CAV_1010_Handschuhe_11 (jpg) Redaktion CAVALLO / Rädlein

CAVALLO beantwortet Reiterfragen

Warum tragen Reiter Handschuhe? CAVALLO antwortet

Mit Reithandschuhen hat man Führstrick oder Longe besser im Griff. Doch leidet das Gefühl am Zügel? Überraschende Antworten der Profis.

„Präzise mit Gamsleder“

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Martin Peters, Fahrlehrer aus Andervenne.

Habe ich einen Strick, eine Leine oder eine Longe in der Hand, trage ich immer einfache Arbeitshandschuhe; beim Fahren dagegen dünne Handschuhe aus Gamsleder. Damit kann man sehr präzise fahren. Manchmal vergesse ich die Handschuhe aber auch oder fahre ein erfahrenes Gespann mal ohne.

„Reine Gewöhnung“

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Andrea Jänisch, Trainerin aus Chieming/Bayern.

Da ich als Ausbilderin viel mit schwierigen Pferden zu tun habe, trage ich immer Handschuhe. Das dient einfach der Sicherheit. Dass man damit weniger Gefühl hat, sehe ich nicht so. Zum einen sind die Handschuhe mittlerweile sehr dünn, zum anderen ist es reine Gewöhnung.

„Zügel besser im Griff“

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Sibylle Markert-Baeumer, Distanzreiterin aus Dietmannsried/Bayern.

Seit mir ein Pferd durchging, trage ich immer Handschuhe. Nach 120 Kilometern konnte ich die Lederzügel nicht mehr in den schweißnassen Händen halten. So habe ich jetzt meine Gummizügel besser im Griff. Bei Regen wird es ohne Handschuhe schnell schmierig, und im Sommer schwitzt man an den Händen und hat keinen guten Griff mehr.

„Schonen die Handfläche“

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Andrea Schmitz, Showreiterin und Dressurausbilderin aus Wedemark/Niedersachsen.

Mehr Gefühl empfinde ich ohne Handschuhe. Dennoch trage ich sie generell beim Reiten. Aber mehr aus kosmetischen Gründen als aus Sicherheitsgründen. Ohne Handschuhe wären meine Handinnenflächen wie Reibeisen. Bei fremden und schwierigen Pferden trage ich Handschuhe zur Sicherheit. Wichtig ist, dass sie nicht rutschig sind.

„Ohne mehr Gefühl“

Bei der Bodenarbeit trage ich immer Handschuhe, da ich mir schon ab und zu beim Führen die Finger verbrannt habe. Das Pferd hatte mir den Strick durch die Hand gezogen. Beim Reiten trage ich meistens keine Handschuhe, da ich so mehr Gefühl in den Händen habe. Im Winter schon. Hier helfen Handschuhe, damit die feine Einwirkung nicht durch steife Finger verloren geht.

- Kathrin Meyerding, Western-Trainerin B aus Vechelde/Niedersachsen.

CAVALLO-Experten geben Tipps

„Nur beim Winterausritt“

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Elke Trümner, Pferdewirtschaftsmeisterin aus Waltenheim im Elsass.

Ich trage beim Reiten keine Handschuhe, außer beim Winterausritt. Für eine möglichst feine Zügelführung reite ich mit dünnen, weichen Lederzügeln ohne Stege. Die Leckerlis zur Belohnung zwischendurch sind ohne Handschuhe auch schneller aus der Tasche. Zur Arbeit an der Hand nach Stahlecker sind sie sicher von Nutzen. Das Pferd kann wegspringen oder die Leinen verletzen die Hand. Das Gleiche gilt fürs Longieren und Führen.

„Entlarvt falsche Haltung“

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Walter Zettl, Dressurtrainer aus Kanada.

Unser alter Meister Oberst H.W. Aust ritt nur mit weißen Handschuhen aus Rehleder. Das ist leicht zu waschen und bleibt weich. Wir mussten ebenfalls mit Handschuhen reiten. So erkannte man sofort, wer die Hände nicht aufrecht oder in gleicher Höhe trug. Mit Handschuhen wirkt man weicher ein, und die Hände härten nicht ab. Manche Reiter haben so viel Hornhaut an den Händen, dass sie nicht mehr gefühlvoll auf das empfindliche Pferdemaul einwirken können.

„Verleiten zum Ziehen“

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Susanne Decker, Dressurausbilderin aus Ulm/Baden-Württemberg.

Beim Verladen, Longieren oder Führen sind Handschuhe sinnvoll, sonst gibt es Verbrennungen. Beim Reiten sehe ich sie nur bei zarten Bürohänden ein. Wer ab und an fegt, hat genug Hornhaut, um die Zügel ohne Schaden halten zu können. Wer Handschuhe braucht, läuft Gefahr, grob zu werden. Was nicht heißen soll, dass behandschuhte Hände nicht fein reiten können. Aber wer seine Hände mit Handschuhen vor Blasen schützen will, macht etwas falsch. Dann stimmt die Anlehnung zum Pferd nicht.

„Gehören einfach dazu“

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Rabea Schmale, Showreiterin aus Minden/Nordrhein-Westfalen.

Handschuhe schützen die Hände vor Brandblasen, Hornhaut, Durchrutschen der Zügel, teils auch vor Bissen. Zudem hat man einen besseren Griff. Unsere Schüler tragen alle Handschuhe. Sie gehören wie Helm und festes Schuhwerk zur Ausrüstung dazu. Ohne Handschuhe fehlt mir etwas. Angezogen sollten sie kaum zu spüren sein. Vor einer Trümmerfraktur an der Hand durch einen zurückgeschlagenen Panikhaken konnten sie mich aber nicht schützen.

Handchirurg Dr. Michael Strassmair rät:

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privat

Vor allem im Umgang mit Stricken und Leinen passieren viele Unfälle. In erster Linie sind es Verbrennungen auf der Handinnenseite. Diese
reichen teilweise bis ins Fettgewebe oder zur Beugesehne. Im schlimmsten Fall können die Reiter anschließend ihre Finger nicht mehr richtig bewegen. Aber auch Blasen an den Fingern können sich entzünden, wenn Staub und Dreck hineingeraten. Wer in Stress-Situationen richtig heftig am Strick zieht, kann ohne Handschuhe eine Degloving-Verletzung erleiden. Dabei zieht es die Haut komplett vom Finger oder der Hand.

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