CAV Jagdreiten Marbach Kraufmann

Reitwesten im CAVALLO-Test

Bei Westen was Neues

Bislang waren Schutzwesten für Reiter unbequem, aber sicher. Das ist inzwischen anders. CAVALLO untersuchte im Labor der MPA Stuttgart sechs neue Westen-Modelle auf ihre schlagdämpfenden Eigenschaften.

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Sicher in die Höhe: Gerade beim Springen sollte der Reiter eine Schutzweste tragen. Hier passieren viele Unfälle.

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Sicherheit ist unbequem. Reiter spüren das besonders deutlich, wenn sie im Gelände, beim Springen oder in der Reitstunde Schutzwesten tragen. Moderne Polster sollen jedoch den Tragekomfort erhöhen und größere Sicherheit bieten. CAVALLO testete sechs neue Modelle im Hinblick auf guten Sitz und optimalen Schutz. Zum Sicherheitstest schickte die Redaktion die Westen in die Materialprüfungsanstalt (MPA) der Universität Stuttgart.

Da alle Westen bereits nach der verbindlichen DIN Euro-Norm 13158:2000 getestet sind, mussten sie für CAVALLO einen verschärften Dämpfungstest bestehen. Welche Kraft dringt durch das Schutzpolster zum Reiter durch? Das ist wesentlich praxisgerechter und simuliert beispielsweise einen Huftritt oder den Sturz auf eine Kante.

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Knackpunkt sind die Verschlüsse

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Durch Klettverschlüsse passt sich die Weste optimal an.

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Andreas de Boer, Prüfingenieur der MPA in Stuttgart, ist Klett und Co. gegenüber skeptisch. Und er behält Recht: Egal ob Reiß- oder Klettverschluss – an diesen Stellen ist 100-prozentiger Schutz nicht gewährleistet.

„Die Stellen, an denen die Verschlüsse überlappen, sind kritisch“, sagt Andreas de Boer. Beispiel Schulter: Je nach Größe des Reiters schützt das Material die Schulter mal in einer Schicht, mal in zweien. „Zwei Schichten sind gut“, sagt de Boer. „Eine ist definitiv zu dünn, wenn der Reiter mit genau dieser Stelle der Schutzweste auf ein Hindernis prallt.“ Als Crux stellt sich heraus, was eigentlich gut gedacht ist: Durch die flexible Größenanpassung der modernen Westen mittels Klett- und Reißverschlüssen entstehen teils große Lücken. Diese Variabilität geht den Test-Ergebnissen nach auf Kosten der Sicherheit.

Im diesjährigen Test waren zwei Westen dabei, die auf Reißverschlüsse verzichten: Die Modelle von Busse und Engels Sport. Beim Tragekomfort bringt der fehlende Zipper keine Abzüge. Im Praxistest entpuppen sich beiden Westen als mindestens genauso bequem wie die Modelle mit Reißverschluss.

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Die neuen Modelle dämpfen schlechter

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Gerade am Rücken muss die Weste passen: Ist sie zu lang, stößt sie an den Sattel und stört den Reiter.

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„Die gemessenen Werte liegen teilweise deutlich über denen vom letzten Schutzwesten-Test im Jahr 2007“, sagt der Prüfingenieur. Damals maß de Boer Durchschnittswerte von 23 Kilonewton (kN), 2010 lagen sie bei 27 Kilonewton. Allerdings mit teilweise gravierend schlechten Einzelergebnissen.

„Der schlechteste Wert, den eine Schutzweste erfüllen darf, um noch in Klasse 3 eingestuft zu werden, beträgt 45 Kilonewton“, sagt Andreas de Boer. Betrachtet man die Resultate des Dämpfungs-Tests auf Seite 136, sind die gemessenen 48 oder sogar 89 Kilonewton tatsächlich alarmierend.

Zwei Westen im Test sind – abgesehen vom äußeren Erscheinungsbild – baugleich. Felix Bühler und Kerbl scheinen ihre Modelle bei Smart Rider LTD eingekauft zu haben. Beide Westen sind durch die extreme Wabenstruktur auf der Innenseite sehr bequem. Es sind sogenannte Panel-Westen, die vor allem Vielseitigkeitsreiter gerne tragen. Das Polster der Panel-Westen besteht nicht aus einem Stück, sondern ist in viele kleine Segmente aufgeteilt. „Das kann ein Nachteil sein“, sagt Andreas de Boer. „Denn es kann passieren, dass sich diese Segmente verschieben, auch wenn die Westen am Körper anliegen.“

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Der Schlag geht durch die Lücke

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Bei Panel-Westen ist das Schutzpolster in einzelne Segmente unterteilt.

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Der Aufprall drückt die einzelnen Polster-Teile auseinander. Das muss auch im Test passiert sein; anders kann sich Prüfingenieur de Boer nicht erklären, warum die Weste von Felix Bühler beim Frontal-Schlag mit 89 kN schwächelt, während das baugleiche Kerbl-Modell nur 16 kN durch lässt. Die Weste erfüllt zwar Level 3, den verschärften Dämpfungstest von CAVALLO aber nicht.

