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Was steckt drin: Lecksteine für Pferde im Test

Sind Himalaya-Steine gesünder für Pferde?

Himalaya-Steine sollen gesünder sein als normale Salzlecksteine. Deshalb sind sie ziemlich teuer. Aber unterscheiden sie sich wirklich von gängigen Lecksteinen? CAVALLO schickte ein paar der Hochgebirgs-Brocken ins Labor.

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Die naturgewachsenen Himalaya-Steine sind sehr hart. Eine Probe zu nehmen, ist daher schwierig.

Mal Lampe, mal Leckstein: Die rosigen Klumpen aus dem Himalaya sollen Mensch und Tier beleben, doch manchmal kommen Zweifel. Etwa bei dem Wallach Ampère, der aus zunächst ungeklärten Gründen starb. Die Stallgemeinschaft aus der Nähe von München vermutete, dass sich das Pferd durch seinen Himalaya-Leckstein mit Kupfer vergiftet hatte und verbannte kurzerhand alle Himalaya-Salzsteine aus den Boxen.

Laut behandelndem Tierarzt litt Ampère jedoch an einer – bislang auch bei Menschen unerforschten – Kupferspeicherkrankheit, an Lecksucht und starb an den Folgen einer Herzmuskelentzündung. Das heißt: Er wäre auch mit einem normalen Salzstein gestorben. Warum, erklärt Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Universität München: „Pferde, die an Herz oder Niere erkrankt sind, reagieren bei exzessiver Salzaufnahme allein auf das Kochsalz kritisch.“

Die Entscheidung der Münchner Stallgemeinschaft gegen die Himalaya-Steine begrüßt Dr. Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung der Universität Leipzig dennoch – aber aus ganz anderen Gründen. „Himalaya-Steine lehne ich grundsätzlich ab. Es kann nicht sein, dass Salz mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht werden muss. Ein normaler Salzleckstein reicht vollkommen aus und ist außerdem günstiger.“

Mehr Schein als Sein

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Kleine Brocken der Steine genügen, um im Labor herauszufinden, woran Pferde wirklich lecken.

Die Preise für Pferdesalz sind nicht ganz so hoch, liegen aber immer noch deutlich über denen für hiesiges Salz. Irreführend ist der Name „Himalaya-Salz“: Die teuren Steine stammen nicht aus dem Hochgebirge, sondern aus den Lagerstätten der Salt Ranges in Pakistan. Dort werden sie landesweit auf Märkten angeboten.

Alle Wissenschaftler sind sich laut Stiftung Warentest einig, dass mit Himalaya-Salz Verbrauchern viel vorgetäuscht wird – etwa, dass das Salz 84 Elemente habe. Das ist nachweislich falsch. Die paar vorhandenen Spurenelemente sind so minimal, dass für Menschen laut Stiftung Warentest „der sehr geringe Gehalt an natürlichen Spurenelementen ernährungsphysiologisch nicht relevant“ sei. Weder die „höhere Struktur“ noch die „energetische Stärkung“ durch Himalaya-Salz wurde je nachgewiesen.

Es gilt die schlichte Regel: Salz ist Salz. Himalaya-Salz besteht genau wie Kochsalz zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid. „Besondere Wirkungen auf den Körper durch Verzehr von Kristallsalz aus dem Himalaya-Salz sind wissenschaftlich nicht belegt“, sagt Dr. Helmut Oberritter, wissenschaftlicher Leiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Cavallo macht den Test

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Im steinernen Mini-Mörser zermahlt Dr. Anja Müller die Salzleckstein-Brocken zu feinem Pulver.

Um die Inhaltsstoffe zu bestimmen, zerschlug Dr. Müller die Steine mit einem Hammer. Während sich die beiden normalen Salzlecksteine ohne großen Kraftaufwand zerkleinern ließen, brauchte Müller für die natürlich gewachsenen Himalaya-Kristalle wesentlich mehr Schmackes. Anschließend kratzte sie aus dem Inneren Proben und zermahlte sie im Mörser.

„Zur Absicherung mache ich eine Dreifach-Analyse. Schließlich können wir jeweils nur ­einen Teil des Steins unter­suchen“, sagt Anja Müller. „So haben wir von einem Produkt drei Werte zum Vergleich.“ Nachdem die Proben gewogen, mit Säure aufgekocht und verdünnt waren, wurden sie mit Hilfe eines Atom-Emissions-Spektrometers und eines Massenspektrometers im Labor auf ihren Gehalt an Mineralstoffen untersucht. Insgesamt 20 Elemente fanden die Messgeräte; von ihnen können aber einige aufgrund ihres geringen Gehalts vernachlässigt werden.

Auffällig war, wie sehr sich die einzelnen Steine in ihrer ­Zusammensetzung unterschieden – alle Untersuchungsergebnisse finden Sie im Internet unter www.cavallo.de/salzlecksteine. Während manche Steine Molybdän enthalten, messen die Geräte in anderen gar nichts. Auch die Werte von Mangan, Barium oder Blei unterscheiden sich. Das liegt daran, dass Himalaya-Salzlecksteine gewachsene Kristalle sind und daher nicht ­immer exakt die gleiche Zusammensetzung haben.

