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Was tun bei Heu-Engpässen?

Hilfe bei Heu-Mangel

Nach dem trockenen Sommer ist Heu oft Mangelware. Wo bekommt man überhaupt noch gutes Raufutter – und welche Alternativen gibt es?

Dass ein Sommer hierzulande trocken und heiß ausfällt, ist nicht ungewöhnlich. Doch 2018 war die Situation kritisch wie selten. Am Ende blieben braun gebrannte Wiesen zurück, die Heuernte verlief fast im ganzen Land extrem schlecht.

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Gutes Heu zu bekommen, ist für viele Pferdehalter und Stallbesitzer deshalb eine große Herausforderung.

Aktuelle Lage & Hintergründe

Besonders die anhaltende Dürre hat die Heuernte hart getroffen. In der Regel mähen Landwirte ihre Wiesen zweibis dreimal. Der erste Schnitt gilt als ideales Raufutter für Pferde, Rinder bekommen häufig den zweiten oder dritten Schnitt. Dieses Jahr reichte es vielerorts nur knapp für einen Schnitt. Danach sorgten Wassermangel und hohe Temperaturen dafür, dass kaum Gras nachwuchs. Viele Landwirte können nicht wie in den Jahren zuvor Heu an Pferdehalter abgeben, da sie alle Vorräte für den eigenen Tierbestand benötigen. Auch Weideflächen waren bald abgefressen. „Ab Mitte Juli konnten wir unseren Pferden schon kein Grünfutter mehr bieten“, berichtet Sabine Ellinger, Dressurtrainerin aus Murrhardt in Baden-Württemberg.

Die Lage ist angespannt. „Beim Grundfutter gibt es Ernteminderungen von 20 bis 75 Prozent“, sagt Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands. Am härtesten betroffen seien Ost- und Norddeutschland. „Die sandigen Böden in unserer Region waren durch die anhaltende Trockenheit schnell ausgedörrt“, erklärt Nicole Künzel, Klassik-Ausbilderin aus Burgwedel bei Hannover.

Zwar gibt es in Deutschland noch Heu auf dem Markt, jedoch haben sich die Preise teils verdoppelt: Anfang November kostete eine Tonne Heu im Rund- oder Quaderballen im Schnitt 170 Euro netto. Manche Pferde- und Stallbesitzer sprechen sogar von Endpreisen von bis zu 120 Euro pro Ballen. Vielerorts sind zwangsläufig die Einstellgebühren gestiegen.

Praktische Hilfe gegen Heumangel

Wo gibt es überhaupt noch Heu zu kaufen? In sozialen Netzwerken wie Facebook haben sich Gruppen gebildet, in denen Angebote und Gesuche für Heu ausgetauscht werden. Sabine Ellinger stieß so auch auf einen Heulieferanten bei Berlin, über den sie einen Teil der dringend benötigten, qualitativ hochwertigen Heumenge beziehen konnte. Über soziale Netzwerke lassen sich zudem Abnehmergemeinschaften organisieren, sodass die Kosten für den Lkw-Transport aufgeteilt werden können und erschwinglicher sind.

Persönliche Kontakte sind natürlich Gold wert: Nicole Künzel fand über Bekannte einen Heulieferanten im Allgäu.

Vor unseriösen Angeboten sollte man auf der Hut sein und trotz Mangel ein Auge auf die Qualität haben. Denn mieses, minderwertiges Heu taugt nicht als Pferdefutter – und wird immer zu teuer bezahlt! Da die Qualität gerade bei Lieferungen aus dem Ausland oft schwer festzustellen ist, sollten Sie Erfahrungsberichte oder Referenzen von anderen Pferdehaltern zurate ziehen, ob Freunde, Diskussionsforen oder Facebook-Gruppen.

