Förster Helmut Hohnheiser Lisa Rädlein

CAVALLO hautnah bei Helmut Hohnheiser

Der reitende Förster

Helmut Hohnheiser liebt seinen Wald. Und Pferde. Klar, dass er im Job lieber seine Santa sattelt, als Schusters Rappen zu nehmen.

Sind wir hier richtig? Am Rande des Örtchens Rosenberg im schwäbischen Ostalbkreis steht ein schmuckes Holzhaus – könnte also passen. Unterm Giebel hängt ein Geweih – wir kommen der Sache näher. Dann geht die Tür auf und ein Mann mit tannengrünem Pulli und olivfarbener Cordreithose winkt uns zu – ja, das ist er!


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Helmut Hohnheiser Der reitende Förster
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Wir möchten zu Helmut Hohnheiser. Er ist Förster – und leidenschaftlicher Reiter. Deshalb verbindet er das eine mit dem anderen. Hört sich toll an, „ist aber auch praktisch“, sagt der 55-Jährige grinsend. „Andere müssen sich die Füße plattlaufen, wenn sie den Wald nach Borkenkäfern absuchen. Ich verlagere das auf vier Beine.“

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Genauso muss ein Förster-Haus aussehen! Ein Traum aus Holz mit Blick auf die Pferdekoppeln. Richtig was zum neidisch werden.

Försterei mit Carisma und Santa Lucia

Direkt hinterm Haus stehen die beiden Damen, die Hohnheiser ihre grazilen Beine leihen, in Paddockboxen mit Weideanschluss: die ältere Carisma und die junge Santa Lucia. Oldenburger-Stute Carisma lebt schon seit 20 Jahren beim Förster und genießt dort ihre Rente. Mit der Fuchsstute hat er viel erlebt. „Früher bin ich gerne Jagden geritten. Das war das Schönste, draußen in der Natur“, erinnert sich Hohnheiser, der immer noch zum Reit- und Fahrverein Röhlingen gehört und dort im Vorstand sitzt, obwohl er die Reitanlage nicht mehr nutzt. „Meine Reithalle ist der Himmel“, sagt er und lacht.

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Hinter dem kecken Schnurrbart lacht ein Mann, für den das Wort „authentisch“ wohl erfunden wurde. Helmut Hohnheiser (55) hat Humor und eine eigene Meinung.

Zweimal hintereinander war der Förster Kreismeister im Breitensport. Dann hat er der jüngeren Generation Platz gemacht, sagt er. Auf seine Carisma war immer Verlass, „dabei war sie mal ein Problempferd“, erzählt Hohnheiser. „Beim Probereiten bin ich zweimal runtergefallen.“ Springen war für die Stute damals ein rotes Tuch. Bis der Förster im Wald mit ihr einen Baumstamm nahm. So fand er heraus, dass Carisma eine Abneigung gegen farbige Stangen hatte, denn sie hüpfte ohne Zögern über naturbelassene Holzstangen. Indem er ihr nach und nach mehr Farbe zumutete, sprang sie irgendwann auch wieder über bunte Hindernisse. Als Rentnerin wird Carisma nun regelmäßig von einer Reitbeteiligung bewegt – dabei zeigt sie immer noch Charakter. „Wenn die Reitbeteiligung mal ein paar Tage hintereinander nicht da war, buckelt sie“, verrät Hohnheiser.

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Oldenburger-Stute Carisma lebt seit 20 Jahren bei Helmut Hohnheiser und darf nun ihre Rente genießen.

Die peppige Trakehnerstute hat den richtigen Reiter gefunden

Carismas Nachfolgerin Santa Lucia ist eine siebenjährige Trakehnerin. Hohnheiser kannte sie als Dressurpferd seiner Vereinskollegin, die mit ihr den Sprung aufs M-Niveau nicht schaffte. Als er Interesse an der Stute äußerte, war die Vorbesitzerin skeptisch: Santa Lucia hat Pfeffer im Hintern – ob sie wohl für den Wald die Richtige ist? Vielleicht war Hohnheiser der Richtige für Santa Lucia. Er ritt einfach und kümmerte sich nicht darum, dass die Stute sich anfangs vor allen sichtbaren und unsichtbaren Waldungeheuern fürchtete.

