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CAVALLO Exterieur-Serie: Araber richtig beurteilen

CAVALLO Exterieur-Serie: Araber richtig beurteilen

Gurtentiefe, Dish und Röhre: Der Leiter des Landgestüts Marbach erklärt, wie Sie Araber beurteilen.

Eine Traumfrau, behaupten manche Männer, hat die Maße 90-60-90. Ein Traum-Araber, behaupten die Experten, hat keine Idealmaße. Wie kann man ihn dann beurteilen? Unterscheidet sich der Körperbau eines korrekten Arabers überhaupt von dem eines korrekt gebauten Pferds einer beliebigen anderen Rasse?

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Um diese Fragen zu klären, bat CAVALLO den renommierten Araber-Experten Dr. Helmut Gebhardt, 60, anhand von vier Fotos das Exterieur unterschiedlicher Araber zu beurteilen. Er kannte keins der Pferde und ist angemessen vorsichtig. „Fotos können täuschen“, sagt er. „Ich kann daher nur beurteilen, was das Bild zeigt.“ Wie jeder gute Pferde-Kenner ist Gebhardt kein Exterieur-Fetischist. „Ich will das Exterieur nicht überbewerten, außer es handelt sich um grobe Veränderungen, wie große Gallen oder starke Fehlstellungen, weil sie den Gebrauchswert einschränken können.“ Er plädiert für eine Beurteilung, bei der Maße nur in Maßen gelten.

Araber oder Vollblutaraber?

Wer Araber sagt und Vollblut­araber meint, erntet oft ein Stirnrunzeln, weil hinter den scheinbar gleichen Bezeichnungen ganz unterschiedliche Pferde stecken. Der Begriff Vollblutaraber bezeichnet einen reinrassigen Araber. Als reinrassig gelten ausschließlich Pferde, deren Eltern bereits in einem Stutbuch des Weltaraberzucht­verbands (WAHO) eingetragen sind. Vollblutaraber gibt es in extrem unterschiedlichen Typen und Zuchtlinien.

Araber sind Pferde, die zwar arabisch aussehen, die aber unter ihren Vorfahren außer Vollblut-, Shagya- oder Anglo-Arabern auch andere Rassen haben. Araber können grundsätzlich nicht bei der WAHO eingetragen werden.

Dr. Helmut Gebhardt

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CAVALLO
Dr. Helmut Gebhardt

Dr. Helmut Gebhardt, 60, ist Landoberstallmeister und Leiter des Baden-Württembergischen Haupt- und Landgestüts Marbach. Seit 1980 arbeitet er im Gestüt, seit 1994 steht er an der Spitze. Gebhardt studierte Landwirtschaft mit Schwerpunkt Tierzucht an der Universität Hohenheim/Baden-Württemberg und arbeitete zunächst im Pferdezuchtverband Baden-Württemberg. Für die Marbacher Araber ist Gebhardt von der Zucht-Planung über Aufzucht, Auswahl, Verkauf, Kauf bis zur Präsentation zuständig.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

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Redaktion CAVALLO
Dr. Gebhardts Strich-System zur Beurteilung

Dr. Gebhardt hat für sich ein Strich-System entwickelt, mit dem er effizient viele Pferde beurteilen kann, ohne dabei viel schreiben zu müssen. Seine Symbole für die wichtigsten Körpermerkmale:

1: Ramskopf, 2: Schöne, ausdrucksstarke Nasenlinie, gerade bis konkav, 3: Gut geschwungener Hals, ein Plus für Gut, 4: Ein Plus für den markanten Widerrist, 5: Steile Schulter, 6: Gute, schräge Schulter, 7: Pfeil nach oben: „Bergaufpferd“, das deutlich nach oben springt, wenn es galoppiert, 8: Gut gewinkelte und mittellange Fesseln, 9: Kurze, steile Fesseln, 10: Durchtrittige Fesseln, 11: Gut gewinkeltes Hinterbein: weder zu stark, noch zu schwach gewinkelt, 12: Harmonischer Körper, alles paßt zueinander, 13: Unharmonischer Körper, 14: Lange und leicht abfallende Kruppe.

