Teil des
CAV_Sattelspecial_0108_13 (jpg) Rädlein

CAVALLO Sattel-Ratgeber: Ein Sattelnbaum mit Gelenken

Ein Sattelbaum, der sich dem Pferderücken anpasst

Peter Graßl hat mit dem Maßsattels „Swing Tree Vario“ einen völlig neuartigen Sattel konstruiert. Ein multidimensionales Gelenk als Sattelbaum verspricht die Lösung fast aller Sattelprobleme.

CAV_Sattelspecial_0108_12 (jpg)
Rädlein
Stoßdämpfer: Die biegsamen Dämpfungsarme des Baums puffern jede Druckänderung ab. Je länger die Schlitze, desto größer die Dämpfung.

Die Erkenntnis brauchte Zeit. Rund drei Jahre tüftelte Sattelbauer Peter Graßl, Erfinder des Maßsattels „Swing Tree Vario“ und des Zügelsensors „Zack“ (siehe CAVALLO 11/2006), an seinem neuesten Werk, dem „Swing Optima“.

Kompletten Artikel kaufen
CAV Reitkissen Reitpads 1
Reitkissen für Pferde im Test - Artikel als pdf
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 5 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Dank eines neuartigen, zum Patent angemeldeten Baums dürfte dieser Sattel für zahlreiche Denkanstöße sorgen. Wobei das Wort „Baum“ eigentlich in die Irre führt. Denn die Konstruktion ähnelt eher einer überdimensionalen, mehrteiligen Fischgräte. Die einzelnen Teile sind beweglich aufgehängt und folgen elastisch den dreidimensionalen Bewegungen des Pferderückens.

Das klingt nach der endgültigen Lösung eines uralten Problems. Seit Jahrzehnten nämlich bauen die Sattelhersteller ihre Bäume nach einem starren Schema (siehe Heft 8/2003). Ein Baum, so ihr Credo, müsse steif sein, damit der Reiter sein Gewicht in Höhe des 14. bis 16. Brustwirbels plazieren kann. Er dürfe unter dem Reitergewicht auch nicht nachgeben, weil er sonst auf die Wirbelsäule des Pferds drücke.

Graßl wollte sich mit dieser Regel nicht zufrieden geben. „Kein konventioneller Sattelbaum berücksichtigt die dreidimensionale Beweglichkeit des Pferderückens. Die meisten Modelle behindern das Pferd sogar eher, statt ihm das Tragen des Reiters zu erleichtern.“

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Steigbügel und Gurtung nach Wahl

CAV_Sattelspecial_0108_04 (jpg)
Rädlein
Modell: Die 1,5 Zentimeter starke viskoelastische Auflage ist über Gurte beweglich mit dem Baum verbunden.

Die zweite Version hat den Vorteil, dass weder Knie noch Oberschenkel am Riemen scheuern können. Ausgerüstet ist der Optima mit klassischen Sicherheitsbügeln, die sich im Falle eines Sturzes öffnen.

Wählen kann der Reiter auch die optimale Gurtung. Peter Graßl sah eine 3-Punkt-Gurtung vor, um Lage und Sitz des Sattels beeinflussen zu können. Anders als herkömmliche Sättel hat der Optima nicht drei Strupfen, sondern einen vorderen und einen hinteren Gurt sowie eine mittlere V-Gurtung. So können jeweils die beiden vorderen oder der mittlere und hintere Gurt benutzt werden, um den Sattel optimal zu halten.

Neben so viel Innovativem bietet der Optima zum Preis ab 2500 Euro (Sonderwünsche kosten extra) altbekannte Graßl-Qualitäten: Das Leder ist ebenso wie das für den Swing Tree Vario, den es weiterhin geben wird, rein pflanzlich gegerbt. Auf Wunsch gibt es den Sattel auch in Dunkelbraun oder Schwarz.

Kontakt

Peter und Thomas Graßl
Sattel und Zubehör
Ramsach 3
82418 Murnau

Tel. (08841)5330
Fax (08841)90170
info@swingtree.de

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Wie wirkt ein beweglicher Sattelbaum?

CAV_Sattelspecial_0108_13 (jpg)
Rädlein
Der Baum-Meister: Peter Graßl demonstriert, warum sein Sattel ohne Kopfeisen auskommt.

