CAVALLO-Test: Reitschulen im Südschwarzwald
Reitschulen im Südschwarzwald

Tipps für Reitschüler: CAVALLO-Redakteurin Miriam Kreutzer hat vier Reitschulen im Südschwarzwald getestet. Eine Reitschule wird von CAVALLO empfohlen. Hier finden Sie Ergebnisse und Fotos!

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Foto: Miriam Kreutzer

Auf dem Araberhof Kirchner trifft Testerin Miriam Kreutzer trifft eine Reitlehrerin, die ohne Umschweife zur Sache kommt, auch mal zur Gerte greift und Kommandos gibt, die Pferde ausbremsen können.

Auf Fjallaborg töltet Miriam Kreutzer auf einem ehemaligen Turnierpferd, das auch den Schweinepass beherrscht.

Mitten im Südschwarzwald liegt die Reitschule von Heike Klein. Hier verwandelte sich ein wilder Hengst in ein zuverlässiges Schulpferd.

Unsere Highlights

Miryam Husain hat ein Zentrum für pferdegerechtes Reiten. Aber wird dort wirklich fein und pferdefreundlich geritten?

Araberhof Kirchner

Ein ganzer Trupp hilfsbereiter Mädchen wartet als Empfangskomitee auf dem Araberhof Kirchner. Sonja Kirchner-Benz unterrichtet gerade. An der Magnetwand der Sattelkammer hat sie alle Teilnehmer der fünf Reitstunden mit Schulpferd notiert.

Die Mädels wissen, dass ich Paques reiten soll. Der 20-jährige Araber-Wallach ist ein Privatpferd, geht aber gelegentlich im Unterricht mit. Insgesamt stehen 15 Schulpferde zur Verfügung. Auf dem Araberhof gibt es aber nicht nur Araber als Lehrpferde; auch ein Friese und ein Quarter Horse sind mit von der Partie. Die Mädchen pflegen nicht nur mir gegenüber, sondern auch untereinander einen sehr netten Ton, was ich im Geiste als positiv notiere. Offensichtlich legt der Betrieb auf ein kameradschaftlliches Miteinander Wert. Paques und ich werden schließlich sogar bis zur Halle begleitet, in der ein fliegender Wechsel zwischen zwei Gruppenstunden stattfindet. Ich teile meine Stunde mit drei Mitreiterinnen.

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Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Südschwarzwald

Vor dem Aufsitzen führen wir die Pferde einige Runden in der Halle, die etwa 30 x 40 Meter misst. Sobald Sonja Kirchner-Benz die Halle wieder betritt, wird es ernst. Sie kommt ohne Umschweife zur Sache: Vorwärts-abwärts im Schritt, Schritt-Trab-Übergänge, Seitengänge, Schenkelweichen, ausführliche Galopp-Phasen auf beiden Händen.

In dieser Gruppenstunde wird jeder einzelne Reiter gefordert und beachtet. Kein Fehler entgeht Reitlehrerin Sonja Kirchner-Benz. Beim Schenkelweichen haben wir alle vier ein ähnliches Problem: Die Pferde gehen über die Schulter statt dem Schenkel zu weichen. „Die veräppeln euch“, ru„ die Bereiterin. Auch mein 20-jähriger Wallach bricht aus, und Sonja Kirchner-Benz greift schließlich ein. Sie gibt ihm mit der Gerte mehrfach einen Klaps – eine Methode, die ich für unangemessen halte. Ein guter Reitlehrer sollte schließlich feine Hilfen vermitteln. Wenn Pferde darauf nicht reagieren, liegt das nicht an ihrem Unwillen; vielmehr mangelt es oft an Ausbildung und Gymnastizierung. Dass die Gerte Wirkung zeigt und Paques meinem Schenkel weicht, ändert daran nichts. Denn der Wallach legt sich nach wie vor auf den Zügel und nutzt die Reiterhand als fünftes Bein, weil er keine Last mit der Hinterhand aufnimmt und sich nicht selbst trägt. Sonja Kirchner-Benz ist mit meiner Hüfte unzufrieden. „Mehr rollen und mit dem Gesäß schieben“, mahnt sie ein ums andere Mal. Dieses Kommando wird durchs Wiederholen nicht besser. Schieben führt dazu, dass der Reiter das Pferd in der Bewegung stört und es regelrecht ausbremst. Der Unterricht der Bereiterin am Testtag hat auch gute Aspekte, weil die Lektionen logisch aufgebaut sind und Sonja Kirchner-Benz jeden Reiter der Gruppe intensiv fordert. Dass sie während der Reitstunde ihr Baby abwechselnd auf dem Arm hält oder im Kinderwagen neben sich hat, könnte allerdings gefährlich werden – nicht nur für das Kind, sondern auch für die Reitschüler. Die Reitlehrerin erhält ein Hufeisen.