Viele deutsche Landwirtschaftsverbände helfen bei der Suche nach Heulieferanten weiter. „Der Bayerische Bauernverband bietet etwa eine Online-Futterbörse an“, weiß Petra Düring vom Arbeitskreis Pensionspferdehalter des Verbandes. „Zusätzlich finden sich Inserate in den Landwirtschaftlichen Wochenblättern.“ Heuangebote gibt es auch auf Onlineportalen von landwirtschaftlichen Fachzeitschriften.

Welche Futter-Alternativen gibt es?

Ist der Heuvorrat dennoch knapp, können alternative Futtermittel helfen, den Mangel zumindest teilweise auszugleichen. Dr. Ingrid Vervuert, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik an der Universität Leipzig, hat ein Positionspapier verfasst, in dem sie viele nützliche Tipps gibt. Wir haben wichtige Punkte daraus zusammengefasst:

Gras- oder Heucobs können bis zu 50 Prozent der Heumenge ersetzen. Obwohl auch hier die Nachfrage stark gestiegen ist, sind die Preise weitestgehend stabil. „Wir beziehen unsere Cobs aus Vertragsanbau und sind daher keinen so starken Preisschwankungen ausgesetzt“, erklärt etwa Florian Berger, Geschäftsführer der Firma Agrobs.

Zudem können Sie auf Grünhafer ausweichen (etwa 200 Gramm pro 100 Kilo Körpermasse (KM) zusätzlich zu 1-1,2 Kilo Heu und 0,3 Kilo Stroh pro 100 kg KM, separat oder unters Raufutter gemischt).

Bei leichtfuttrigen Pferden rät Dr. Vervuert, 30 bis 40 Prozent einer Heuration durch Stroh zu ersetzen – am besten mit Heu vermischt, da die Raufuttermahlzeit so besser verdaut wird. Da Stroh eiweißarm ist, empfiehlt Dr. Vervuert, Aminosäuren zuzufüttern (als Zusatzfuttermittel fertig im Handel; alternativ 20-50 g Erbsenflocken oder Sojaextraktionsschrot pro 100 kg KM).

Bei schwerfuttrigen Pferden ist Maissilage eine Option. Sie können etwa 1 kg Heu pro 100 kg KM mit 1 kg Maissilage pro 100 kg KM füttern. Der Haken: „Lagert Maissilage mehr als 12 bis 24 Stunden außerhalb des Silos, bilden sich vermehrt Hefen und sorgen für Gaskoliken“, erklärt Dr. Vervuert. Haben Sie keinen Zugang zu frischer Maissilage, sind Maiscobs (im Futtermittelhandel) eine gute Alternative; auch hier empfiehlt sich die Zugabe von Aminosäuren.

Was ist mit Saftfutter?

Karotten, rote Bete und Rüben können in größeren Mengen verfüttert werden, um Heumangel auszugleichen, als viele Reiter glauben, sagt Dr. Vervuert. Karotten und rote Bete: bis zu 10 kg bei gesunden Großpferden; Rüben: bis zu 5 kg.

Wichtige Einschränkung: Möhren & Co. sind wegen des hohen Zuckergehalts nichts für leichtfuttrige Pferde, die womöglich zu Hufrehe neigen.

Weitere Alternative: Rübenschnitzel (etwa 200 g bis 1 kg Trockengewicht).

Praxis-Tipps in Kürze

Futterbörsen im Netz: Zu den größten Portalen gehören www.landwirt.com, www.ebay-kleinanzeigen.de oder die Futterbörsen der regionalen Bauernverbände, die Sie hier aufgelistet finden: www.bauernverband.de/futterboersen

Zusammenschlüsse mit anderen Pferdehaltern: funktionieren z. B. gut über soziale Netzwerke wie Facebook oder Online-Foren. Dort gibt es spezielle Gruppen, in denen sich Händler und Abnehmer austauschen und Erfahrungsberichte teilen.

Futteralternativen nutzen: Gesunde Pferdeernährung gelingt auch mit begrenztem Heu (unter 2 kg/100 kg KM).

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