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Praxis-Test: Bei welchem Tempo kippt ein Pferdehänger?

Wenn Pferdeanhänger schlingern

Der Albtraum aller Pferdebesitzer: Ihr voll beladener Pferdeanhänger kommt ins Schlingern. Wie gefährlich ist so eine Situation wirklich? Und was kann man dagegen tun? CAVALLO machte den Praxis-Test.

Manchmal reicht schon eine Windböe aus, damit ein Pferdeanhänger ins Schlingern gerät. Oder eine plötzliche Lenkbewegung, um den Trailer samt Pferden zum Kippen zu bringen. Manchmal passiert aber auch gar nichts. Woran liegt das? An der Konstruktion des Anhängers? Am Können des Fahrers?

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CAVALLO wollte wissen, wie fahrstabil Pferdeanhänger sind und machte auf einer Teststrecke bei Stuttgart die Probe aufs Exempel. Dafür stand ein moderner Vollpoly-Anhänger für zwei Pferde zur Verfügung. Ein Mercedes GLK diente als Zugfahrzeug. Am Steuer: Thiemo Fleck. Der 44-Jährige ist Fahrdynamikexperte und Testredakteur der Zeitschriften promobil und Caravaning. Er ist mit Extremversuchen mit Gespannen bestens vertraut. Sein Job: Mit dem Trailer im Schlepp ein Ausweichmanöver fahren.

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Kuppelhilfen-Test: Lifty, Docking Friend und APS im Detail

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Foto-Kurs: Pferde verladen in 6 Schritten

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Hänger-Check: Prüfen Sie morsche Hängerböden

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Testhänger kippt bei Tempo 40

Wie kann man testen, bei welcher Geschwindigkeit ein Gespann schlingert oder gar kippt? Vorbild ist der vom Verband der Automobilindustrie (VDA) entwickelte doppelte Spurwechseltest: Das Gespann soll in einer Pylonengasse erst drei Meter nach links ausweichen und danach wieder nach rechts auf die ursprüngliche Spur zurückwechseln. Die Testfahrt soll mehrfach bei steigender Geschwindigkeit wiederholt werden.

Um das Fahrverhalten möglichst realistisch zu simulieren, müssten eigentlich zwei Pferde mitfahren. Um keine Tiere zu gefährden, ersetzen sie zwei bewegliche, mit je 500 Kilo eher leichtgewichtige Pferdedummys. Ihr Schwerpunkt entspricht mit etwa 1,20 Meter Höhe dem eines durchschnittlichen Warmblutpferds. Eine Kamera im Inneren zeichnet das Verhalten der Dummys im Anhänger auf.

Beim ersten Testdurchlauf mit 35 Kilometer pro Stunde lässt sich das Gespann von kundiger Hand noch einfach und unspektakulär um die Pylonen zirkeln, doch schon beim zweiten Anlauf mit nun 40 km/h sieht die Sache anders aus: Zwar gelingt der erste Spurwechsel, doch beim Wiedereinscheren auf die Ausgangsspur fliegen die Pylonen, der Anhänger hebt schlagartig mit den Rädern einer Seite ab, Sekunden später liegt er auf der Seite. Nur eine geistesgegenwärtige Reaktion des Testfahrers bewahrt dabei das teure Zugfahrzeug vor Schäden.

Äußerlich erscheint der solide Transporter unversehrt. Die Anhängerklappe hat gehalten. Doch im Innern herrscht Chaos: Die Pferdedummys liegen übereinander und haben die Kamera unter sich begraben. Die Trennwand ist aus ihrer Verankerung gerissen. Echte Pferde hätten einen solchen Unfall kaum unbeschadet überstanden. Auch der Anhänger ist stark mitgenommen: Die linke Außenseite ist abgeschliffen, der Rahmen, auf dem die gesamte Konstruktion ruht, ist völlig verzogen.

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Mitgeschleift: Der umgestürzte Trailer rutscht hinter dem Zugfahrzeug auf dem Asphalt her. Die Anhängerklappe öffnet sich aber nicht, die stabile Vollpoly-Konstruktion hält.
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Sichere Fahrt durch korrektes Beladen

Dass der Pferdeanhänger bei dem Ausweichmanöver kippt, kommt nicht ganz unerwartet. „Damit muss man bei dieser Art von Trailer rechnen. Das ist kein Problem eines einzelnen Herstellers, sondern kann bei jedem anderen Pferdeanhänger auch genauso passieren“, schränkt Testfahrer Thiemo Fleck ein.

Grund ist die Beladung von Pferdeanhängern. „Solche Trailer sind für ihre Breite recht hoch und haben durch die beiden Pferde auch einen hohen und zudem beweglichen Schwerpunkt. Werden die Tiere durch eine möglichst stabile Trennwand nicht zusätzlich eng und sicher gehalten, verstärkt sich diese Tendenz noch.“

Beeindruckt ist der langjährige Fahrzeugtester* von einem anderen Umstand: „Durch die plötzliche Schwerpunktverschiebung der kippenden Pferde fällt der Anhängers aus einer unspektakulären Fahrsituation heraus völlig überraschend und unvorhersehbar auf die Seite.“ Auch die Geschwindigkeit war im Versuch erstaunlich gering: „Als der Anhänger sich auf die Seite legte, zeigte die Tachonadel nur etwas mehr als 40 km/h an“, so Fleck. „Das ist alles andere als schnell und wird von unerfahrenen Anhängerpiloten kaum als gefährlich eingeschätzt.“

Das Kippen selbst bei dieser geringen Geschwindigkeit führt Thiemo Fleck auf mehrere Faktoren zurück. „Neben dem hohen Schwerpunkt des Trailers spielt auch die Masse der Pferde darin eine entscheidende Rolle, und die wird im Zweifelsfall deutlich höher liegen als die Masse des Anhängers.“

Die Schwerpunkthöhe eines Pferds ist nicht zu ändern, wohl aber eine plötzliche Schwerpunktverschiebung. Im schlimmsten Fall kippt bei einem plötzlichen Lenkmanöver ein Pferd zum anderen hinüber, und beide lehnen sich an die Außenwand.

