CAV 0610 Aufstiegshilfen_05 (jpg) Lisa Rädlein

CAVALLO-Check: Fünf Aufstieghilfen im Test Voll auf der Höhe

CAVALLO kletterte mit fünf modernen Aufsteighilfen aufs Ross und stellte fest: Per Treppchen in den Sattel ist rückenfreundlich, bequem und erzieht das Pferd.

Was ist eine Aufstiegshilfe?

Früher verpönt, heute geschätzt: Aufstiegshilfen helfen Reitern in den Sattel und schonen zugleich den Pferderücken. Die Treppenbauten gibt es mit einer unterschiedlichen Anzahl an Stufen. Mal sind sie schwerer, mal leichter, manchmal zusammenklappbar manchmal nicht.

Warum sollte man eine Aufstiegshilfe benutzen?

Beim Aufsteigen vom Boden schlägt die Physik unbarmherzig zu: Mit Hilfe von Hebelkräften hievt sich der Mensch mehr oder weniger schwerfällig in den Sattel und bringt damit das Pferd aus dem Gleichgewicht. Bei einem Wiege-Experiment zeigte CAVALLO im September 2004 zum ersten Mal, welche Kräfte Pferde beim Aufsteigen vom Boden aushalten müssen – und zwar einseitig, was sie aus der Balance bringt und ihre Rückenwirbel verdreht.

Das passiert, weil der am Pferd hängende Reiter nicht nur sein, sondern zusätzlich auch das Gewicht des Pferds auf die Aufstiegseite bringt: Steigt ein 90 Kilogramm schwerer Reiter auf einen 475-Kilo-Haflinger, müssen die linken Beine des Haflingers abrupt 479 Kilo tragen, wärend auf den rechten nur noch 56 Kilo lasten – ein schlechter Start für harmonische Ritte.

Entscheidend beim Aufsteigen ist auch, wie weit der Reiter vom Pferd entfernt steht. Je größer der Abstand zum Pferd und damit die Hebelwirkung, desto stärker wird die Belastung fürs Tier. Das ist fatal, denn wer vom Boden aus dicht am Pferd aufsteigen will, muss kraftvoll und geschmeidig sein. Für steife Menschen ist es bequemer, mit etwas Abstand aufzusteigen, weil sie dann ihre Beine nicht so stark anheben und beugen müssen.

Beim Hochziehen dreht der Reiter außerdem den Sattel um den Schwerpunkt. Drehmomente entstehen, die den Pferdekörper nach links ziehen. Um das ganze Elend zu vermeiden und Pferd und Mensch zu schonen, ist eine Aufsteighilfe Pflicht. Der Handel bietet inzwischen diverse Modelle, die vom kleinen Tritt bis zur veritablen Treppe reichen.

Welche Eigenschaften sollte eine Aufstiegshilfe besitzen?

Der erste wichtige Punkt ist die Standfestigkeit der Reiter auf den Tritten. Eine Aufsteighilfe sollte ohne Wackeln stehen, egal ob auf dem Außenplatz oder in der Halle. Und die Aufstiegshilfe sollte einfach und komfortabel zu tragen sein.

Wo kann man Aufstiegshilfen für Pferde kaufen?

Aufstiegshilfen für Pferde finden Sie im Fachhandel oder online zum Beispiel bei Hofmeister Pferdesport, Krämer, Loesdau und weiteren Anbietern. Auch bei Amazon können Sie verschiedene Aufstiegshilfen bestellen, hochwertige Modelle aus Kunststoff finden Sie dort zum Beispiel von Nedlandic Quality. Auch klappbare Modelle wie von QHP gibt es bei Amazon.

Aufstiegshilfen im Test

CAVALLO testete fünf Aufstieghilfen-Modelle unter­schiedlicher Preisklassen: Die klappbare Aufsteighilfe "Mounting Aid" von Krämer Pferdesport (rund 20 Euro), eine schwarze Aufsteighilfe von Loesdau mit zwei Stufen (rund 80 Euro) sowie drei ­verschiedene Modelle von Hofmeister ­Pferdesport (65, 95 und 130 Euro).

Der zwei- und dreistufige Horseblock von Hofmeister ist mit rutschfesten Streifen beklebt, die auch bei Nässe sicheren Halt boten. Beim Krämer-Modell ist die obere Trittfläche stark angeraut. Auch sie sorgt für sehr guten Grip unter den Stiefeln. Der einzige Haken dieses Modells ist die Festigkeit der ersten Stufe, die ab etwa 60 Kilogramm nachgibt – im Gegensatz zur äußerst stabilen oberen Trittfläche.

Auch der schwarze Tritt von Loesdau mit seiner Längsriffelung bietet guten Halt. Weniger wohl fühlten sich die Tester auf der grünen Treppe, die unter Gewicht leicht nachgab. Das Material bot trotz profilierter Oberfläche weniger Grip, vor allem nicht mit Sand an den Sohlen.