Wallach Paques legt sich auf den Zügel. Er hat Defizite in Sachen Durchlässigkeit und Rittigkeit. Wenn eine Reitschule Privatpferde einsetzt, sollten diese gut gymnastiziert sein. Im Zweifel muss der Reitlehrer Korrektur reiten. Der Schimmel bekommt eineinhalb Eisen.

Alle Pferde des Araberhofs Kirchner leben in sauber gemisteten Offenställen mit Zugängen zu Paddocks. Einige Tiere haben einen Einzelauslauf, andere stehen in Gruppen zusammen, wie etwa der 20-jährige Paques. Die Anlage ist schön, die Pferdehaltung vorbildlich. Allerdings gibt es auch beim Betrieb Kritik: Paques Hufeisen sind schräg abgelaufen, hier wäre dringend der Hufschmied gefragt. An der Trense des Wallachs fehlt die Schnalle des Kehlriemens; der Riemen wird mit einem Gummibändchen zusammengehalten. Es bleiben am Ende anderthalb Hufeisen für den Araberhof Kirchner.

Die 60-minütige Gruppenstunde mit drei Mitreitern hat 15 Euro gekostet. Das ist nicht teuer, doch Unterricht und Schulpferd könnten besser sein. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird mit anderthalb Hufeisen bewertet. Direkt nach meiner Unterrichtsstunde geht es mit der nächsten Gruppe weiter – diesmal ohne Baby an Bord.

Bewertung

Schulpferd: eineinhalb von drei Hufeisen
Reitlehrer: eins von drei Hufeisen
Reitbetrieb: eineinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: eineinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Araberhof Kirchner
79843 Löffingen
Tel. 07654-77290
www.araberhof-kirchner.de

Islandpferdegestüt Fjallaborg

Geplant war, dass Betriebsleiterin Claudia Odermatt die heutige Stunde auf dem Isländerhof Fjallaborg gibt. Stattdessen empfängt mich Jorinde Bühlmann und holt mit mir Isländer-Wallach Sindri von der Koppel.

Jorinde Bühlmann hat nach eigener Aussage in ihrem Heimatland Schweiz einen Kurs zur Unterrichts-Erteilung absolviert. Mein Unterricht findet heute im Roundpen statt. Während ich mit dem ehemaligen Turnierpferd der Betriebsleiterin im Schritt am langen Zügel losreite, läuft Bühlmann neben mir her. „Am Anfang machen wir immer eine kurze Entspannungseinheit“, sagt sie. „Atmen Sie durch den Bauch ein und aus, lassen Sie die Beine locker hängen, kreisen Sie mit den Schultern. Nur wenn der Reiter entspannt ist, geht auch das Pferd locker.“

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Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Südschwarzwald

Nach den Lockerungsübungen fasst die Reitlehrerin kurz die gängigen Hilfen zusammen, um sicherzustellen, dass wir uns auf demselben Level befinden: „Wir haben die Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen“, erklärt sie. „Wollen wir das Pferd aufmerksam machen, geben wir eine Parade, indem wir die innere Hand eindrehen, während der äußere Zügel in Anlehnung ist.“ Wir üben Schritt-Trab-Übergänge. Ich freue mich über den zuverlässigen und lieben Wallach. Sensibel reagiert er auf feine Hilfen und lässt sich auf der engen Fläche hervorragend stellen und biegen.

Offensichtlich ist auch die Reitlehrerin mit uns zufrieden – und wir dürfen uns an den Tölt wagen. Als Isländer-Reiterin zieht sie den bequemen Tölt dem Trab vor. Ich soll darauf achten, dass Sindri sich etwas stärker aufrichtet.

