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CAV Kohle Einstreu Rädlein

Kohle als Einstreu

Taugt Kohle-Einstreu für die Pferdebox?

Kohle will jeder haben, klar – aber auch in Pferdeboxen? Ja, denn Pflanzenkohle bietet haufenweise Vorteile für Pferd und Stallbetreiber.

Die Pferde auf dem Butzenhof stehen im Wald. Zumindest riecht es in ihrem Stall so: erdig, holzig, wie bei einem Waldspaziergang nach einem Frühlingsregen. Keine Spur von Ammoniak, keine muffige Luft, die sich in Ställen gerne mal breitmachen.

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Das Geheimnis dieses guten Geruchs steckt in der Einstreu. Stroh oder Späne sucht man im Reitstall der Hetzer GbR in Mössingen (Baden-Württemberg) vergebens. Stattdessen stehen fast alle Pferde auf einer Mischung aus Grüngutkompost und Pflanzenkohle. Pflanzen... – was?

Pflanzenkohle ist nichts anderes als verkohlte Biomasse

Verwendet werden dafür beispielsweise Holzabfälle oder Getreidespelzen (siehe Abschnitt "Wie wird Pflanzenkohle hergestellt?"). Dabei wirken die verkohlten Reste wie ein Schwamm: Sie können viel Wasser und Nährstoffe aufnehmen und nach und nach wieder an den Boden abgeben.

Das wussten bereits die Ureinwohner im Amazonasgebiet: Jahrelang waren Wissenschaftler der Meinung, dass es dort keine großen Städte gegeben haben könne; die Humusschicht sei zu gering, um viele Menschen zu versorgen. Dann wurden Überreste großer Ansiedlungen entdeckt, und die Forscher untersuchten den Boden genauer. Sie fanden die sogenannte Terra Preta, eine von den Ureinwohnern erzeugte Schwarzerde. Hergestellt mit Pflanzenkohle, um die nährstoffarmen Böden besser zu nutzen.

Vom Bodenverbesserer Pflanzenkohle las David Hetzer vor ein paar Jahren in einer Agrar-Fachzeitschrift. Prompt war der Agrarwirtschafts-Student und Junglandwirt Feuer und Flamme. Allerdings nicht wegen der Aussicht auf bessere Ernteerträge, sondern aus einem anderen Grund: Er wollte weniger Mist haben.

„Wegen der aktuellen Düngeverordnung hätten wir eine höhere Lagerkapazität für den Stroh-Späne-Mist gebraucht“, sagt er. Also probierte er aus, ob sich mithilfe der Pflanzenkohle der Mist reduzieren ließe. Es sei schon mal verraten: Es lässt sich.

Keine reine Pflanzenkohle

Dabei setzt der Landwirt nicht auf reine Pflanzenkohle. Das wäre erstens zu teuer (ein Kubikmeter kostet zwischen 300 und 400 Euro), und zweitens würde reine Kohle nur stauben. Doch in David Hetzer steckt ein schwäbischer Tüftler, und er hat einen Kompagnon: Christoph Zimmermann, Agrar-Ingenieur und Geschäftsführer der Firmengruppe DU, die Pflanzenkohle herstellt.

Gemeinsam mischten sie Grünschnitt-Kompost und Pflanzenkohle und testeten, wie die Einstreu wirkt. „Ist der Mix zu grob, kann er Urin nicht aufnehmen, und die Box wird nass. Sind Humus und Pflanzenkohle zu fein, wird die Einstreu zu Matsch, sobald sie feucht wird“, sagt Hetzer. Es brauchte einige Anläufe, bis das Verhältnis von Kompost und Kohle stimmte. Und wie lautet nun das Rezept? „Das ist so geheim wie das von Coca-Cola“, grinst Hetzer.

Das Geheimnis lässt er sich nicht entlocken, aber wir dürfen einen genaueren Blick darauf werfen: viel faseriger Kompost, einige kleine Aststückchen – und dazwischen blitzen die verkohlten Getreidespelzen. Der Mix liegt etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch in den Pferdeboxen und hat gleich mehrere Vorteile.

David Hetzer hat beobachtet, dass die Pferde seit der Umstellung auf den Kohle-Kompost-Mix 2016 deutlich häufiger liegen: „Sie können besser aufstehen, weil die Einstreu nicht wegrutscht.“ Denn selbst in Boxen von pferdischen Wühlmäusen ist der Betonboden nicht zu sehen.