Auch die verstellbaren Platten waren ganz im Sinn von Dorothe Meyer: „Ich bekomme das Gewicht genau dort hin, wo ich es brauche. Und ich werde nicht eingezwängt wie in vielen anderen modernen Dressursätteln.“

Landino beherrscht inzwischen nach rund sechs Monaten unter dem Swing Optima Dreierwechsel, ist motiviert und fleißig – der beste Beweis, dass mit dem neuen Sattelbaum Dressurreiten bis in höchste Klassen nicht nur möglich, sondern leichter ist.

Neben dem innovativen Baum bietet der Sattel einige klug konstruierte Details. Die Pauschen sind mit einem festsitzenden Klettverschluß befestigt, sie können in unterschiedlicher Stärke geliefert werden. „Manche Reiter fühlen sich durch Pauschen eingeengt, andere wünschen sie ausdrücklich, der nächste will dicke, der andere wieder dünne“, sagt Graßl.

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Ein Sattel ohne Kopfeisen

Einer der Tester, von Beruf Ingenieur, besaß genügend technischen Durchblick, um die Intelligenz dieses Baums auf Anhieb zu begreifen. Er formulierte daher auch das biblische Bild vom „Baum der Erkenntnis“. Und gewann als eigene Erfahrung, dass sein Pferd innerhalb von zwei Monaten eine – zuvor gar nicht vorhandene – Schultermuskulatur entwickelte. Als Folge daraus enstand Graßls Idee, die Kammerweite mittels der Schraubenlösung jederzeit verändern zu können.

CAV_Sattelspecial_0108_15 (jpg)
Rädlein
Optima-Baum von unten: Das Vorderteil (A) mit den beiden verstellbaren Platten (B) sowie die beiden Dämpfungsarme (C und D), die über Scharniere mit Vorder- und Sitzteil (E, verdeckt) verbunden sind.

Zu den ersten regulären Testern des Swing Optima zählte Dr. Dorothe Meyer, Tierärztin, vielfach qualifizierte Dressurreiterin und Chefin der Futtermittel-Firma Iwest. Eines ihrer Pferde, Landino, kam im Alter von sieben Jahren zu ihr. Dr. Meyer: „Landino war ein richtiger Sauerkocher. Er war gefrustet durch die Art der Arbeit, war mental sehr angespannt und selbst im Gelände nicht motiviert.“

Die Tierärztin ließ Landino vom Chiropraktiker untersuchen und testete mehrere Sättel, darunter auch einen Maß-Dressursattel. Mit keinem war sie zufrieden. Schließlich erfuhr sie von Peter Graßl, der nur wenige Kilometer entfernt ist.

Er brachte ihr ein Exemplar des „Optima.“ Dr. Meyer, zunächst etwas skeptisch ob des ungewöhnlichen Innenlebens, war verblüfft. „Ich habe nie eine so plötzliche Veränderung an einem Pferd gesehen. Landino ging quasi von der ersten Minute an vorne raumgreifender und nahm mit der Hinterhand Last auf.“

Die erfahrene Reiterin und vielfache Pferdebesitzerin war umso erstaunter, als sie das Sitzgefühl in den ersten Minuten nicht optimal fand. „Ich glaubte, zu hoch über dem Pferd zu sitzen. Der Eindruck ist aber ganz falsch; man sitzt sehr dicht am Pferd. Das merkte ich erst nach einigen Minuten im Sattel.“

Landino lief besser und besser. „Ganz offensichtlich gab es keinen punktuellen Druck mehr, was er bei herkömmlichen Sätteln noch nie erfahren hatte.“

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Verspannte Pferderücken werden wieder locker

CAV_Sattelspecial_0108_05 (jpg)
Rädlein
Die Steigbügel können über oder unter dem Sattelblatt verschnallt werden.

Drückte ein Pferd den Rückken nach unten – etwa, wenn es aufgrund von Verspannungen den Kopf hochriss – folgte der Baum dank des mehrdimensionalen Gelenks der Abwärtsbewegung, ohne jedoch auf die Wirbelsäule zu drücken. Ein konventionell starrer Sattel könnte dieser Abwärtsbewegung nicht folgen. Automatisch entstünden Druckpunkte mit Druckspitzen, der Teufelskreis wäre geschlossen: Das Pferd würde für seine Verspannungen durch stärkeren Druck oder sogar Schmerzen gestraft. Neue Verspannungen, sogar Lahmheiten wären die Folge.

Der Swing Optima folgt hingegen durch das Zusammenspiel des mehrdimensionalen Gelenks mit den beiden Dämpfungsarmen und den beweglichen Auflagen jeder seitlichen Biegung des Pferds, ohne dass wie bei herkömmlichen Bäumen auf der konvexen (nach außen gebogenen) Seite stärkerer Druck entsteht.

