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Corona-Virus: Infos für Reiter
cav-0518-pferdeklinik-aufmacher-lir6125 (jpg) Lisa Rädlein

Interview mit Dr. Anja Kasparek von der Pferdeklinik Aschheim

„Das Equine Corona Virus hat einen anderen Virenstamm“

Dr. Anja Kasparek von der Pferdeklinik Aschheim erklärt, wie Tierkliniken mit dem Corona-Virus umgehen, ob Besuche noch mögich sind und ob Pferde COVID-19 übertragen.

CAVALLO: Frau Dr. Kasparek, wie gehen Sie und Ihre Mitarbeiter mit der aktuellen Situation um?

Anja Kasparek: Oberste Maxime für uns ist es, den Betrieb unserer Klinik aufrechtzuhalten, damit wir die Versorgung unserer Patienten gewährleisten können. Falls die Klinik unter Quarantäne gestellt werden muss, können wir keine Pferde mehr versorgen. Ich habe personell kein Backup für das Klinikpersonal, falls jemand ausfällt, kann er nicht ersetzt werden. Wir versuchen die Risiken so klein wie möglich zu halten, Kontaktvermeidung ist ein wichtiges Instrument, zumal wir davon ausgehen müssen, dass die Inkubationszeit nicht wie bisher 14 Tage, sondern bis zu 21 Tage betragen kann.

Rädlein
Dr. Anja Kasparek von der Pferdeklinik Aschheim.

CAVALLO: Wie ist denn die Stimmung in den Ställen?

Anja Kasparek: Ich denke, wir haben es einfach noch nicht scharf genug gestellt, wie ernst die Lage ist. Ich wurde letztens zu einem Kolik-Fall gerufen und da hatten es sich einige Damen, die jetzt vermutlich etwas mehr Zeit haben, im Stall gemütlich gemacht. "Wir sind ja an der frischen Luft" ist nicht das richtige Argument. Auch in den Ställen müssen wir unsere Verhaltensweisen ändern.

CAVALLO: Die FN hat ja bereits Verhaltensregeln für Reitställe herausgegeben, wie viele Menschen sich in Reithallen und Sattelkammern aufhalten sollen. Ist das umsetzbar?

Anja Kasparek: Das sind erste Maßnahmen, es sollte mittlerweile bei allen angekommen sein, dass man nicht zusammen in den Stall geht, auch hier Mindestabstände und Hygienemaßnahmen einhält. Wir sollten uns allerdings auch auf weitere Verschärfungen einstellen, das heißt, ich kann gar nicht mehr in den Stall und muss mein Pferd jemandem übergeben, der es versorgt. Die Stimmung ist meiner Einschätzung nach noch zu unbedarft, viele werden vermutlich erst wach, wenn die Intensivbetten in den Kliniken überfüllt sind. Spätestens dann treten Fragen, ob ich noch zum Reiten komme, endgültig in den Hintergrund.

CAVALLO: Sprich, Sie plädieren dafür, dass wir uns mehr Sorgen um uns selbst, als um die Pferde machen?

Anja Kasparek: Ja, tatsächlich. Die Pferde werden das gut überstehen. Ein gesundes Pferd kann auch mal ein paar Tage auf die Koppel. Es geht jetzt um uns Menschen, um unsere Gesundheit und wirtschaftliche Existenzen.

CAVALLO: Wie hat sich denn Ihr Klinikalltag verändert?

Anja Kasparek: Unseren Pferden geht es auf jeden Fall gut, die gehen am entspanntesten damit um. Unsere Patienten werden von einer Person abgegeben, die Besuchszeiten entfallen und wir informieren die Besitzer telefonisch. Dafür haben unsere Kunden auch sehr viel Verständnis.

CAVALLO: Es taucht ja immer wieder die Frage auf, ob eine Übertragung von Covid- 19 zwischen Menschen und Pferden möglich ist?

Dr. Anja Kasparek: Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Es gibt auch bei Pferden Coronaviren, das Equine Corona Virus hat allerdings einen anderen Virenstamm als COVID-19. Das Friedrich-Loeffler-Institut geht derzeit der Frage nach, ob Nutztiere, wie Hühner und Schweine für das Virus empfänglich sind. Im Allgemeinen gilt, auf porösen, unebenen Flächen, wie zum Beispiel Fell, überträgt sich das Virus kaum oder nur sehr schlecht.

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