Wie er das macht, erleben wir bei unserem Besuch, als die Trakehner-Stute sich vor unserer Fotografin erschreckt, die in den Büschen lauert, um einen Schnappschuss auf der Galoppstrecke zu ergattern. Santa springt einen Satz zur Seite – und ihr Reiter galoppiert lächelnd weiter. Ruhig, aber bestimmt ist Helmut Hohnheiser auch sonst. Erst recht in seinem Job. Mit verschmitztem Lächeln hinter seinem Zwirbelbart erzählt er uns, dass er sofort merkt, wenn in einem Stall im Umkreis neue Einsteller eingezogen sind. „Die reiten, wenn es nass ist, auf Wegen, die keiner benutzen würde, der von mir weiß“, erklärt er. Denn er pflegt die Kommunikation mit anderen Reitern und sorgt für Aushänge, wenn eine Jagd ansteht oder ein Weg frisch geschottert wurde.

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„Meine Stute Santa hatte früher Angst hier draußen. Nun ist sie entspannt. Aber wenn ich möchte, startet sie gut!“

Wie Reiter es ihm recht machen können? „Indem sie schön in der Wegmitte bleiben und morgens und abends einen Bogen um Hochsitze machen“, so Hohnheiser.
 Zum Forstrevier Virngrund, das er seit 28 Jahren mitsamt aller Pflanzen und Tiere hegt und pflegt, gehört eine Waldfläche von rund 1.400 Hektar. Für seine nachhaltige Waldwirtschaft bekam er in diesem Jahr den „Deutschen Waldpreis“, einen Forstmedienpreis, als „Förster des Jahres“. Dem Wald ist das anzusehen: Hier gibt es keine Monokultur, sondern viele verschiedene Baumarten, von klein bis groß.

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„Die Borkenkäfersuche verlagere ich lieber auf vier Beine. Im Job trägt Santa natürlich Förstergrün – wie ich.“

Als kleiner Junge büxte er aus und lief zur Pferdeweide

Der Tag von Helmut Hohnheiser startet mit dem Füttern der Pferde. Danach geht er auf die Jagd. „In der Früh und abends ist die beste Zeit dafür“, erklärt er. Den Rest des Tages ist er im Wald unterwegs, schaut nach Borkenkäfern, zeichnet die Waldbestände aus, schneidet Lichtschneisen für junge Bäume, führt Exkursionen durch seinen Wald, erledigt Büroarbeiten – und vieles mehr. Dass Herbert Hohnheiser Förster geworden ist, wundert wohl niemanden, der ihn kennt. „Wo kann ich freier sein als in der Natur?“, fragt er. Als kleiner Junge wollte er noch Landwirt werden. Aber das hat ja auch was mit Natur zu tun – und mit Tieren.

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„Der schmeckt nicht mehr“, weiß der Förster. Im November hat der Wald wieder Ruhe vor den vielen Pilz-Suchern.

„Als Bub bin ich öfter mal abgehauen“, erzählt Hohnheiser. Sein Vater wusste, dass er dort suchen musste, wo Pferde auf der Weide standen. Reiten lernte der Förster dann bei einem Major außer Dienst. „Wer auf dem Pferd meckerte, musste absteigen und im Trab nebenherlaufen“, erinnert er sich. „Die Einstellung zum Pferd ist heute leider oft anders.“ Mit Wehmut schaut der Förster auch in seine Zukunft. Wegen Umstrukturierungen wird sein Forstrevier Virngrund aufgelöst, und er wird sich in Zukunft um ein neues Aufgabenfeld kümmern. Doch ein optimistischer Mensch wie er wird dort etwas Gutes finden – oder auf die Beine stellen.

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