Weidepflege Lisa Rädlein

Mähen oder Mulchen?

5 Kriterien für die richtige Weidepflege

Weg mit dem Grasschnitt oder lieber als Gründünger liegen lassen – also Mähen oder Mulchen? CAVALLO sagt, worauf es für die Weidepflege ankommt.

Spielplatz, Restaurant, grünes Wohnzimmer: Weiden erfüllen unseren Pferden gleich mehrere Bedürfnisse auf einmal. Damit sie das können, müssen Koppeln entsprechend gepflegt werden. Nur dann wird die Grasnarbe dicht genug, um Toben und Rennen auszuhalten und trotzdem noch genug Futter für die Vierbeiner im Angebot zu haben.

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Die richtige Weidepflege Mähen oder Mulchen - das ist hier die Frage
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Mähen oder Mulchen – das sind die Kriterien

Dafür muss das Grün regelmäßig geschnitten werden, damit kein Unkraut wuchert. Aber was dann? Nur Mähen, also den Grünschnitt im Anschluss als Futter oder Abfall abtransportieren – oder lieber Mulchen, und das Mähgut fein zerhäckselt auf der Weide liegen lassen, damit es als natürlicher Gründünger dienen kann? Ganz so einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Lesen Sie selbst, welche Faktoren für die Entscheidung wichtig sind.

Wieviel Weide ist abgegrast?

Wie viel Fläche haben die Pferde abgefressen? Weideexperten sehen das als Knackpunkt bei der Frage „Mähen oder Mulchen?“. Sind nur 60 bis 70 Prozent der Fläche abgeweidet, ist Mulchen nicht zu empfehlen. Denn Pferde lassen das stehen, was sie nicht mögen. Und das sollte erst mal gemäht und abgefahren werden, so der Tipp von Hubert Kivelitz, Referent für Grünland und Futteranbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Pferde lassen Unkräuter wie Sauerampfer oder Disteln stehen, ungenießbare Weidereste und Geilstellen. Letztere entstehen etwa, wenn Pferdeäpfel liegen bleiben. Durch die hohe Nährstoffkonzentration an diesen Stellen wachsen und blühen hier vor allem Gräser.

Mulchen wäre hier zudem schädlich für den übrigen Pflanzenbestand. Denn sind mehr als 30 Prozent der Weidefläche noch nicht abgegrast, bleibt nach dem Mähen zu viel Biomasse liegen. Es entstünde eine Art Bio-Decke, die das darunter liegende Gras ersticken kann. Gleichzeitig siedeln sich in so einem Milieu mitunter Mäuse an.

„Langfristig kann sich so der Pflanzenbestand verändern“, sagt Kivelitz. In den entstehenden Lücken können sich zudem weitere Unkräuter ansiedeln. Bei einer nur teilweise abgeweideten Koppel heißt es daher: mähen und weg damit. „Es geht bei der Weidepflege darum, den Bestand auf der Grünfläche zu nivellieren“, verdeutlicht Kivelitz.

Also: alles Grün quasi auf Null setzen und somit gleiche Ausgangsbedingungen für neues Wachstum zu schaffen. Heißt für die Grünpflege: Gemulcht werden sollte daher nur, wenn die Weide gleichmäßig und größtenteils abgegrast ist.

Was wächst auf der Weide?

Finden Sie dort schmackhafte Kräuter und Gräser, können Sie den Grünschnitt bedenkenlos kleingehäckselt liegen lassen. Das geht auch bei geringen Mengen Unkraut wie Disteln, Ampfer oder Scharfer Hahnenfuß.

Anders sieht es aus, wenn das Unkraut auf der Weide wuchert oder sogar Giftpflanzen wie beispielsweise Jakobskreuzkraut wachsen. Vor allem Letzteres gehört weder im Ganzen noch in zerschredderter Form auf die Weide. Fressen die Pferde das Kreuzkraut, könnte das eine Lebervergiftung hervorrufen und zum Tod führen.

Damit sich das unerwünschte Kraut nicht weiter verbreitet, rät Fachmann Kivelitz zum Mähen und Abtransport. Logisch, dass dieser Grünschnitt nicht den Pferden zum Fressen vorgelegt werden sollte. Am besten sollten die Weiden gemäht werden, bevor Unkraut aussamen kann. „So erhält und entwickelt man auf Dauer einen futterbaulich wertvollen Pflanzenbestand“, verdeutlich Hubert Kivelitz.

Die Weidepflege

Pferdeäpfel von den Weiden einsammeln, ist vor allem bei hügeligen oder weitläufigen Arealen mühsam. Daher lassen einige Stallbesitzer die Haufen einfach liegen. Bei solchen Weiden wäre Mulchen die erste Wahl: Die Kotstellen werden dabei stark zerkleinert, verteilen sich so besser und können gut verwittern.

Zudem entstehen keine „Pferde-Toiletten“, die von den Vierbeinern gemieden werden. Bei Weiden mit zahlreichen Haufen empfiehlt Kivelitz daher zu mulchen. Für die Wurm-Prophylaxe wäre es freilich besser, mindestens einmal wöchentlich die Haufen einzusammeln.

Der richtige Schnitt

Ein Kahlschnitt ist weder beim Mähen noch beim Mulchen angebracht. „Wer zu tief schneidet, schadet der Weide“, sagt Kivelitz. Denn dann werden Teile der Gräser entfernt, in denen diese Nährstoffe einlagern, die sie wiederum brauchen, um regenerieren und somit wachsen zu können.

Heißt: Je kürzer das Gras, desto länger braucht es, um sich zu erholen. Und weil es auch unter Pflanzen ein Konkurrenzverhältnis gibt, kann Unkraut bei einem Radikalschnitt Weidegras und Kräuter verdrängen.

Die ideale Schnitthöhe, so Hubert Kivelitz, liegt bei maximal sechs Zentimeter; kürzer sollte es nicht werden. Sein Tipp: vor allem bei unebenen Weiden aufpassen, dass das Mähwerk nicht zu tief kommt.

Kivelitz empfiehlt, immer dann zu mähen oder mulchen, wenn die Weide nicht mehr benutzt wird – also am Ende der Saison oder beim Umtrieb auf die nächste Koppel. Auf jeden Fall sollte zwischen dem zweiten und letzten Aufwuchs gemäht oder gemulcht werden.

Das Wetter

In solchen Dürre-Sommern wie im vergangenen Jahr wächst auf der Weide nicht mehr viel. „Da reicht es, die Blütenstände von Gräsern und Kräutern zu kappen und den Aufwuchs auf der Koppel vertrocknen zu lassen“, sagt Hubert Kivelitz. Das fördert den Wiederaustrieb der Pflanzen nach der Dürre.

Nicht nur das Wetter, auch die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle. Wer im Herbst zu spät mulcht, schadet den Grünpflanzen. Dann können diese kaum mehr regenerieren, bevor die Vegetationszeit endet. „Mitte bis Ende Oktober ist meist ein guter Zeitpunkt für die letzte Mulchaktion im Jahr“, meint Kivelitz. Dann bleiben meist noch zehn bis 14 Tage Zeit, damit sich die Gräser erholen, ehe Frost Schaden anrichtet.

Auf gar keinen Fall sollte im Winter gemäht oder gemulcht werden. Wer diese Tipps beherzigt, bietet seinen Pferden auch im nächsten Jahr eine vielseitige Weide – zum Spielen, Wohnen und Fressen.

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