Der Wallach reagiert wie aus dem Lehrbuch und töltet eifrig an. Ab und zu schleichen sich jedoch ein paar Trab- und Galoppsprünge ein, weil ich nicht treibe. Danach geht es an die Galopparbeit. Bühlmanns Tipp: „Geben Sie die innere Hand deutlich vor, und lassen Sie das innere Bein zum Treiben schön lang.“ Auf der linken Hand klappt das soweit gut.

Nicht aber auf der rechten: Sindri fällt immer wieder in den lateralen Pass, den Bühlmann Schweinepass nennt. Dabei kommt mein Sitz völlig aus der Balance. Hier hätte ich mir mehr Nachdruck und Tipps von der Reitlehrerin gewünscht. Stattdessen ließ sie mich einfach noch einmal auf der besseren, linken Seite galoppieren, was die gleichmäßige Gymnastizierung des Wallachs nicht unbedingt fördert. Da der Unterricht aber ansonsten anschaulich, einfühlsam und mit interessanten theoretischen Einlagen versehen war, erhält die Schweizerin am Ende zwei Hufeisen.

Über dieselbe Bewertung darf sich auch der 17-jährige Sindri freuen. Sindri, dessen Name „der Funkensprüher“ bedeutet, ist gehfreudig und bis auf den Rechtsgalopp sehr durchlässig. Der Fünfgänger zeigt einen sehr schönen Tölt und einen angenehmen Galopp. Der Wallach ist sehr geduldig und liebenswürdig. Abzüge gibt‘s, weil er im Rechtsgalopp ausfiel und gelegentlich die Gänge vermischte.

Wir haben den Wallach am Beginn der Stunde von einer saftigen Koppel geholt, wo die Pferde im Sommer stundenweise grasen. Ist es sehr heiß, geht Sindris Gruppe zurück auf den großen Paddock mit direktem Zugang zum sauber gemisteten Offenstall. So sind die Pferde im Sommer vor der Sonne geschützt. Der Betrieb züchtet und bildet Verkaufspferde aus. Für das Training mit den Pferden steht sogar ein Wasserbassin zur Verfügung, in dem die Isländer schwimmen. Sindris Sattel und seine doppelt-gebrochene Trense sind in tadellosem Zustand, ebenso seine beschlagenen Hufe. Neben dem Rundplatz gibt es eine große Ovalbahn. Nur die fehlende Reithalle kostet den Betrieb ein halbes Eisen Abzug. Es verbleiben für die einwandfreie Pferdehaltung und den gepfegten Hof zweieinhalb Hufeisen.

Die lehrreiche halbe Einzelstunde hat 20 Euro gekostet, was angemessen ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird mit zwei Hufeisen bewertet. Eigentlich kostet eine 60-minütige Einzelstunde 30 Euro. Auch die Gruppenstunden dauern 60 Minuten. Neue Reiter haben zunächst einige Einzelstunden, bevor sie in Gruppen mit maximal zwei Mitreitern Unterricht nehmen können. Fortgeschrittene Reiter dürfen auch ins Gelände.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: zwei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zweieinhalb von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zwei von drei Hufeisen

Kontakt

Islandpferdegestüt Fjallaborg
79777 Ühlingen
Tel. 07743-929673
www.fjallaborg.de

Reitschule Heike Klein

Mit einer Lobeshymne über das zugeteilte Schulpferd Picobello werde ich von Heike Klein begrüßt. „Pico ist ein absolut feines Pferd. Er ist extrem durchlässig und bietet das von selbst an. Was er allerdings nicht mag, ist eine feste Reiterhand. Bei ihm muss viel über Schenkel und Gewicht laufen, die Zügelhilfen sollte man möglichst weglassen.“

Der Lewitzer war bis vor zwei Jahren noch Hengst. Er habe viel gedeckt und sei außerordentlich verrückt gewesen. „Jetzt ist er zwölf Jahre alt, und alle lieben ihn, weil er so leichtrittig ist“, sagt Klein.

