Profi-Tipps für die Grundausbildung beim Reitpferd

Gehen Pferde im Trab und Galopp über den Rücken?

In den schwunghaften Gangarten Trab und Galopp zeigt sich, ob ein Pferd über den Rücken geritten wurde und schwingt. Es soll fleißig, aber nicht eilig gehen. Verspannte, hektische oder tranige Pferde wurden meistens nicht korrekt ausgebildet.
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Foto: Rädlein Grundausbildung

Friesin Nadja trabt und galoppiert fleißig, locker und taktmäßig.

Die Friesin Nadja überrascht. Nach zwei Gertenklapsen ­vergisst sie ihr Phlegma.

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Oldenburger Cicero rennt.

Ganz anders der 12jährige Oldenburger-Wallach Cicero; er ist fest im Rücken und sehr eilig: „Das ist typisch für Pferde mit relativ geradem, langem Hinterbein, die von Natur aus nicht so aktiv untertreten“, sagt Michael Putz. Solche Pferde werden oft in guter Absicht vorwärts gejagt statt geritten. „Wenn es heißt ‘der tritt nicht unter, pack ihn mehr an’ treiben die Reiter immer stärker. Ihre Pferde laufen dann zwar schneller, werden aber fest im Rücken und treten noch weniger unter.“ Statt dessen schiebt die Hinterhand sogar nach hinten heraus.

Hannoveraner-Wallach For Joy schüttelt seine Reiter kräftig durch. „Den könnte ich jetzt nicht aussitzen, da flögen mir ja die Bandscheiben raus“, stöhnt Michael Putz. Schuld daran ist nicht sein Schwung. „Viele Reiter glauben, ihre Pferde hätten viel Schwung, wenn sie sie nicht sitzen können. Aber das ist falsch“, erklärt Putz. Der Rücken hat nur eine große Amplitude, das heißt, er bewegt sich durch aufwändige und energische Bewegungen stark auf und ab. Ginge For Joy wirklich schwungvoll und damit losgelassen über den Rücken, nähme er seinen Reiter weich mit.

Foto: Rädlein Grundausbildung

Traber-Stute Lubi-Maya kann Dr. Gerd Heuschmann kaum tragen, obwohl der entlastend sitzt.

Traber-Stute Lubi-Maya hat Balanceprobleme und wenig Kraft, schwerere Reiter als ihre zierliche Besitzerin zu tragen. Die Stute geht brav mit tiefer Nase und langem Hals, allerdings im Einheitstempo und immer in derselben Haltung. Um Muskeln und Balance zu entwickeln, müsste sie in oft wechselnden Tempi und Haltungen geritten werden. Denn nur wenn sich Muskeln immer wieder an- und abspannen, werden sie locker und können wachsen.

Foto: Rädlein Grundausbildung

Hannoveraner-Wallach Bolivar M ist zunächst sehr verspannt.

Der 15jährige Hannoveraner-Wallach Bolivar M überrascht. Seine Hinterbeine schwingen deutlich weiter vor, als seine steile, nach hinten ausgestellte Hinterhand vermuten ließ. Der Rücken schwingt zunächst nicht. Bolivar ist verspannt und zeigt Schwebetritte. Dr. Gerd Heuschmann hat zu kämpfen, bis der Wallach loslässt.

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Gerd Heuschmann bringt ihn zum Nachgeben.

Der gelernte Bereiter bringt Bolivar M gegen dessen anfänglichen Widerstand dazu, ansatzweise den Hals fallen zu lassen und den Rücken aufzuwölben.

Da auch Bolivar M viel zu wenig Muskeln hat, ist das für ihn eine große Anstrengung. „Der hat sicher morgen Muskelkater“, sagt Gerd Heuschmann.

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Michael Putz demonstriert die Dehnung.

Der Tierarzt würde dem Pferd deshalb zwei Tage lockere Bewegung auf der Weide und im Gelände verschreiben, bevor er wieder an die Dressur ginge. „Warum soll ich ihn mit schmerzenden Muskeln arbeiten? Dann hat er ja noch mehr Grund, sich gegen den Reiter zu wehren.“

24.06.2009
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 09/2008