Fast alle Auftiegshilfen standen ohne wackeln, egal ob auf dem Außenplatz oder in der Halle. Steht man sehr dicht am Rand, kann lediglich das schwarze Modell von Krämer kippen.

Am leichtesten war mit rund vier Kilo das klappbare Modell von Krämer, gefolgt vom grünen Tritt mit knapp fünf Kilo. Am schwersten war die rote Treppe (15 Kilo), die sich als transportable Aufsteighilfe daher nicht anbietet.

Wie hoch sollte eine Aufstiegshilfe sein?

Welche Höhe Sie wählen, hängt auch von der Größe Ihres Pferds ab: Für ein 1,85 Meter großes Warmblut war die rote Treppe mit einer Höhe von 62 Zentimetern wunderbar bequem; für Ponys mit einem Stockmaß um 1,40 Meter ist sie etwas überdimensioniert. Hier sind die zweistufigen Modelle mit einer Höhe von etwa 38 Zentimetern tauglicher.

Noch etwas ist zu bedenken: Die dreistufige Treppe entfernt Sie weit von Ihrem Pferd, so dass Sie es kaum am Zügel halten können. Es sollte daher so gut erzogen sein, dass es gelassen freisteht.

Muss man ein Pferd an die Aufstieghilfe gewöhnen?

Für jede Aufstieghilfe gilt: erst üben, dann aufsitzen! Damit Sie Aufstiegshilfen sicher nutzen können, muss Ihr Pferd beim Aufsitzen ruhig stehen. Sonst kann es darauftreten oder das Treppchen kippen.

So gewöhnen Sie Ihr Pferd an die Aufstiegshilfe: Bevor Sie Ihr Pferd an die Aufstieghilfe holen, darf es sie untersuchen und kennenlernen. Stellen Sie Ihre Aufstieghilfe in die Mitte der Bahn, so dass drum herum genug Platz ist, falls das Pferd doch mal zur Seite hüpft. Dann schicken Sie es am langen Seil Richtung Hocker und fokussieren diesen selbst. Möchte das Pferd daran schnuppern, lassen Sie das unbedingt zu. Hat Ihr Pferd eher Angst, lassen Sie ihm Zeit, sich damit zu beschäftigen. Sobald Pferde Dinge mit der Nase berühren und dabei feststellen, dass etwas nicht gefährlich ist, fassen sie normalerweise schnell Vertrauen. Eher selbstbewusste Kandidaten beginnen recht schnell, Dinge mit den Vorderbeinen weiter zu untersuchen. Dann sollten Sie Ihr Pferd wieder rückwärts oder weiter schicken. Schnuppern ist erlaubt, drauftreten nicht. Akzeptiert Ihr Pferd den Hocker und hat keine Angst davor, können Sie zum nächsten Trainingsschritt übergehen.

Im nächsten Schritt geht es darum, dass Ihr Pferd die Aufstieghilfe an seiner Seite akzeptiert. Dazu sollte es bereits ruhig und entspannt auf dem Reitplatz stehen können. Sobald Ihr Pferd ruhig in der Mitte der Bahn steht, stellen Sie den Hocker an die Stelle, an der Sie ihn später zum Aufsteigen brauchen. Wichtig: Üben Sie unbedingt von beiden Seiten. Pferde können nicht so gut von links auf rechts schließen, weil ihre Gehirnhälften sich nur schlecht und langsam austauschen. Daher müssen sie alles von beiden Seiten lernen. Das fördert auch die Balance und Geraderichtung.Hat Ihr Pferd noch Mühe damit, an der Aufstieghilfe ruhig zu stehen und wird nach kurzer Zeit nervös, verlangen Sie nur kurze Momente (Sekunden) und lassen Ihr Pferd als Belohnung wieder antreten. Lassen Sie es nach und nach länger stehen, bis Ihr Pferd sich dabei entspannt.

Wie benutzt man eine Aufstieghilfe für Pferde richtig?

Viele Reiter laufen ihrem Pferd mit dem Hocker hinterher. Und immer dann, wenn der Reiter draufsteigt, dreht es sich mit der Hinterhand weg. Dabei ist es doch viel einfacher, das Pferd zu sich zu holen. Das ist für den Reiter bequemer und festigt seine Führungsposition. Bevor Sie direkt am Pferd auf die Aufstieghilfe steigen, sollten Sie dies mit etwas Abstand zum Pferd üben und einfach mal hoch und runter steigen – das Pferd darf Sie dabei beobachten. Dann geht es ans eigentliche Einparken. Stellen Sie sich dazu auf den Hocker und holen Sie die Kruppe jetzt Schritt für Schritt zu sich. Setzen Sie die Hilfen aus, sollte Ihr Pferd sofort stehenbleiben. Denn lässt sich nicht jeder Schritt kontrollieren, besteht die Gefahr, dass Ihr Pferd Sie samt Hocker umrempelt. Steht das Pferd perfekt, machen Sie eine Pause und streicheln es. Falls es mit der Vorhand zu weit weg steht, können Sie es am Halfter zu sich holen. Anfangs dauert es etwas, bis das Pferd die Übung verstanden hat. Lassen Sie ihm viel Zeit zum Denken.