Nachhaltig in jeder Hinsicht

Auch in puncto Hufgesundheit scheint die Einstreu zu überzeugen: Ein Hufschmied im Stall habe gesagt, dass die Hufe seit dem Einstreuwechsel fester geworden seien, so Hetzer. Dazu kommt das gute Stallklima. Und für den Stallbetreiber der entscheidendste Punkt: Die Einstreu lässt sich leicht abmisten – Bollen einsammeln, fertig. Fünf bis zehn Minuten braucht David Hetzer pro Box.

Die oberste Schicht wird ausgewechselt, wenn sie feucht ist; die untere hingegen kann bis zu einem Jahr in der Box liegen bleiben. „Das Material an Kohle und Kompost ist vielleicht unterm Strich etwas günstiger als Stroh und Späne, aber die Zeitersparnis rechnet sich für mich am meisten.“

Neben dem Zeitaufwand wurde auch der Materialbedarf weniger. Für 32 Boxen brauchte Hetzer früher 40 Kubikmeter Späne und drei Rundballen Stroh; das reichte im Winter für maximal 14 Tage. Vom Kohlemix benötigt er 50 Kubikmeter; allerdings für 60 Pferde in Boxen- und Offenstall, und das für eine Dauer von vier bis sechs Wochen. Danach landet die feuchte Einstreu auf dem Misthaufen – und selbst da riecht sie noch gut.

Wir graben im seit sechs Wochen gelagerten Mist und schnuppern: Ammoniak? Fehlanzeige. Der Mist riecht immer noch angenehm und leicht erdig. Christoph Zimmermann wundert das nicht: „Die Pflanzenkohle bindet die im Pferdeurin enthaltenen Nährstoffe wie Stickstoff. Dadurch werden Verluste in Form von Ammoniak verhindert.“

Die Nährstoffe bleiben also im Mist und landen so auf den Feldern. Eine Studie des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz ergab, dass bestimmte Pflanzenkohlearten verhindern können, dass Nährstoffe aus dem Boden ausgewaschen werden. Kein Wunder, dass Landwirt Hetzer darauf schwört. Seine Einsteller übrigens ebenso: Denn Hetzer testete den Kohlemix anfangs bei nur wenigen Pferden. Das kam an: Auf einmal wollten alle den Geruch von Wald in ihren Boxen haben.

Wie wird Pflanzenkohle hergestellt?

Das Naturprodukt Pflanzenkohle entsteht, wenn Biomasse karbonisiert, also verkohlt wird. Ausgangsmaterialien können Holzabfälle, Fruchtkerne oder Getreidespelzen sein. Diese werden unter Luftabschluss bei Temperaturen von bis zu 1000 Grad „gebacken“. Die Pflanzenkohle hat pro Gramm eine Oberfläche von 200 bis 500 Quadratmetern, ähnlich wie ein Schwamm. Das erklärt, warum sie so viel Feuchtigkeit aufnehmen kann: Ein Liter Kohle kann nämlich fünf Liter Pferdeurin aufsaugen.

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Lisa Rädlein
CAVALLO Kohle als Einstreu

Einsatz und Hersteller von Pflanzenkohle

Pflanzenkohle kann mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent der normalen Einstreu beigemischt werden. Ein Probesack mit 40 Litern kostet zwischen 28 und 36 Euro. Je größer die Oberfläche pro Gramm (das variiert zwischen 200 und 500 Quadrat meter), desto mehr Flüssigkeit kann die Kohle aufnehmen. Und wenn das Pferd mal die Kohle futtert? Nicht schlimm: Pflanzenkohle wird in geringen Mengen auch zur Fütterung eingesetzt. Erworben werden kann die Kohle bei Herstellern wie

www.biomassehof.de,
www.du-gut-pflanzenkohle.de,
www.pflanzenkohle24.de,
www.novocarbo.com.

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Lisa Rädlein
CAVALLO Kohle als Einstreu

Kontakt

Butzenhof Mössingen
Hetzer GbR
Gerhard und David Hetzer
Pensionspferde und Agrarprodukte
Butzenhof 1
72116 Mössingen
www.butzenhof-moessingen.de

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