihn aber nicht“, sagt Inga-Lena Schnack. Die Schulpferde haben kein eigenes Putzzeug. Es stehen mehrere Putzkisten parat, aus denen man sich bedienen soll. Ich bin die Letzte, für mich bleibt nur eine fast leere Kiste. Einen Hufkratzer kann ich nicht finden und leihe ihn mir. Connys Sattelzeug ist nicht ordentlich aufgeräumt. Sein Zaumzeug ist am Backenstück offen, sodass ich es erst zusammenbauen muss. Ich schaffe es gerade noch pünktlich in die Halle, in der bereits acht Mitreiter warten. Sie ist 20 x 60 Meter groß und wir reiten alle auf einer Hand.

Die Reitlehrerin sagt wenig

Nach einem Handwechsel und ein paar Minuten Schritt sollen wir antraben. Conny ist faul, lässt sich aber nach einem Klaps mit der Gerte überreden, fleißig zu gehen. Ich reite Zirkel und Schlangenlinien. Conny mag sich nicht gerne biegen. „Er geht viel mit den Anfängern“, sagt Inga-Lena Schnack. „Bein lang, Absatz tief“, ruft sie ab und zu. Oder: „Inneres Bein, äußerer Zügel.“ Konkrete Sitztipps oder theoretische Hintergründe gibt sie nicht. „Weil es so heiß ist, reitet ruhig zwischendurch Schritt und Schenkelweichen“, sagt sie. Die Hilfen dazu erklärt uns die Reitlehrerin nicht.

Conny ist ein Steiftier

Ich beschäftige mich selber und teste den Schimmelwallach. Mit etwas Nachdruck geht er Schenkelweichen und wird in Genick und Hals immer nachgiebiger. Am Ende der Stunde gibt Conny nach und kaut. Weil er anfangs faul und steif war, gebe ich ihm am Ende zwei Hufeisen. Von der Reitlehrerin hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht. Inga-Lena Schnack erklärte keine Theorie oder gab konkrete Tipps. Sie sagte lediglich Richtungs- oder Gangartwechsel an.

Da die Pferdewirtin sehr nett ist und auf Nachfrage auch Dinge erklärt, gebe ich ihr ein Hufeisen.

Die Beule an Connys Kinn beschäftigt mich, weshalb ich nach der Stunde erneut nachhake. „Er hat eine entzündete Zahnwurzel. Wir haben es mit Antibiotika probiert, aber vermutlich muss der Zahn raus“, sagt sie. Ich bin sprachlos, da ich an ein harmloses Überbein dachte. Der Knubbel war recht hart und nicht schmerzempfindlich. Conny gehört mit solch einer Entzündung in den Krankenstand, nicht in den Reitunterricht. Der Zahn sollte dringend raus.

Der Wallach lebt in einer sauberen Box mit Außenpaddock, die sich der Neunjährige mit einem weiteren Pony teilt. Die anderen Schulpferde leben in Innenboxen; vormittags dürfen sie auf die Weide. Alle anderen Schulpferde sehen gesund und wohlgenährt aus. Aufgrund von Connys Zustand gibt es für den Reitverein für Pflege und Haltung jedoch kein Hufeisen.

Auch der Reitbetrieb bekommt Abzüge. Trotz Anruf und SMS wurde ich auf dem Plan vergessen. Connys Sattelzeug passte zwar, war aber in einem chaotischen Zustand. Zudem haben die Pferde kein eigenes Putzzeug – ich musste es mir zusammensuchen. Da der Hof sehr gute Trainingsmöglichkeiten bietet, gebe ich dem Betrieb am Ende ein Hufeisen.

Neben der großen 20 x 60-Meter-Halle gibt es noch eine kleinere mit 19 x 38 Metern. Zudem stehen drei Reitplätze zur Verfügung sowie eine Rennbahn. Dank Reitwegenetz lässt es sich gut ausreiten. Um hier regelmäßig zu reiten, muss man Mitglied im Reitverein werden, was 160 Euro im Jahr kostet sowie eine einmalige Aufnahmegebühr von 160 Euro. Ich habe 26 Euro für die Gruppenstunde bezahlt, die 45 Minuten dauerte. Mitglieder zahlen 21 Euro. Der Betrieb hat in Sachen Organisation und Pflege der Pferde noch Luft nach oben.

Bewertung

Schulpferd: zwei von vier Hufeisen
Reitlehrer: eins von vier Hufeisen
Reitbetrieb: eins von vier Hufeisen
Pflege & Haltung: Null von vier Hufeisen

Kontakt

Reit- und Fahrverein Ziethen
Leutfeldstraße 18
47239 Duisburg
Telefon: 0176 / 62 49 25 49
www.rufv-ziethen.de

05.11.2018
Autor: CAVALLO
© CAVALLO
Ausgabe 10/2018