Graßl verzichtete folgerichtig auf ein Kopfeisen, das in fast jedem konventionellen Sattel steckt. „Kopfeisen sind wie eine Stahlachse beim Auto“, sagt er. „Sie sind eine Hilfskrücke, für viele Leute leider aber immer noch ein positives Qualitätsmerkmal.“

Für den „Optima“ dachte er sich stattdessen zwei Epoxidharzplatten aus, die links und rechts mit dem Vorderteil des Baums verschraubt sind.

Dank mitgelieferter, farbig markierter Inbusschrauben unterschiedlicher Länge kann ein Sattelbesitzer den Abstand der Platten enger oder weiter wählen, wenn beispielsweise die Rückenmuskulatur des Pferds zunimmt und die Kammerweite deshalb vergrößert werden soll. Mit kurzen Schrauben wird das Vorderteil (Vorderzwiesel) weiter und senkt sich leicht ab. Mit den längsten Schrauben kann das Vorderteil auf jeder Seite um bis zu 4 Zentimeter enger eingestellt werden.

Dank dieser pfiffigen Konstruktion findet der Reiter nicht nur seine optimale Sitzposition und die ideale Balance; auch das teure Umpolstern bei Veränderungen des Pferds entfällt vollständig.

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Der ideale Sattelbaum

CAV_Sattelspecial_0108_02 (jpg)
Rädlein

Graßl, der für seinen Maßsattel Swing Tree schon Hunderte von Pferden vermessen hatte, forschte und experimentierte, bis er den scheinbaren Widerspruch auflösen konnte.

Er formte zunächst in sehr mühevoller Handarbeit sechs eile: einen Vorderteil, zwei mit dem Vorderteil verschraubte seitliche Platten, den Sitzteil, den hinteren Teil sowie – dieses ist der eigentliche Clou – zwei seitliche Dämpfungsarme.

Das war nur möglich, weil Graßl statt Holz oder Stahl eine spezielle Epoxidharz-Mischung verwendete. Der Kunststoff ist sehr leicht und zugleich bruchsicher, weshalb er vorzugsweise in der Luft- und Raumfahrt oder beim Yachtbau verwendet wird.

Vorder- und Hinterteil des Optima-Baums sind über ein mehrdimensionales Gelenk mit dem Sitzteil verbunden. Sitzt der Reiter im Sattel ein, geben beide Teile leicht nach und verteilen den Druck auf die beiden Dämpfungsarme.

Die wiederum leiten das Gewicht auf ungewöhnlich großflächige Auflagen. Dank der ausgefrästen Schlitze wirken sie wie eine Hand, bei der jeder Finger unterschiedlich starken Druck auf eine Unterlage ausübt.

Die Dämpfungsarme können speziell nach Wunsch und auch Gewicht des Sattelkäufers gefertigt werden. Je länger die Schlitze, desto größer die Dämpfung. Die rund 1,5 Zentimeter dicken Auflagen aus viskoelastischem Schaum sind ihrerseits über zwei Gurte elastisch am Baum aufgehängt.

Dadurch folgen sie der Rückenbewegung des Pferds, wirken zusätzlich dämpfend, außerdem verringern sie den Druck, der schließlich auf dem Pferderücken ankommt, auf das geringstmögliche Maß.

Ihre Unterseite ist mit strapazierfähigem Köper vernäht, einem leinenähnlichen, leicht rauhen Stoff, der direkt auf dem Pferderücken liegt. Das garantiert optimalen Sitz. „Eine Satteldecke ist eigentlich nicht nötig, außer man will den Sattel vor Schmutz schützen“, sagt Graßl.

Weiterlesen:

CAV_0608_baumlose_saettel_9_MedilogicSystem
Rund ums Pferd
CAV_0608_baumlose_saettel_1_teaser
Rund ums Pferd

Zur Startseite
Equipment Rund ums Pferd cav-201904-sattelmessung-lir0728-mit-TEASER-v-amendo (jpg) Die neue Art, Sättel richtig anzupassen Sattelmessung 4.0

Posturometrie kennt kaum jemand.

Mehr zum Thema Ratgeber Sattel und Trense: Passform, Material, Zubehör
CAV Hillbury Zaum Baukasten
Rund ums Pferd
CAV Sattel Pferderücken
Rund ums Pferd
CAV Praxistest Fliegenspray Muggespray
Rund ums Pferd
CAV Studie Gebiss Nasenriemen
Reiterleben