Dieser Prolog flößt mir etwas Furcht ein. Ich spüre schon im Schritt, dass der Wallach Biss hat. Meine Hände sind zu fest. Das korrigiert Heike Klein hartnäckig. „Ihre Hände sind sehr ruhig, aber sie müssen lockerer werden.“ Ich solle konsequent annehmen und nachgeben. Und ruhig auch mal die Arme zur Seite öffnen, wie es beim Westernreiten üblich ist.

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Miriam Kreutzer
CAVALLO Reitschultest Südschwarzwald

Heike Klein unterrichtet die klassische Reitweise und Western. Den Trainer C hat sie aber nur fürs Westernreiten. Heike Klein versucht, die klassische Reitweise mit den Hilfen vom Westernreiten zu verknüpfen. Ihr Ziel: Auf sensibel ausgebildeten Pferden feines Reiten zu vermitteln. Beide Reitweisen könne man dabei gut kombinieren, sagt Klein. Wie recht sie hat.

Ich darf Picos Zügel trotzdem nicht wegschmeißen. Eine leichte Anlehnung braucht der Wallach. Fehlt diese, drängt er ins Bahninnere und reagiert nicht auf Paraden. Der Reiter müsse selbst locker sein, dann sei auch das Pferd locker, sagt Heike Klein. Sie greift an Picos Gebiss und demonstriert, wie sich das Pferd stellen soll. „Fürs Gymnastizieren ist es wichtig, dass das Pferd im Genick nachgibt.“ Ich versuche also, meine Hände vom Körper zu lösen und eine konstante Anlehnung zu bekommen. Im Galopp soll der Reiter den inneren Arm auch mal ganz forsch in die gewünschte Richtung strecken. Prompt gibt‘s einen Aha-Effekt. Pico galoppiert in die Richtung, in die ich abwenden will. „Merken Sie, da kommt was“, registriert Klein den Fortschritt Pico fällt es schwer, den Galopp rund zu Springen. Um die Balance nicht zu verlieren, macht der Wallach mehr Tempo. Auf Höhe der Trainerin neigt er dazu, in den Trab zurückzufallen, obwohl ich energisch mit der Wade treibe.

Picobello hat die Lobeshymnen seiner Besitzerin verdient. Aus dem „verrückten“ Hengst ist ein gutes, braves Schulpferd geworden. Die knatternden Traktoren, die am Testtag Heuballen neben dem kleinen Reitplatz abladen, ignoriert er stoisch, ist aber dennoch die ganze Zeit aufmerksam und ansprechbar. Der Wallach ist ein hervorragendes Lehrpferd für fortgeschrittene Reiter. Er hat nur leichte Defizite im Galopp. Der Lewitzer erhält zwei Hufeisen für seine gute Leistung. „Rede ich zu viel?“, fragt Heike Klein gegen Unterrichtsende. Diese Frage kann ich aus vollem Herzen verneinen. Denn alles, was die Reitlehrerin in ihrer angenehm ruhigen, sicheren Art vermittelte, ist lehrreich und interessant. So darf sie sich für den individuellen, konstruktiven Unterricht über die vollen drei Hufeisen freuen.

Ihre kleine Anlage ist kein Luxusbetrieb, aber die Pferde leben unter den besten Bedingungen: Riesige Koppeln rund um den Stall stehen als Auslauffläche zur Verfügung, so dass die Pferde im Sommer Tag und Nacht draußen verbringen. Der kleine, aber helle und gepflegte Stall ist nur die Winterunterkunft. Picos Hufe sind unbeschlagen und sauber ausgeschnitten. Sein klassischer Sattel sowie der Westernsattel, den er sich mit einem anderen Schulpferd teilt, sind in gutem Zustand. Die Bedingungen für die Reiter sind dagegen noch nicht optimal. Heike Klein träumt von einem größeren Reitplatz. Der Unterricht „findet zurzeit auf dem rund 12 x 17 Meter großen Außenreitplatz statt. Ordentlicher Gruppenunterricht mit bis zu drei Reitern ist auf einer so kleinen Fläche schwierig. Die fehlende Halle kostet ebenfalls ein halbes Eisen Abzug. Der Betrieb erhält am Ende insgesamt zwei Hufeisen.

