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Rennpferde kurieren: Interview mit Paul Williamson

TAP-Methode dämpft den Fluchttrieb bei Pferden

Der australische Rennreiter Paul Williamson kuriert in asiatischen Rennställen Steiger und Buckler im Liegen. Wie schafft der Mann dieses Kunststück, das er „TAP“ nennt?

CAVALLO: Kein panisches Pferd legt sich freiwillig hin. Warum klappt das bei Ihnen?
PAUL Williamson: Meine Methode TAP (Temporary Attitude Persuader = Kurzeitige Einstellungs-Änderung) nutzt einen Reflex, den jedes Pferd hat: Ändert sich die Körperhaltung, wird der Fluchttrieb auf schmerzfreie und völlig ungefährliche Art gedämpft oder sogar komplett ausgeschaltet. Das Pferd bekommt so Gelegenheit, Vertrauen zu fassen und Ängste abzubauen.

Wie funktioniert TAP?
Ich biege den Hals auf eine spezielle Art und Weise zur Seite. Es gibt zwei Abstufungen: Beim „Half-TAP“ beruhigt sich das Pferd, bleibt aber stehen. Beim „Full-TAP“ wird das Pferd durch den stärker wirkenden Reflex dazu gebracht, sich hinzulegen.

Ist das kein Kraftakt?
Nein. Um den Reflex auszulösen,
benötigt man kaum Kraft, nur etwas Geschick. Japanische Veterinäre haben bestätigt, dass den Pferden dabei nicht die Luft abgedrückt wird, wie einige Kritiker der Methode behaupten. Bis ein Pferd liegt, vergehen oft nur wenige Minuten. Probleme werden so viel schneller gelöst als mit anderen Methoden, zumal die meisten Pferde in ihrem Leben nur ein einziges Mal abgelegt werden müssen.

Wie kamen Sie darauf, Problempferde zu Boden zu schicken?
Die brutale Praxis, widersätzliche Pferde mit Seilen und Gewalt zu Boden zu werfen, um sie zu brechen, fand ich immer furchtbar. Bei der Arbeit mit einem schon für den Schlachter bestimmten Steiger wurde vor vielen Jahren ein Pferd auf einmal ganz ruhig. Ganz ohne Gewalt begann es, zu Boden zu sinken. Danach versuchte es nie wieder zu steigen und benahm sich völlig normal. Ich wusste, dass ich ein sehr hilfreiches Werkzeug gefunden hatte und verfeinerte es über die Jahre.

Wer sollte TAP anwenden und wann?
Den Half-TAP kann jeder nutzen. Er macht Nasenbremsen oder Sedierungen unnötig, etwa beim Tierarzt oder Hufschmied. Den Full-TAP empfehle ich nur Profis, die mit traumatisierten Problempferden arbeiten. Ich nutze ihn selbst nur zwei- bis dreimal im Jahr bei extrem schwierigen Pferden, die aufgrund ihrer Erfahrungen sich oder Menschen gefährden. Der TAP ersetzt kein Horsemanship. Niemand wird ein besserer Pferdemensch, weil er ein Tier ablegen kann. Wer über meine Web-Seite www.hybrid-horsemanship.com Infos abruft und die Anleitung bestellt, muss über viel Erfahrung mit Pferden verfügen. Fehlt die, wird es auch mit TAP-Wissen kaum gelingen, ein Pferd zu Boden zu schicken. Wer es vergeblich versucht, schadet dem Tier aber nicht, solange er keine Gewalt einsetzt.

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