Profi-Tipps für die Grundausbildung beim Reitpferd

Wendungen und Biegung

Auf gebogenen Linien und in Wendungen erkennen Experten vor allem, wie ein Pferd mit seiner Schiefe umgeht. Das ist für die Ausbilung entscheidend, denn nur ein gerade gerichtetes Pferd kann mit der Hinterhand Last aufnehmen und sich später versammeln.
Foto: Rädlein Grundausbildung

Hannoveraner For Joy nimmt die Nase nicht vor, er zeigt wenig Dehnungsbereitschaft.

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Foto: Rädlein Grundausbildung

Romeo schlurft zuerst.

Fehlt die Geraderichtung, machen viele Pferde in Wendungen Taktfehler. Das passiert Friesenstute Nadja gelegentlich, Orlow-Traberin Lubi-Maya dagegen häufig. Schiefe Pferde gehen zudem selten spurtreu durch Wendungen. Sie drängen nach außen oder innen, je nachdem wo sie schief sind.

Zum Beispiel Oldenburger Cicero, der nicht an den linken Zügel tritt und in Rechtswendungen nach außen drängt: „Er ist links hohl und rechts fest“, erklärt Michael Putz. „Die Muskulatur seiner hohlen, linken Seite ist verkürzt und kann sich nicht ausreichend dehnen. Die Biegung nach rechts fällt ihm deshalb schwer, und er tritt auf dieser Hand nicht an den äußeren, linken Zügel.“

Foto: Rädlein

Aber unter den Experten wird er fleißiger.

Der ebenfalls links hohle Hannoveraner For Joy mogelt sich anders um die unbequemen Biegung herum; er drängt in Rechtswendungen mit der Schulter nach innen gegen den treibenden Schenkel. „Eigentlich müsste er sich um den Schenkel biegen“, sagt Michael Putz. Doch dafür reagiert der Wallach zu schlecht auf die Schenkelhilfen. Eine Sensibilisierung könnte das Problem lösen, Gerte oder Sporen dagegen nicht. Verändert sich die Hilfengebung nicht grundsätzlich, stumpft der Wallach nur weiter ab.

Foto: Rädlein Grundausbildung

Romeo gerät leicht aus der Balance.

Bei Württemberger Romeo funktioniert die Steuerung kaum, in Wendungen drängt er stark nach außen. „Kurven bremsen sowieso. Fehlt dann, wie bei diesem Pferd, auch noch der Wille, vorwärts zu gehen, wird das Lenken schwierig. Das ist wie bei einem Boot – ohne genügend Fahrt läuft es aus dem Ruder“, erklärt Michael Putz. Ob Romeos Faulheit ein reines Ausbildungsproblem ist oder an seiner schlechten Bemuskelung liegt, bleibt offen. „Ich gehe davon aus, dass der mit mehr Futter auch besser zu reiten wäre“, sagt Michael Putz.

24.06.2009
Autor: Melanie Tschöpe
© CAVALLO
Ausgabe 09/2008