Das Reitpferd

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Streitferdt

1. Hals:

Zu viel Unterhals; die obere Halslinie ist etwas länger. Ideal ist es, wenn die untere Halslinie der eingezeichneten Linie folgt.

2. Fesseln:

Sehr kurz. Sie federn Stöße weniger ab, sind aber stabil. Für ein Freizeitpferd sind mir kurze Fesseln lieber als zu lange, weil sie länger halten.

3. Mittelhand:

Etwas zu lang. Araber sollten eher im Quadrattyp stehen und einen kürzeren Rücken haben. Es gibt ein Sprichwort „Kurzer Rücken, lange Tagesreise“. Das bedeutet: Ein Pferd mit kurzem Rücken – den viele Distanz-Araber haben – kann einen Reiter länger tragen, weil seine Rückenmuskeln nicht so schnell ermüden. Dieses Pferd ist kein Distanz-Typ; es hat eine Mittelhand wie ein Reitpferd.

4. Kruppe:

Fällt ab wie bei einem Reitpferd, wodurch die Hinterhand besser unter den Schwerpunkt treten und Schwung entfalten kann. Araber-Züchter sehen lieber eine geradere Kruppe (waagerechte Linie).

5. Gurtentiefe:

Sehr gut und groß (gestrichelte Linie). Je größer die Gurtentiefe (gemessen von Widerrist zum Ellenbogen), desto größer die Fläche, an der das Reiterbein am Pferd liegt. Dadurch kann der Reiter Hilfen besser geben.

6. Schwerpunkt:

Tief. Das Pferd kann sich vermutlich gut ausbalancieren.

7. Schulterblatt:

Hier normal.

Ein Kerl für lange Strecken

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Salata

1. Gurtentiefe:

Sehr gering. Zusätzlich sind die Beine sehr lang. Der Fachmann spricht von „zuviel Wind unter dem Bauch“. Durch die langen Beine steht der Körper hoch (2) über dem Boden. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt (3) des Pferds nach oben, wodurch es dem Pferd im Gelände schwerer fällt, sich auszubalancieren. Die Unterschenkel eines großen Reiters würden unter dem Bauch baumeln. Ein kleiner Reiter eignet sich daher für dieses Pferd eher.

4. Hinterhand:

Schwach bemuskelt. Sind die Muskeln am Ober- und Unterschenkel gut ausgeprägt, spricht man von einem „gut behosten“ Pferd. Der Rappe ist das Gegenteil, („schwach behost“) und wirkt schlaksig. Das ist für ein Distanzpferd
kein Nachteil, weil es nicht die körper-liche Wucht eines Zugpferds braucht, sondern die drahtige Figur eines Marathonläufers.

5. Hals:

Zu starker Unterhals. Den optimalen Verlauf zeigt die Linie.

6. Widerrist:

Arabertypisch. Markant, deutlich ausgeprägt und relativ weit in den Rücken reichend. Das bedeutet eine gute und stabile Lage für den Sattel.

7. Axthieb:

Vor dem Widerrist ist eine kleine Delle, Axthieb genannt. Sie ist typisch für blutgeprägte Pferde, hat keine Funktion und ist weder vor- noch nachteilig.

8. Kreuzbein:

Fällt deutlich auf, weil die Hinterhand so schwach bemuskelt ist. Mehr Futter und Training lassen das Kreuzbein runder wirken.

9. Vorder- und Hinterröhre:

Zu lang. Optimal ist es, wenn Karpal- und Sprunggelenk möglichst dicht über dem Boden liegen, weil solche Pferde oft ein besseres Gleichgewicht haben. Der Fahrer eines Hochrads wackelt auch stärker als der auf einem BMX-Rad mit tiefem Schwerpunkt. Lange Röhrenknochen sind außerdem anfälliger für Überbeine, eine Hilfe der Natur, um den Knochen stabiler zu machen. Die Beine sind schmal („feines Fundament“), passen aber zum Pferd. Dennoch wünschen sich Züchter und Reiter deutlich stärker ausgeprägte Gelenke, als sie dieser Rappe hat.