So können manche Steine dicke, graugrüne Einschlussadern besitzen, ein Hinweis auf Kupfersalze. Solche Einschlüsse waren in den vier Teststeinen nicht zu erkennen. „Wenn es sich dabei um Kupfersulfat, ein blaues Salz, handelt, glaube ich nicht, dass Pferde ­daran lecken. Es schmeckt sehr unangenehm“, sagt Professor Ellen Kienzle, die zusammen mit Dr. Ingrid Vervuert für ­CAVALLO die Werte der Leckstein-Analyse einschätzte. Vervuert meint: „Die Kupferwerte sind so niedrig, dass ich sagen kann: Die Steine sind in Bezug auf eine Überversorgung mit Kupfer unproblematisch.“

Die Himalaya-Steine sind als Mineralien-Lieferant sogar nutzlos. „Die Kupferwerte der getesteten Steine liegen alle zwischen 0,2 und 0,4 Milligramm pro Kilo Salzleckstein. Das reicht noch nicht einmal für eine adäquate Versorgung“, so Ingrid Vervuert. Der Kupfer-Bedarf eines Pferds liegt bei acht bis zehn Milligramm pro Kilo Futter-Trockenmasse.

Pferde kennen ihren Salzbedarf nicht

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Dr. Müller versetzt das abgewogene Steinpulver mit Säure und kocht es über dem Wasserbad.

„Aber auch andere Natriumverbindungen wie etwa Natriumsulfat sind legitim.“ Die restlichen Mineralien sollten die Pferde kontrolliert über ein Mineralfutter bekommen. Für eine optimale Salzversorgung empfiehlt Ingrid Vervuert Sportpferden Viehsalz, das über das Futter gestreut wird. „Diese Tiere, die viel leisten und im Sommer bis zu 10 Liter Schweiß verlieren, brauchen etwa 80 bis 100 Gramm Salz am Tag. Das decken Pferde nicht über einen Leckstein ab“, sagt die Ernährungsexpertin.

Ein Indiz dafür: Der Stein müsste sonst häufiger gewechselt werden. Oft verstaubt der aber unberührt in der Pferdebox. Der Grund dafür ist schlicht: Pferde wissen nicht instinktiv, wie viel Salz sie brauchen. „Ein Pferd leckt nicht nach Bedarf am Stein“, sagt Ingrid Vervuert. Wer sichergehen will, dass sein Pferd ausreichend Salz bekommt, kann auch normales Speisesalz übers Futter streuen. „Fangen Sie mit 10 Gramm morgens und 10 Gramm abends an“, empfiehlt Vervuert. Salz im Futter schmeckt nicht jedem Pferd. „Versüßen Sie es Ihrem Pferd daher mit Apfelmus oder Melasse.“ Sie erinnert daran, dass Pferde bei einer Salzfütterung unbedingt Wasser zur freien Verfügung brauchen: „Können die Pferde nicht trinken, kommt es zu Wasserverschiebungen aus den Zellen.“ Salz wirkt stark säuernd und kann Magengeschwüre verschlimmern. „Achten Sie daher bitte darauf, wirklich nur geringe Mengen dazu zu füttern“, sagt Ellen Kienzle.

Geben Sie zusätzlich Salz, sollte es kein Jod enthalten – wie etwa Meersalz. Je mehr Jod ein Pferd über einen Leckstein aufnimmt, desto mehr Salz braucht es, um den Natriumchloridbedarf zu decken. Damit steigt wiederum die Jodaufnahme – was bei ungeborenen Fohlen zum Kropf führen kann. Ellen Kienzle rät wie Vervuert zu hiesigen Salzlecksteinen: „Leckt das Pferd zu viel, kommt der Stein weg und das Salz wird übers Futter gestreut. So habe ich die Salzaufnahme besser im Blick.“

Aus Pakistans Lagerstätten muss der Stein also nicht stammen, denn er enthält weder gesünderes noch besseres Salz. Er birgt auch nicht mehr oder bessere Elemente als die herkömmlichen und wesentlich günstigeren weißen Salzlecksteine. Schonen Sie also Ihren Geldbeutel – ein gängiger Salzleckstein reicht völlig.

Die sechs Testkandidaten

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cavallo

Forschung

Dr. Ingrid Vervuert, Tierernährungsexpertin von der Universität Leipzig, vermutet daher, dass dem Stein Mineralstoffe zugesetzt wurden. Gerade der Aluminium-Wert von rund 204 Milligramm (mg) pro Kilo (kg) ist für sie auffällig, ebenso der Nickel-Gehalt. „Über den Aluminium-Bedarf von Pferden weiß man wenig. Auch im Futtermittelgesetz findet man dazu keine Angaben.

Die Toleranz beim Pferd beträgt 200 Milligramm pro Kilo Trockensubstanz. Da ist der Wert des Steins schon recht hoch“, so die Expertin. Auch die Werte von Schwefel, Blei und Strontium – bei dem es sich nicht um das radioaktive Isotop handelt – sind höher als bei den anderen Testprodukten, jedoch alle unter der jeweiligen Höchstgrenze des Futtermittelgesetzes. Es legt fest, dass Mineralfutter bis zu 15 mg Blei pro Kilo Futter-Trockenmasse enthalten darf, Heu sogar 30 mg pro Kilo. Auch der Arsengehalt ist mit 12 mg/kg noch nicht bedenklich. Der höhere Eisenwert bei Josera und EST kann durch die entnommene Probe entstanden sein, die kleine rote oder graue Einschlüsse umfasste. Daher gibt es Entwarnung auf ganzer Linie: Trotz der zunächst seltsam hoch scheinenden Mineralstoffgehalte sind alle getesteten Steine harmlos.

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