Funktioniert das gut, geht es ans Aufsitzen. Jetzt geht es darum, das Pferd schrittweise daran zu gewöhnen, dass es nichts zu bedeuten hat, wenn Sie es beim Aufsitzen mit dem Schenkel berühren.Bedenken Sie dabei auch, dass Sie beim Aufsitzen in das Sichtfeld des gegenüberliegenden Auges kommen. Klopfen Sie Ihr Pferd vorsichtig ab, erst an der Schulter, dann an der Kruppe,dann auf dem Sattel. Bleiben Sie dabei ganz entspannt und signalisieren Sie Ihrem Pferd, dass es nichts zu tun braucht. Dann stellen Sie Ihren Fuß in den Bügel und streicheln und klopfen Ihr Pferd weiter ab.Bleibt Ihr Pferd dabei gelassen, können Sie Gewicht in den Bügel bringen. Achten Sie darauf, immer das Verhalten zu bestätigen, das Sie sich wünschen. Fällt es Ihrem Pferd schwer, lange ruhig zu stehen, warten Sie nicht, bis es nervös wird. Lösen Sie die Übung vorher auf und führen Sie es wieder an. Üben Sie von beiden Seiten, bis das Pferd so entspannt steht, dass Sie von links und rechts aufsitzen können.

Wie teuer sind Pferdeaufstiegshilfen?

Aufstiegshilfen gibt es bereits unter 20 Euro und können bis zu knapp 200 Euro kosten. Der Preis ist abhängig von Ausführung und Material, höhere Aufstieghilfen sind meist teurer als niedrigere.

Diese Aufstiegshilfen hat CAVALLO getestet

Hier sind die Test-Kandidaten: 5 moderne Aufstieghilfen, die im Pferdesportfachhandel zu bekommen sind. CAVALLO hat die Modelle auf ihre Standfestigkeit und die leichte Handhabung getestet. Hier lesen Sie unsere Beurteilung aus dem Praxis-Test.

Horseblock – Griffe an der Seite

Mit rund zehn Kilogramm ist der zweistufige Horseblock von Hofmeister recht schwer, seitliche Handgriffe erleichtern den Transport, der zu zweit noch leichter geht. Auf einer Höhe von rund 45 Zentimetern steht der Reiter auf diesem Modell für rund 95 Euro bequem am Pferd.

MasterJump-Kollektion – Anti-Rutsch-Streifen

CAV 0610 Aufstiegshilfen_03 (jpg)
Lisa Rädlein
CAVALLO Aufstieghilfe

Durch die schwarzen schleifpapierähnlichen Streifen auf der Trittfläche sind die Aufsteighilfen der MasterJump-Kollektion von Hofmeister Pferdesport sehr rutschfest. Selbst bei feinem Sand oder Regen bieten sie guten Halt (etwa 130 Euro).

Anti Rutsch Aufstiegshilfe bei Amazon bestellen

Hofmeister – Standfest durch Rand

CAV 0610 Aufstiegshilfen_04 (jpg)
Lisa Rädlein
CAVALLO Aufstieghilfe

Die grüne Aufsteighilfe von Hofmeister steht durch ihren Rand stabil und ist kaum zu kippen. Da sie nicht massiv ist, lässt sie sich ohne Kraftaufwand heben und leicht an jede beliebige Stelle verrücken
(65 Euro).

Aufstiegshilfe bei Amazon bestellen

Loesdau – Leichtgewicht

CAV 0610 Aufstiegshilfen_01 (jpg)
Lisa Rädlein
CAVALLO Aufstieghilfe

Die Aufsteighilfe von Loesdau wiegt nur fünf Kilo, lässt sich leicht greifen und gut transportieren. Durch die offene Rückwand kann sie aber kippen.

Leichte Aufstiegshilfe bei Amazon kaufen

Mounting Aid – Aufstieg zum Mitnehmen

CAV 0610 Aufstiegshilfen_05 (jpg)
Lisa Rädlein
CAVALLO Aufstieghilfe

Mit wenigen Handgriffen ist die leichte, 38 Zentimeter hohe Aufsteighilfe "Mounting Aid" zusammengeklappt, im Hänger oder Spind verstaut oder an die passende Stelle getragen.

Tritthocker bei Amazon bestellen

Zur Startseite
Test & Service Rund ums Pferd cav-201810-outdoordecken-test-lir4937-mit-TEASER-v-amendo (jpg) Outdoor-Decken im Test Was halten diese Outdoor-Decken aus?

Reißfest, wasserdicht und atmungsaktiv müssen Outdoordecken sein. Wir...

Mehr zum Thema Sicherheit
CAV 12_2010 Test Regendecken_LIR3184 (jpg)
Rund ums Pferd
CAV Pferd Hufe Winter Aufmacher
Rund ums Pferd
CAV Gelände Tipps 1
Reiten
CAV Desktopfotos
Reiterwelt
Mehr anzeigen