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Selen für Pferde: Mangel oder Überversorgung?

Der Mythos vom Selen-Mangel beim Pferd

Woran erkennen Sie einen Selen-Mangel beim Pferd? CAVALLO klärt auf. Plus: Test auf Selen-Mangel.

Fehlt es dem Liebling an diesem Spurenelement oder bekommt er gar zu viel davon? In einer noch unveröffentlichten Studie hat Dr. Ingrid Vervuert, Privatdozentin am Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig, zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe interessante Erkenntnisse zur richtigen Dosierung von Selen herausgefunden.

Der Selen-Gehalt im Blut führt leicht in die Irre

Wer wissen möchte, ob sein Pferd optimal mit Selen versorgt ist, lässt oftmals das Blut des Tiers untersuchen; im Labor wird die Selen-Konzentration in Plasma oder Serum bestimmt. Bisher liegt der Referenzbereich für ausgewachsene Pferde bei 100-200 Mikrogramm/Liter. Danach haben viele Pferde einen Selenmangel.

Doch das ist zweifelhaft. Dr. Ingrid Vervuert schlägt eine Korrektur der Werte vor. Denn „Pferde mit einer Serum-Selen-Konzentration zwischen 70 – 100 Mikrogramm/Liter zeigten keinerlei klinische Abweichungen, die mit einer marginalen Selen-Versorgung im Zusammenhang stehen konnten“, schreibt Dr. Ingrid Vervuert in ihrer Studie „Wie viel Selen braucht die Muskulatur? Das schmale Spektrum von essentiell bis toxisch“. Heißt im Klartext: Werte von 70 bis 100 Mikrogramm/l bedeuten nicht, dass das Tier einen Selenmangel hat.

Auch der bisherige Höchstwert von 200 Mikrogramm/Liter müsse korrigiert werden, rät die Expertin. Denn bei Selen-Konzentrationen von über 150 Mikrogramm/Liter gebe es bereits eine Plateaubildung beziehungsweise Sättigung im Serum.

Was passiert bei einer Selenvergiftung?

Zu viel Selen ist für Pferde richtig gefährlich, denn in höherer Dosierung ist das Spurenelement toxisch. Experten unterscheiden zwischen der akuten, subakuten und chronischen Vergiftung. Ein tragisches Beispiel für eine akute Intoxikation gab es 2009 bei den US Polo Championships. 21 Pferde eines Teams aus Venezuela waren erst völlig desorientiert. Kurze Zeit später kollabierten sie und starben noch am Spielfeldrand. Schuld war eine wohl versehentlich verabreichte Überdosis Selen.

Zu einer chronischen Vergiftung kommt es meist durch falsche Fütterung über einen längeren Zeitraum. Genauer gesagt, wenn täglich mehr als 2 Milligramm Selen pro Kilo Trockenmasse verfüttert werden. Die Anzeichen für Über- oder Unterversorgung lesen Sie rechts.

Wie lässt sich die Selenversorgung bestimmen?

Bei Blutuntersuchungen schlägt Dr. Ingrid Vervuert eine Korrektur der Referenzwerte auf 70-150 Mikrogramm/Liter vor. Außerdem sollten Sie den Selengehalt im Pferdefutter und den Bedarf Ihres Pferds analysieren. Denn eine kombinierte Bewertung von Fütterung und Selenkonzentration in Plasma oder Serum ist sinnvoll – und spiegelt die Versorgung am besten wider.

Test: Füttern Sie zu viel oder zu wenig Selen?

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