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Wachsam unterwegs: Auch auf gerader Strecke muss der Fahrer auf die kleinste Hängerbewegung achten.
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Trennwand-Bruch: Pferde fallen zur Seite

„Das kann passieren, wenn die Trennwand zwischen den beiden Pferden nicht ausreichend verankert ist“, so Thiemo Fleck. „Die Wand fängt zwar einen Teil des Gewichts auf. Ist sie instabil und gibt nach, lastet wiederum schlagartig das Gewicht von zwei Pferden auf der Seite des Fahrzeugs – das Kippen ist kaum mehr zu verhindern. Dasselbe passiert auch, wenn die Trennwand oder -stange zu niedrig ist und das Tier bei Querkräften über die Stange rollt oder rutscht. Der Rest ist dann reine Physik“, sagt Fleck. „Die Gewichte im Anhänger verschieben sich schlagartig. Er fällt um.“

Wie instabil diese Trennwände oft sind, zeigte sich bei Messungen, die CAVALLO bei sieben gängigen Anhängermodellen vornahm. „Bei einem moderaten Druck von 200 Kilo gaben die Trennwände teilweise bis zu 70 Millimeter nach“, sagt Thiemo Fleck.

Dabei wäre Abhilfe einfach. „Durch ordentliche Verankerung an Boden und Decke sowie durch solide Querstreben“, schlägt Fleck vor. Von den flexibel und komfortabel zu handhabenden abklappbaren Zwischenwänden vieler Trailer müssten sich die Pferdebesitzer dann aber wohl verabschieden. Ebenso von der Vorstellung, Hindernissen auch bei geringen Geschwindigkeiten einfach ausweichen zu können. „Der Fahrtest beweist, wie sensibel Gespanne dabei reagieren“, so Fahrexperte Thiemo Fleck. Sein Tipp: „Fahren Sie möglichst vorausschauend und passen Sie das Tempo jederzeit der Situation an. Nehmen Sie Kurven schön langsam, egal, ob jemand von hinten drängelt.“

Diese Fahrtipps gelten auch, wenn der Anhänger über eine Sicherheitskupplung verfügt. Zwar können solche Spezialkupplungen nicht verhindern, dass Anhänger bei geringen Geschwindigkeiten wie im Test ausbrechen und kippen. Sie wirken aber sehr effektiv dem gefürchteten Anhängerschlingern bei höheren Tempi entgegen, das im Extremfall auch zum Kippen den Anhängers führen kann. Im Kopf dieser Kupplungen sind Reibbeläge untergebracht, die beim Ankuppeln gegen die Kupplungkugel gepresst werden. So werden die Pendelbewegungen bereits im Ansatz unterdrückt. Neben den Modellen AKS 3004 und AKS 3504 des Herstellers ALKO hat sich die WS 3000 von Winterhoff bewährt. Sie kosten zwischen etwa 350 bis 450 Euro plus Einbau.

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Ein Computer zeichnet beim Test Geschwindigkeit und Pendelbewegung des Trailers auf.
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Praxis-Test: Bei welchem Tempo kommt das Aufpendeln?

Dieses gefürchtete Aufpendeln beginnt fast unmerklich: „Stellen Sie sich ein Anhängergespann wie das schwingende Pendel einer Standuhr vor. Genauso schwingt der Anhänger durch einen leichten Lenkimpuls oder einen Windstoß, etwa beim Überholen eines Lkw, hin und her“, sagt Thiemo Fleck. „Durch die Seitenführungskraft der Reifen und den Luftdruck gegen die Anhängerseitenwand wird der Hänger immer wieder auf die Spur zurückgeführt – und darüber hinaus. Das System beginnt sich aufzuschaukeln.“ Jetzt wird es kritisch.

Bemerkt der Fahrer seinen schlingernden Anhänger nicht und beschleunigt weiter, führt er dem Pendeln weitere Energie zu, es verstärkt sich. Solange, bis im besten Fall die Räder des Anhängers seitlich wegrutschen und das Gespann ins Schleudern kommt. Rutschen die Reifen nicht, kippt der Anhänger einfach um.

Früher rieten Fahrschullehrer deswegen: Gas geben, um das Gespann zu strecken. „Das ist genau falsch“, sagt Thiemo Fleck. „Je mehr Energie in der Pendelschwingung vorhanden ist, desto kritischer wird die Angelegenheit und das Risiko, dass der Anhänger schleudert oder kippt.“ Gegen Pendeln oder Schlingern hilft nur eines: „Bremsen Sie das Gespann kontrolliert herunter.“

Alternativ helfen elektronische Stabilisierungssysteme wie das bekannte LEAS von BL-Trading und das technisch anspruchsvollere ETS02 des Bremsenherstellers Knott. Ein Sensor am Anhänger registriert dessen Pendelschwingungen. Erreichen sie einen kritischen Punkt, lösen die Systeme die Feststellbremse des Anhängers aus. Dadurch wird das Gespann gestreckt, das Pendeln klingt ab. Das LEAS kann an jeden Pferdeanhänger selbst nachgerüstet werden und kostet etwa 649 Euro. Knotts ETS02 liegt bei 1250 Euro. Großer Pluspunkt der Systeme: Sie reagieren auch, wenn der Anhänger durch Seitenwind oder plötzliche Lenkbewegungen beginnt zu schlingern.

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Thiemo Fleck ist Fahrexperte und Testredakteur bei promobil.
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