In einer Hinsicht haben sich die Schutzwesten allerdings verbessert – beim Tragekomfort. Bislang waren Reiter starr eingepackt, die Bewegungen im Sattel waren stark eingeschränkt. Alle neuen Modelle, die CAVALLO zur Probe trug, sind vom Schutzpolster her wesentlich angenehmer zu tragen. Das Material fühlt sich weicher an, und auch optisch machen die Westen einen besseren Eindruck. Wer ins Innere linst, stellt fest: Das Polster sieht bei allen Modellen – abgesehen von den Panel-Produkten – gleich aus. Zudem ähneln die Westen heute viel stärker ganz normalen Jacken. Reißverschlüsse erleichtern das An- und Ausziehen. So muss der Reiter die Klettverschlüsse an der Seite und den Schultern nicht jedes Mal neu einstellen.

Pflicht sind Schutzwesten allerdings bislang nur bei Vielseitigkeitsprüfungen und im Rennsport. Gerade bei Geländeritten oder beim Springen sollten Reiter sie aber ebenfalls tragen. Dass sich ein kräftiger Ast oder ein Teil des Hindernisses in den Rumpf des Reiters bohrt, ist keineswegs unwahrscheinlich. Eine britische Studie fand heraus, dass die meisten Unfälle beim Springen passieren, gefolgt vom Sturz oder Ausrutschen des Pferds. Weitere Verletzungsrisiken: Die Pferde bockten oder traten nach dem Sturz auf ihre Reiter. Hätten diese Schutzwesten getragen, wären die Unfälle glimpflicher ausgegangen.

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Zu große Westen gefährden den Hals

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Reißverschlüsse erleichtern das An- und Ausziehen.

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Immerhin sitzen hier viele ungeübte Reiter auf dem Pferd, die häufiger stürzen. Weiteres Problem: Viele Kinder und Jugendliche tragen zu großen Westen. Bei einem Sturz kann es durchaus passieren, dass die unpassende Weste bis in den Nacken rutscht und den Reiter im Halsbereich verletzt.

Damit die Schutzweste richtig sitzt, sollten Sie sich unbedingt korrekt vermessen. Sie benötigen dafür Ihren Brust- und Taillenumfang, Körpergröße und Rückenlänge. Messen Sie auch über die Schulter von Taille zu Taille – wie beim Hosenträger.

Setzen Sie sich auf einen Stuhl oder am besten in den Sattel. Messen Sie Ihre Rückenlänge vom größten spürbaren Halswirbel bis zum Steißbein, indem Sie dem Verlauf der Wirbelsäule folgen. Der Abstand zum Stuhlsitz oder Sattelkranz sollte etwa fünf Zentimeter groß sein, damit es beim Reiten keine Kollision mit dem hinteren Zwiesel gibt. So finden Sie eine Weste, die wirklich gut passt. An einem Schwachpunkt beim Tragekomfort lässt sich zurzeit nichts ändern: Mit einer dicken Schutzschicht schwitzt man stärker. Da kann das Material noch so atmungsaktiv sein.

Damit der Rundum-Schutz wirklich hält was er verspricht, sollten die Hersteller allerdings noch weiter an ihren Produkten feilen – und die goldene Mitte treffen zwischen bequem und sicher. Dann fällt der nächste Test hoffentlich besser aus.

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Westen im Test - Ergebnisse

Protecto Flex

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Protecto Flex

Preis (circa): ab 95 Euro
Größen: Kinder XS bis L Erwachsene S bis L
Gewicht: 1620 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 15,49 kN

Merkmale laut Hersteller
Panelartige Polster für mehr Bewegung. Mit Reiß- und Klettverschluss. Geprüft nach EN 13158-2000.

Sicherheit
Gut. Ausgezeichnete Werte im Zentrum (10,25 kN), sehr gute seitlich an der Hüfte (14,94), am Randbereich der Brustabdeckung (16,85) und am Rücken (16,85). Gute Werte an der Schulter (18,54).

Tragekomfort
Sehr gute Bewegungsfreiheit. Fühlt sich an wie eine etwas schwerere Jacke.

CAVALLO-Urteil: Sehr gut

Hersteller
Albert Kerbl GmbH, Felizenzell 9, 84428 Buchbach, Tel. 08086-933100, www.kerbl.com

Swing Guard Bodyprotector

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Swing Guard Bodyprotector

Preis (circa): 135 bis 150 Euro
Größen: Kinder KS bis KXL Erwachsene EXS bis EXL
Gewicht: 1300 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 24,16 kN

Merkmale laut Hersteller
Reißverschluss, reflektierende Nähte, Protektor aus Nitril-PVC, passt sich durch Körperwärme an. Geprüft nach BETA Standard 3 und EN 13158-2000.

