Reitschul-Test: Reiten in Ostfriesland

Reiten in Ostfriesland: Friesenhof Moorblick

Der Friesenhof Moorblick wirbt mit solider Grundausbildung. Wie klappt das mit einem 13-jährigen Schulpferd, das seit zwei Jahren geritten wird?

Ich kenne Sie nicht, daher bekommen Sie nicht das beste Pferd, sondern das sicherste“, sagt Dr. Susanne Fessel. Seit September 1999 betreibt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Universität den Friesenhof Moorblick.

Das sicherste Pferd ist die Friesen-Stute Wijkje. Sie ist 13 Jahre alt und erst seit zwei Jahren unter dem Sattel. Susanne Fessel hat die schwarze Stute einem Züchter abgekauft. Wijkje hatte schon sechs Fohlen und dadurch einen leichten Senkrücken. Ihre Ausbildung hat sie hier genossen. Dr. Susanne Fessel wirbt für ihren Friesenhof damit, dass eine lockere Atmosphäre und konzentriertes Reiten nicht im Gegensatz zueinander stehen müssen.

Im Stall gibt es Putzplätze mit Anbinderingen, wo ich Wijkje putzen soll. Die Betriebschefin stellt mir ihren Putzkasten bereit und zeigt das Sattelzeug der Friesen-Stute. Ich sattele mit einem Vielseitigkeitssattel mit Schwerpunkt Dressur. Wijkje ist gepflegt. Während ich putze und sattele kommt die Reitlehrerin zwischendurch vorbei und sieht nach, ob alles klappt.

Ich soll in die 20 x 40 Meter große Reithalle vorgehen und Wijkje im Schritt führen. Pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit beginnt der Unterricht. Die Reitlehrerin hilft beim Aufsitzen und beim Einstellen der Steigbügel. Ich soll das Schulpferd erst einmal selbstständig im Schritt lösen.
Die Trainerin beobachtet ihren Reitschüler dabei. Sie lobt, dass ich viele Wendungen reite und fragt, wie man ein Pferd am besten löst. „Gebogene Linien, Schenkelweichen, Übergänge
reiten“, schlage ich vor. Man merkt Susanne Fessel an, dass sie von Pädagogik Ahnung hat. Ihr Unterricht besteht aus Fragen und Antworten. Sie möchte, dass ihr Reitschüler versteht, was er tut und warum er es tut.

In der Lösungsphase biegt Wijkje nicht auf den Zirkel ab. Sofort korrigiert die Trainerin: „Drehen Sie sich mit dem ganzen Oberkörper, nicht nur mit Kopf und Schultern.“ Sie lässt biomechanische Kenntnisse zu Schiefe und Gleichgewicht in ihren Unterricht einfließen, ebenso wie allgemeine Pferdekunde. Sie erklärt das Sichtfeld des Pferds: „Pferde als Fluchttiere nehmen Dinge größer und schneller wahr und haben zwei unterschiedliche Bilder im Kopf, da sich ihre Blickfelder nicht wie beim Menschen überschneiden.“

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Reitschul-Test: Reiten in Ostfriesland

Das Trainingskonzept der Dualaktivierung, entwickelt von Ausbilder Michael Geitner, eigne sich deswegen hervorragend fürs Pferdetraining, sagt Susanne Fessel, die sich mehrfach bei Geitner fortgebildet hat und ihre Pferde regelmäßig mittels Dualaktivierung trainiert. Hütchen und Gassen in den Farben Blau und Gelb helfen Pferden, ihre Gehirnhälften besser zu vernetzen.

Am Testtag baut die Reitlehrerin einen Parcours aus gelben und blauen Hütchen auf. Das ist gar nicht so einfach, weil Wijkje ziemlich große, schnelle Schritte macht. Bei einer weiteren Übung soll ich leichttraben und an der langen Seite im Wechsel zweimal stehenbleiben und einmal aussitzen. Das schult die Koordination und zeigt dem Reiter, dass er so auch die Geschwindigkeit des Pferds bestimmen kann.

Zudem entlarvt die Übung eingefahrene Reitgewohnheiten. „Reitanfänger können das ganz schnell umsetzen. Fortgeschrittene Reiter haben damit immer Probleme“, sagt Susanne Fessel. Die Trainerin bekommt für ihren engagierten Unterricht mit vielen Aha-Erlebnissen und guten Erklärungen die Bestnote: drei Hufeisen.



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Schulpferd Wijkje ist sehr flott, ich muss sie am Testtag häu‘fig bremsen. Die Stute neigt wie viele Friesen dazu, sich hinter der Senkrechten zu verkriechen. Solange der Reiter nicht richtig zum Treiben komme, ist das nur schwer zu korrigieren. Über Sitz und Schenkel wird es im Laufe der Stunde aber immer besser. Die 13-jährige Stute reagiert gut auf präzise Hilfen.

Ich bewerte das Schulpferd mit zwei Hufeisen. Der Betrieb punktet mit 24 Stunden Koppelgang im Sommer und täglichem Weidegang im Winter. Wijkjes Innenbox ohne Fenster misst etwa 3,70 x 4,35 Meter. Für ein Pferd mit etwa 1,70 Metern Stockmaß ist sie groß genug. Am Testtag ist sie ordentlich gemistet. Der Stall ist gepflegt und sauber. Neben der Halle steht noch ein etwa 20 x 40 Meter großer Außenplatz zur Verfügung. Wijkjes Hufe sind gepflegt, am Testtag ist der Hufschmied da. Sattel und Trense passen zum Pferd. Der Betrieb bekommt zweieinhalb Hufeisen. Ein halbes Hufeisen ziehe ich ab, weil Wijkjes Innenbox keinen Ausguck hat.

Reitschul-Test: Reiten in Ostfriesland

Die 60-minütige Einzelstunde kostete 15 Euro. Für den hervorragenden Unterricht auf einem guten Schulpferd könnte Dr. Susanne Fessel sicher mehr nehmen. Das würde an der Bestnote fürs Preis-Leistungs-Verhältnis nichts ändern.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Friesenhof Moorblick
26487 Neuschoo
Tel. 0173-9360715
www.friesenhof-moorblick.de

21.09.2013
Autor: Miriam Kreutzer
© CAVALLO
Ausgabe 05/2013