Sattel Rädlein

Schnurengurte, Sättel ohne Pauschen, Lederbesatz Diese Ausrüstung wünschen wir uns zurück

Manches war früher doch besser: Warum wir uns die Schnurengurte, Sättel ohne Pauschen und Reithosen mit Lederbesatz von damals zurückwünschen.

1. Sättel mit flachen Pauschen

Zugegeben, wer heute nochmal auf einem Flachsitzer von früher platznehmen müsste, würde sich wahrscheinlich fühlen wie auf dem Schleudersitz. Zu gewohnt sind wir die modernen Sättel, die dem Reiter ordentlich Geborgenheit zwischen Pauschen und tiefer Sitzfläche bieten. Das Problem: Die sogenannten "Sitzprothesen" täuschen oft über Balanceprobleme und andere Sitzbaustellen hinweg. Dicke Pauschen und zu gerade Sattelblätter können zudem das Knie des Reiters blockieren und ihn so steif in der Hüfte werden lassen. Mit dem Mitschwingen ist es dann schnell vorbei. Flachsitzer dagegen schulen die Balance.

Wie gut es tut, auf übertriebene Pauschen zu verzichten, zeigte auch ein Sitzexperiment von CAVALLO im Jahr 2017. Gemeinsam mit Sitzexpertin Claudia Butry klauten wir Reiterinnen die Klett-Pauschen unterm Knie weg. Das Ergebnis: Alle drei Testreiterinnen saßen ohne Pauschen viel besser im Sattel. Die positiven Veränderungen im Sitz waren unmittelbar zu sehen – und zwar sehr deutlich. Besonders überrascht hat uns, wie schnell die Reiterinnen sich mit dem neuen Sitzgefühl anfreunden konnten. Denn wir hatten damit gerechnet, dass sie länger brauchen, um sich ohne Pauschen im Sattel wohlzufühlen. Klares Fazit unseres Experiments: Weniger Pausche ist mehr!

2. Reithosen mit (Echt)Lederbesatz

Der Siegeszug von Silikon und Co. an Reiterhintern scheint langsam ins Stocken zu geraten, Hersteller setzen wieder etwas öfter auf Kunstlederbesatz, manche bieten sogar Echtleder an. Wir finden: Gut so! Denn Silikon-Besatz steht nicht nur im Ruf, das Sattelleder zu schädigen, sondern kann auch negative Auswirkungen auf den Sitz haben.

Das zeigte sich in einem Besatz-Experiment von CAVALLO mit Sitzexpertin Isabelle von Neumann-Cosel. Ist der Grip zu stark, kann etwa das Reiterknie nicht gut am Sattelblatt entlanggleiten und die Bewegung des Pferds durchlassen. Oder es gibt unangenehme Klebe-Effekte beim Leichttraben. Favorit im Test war denn auch Kunstlederbesatz, der vom Reitgefühl nah an Echtleder herankam. Er bot das richtige Maß an Rutschhemmung. Eine Reithose sollte leichtes Rutschen zulassen und volle Bewegungsfreiheit bieten, aber den Reiter doch etwas ausbremsen. So, nun sind die auf dem (Hosen)boden der Tatsachen.

Reithose
Rädlein
Ohne Silikon geht es auch: (Kunst)leder bietet gute Rutschhemmung.

3. Schnurengurte

Langsam erleben sie ein kleines Revival, doch lange schienen sie wie vom Erdboden verschluckt: die Schnurengurte. Warum wir erleichtert sind, dass sie nicht ganz ausgestorben sind? Der klassische Schnurengurt verteilt den Druck besser als viele moderne, anatomisch geformte Gurte, weil er sehr flexibel ist. Da sich die Schnüre separat bewegen, scheuern sie selten. Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen oder Wolle sind zudem atmungsaktiv.

Schnurengurte sind nicht nur längs, sondern auch diagonal flexibel. Solch eine diagonale Beweglichkeit ist sehr angenehm fürs Pferd: Wenn es sich biegt, passt der Gurt sich an. Hinzu kommt: Dreck hat durch die Schnüre wenig Chancen, sich zwischen Gurt und Pferd zu setzen, er fällt einfach ab und kann so nicht wie etwa bei einem Neopren-Gurt scheuern. Genug Gründe gehört, Sie wollen sich wieder einen Schnurengurt zulegen? Kein Problem, mittlerweile gibt es sogar Modelle als Kurzgurt, die zu modernen Sätteln passen.

Schnurengurt
Reitenbach
Läuft wie am Schnürchen: Schnurengurte sind angenehm fürs Pferd.