10. Kruppe:

Lang, kaum abfallend, hoher Schweifansatz („hoch eingesteckter Schweif“). Eine solche Kruppenform erschwert die Versammlung (Bewegungen nach oben gerichtet), ist aber optimal für Pferde, die schnell, ausdauernd und kräftesparend laufen müssen (Bewegungen nach vorne gerichtet).

11. Kopf:

Freundlich, sympathisch, typvoll.

Der Hübschling

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Stuewer

1. Kopf:

Konkave Nasenlinie und vorgewölbte Stirn („Dish“). Der Nasenknick ist unter Laien als Araberknick bekannt. Beides ist hier deutlich, aber nicht übertrieben.

2. Rücken:

wird durch die unnatürliche Stellung verzerrt, wirkt aber zu lang. Bei modernen Arabern sind die Rücken zwar länger als beim ursprünglichen Wüstentyp, das Zuchtziel verlangt aber einen relativ kurzen Rücken.

3. Gurtentiefe:

Gut, Platz für das Reiterbein vorhanden. Das Pferd hat einen guten, tiefen Schwerpunkt, der gut für das Gleichgewicht ist.

4. Brust:

Ihre Breite ist nicht zu erkennen. Große Gurtentiefe deutet aber in der Regel auf einen großen Brustraum. Er ist wichtig, weil er Lunge und Herz viel Platz bietet – eine Voraussetzung für ein leistungsfähiges Pferd. Ist hier zu wenig Platz, kann ein schmales Pferd bei Dauerbelastung Kreislaufprobleme bekommen.

5. Schulterblatt:

Normal. Je größer es ist, desto mehr Platz haben die Muskeln.

6. Ganaschen:

Schwer zu beurteilen, weil der Kopf recht stark gestreckt ist. Scheinen hier recht stark. Zu stark ausgeprägte Ganaschen erschweren das Reiten, weil sie die Ohrspeicheldrüse quetschen, wenn das Pferd den Kopf anwinkelt („an den Zügel stellen“). Das tut ihm weh, wenn es durchs Genick gehen soll.

7. Röhren:

Kurz und gut. Sie bieten optimale Nutzung bei geringem Verschleiß.

8. Widerrist:

Gut und deutlich ausgeprägt, bietet dem Sattel Halt.

9. Sprunggelenk:

Obwohl die Hinterbeine so gestreckt sind, kann man erkennen, daß der Übergang Unterschenkel-Sprunggelenk-Röhrbein keine scharfen Konturen hat und harmonisch wirkt.

10. Hals:

Guter Halsansatz aus der Schulter. Liegt er zu tief, stört er das Gleichgewicht und erschwert das Reiten.

11. Gesicht:

Noch wenig konturiert. Das Pferd scheint noch jünger zu sein. Ein stärker konturiertes Gesicht (Fachbegriff „trocken“) kommt mit dem Alter. Dann verschwindet das Bindegewebe, und die Gesichtszüge werden markanter.

Das Multitalent

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Sdun

1. Gurtentiefe:

Gut ausgeprägt.

2. Rücken:

Der sanft eingetiefte Rücken gibt dem Sattel Halt (gute Sattellage).

3. Widerrist:

Deutlich ausgeprägt, reicht tief in den Rücken. Auch das macht eine gute Sattellage aus.

4. Ganaschenfreiheit:

Könnte etwas besser ausgeprägt sein, aus dieser Perspektive schwer zu beurteilen.

5. Maulspalte:

Lang und ausgeprägt.

6. Brust:

Gut, für einen Araber ziemlich breit. Sie schafft Platz und beste Voraussetzungen für funktionierendes Herz und Lungen.

7. Sprunggelenk:

Gut, deutlich gewinkelt. Ein zu gerades Sprunggelenk bringt das Hinterbein wenig unter den Schwerpunkt. Ein zu stark gewinkeltes Bein verschleißt schneller. Der Winkel hier ist gesundes Mittelmaß. Wichtiger ist freilich der Winkel am Knie (hier nicht zu beurteilen), weil er für Schwung und Kraft sorgt.

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