Reitschul-Test: Reiten in der Ortenau und im Breisgau

Reiten in der Ortenau und im Breisgau: Reiterhof Schwarz

Ein gutes Lehrpferd hat einen einwandfreien Charakter und zeigt Reitschülern, wenn sie Fehler machen. Ist der braune Wallach trotz körperlicher Schwächen ein solches Juwel?

Schulpferd Konrad schnuppert freundlich an mir. Der Wallach ist vielleicht nicht der Schönste: Er hat einen kurzen Hals, eine ebensolche Hinterhand und einen im Verhältnis zu langen Rücken. Außerdem ist der Wallach offensichtlich etwas ungeschickt: „Er streift sich mit den Hufen oft selbst an Vorder- und Hinterbeinen“, sagt mir eine Praktikantin des Reiterhofs Schwarz. Der Wallach wird mit locker eingeschnallten Dreieckszügeln geritten. Das kann Lehrpferde und Reiteinsteiger entlasten, sollte jedoch kein Dauerzustand sein.

Unterricht gibt heute Carina Schwarz, Betriebsinhaberin und Reitlehrerin. In der Aufwärmphase läuft sie neben mir her. „Reiten muss leicht sein“, sagt sie. Die Basis dafür ist das Gleichgewicht des Reiters und ein balancierter Sitz, bei dem Schulter, Hüfte und Ferse eineLinie bilden. „Ich verbinde in meinem Training die Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mit Elementen aus der barocken Reitweise“, sagt Carina Schwarz, die unter anderem beim bekannten Dressurausbilder Michael Putz gelernt hat. Der legt großen Wert auf einen unabhängigen Reitersitz.

Während der theoretischen Einführung der Reitlehrerin schludere ich bewusst beim Sitz. Prompt reagiert Carina Schwarz: „Ihr Oberkörper ist zu weit hinten, die Beine klemmen und klopfen beim Treiben. Bleiben Sie locker, angefangen bei den Fußgelenken.“

Der einzige Impuls, den der Reiter beim Treiben geben soll, ist ein leichter Druck mit der Innenseite des Oberschenkels. Das ist für viele Reiter erstmal ungewohnt, da sie eher mit der Wade treiben. Der leichte Impuls über den Oberschenkel hat den Vorteil, dass der Reiter losgelassener sitzt. Um mich besser auf den Sitz konzentrieren zu können, gibt mir die Trainerin eine Gerte. „Falls Konrad langsamer wird, stupsen Sie ihn damit an. Dann müssen Sie weniger treiben und können lockerer sitzen.“

Nach ein paar Runden hängen Waden und Oberschenkel entspannt herunter. Mit den Fußgelenken ist Carina Schwarz noch nicht zufrieden. „Spielen Sie mit den Zehen Klavier“, ist ihre Idee. Damit trifft sie ins Schwarze – die Fußgelenke lockern sich automatisch. Nun ist der Oberkörper an der Reihe. „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Kind auf der Schulter, das sich nach hinten lehnt“, rät Carina Schwarz. „Das würde Sie beim Gehen aus dem Gleichgewicht bringen. Beugt es sich aber leicht nach vorne, können Sie es gut tragen.“

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Reitschul-Test: Reiten in der Ortenau und im Breisgau

Von Carina Schwarz‘ anschaulichen Tipps profitiere ich enorm – genauso wie von dem elfjährigen Württemberger Konrad. Auf Sitzfehler reagiert der Wallach beispielweise sofort. Ich teste ihn: Klemmen die Unterschenkel, läuft er verhalten. Bleibe ich locker, läuft er fleißig weiter. Gerate ich beim Handwechsel aus dem Gleichgewicht, zögert Konrad. Krumm nimmt der gutmütige Wallach Fehler aber nicht. Konrad bleibt am Testtag stets gelassen und willig – die beste Voraussetzung für ein Lehrpferd. Sitzt der Reiter korrekt, dehnt sich Konrad schön an die Hand heran. Er verdient sich heute die Bestnote: drei Hufeisen.

Bei Carina Schwarz, die den Trainerschein C hat, gibt es ebenfalls keinen Grund für Abzüge. Die Reitlehrerin vermittelt verständlich, dass Reiten ein gefühlvoller Sport ist. Die Einzelstunde bei ihr war lehrreich und brachte viel Spaß. Die Reitlehrerin bekommt drei Hufeisen.



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Am Testtag trainieren wir in der Reithalle, die nicht ganz Standardmaße hat. Es gibt einen 20 x 40 Meter großen Reitplatz und einen Longierzirkel. Die Sattelkammer ist ordentlich. Konrads Sattel ist eine Spezialanfertigung und passt wie angegossen. Hufglocken und Gamaschen sind äußerlich recht abgenutzt, scheuern aber nicht und sind kein Sicherheitsrisiko. Weil sich Konrad ohne den Schutz selbst verletzen würde, sind sie nötig. Der Hufschmied sollte vorbeischauen: Konrads Eisen sind schräg abgelaufen.

Die enge Stallgasse ist eher dunkel. Über halbhohe Zwischenwände haben die Pferde Kontakt zum Stallnachbarn und dürfen im Sommer täglich auf die Weide. Im Winter gibt es Freigang auf Matschkoppeln. Die Tiere werden regelmäßig Korrektur geritten. Den Betrieb bewerte ich mit eineinhalb Eisen.

Reitschul-Test: Reiten in der Ortenau und im Breisgau

Die 45-minütige Einzelstunde kostete 26 Euro. Das ist ein sehr guter Preis für hervorragenden Unterricht auf einem Top-Lehrpferd: drei Eisen fürs Preis-Leistungs-Verhältnis. Die volle Punktzahl gäbe es auch noch für einen etwas höheren Preis, um in optimalere Hufpflege und Ausrüstung zu investieren.

Bewertung

Schulpferd: drei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Reiterhof Schwarz
77723 Gengenbach
Tel. 07803-1099
www.reiterhof-schwarz.de

07.11.2013
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 08/2013