Für 60 Minuten intensiven Einzel-Unterricht, der normalerweise in der Gruppe stattfindet, habe ich 20 Euro bezahlt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis verdient zweieinhalb Hufeisen.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: zwei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: zweieinhalb von drei Hufeisen

Kontakt

Heike Klein
79677 Schönenberg
Tel. 0173-2939927

Zentrum für pferdegerechtes Reiten

"Durch krampfhaftes Treiben wird das Pferd eingeengt und kann nicht frei gehen“, doziert Reitlehrerin Miryam Husain. Die Norweger-Stute Tine hält dafür gerade als Paradebeispiel her: Mit meinen Hilfen kommt sie nicht vom Fleck. Ich habe heute eine Sitzschulung im Zentrum für pferdegerechtes Reiten vereinbart. Miryam Husain arbeitet eng mit Klassik-Ausbilder Dieter Mader zusammen, der Schüler von Marc de Broissia ist.

Es dauert nicht lange, bis das Problem gelöst ist. Ich soll meine Beine locker am Pferd lassen. Nur die Unterschenkel liegen mit leichtem Druck an, die Fußgelenke sind ebenfalls locker. Die Trainerin lässt mich ohne Steigbügel reiten und rät: „Sitzen Sie im Sattel wie John Wayne, und drehen Sie die Beine aus der Hüfte heraus leicht aus.“ In meinem Körper macht es klick. Schulpferd Tine geht flott vorwärts, meine Hüften gehen im Rhythmus des Pferds mit, die Beine sind locker. Die Hände soll ich leicht auf der Sattel-Galerie auf-legen, damit ich mehr mit den Ellbogen arbeite. Schnell werden die Hände ruhiger und Tine flotter. Die Stute ist links hohl und rechts steif.

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Miriam Kreutzer
Norweger-Stute Tine.

Deshalb soll ich viele Rechtswendungen reiten, um die verkürzte, linke Seite zu dehnen. „Drehen Sie den Körper in die Richtung, in die Sie wollen. Der Reiter sollte sich nicht wie ein Motorradfahrer in die Kurve legen“, mahnt Husain. Mit der inneren Hand gebe ich Paraden. „Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Stempel aufs Papier drücken“, veranschaulicht die Reitlehrerin.

Selten hatte ich eine Stunde mit so vielen Aha-Erlebnissen. Die Reitlehrerin ist in der Lage, festgefahrene Fehler in einer Unterrichtsstunde zu erkennen und an der Wurzel zu packen. Miryam Husain verdient volle drei Hufeisen.

Auch Tine hat ihre Sache gut gemacht. Die 16-jährige Stute ist ein gutes Lehrpferd mit einer Einschränkung: ihre Händigkeit. Zwei Mal hat sie den Richtungswechsel von ihrer Schokoladenseite auf die weniger beliebte Seite verweigert. Das kostet die ansonsten willige Stute ein Eisen Abzug. Es bleiben ihr zwei Hufeisen.

Miryam Husain ist Pächterin und Betriebsleiterin des Schächtele-Hofs. Derzeit hat sie drei Schulpferde im Unterricht, im Herbst sollen es fünf sein. Sie gibt keine Gruppenstunden. Alle Pferde gehen nach Möglichkeit nur einmal am Tag im Unterricht. Tagsüber sind die Pferde auf den Paddocks und stundenweise auf der Weide. Nachts kommen sie in die Box. Eine 20 x 40 Meter große Reithalle ist ebenso vorhanden wie ein 20 x 30 Meter großer Außenreitplatz. Am Testtag trägt Tine tadelloses Sattel- und Zaumzeug. Der Betrieb punktet mit drei Hufeisen.

Für die intensive, individuelle Stunde mit vielen Erkenntnissen habe ich 35 Euro bezahlt. Der 60-minütige Unterricht war jeden Euro wert. Bestnote fürs Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bewertung

Schulpferd: zwei von drei Hufeisen
Reitlehrer: drei von drei Hufeisen
Reitbetrieb: drei von drei Hufeisen
Preis-Leistung: drei von drei Hufeisen

Kontakt

Zentrum für pferdegerechtes Reiten
79232 March
Tel. 07665-9342837
www.miryamhusain.de

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12 / 2022

Erscheinungsdatum 23.11.2022

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