Bremsenfalle Rädlein

Land Niedersachsen beschränkt Einsatz von Bremsenfallen Bremsenfallen tragen zum Insektensterben bei + Umfrage

In Bremsenfallen sterben nur wenige Bremsen, dafür auch geschützte Insektenarten. Deswegen sind sie umstritten. Nach Nordrhein-Westfalen beschränkt nun auch Niedersachen den Einsatz.

Wie riesige Sonnenhüte baumeln sie auf Pferdeweiden und sollen die Tiere schützen: Nicht vor Sonnenbrand, sondern vor bissigen Bremsen. Angezogen vom großen schwarzen Ball der Falle, der sich in der Sonne aufheizt wie ein warmer Pferdekörper, sollen sie direkt nach oben in den hutförmigen Trichter und damit in die Falle schwirren.

Auch geschützte Arten gehen in die Bremsenfallen

Doch bereits im Jahr 2017 zeigte eine Studie, dass die Fallen kaum selektiv Bremsen fangen. Wissenschaftler untersuchten dabei von Mai bis Oktober sechs Fallen im Kreis Gütersloh und eine Falle in der Stadt Bielefeld (NRW). Sie wurden einmal wöchentlich geleert und der Fang im Labor bestimmt. Das Ergebnis: Insgesamt wurden 53438 Individuen aus verschiedenen Gruppen der Gliederfüßer gefangen, davon 80 bis 95 % Zweiflügler, zu denen etwa herkömmliche Fliegen zählen. Aber auch gesetzlich besonders geschützte Arten, Wildbienen und Schmetterlinge gingen in die Falle. Der Anteil der Bremsen unter den gefangenen Tieren lag bei nur vier Prozent. Die Autoren der Studie forderten deshalb eine Genehmigungspflicht für Bremsenfallen. In Schutzgebieten und deren direkten Umfeld verlangten sie ein Verbot. "Auch in Hinblick auf das großräumige Insektensterben ist ein Fallentyp, der nicht selektiv Insektenbestände dezimiert und damit die Biodiversität zusätzlich schädigt, nicht akzeptabel", so die Wissenschaftler.

Das Land Nordrhein-Westfalen reagierte bereits im vergangenen Jahr und beschränkte den Einsatz von Bremsenfallen. In einem Erlass regelte die Landesregierung, dass Bremsenfallen in Nationalparks, in Europäischen Schutzgebieten, in Naturschutzgebieten und in gesetzlich geschützten Biotopen verboten sind. Auch an anderen Orten dürfen die Fallen nur in der Hauptflugzeit der Bremsen vom 1. Juni bis 15. September aufgestellt werden.

Niedersachsen beschränkt Ort und Zeitraum für Fallen-Einsatz

Nun hat Niedersachsen nachgezogen und Bremsenfallen ebenfalls beschränkt. "Bremsenfallen sind nicht wirklich effektiv. Vor allem sind sie gleichzeitig eine Gefahr für den Insekten- und Artenschutz", begründete Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies. Eine Studie zu Pferdebremsenfallen im Niedersächsischen Oldenburger Umland komme zu ganz ähnlichen Ergebnissen wie die Studie aus 2017, schreibt das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Hier lag der Anteil des Beifangs bei fast 91 Prozent. Der niedersächsische Erlass fordert die unteren Naturschutzbehörden dazu auf sicherzustellen, dass Bremsenfallen nicht innerhalb von Naturschutzgebieten, Nationalparken, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, FFH-Gebieten oder gesetzlich geschützten Biotopen aufgestellt werden. Darüber hinaus soll außerhalb dieser Schutzgebiete der Einsatz von Bremsenfallen zeitlich beschränkt werden, und zwar wie in Nordrhein-Westfalen vom 1. Juni bis 15. September.

VFD benennt Regeln, die Beifang minimieren sollen

Die Vereinigung der Freizeitreiter und -Fahrer in Deutschland (VFD) hat 2017 eine Projektgruppe "Insektensterben + Bremsenfallen" gegründet, die mit Wissenschaft, Naturschutzverbänden und Behörden zusammen an Lösungen arbeitet. Sie hat folgende Regeln für den Einsatz von Insektenfallen mit minimiertem Beifang aufgestellt:

  • Falle nur in der Bremsensaison aufstellen (ca. Mitte Juni bis Mitte September) und den Inhalt täglich kontrollieren. Im Spätsommer abbauen, wenn nur noch vereinzelt Bremsen drin sind.
  • Falle nur über kurzrasigem Bewuchs aufstellen.
  • Falle nur so aufstellen, dass sie die meiste Zeit des Tages in der Sonne ist, d.h. möglichst entfernt von Gehölzen.
  • Fangflüssigkeit mit Spülmittel, Seife ohne Duftstoffe (z.B. Neutralseife) versetzen.
  • Fangflüssigkeit alle drei Tage, bei hohen Temperaturen täglich wechseln.
  • Fanggefäß nachts auf den Boden stellen, ebenso an kühlen Tagen, an denen keine Bremsen fliegen.
  • Fanggefäß auch ohne Fangflüssigkeit nicht in der Falle belassen, das Fanggefäß ist auch ohne Flüssigkeit darin für die Insekten eine Falle

Zudem rät die VFD, bevorzugt auf andere Schutzmaßnahmen wie geeignete Weidewahl, Unterstände, Fliegenvorhänge und geeignete Bepflanzung zu setzen. Worauf setzen Sie? Sind Sie für oder gegen Bremsenfallen? Stimmen Sie unten ab!

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