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Gespräch des Monats: Wie gefährlich sind Pferdeschänder?

„Andere wären zerbrochen“

Die 15-jährige Turnierstute Polaria wurde Anfang April von einem Unbekannten an den Genitalien verletzt. Pferdebesitzerin Dr. Anne Grimminger hofft, dass alle Wunden heilen.

CAVALLO: Blutergüsse, Striemen, offene Wunden. Dressurstute Polaria wurde in ihrer Box im Mannheimer Reiter-Verein brutal gequält. Der Angriff liegt nun einige Wochen zurück. Wie geht es Polaria heute?
Grimminger: Viel besser. Die Wunden sind fast verheilt, ein paar Narben sind noch zu sehen. Wir haben wieder mit dem Training begonnen, und das war gut. Polly arbeitet mit Begeisterung, sie will wieder und zeigt es uns. Als sie das erste Mal wieder geritten wurde, hat sie alles abgespult, was sie kann. Sie hat gar nicht mehr aufgehört zu piaffieren.

Körperlich hat sie den Angriff verarbeitet. Was ist mit ihrem Wesen?
Das hat sich tatsächlich sehr verändert. Wahrscheinlich war ihr liebes Wesen sogar entscheidend für den Täter oder hat es ihm leichter gemacht. Sie war immer sehr brav im Umgang und zu jedem freundlich, ein echtes Kuscheltier, zu Mensch und Pferd. Das ist heute anders, sie schlägt und beißt andere Pferde und auch Menschen gegenüber, vor allem Männern, ist sie aggressiv. Zum Beispiel mussten ja ihre Wunden gepflegt und eingecremt werden, das konnten nur meine Tochter oder ich selbst tun, sie hätte niemanden sonst an sich herangelassen. Eine schwere Zeit.

Glauben Sie, das gibt sich wieder?
Sie hat ein Trauma, das sie verarbeiten muss. Ich denke, sie schafft das, aber es wird dauern. Der Alltag, das Training, die Turniere, der normale, vertraute Umgang mit uns – all das hilft ihr. Vielleicht wird sie nie wieder so unbeschwert freundlich wie früher. Zum Glück ist sie nicht so supersensibel wie andere Pferde. Sie hat immer schon einen starken Willen und Charakter gehabt. Gott sei Dank ist sie so stur. Daran wären andere Pferde zerbrochen.

Gibt es Hinweise auf den Täter?
Die Polizei nimmt den Fall sehr ernst und ermittelt. Auch das geht nicht von heute auf morgen. Einige Hinweise gibt es. So ist zum Beispiel klar, dass der Täter sich offenbar auskennt, sowohl in der Gegend als auch im Umgang mit Pferden. Aus Sicherheitsgründen wurden auch die Reithöfe rund um Mannheim informiert. Das schärft die Aufmerksamkeit für alles Verdächtige.

Haben Sie nach dem Vorfall Vorsichtsmaßnahmen ergriffen?
Hinterher ist man natürlich immer klüger. Und mit so etwas rechnet man ja auch nicht. Auf jeden Fall haben wir jetzt eine neue Flutlichtanlage inklusive Bewegungsmelder installiert. Auch eine hochmoderne Videoüberwachung ist rund um die Uhr im Einsatz. Da kann nichts mehr passieren.

Polaria hat der Angriff verändert. Wie gehen Sie als Mensch damit um?
Das geht nicht spurlos an einem vorüber. Erst kam der Schock, dann Wut und Fassungslosigkeit. Aber ich bin ein Optimist. Genauso wie Polaria.

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Wie gefährlich sind Pferdeschänder?

Taten sehr ernst nehmen

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privat
Prof. Dr. Dietmar Heubrock, Institut für Rechtspsychologie, Bremen.

Heubrock: Es kommt auf den Fall an. Ist die Tat im Bereich von sexuell-sadistischen Motiven anzusiedeln, ist das Pferd ein Übergangs- oder Ersatzobjekt. Dann meint der Täter eigentlich einen Menschen. Diese Täter befinden sich auf dem Weg zur sogenannten Maximalphantasie. Es hat Fälle von Serienmördern gegeben, die zunächst Tiere gequält haben. Kulturhistorisch nimmt das Pferd eine Sonderstellung ein, somit ist ein solcher Angriff – verbunden mit krimineller Energie – sehr ernst zu nehmen. Fragt man nach den Hintergründen, haben die Täter meist selbst Gewalt erlebt. Erfolgte sie in der vorpubertären oder pubertären Phase, kann Gewalt zur festgefügten Verhaltensweise werden. An der Nasenspitze erkennt man die Täter natürlich nicht. Oft aber sind sie schon einmal aufgefallen, vielleicht durch Tierquälerei. Ein Rat für Pferdebesitzer: Aufmerksam sein, sich informieren. Panik hilft nicht, aber Wissen auf jeden Fall.

Man sieht es niemandem an

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Frank Federau, Kriminalhauptkommissar, Sprecher LKA Niedersachsen.

Federau: Eine schwierige Frage, denn man sieht es niemandem an, ob er ein Pferderipper oder Pferdeschänder ist. Meist steckt nicht ein Motiv, sondern ein komplexes Gebilde hinter solchen Taten. Ein Aspekt ist das Macht- und Dominanzverhalten, das gegenüber dem Pferd als ästethisch schönes, starkes Tier ein besonderes Gewicht bekommt. Auch sexuelle Motive gibt es, wie krank oder pervers sie sein mögen. Ebenso gibt es Rachefeldzüge. Hier soll ein erlittener Verlust oder eine Verletzung gerächt werden. Im Einzelfall kann auch Rache an dem Menschen, der hinter dem Pferd steht, ein Motiv sein. Grundsätzlich ist jeder Fall anders. In Niedersachsen wurde 1999 die Ermittlungsgruppe Pferd eingerichtet, die eine Serie von Straftaten an Pferden aufklären sollte. Ermittlungen ergaben, das ein- und derselbe Pferderipper von 1993 bis 2003 bei etwa 50 Taten mehr als 100 Pferde mit Stich- oder Schnittwaffen getötet hat. Dieser Mann wollte töten, und er wollte gezielt Pferde töten. Er wurde bis heute nicht gefasst.

Kranke Individuen

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Redaktion CAVALLO
Wollen unerkannt bleiben: Die Köpfe hinter der Homepage www.stummeschreie.info

Team Stumme Schreie: Pferdeschändern wird nachgesagt, als Kind oder Teenager gewisse Störungen entwickelt zu haben. Ihr Motiv ist ein sexuelles. Zudem kennen sie sich mit Pferden aus: Wer traut sich sonst in die Box von einem Tier, das 1,60 Meter groß ist und kräftige Hufe hat? Die Täter sind kranke Individuen, das sehen auch die meisten Fachleute so. Eindeutig ist es bei Zoo-Sadisten, die aus Lust Tiere quälen. Dies ist strafbar. Schwierig wird es bei Zoophilie, der „Liebe zu Tieren“. Zoophile behaupten, aus Liebe sexuelle Beziehungen mit Tieren zu pflegen. Der alte Begriff Sodomie, vom biblischen Sodom, Inbegriff der Lasterhaftigkeit, war sehr viel drastischer. Seit 1969 müssen Menschen, die ihre sexuellen Bedürfnisse an Tieren befriedigen, nicht mehr mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Szene wird derzeit größer. Wir kämpfen mit einer Unterschriftenaktion und der Homepage www.stummeschreie.info darum, sexuellen Tiermissbrauch wieder unter Strafe zu stellen. Dafür werden wir regelmäßig bedroht.

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