CAV Dr. Gerd Heuschmann Rädlein

Können sich Ausbilder auf schwierige Pferde setzen?

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Beim Korrekturreiten geht es nicht nur sanft zu - und schon ist der gute Ruf des Trainers in Gefahr. Leidtragende sind die Problempferde.

"Mit Bildern lässt sich Meinung machen. Es gibt Fotos von Gerd Heuschmann auf einem Korrekturpferd. Sie entstanden innerhalb von elf Minuten. Darunter gibt es unschöne Szenen, aufgenommen in nur wenigen Sekunden. Sie zeigen keine Rollkur und kein brutales Reiten. CAVALLO veröffentlichte sie daher nicht; andere stricken daraus den „Fall Heuschmann“. Das riecht nach Rache und Sensationsmache, nicht nach Pferdequal", sagt CAVALLO-Redakteur John Patrick Mikisch.

Profi am Pranger

"Momentan bin ich völlig unsicher, wie ich mit damit umgehen soll“, sagt Dr. Gerd Heuschmann. Was dem Tierarzt und Biomechanik-Experten Kopfzerbrechen bereitet, sind Fotos, die Anfang Juni bei einem Kurs in Rheinland-Pfalz entstanden. Sie zeigen ihn bei der Korrektur eines sechsjährigen Friesenhengstes. Einige Bilder, aufgenommen in wenigen Sekunden, sehen grob aus, weil Heuschmann das Pferd wegläuft.

„Das war ein Schenkelgänger, der hinter der Senkrechten lief. Als ich mich drauf setzte, marschierte er sofort los. Ich habe die Bremse gezogen, aber das Pferd hatte ein völlig stumpfes Maul und ging gegen die Hand“, sagt Gerd Heuschmann. „Richtig gut sah das bestimmt nicht aus; doch das lässt sich bei Korrekturpferden nicht immer vermeiden.“

Die Angst vor der Kamera

Das Ergebnis der Sekundenschüsse: Der renommierte Rollkurkritiker wird von einigen plötzlich als Kraftreiter hingestellt, der angeblich seine eigenen Grundsätze malträtiert. Das ist zunächst nur schlimm für Gerd Heuschmann, der um seinen Ruf kämpfen muss. Sein Fall ist aber beispielhaft für eine Entwicklung, unter der alle Ausbilder zu leiden haben - und letztlich jene Pferde, die professionelle Hilfe am nötigsten hätten.

Aus Angst vor Bildern, wegen derer sie hinterher am Pranger stehen, steigen etliche Trainer erst gar nicht mehr auf schwierige Pferde. Auch Gerd Heuschmann überlegt jetzt, ob er sich noch einmal öffentlich auf ein Korrekturpferd setzt: „Vielleicht wähle ich nur noch bestimmte Pferde aus und erteile ansonsten bei Kursen absolutes Fotoverbot.“

Am Ende sind die Pferde die Leidtragenden

Der Ausbilder unterrichtet selbst seit 30 Jahren vom Boden und vom Sattel aus. „Bei meinen Demonstrationen reite ich derzeit sogar absichtlich auch verrittene Pferde, um Zuschauern Lösungsansätze zu zeigen. Ob ich das weiterhin tue, hängt von der Entwicklung ab“, sagt Kreinberg. „Ich wünsche mir auch von den Fachverbänden und den Medien eine Versachlichung bei den Themen Erziehung und Korrektur.“

Schlechte Bilder sind fix gestreut

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Das Karlsruher Reitinstitut der Egon-von Neindorff-Stiftung.

„Aus dem Zusammenhang gerissene Fotos landen schnell im Internet“, so Kreinberg. Er versucht daher, Bilder stärker zu kontrollieren. „Bei mir herrscht prinzipiell Foto- und Filmverbot, Ausnahmen bedürfen meiner Genehmigung.“ Das sei nicht nur Selbstschutz. „Es geht auch um meine Kursteilnehmer. Sie sollen reiten können ohne Angst davor, mit Bildern einer schlecht gerittenen Phase im Internet bloß gestellt zu werden.“

Am Karlsruher Reitinstitut Egon-von Neindorff-Stiftung geht es noch rigoroser zu. „Bei uns herrscht totales Foto- und Filmverbot - auch wegen der Persönlichkeitsrechte der Reiter“, sagt Institutsleiter Axel Schmidt. „Wenn Sie mit Problempferden arbeiten, entstehen immer Bilder, die nicht ganz lehrbuchhaft sind. Damit steht am Ende der Ausbilder am Pranger und nicht derjenige, der das Pferd vorher vermurkst hat“, sagt Schmidt. Korrekturen reitet er daher nur als „Privatissimum“. Dennoch setze er sich auch bei Kursen aufs Pferd, „um zu fühlen, ob meine Beobachtungen zutreffen“.

Ausbilder müssen auch reiten

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Rädlein
Klassikausbilder Marius Schneider.

Klassikausbilder Marius Schneider aus Dortmund handhabt das Filmen etwas freier: „Bei mir dürfen sich die Kursteilnehmer nach Absprache für private Zwecke filmen. Auf dem Video sieht man Sachen, die man im Moment nicht mitbekommt.“ Dass der Ausbilder sich auch selbst aufs Pferd setzt, findet er wichtig: „Ich überprüfe meine Beobachtungen und kann den Schülern zeigen, was sie besser machen können.“

„Das ist ja auch gerade das Spannende an einem Kurs“, betont Gerd Heuschmann. „Dass man mit den Teilnehmern das Problem eines Pferds theoretisch analysiert und dann praktisch zeigt, wie man es verbessern kann. Wenn ich nur vom Boden aus unterrichte, fehlt einfach ein wichtiger Teil.“

Korrekturen während des Ritts erklären

Der schleswig-holsteinische Ausbilder Johannes Beck-Broichsitter hat dafür seine eigene Methode. „Damit Zuschauer und  Reiter wissen, was ich mache, wie es sich anfühlt und warum ich es so mache, kommentiere ich die wesentlichen Stationen auch vom Pferd aus. Das ist manchmal anstrengend, beantwortet aber häufig die Fragen kritischer Beobachter.“

Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke geht noch weiter: „Meine Anlage ist offen. Da kann jeder zuschauen. Das ist der beste Schutz für mich selbst und die Pferde. Wenn etwas mal nicht klappt, muss man es aber auch erklären.“ Dass Zuschauer kritisch urteilen, ist nicht das Problem. Eher die korrekte Einordnung.

„Manche treiben das zu weit“, findet die bayerische Gangpferdetrainerin Andrea Jänisch. „Da paaren sich manchmal Halbwissen und der Anspruch, dass jeder Reiter stets perfekt sein muss. Das ist kontraproduktiv und verleidet selbst den besten Reitern die Lust an öffentlichen Auftritten.

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