Sicherheit
Befriedigend. Gute Werte im Zentrum (18,38 kN) und am Randbereich der Brustabdeckung (18,81). Seitlich der Hüfte befriedigend (23,18). Schutz an Schulter (29,06) und Rücken (31,37) ausreichend.

Tragekomfort
Sehr leicht anzuziehen und durch das weiche Material angenehm zu tragen.

CAVALLO-Urteil: Gut bis befriedigend

Hersteller
Waldhausen GmbH & Co. KG
Von-Hünefeld-Straße 53
50829 Köln
Tel. 0221-588010
www.waldhausen.com

Protect

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Protect

Preis (circa): ab 79 Euro
Größen: Kinder XS bis XL Erwachsene XS bis XL
Gewicht: 1320 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 24,14 kN

Merkmale laut Hersteller
Durch breite Klettverschlüsse individuell einstellbar. Ergonomische Form, perforierte Protektoren aus Nitril PVC. Geprüft nach BETA Standard 3 und EN 13158-2000.

Sicherheit
Befriedigend. Noch sehr gute Werte am Rücken (17,86 kN), gut im Zentrum (20,57) und am Randbereich der Brustabdeckung (21,27). Befriedigend seitlich der Hüfte (26,12). Schulter mangelhaft (34,88).

Tragekomfort
Drückt an den Schultern, ohne Reißverschluss, trotzdem angenehm am Körper.

CAVALLO-Urteil: Befriedigend

Hersteller
Busse Sportartikel GmbH & Co. KG
Industriering 2
49393 Lohne/Oldenburg
Tel. 04442-936992
www.busse-reitsport.de

Felix Bühler Panel

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Rädlein
Felix Bühler Panel

Preis (circa): ab 140 Euro
Größen: Kinder S bis XL Erwachsene S bis L
Gewicht: 1900 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 32,31 kN

Merkmale laut Hersteller
Protektor für mehr Bewegungsfreiheit in Segmente unterteilt. Schulter und Seite per Klett einstellbar. Mit Reißverschluss. Geprüft nach
EN 13158-2000.

Sicherheit
Ausreichend. Extremer Wert am Randbereich der Brustabdeckung (89,45 kN). Im Zentrum ausgezeichnet (9,86), sehr gut am Rücken (13,06) sowie gut im Bereich der Schulter (18,93). Seitliche Hüfte ausreichend (30,25).

Tragekomfort
Sehr gute Bewegungsfreiheit. Fühlt sich an wie eine etwas schwerere Jacke.

CAVALLO-Urteil: Ausreichend

Hersteller
Krämer Pferdesport
4. Industriestr. 1 + 2
68766 Hockenheim-Talhaus
Tel. 0180-5949400
www.kraemer.de

Engel Sports Event

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Engel Sports Event

Preis (circa): 105 bis 145 Euro
Größen: Kinder XS bis XL Erwachsene XS bis XL
Gewicht: 1400 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 32,93 kN

Merkmale laut Hersteller
Perforierte Protektoren aus Nitril PVC, Weste ist mehrfach verstellbar, weiter Arm- und Halsausschnitt. Geprüft nach EN 13158-2009.

Sicherheit
Noch ausreichend. Starker Ausreißer seitlich der Hüfte (48,01 kN). Am Rücken ungenügend (40,95). Ausreichend an der Schulter (29.49), noch befriedigende Werte im Zentrum (27,1) sowie gut am Randbereich der Brustab­deckung (19,08).

Tragekomfort
Fällt recht groß aus, schmiegt sich sonst aber gut an den Körper.

CAVALLO-Urteil: Noch ausreichend

Hersteller
Engels-Leder GbR
Geschwister-Scholl-Str. 5
65510 Idstein
Tel. 06126-53939
www.sport-schutzkleidung.de

jL9

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jL9

Preis (circa): 200 Euro
Größen: Kinder M bis XL Erwachsene S bis L
Gewicht: 1300 Gramm
Schlagdämpfung: durchschnittliche Restkraft 34,39 kN

Merkmale laut Hersteller
Perforierte Protektoren aus Gelfoam. Passt sich selbst an kalten Wintertagen dem Körper an. Zusätzliche Fixierung über elastisches Band mit Steckverschluss. Mit Reißverschluss.

Sicherheit

Mangelhaft. Ausreichende Werte am Randbereich der Brustabdeckung (28,89 kN), der Schulter (28,57) sowie am Rücken (29,04). Ungenügend im Zentrum (39,77), noch schlechter an der seitlichen Hüfte (45,66).

Tragekomfort
Trägt sich extrem gut und ist sehr leicht.

CAVALLO-Urteil: Mangelhaft

Hersteller
Charles Owen & Company (bow) Ltd
Royal Works
Croesfoel Industrial Park
Wrexham
LL14 4BJ
Tel. 00441978-317777
www.charlesowen.co.uk

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