Meine Reitanfänge Lisa Rädlein

5 Erinnerungen an den ersten Ritt

Schön oder schrecklich? Mein erster Ritt

Für viele Pferdefreunde war es einer der schönsten Momente ihres Lebens, für manche eine große Enttäuschung. Wie prägend ist die Premiere auf dem Pferderücken? Profi- und Freizeitreiter erinnern sich an ihre ersten Reiterfahrungen.

Wie prägend ist das erste Mal im Sattel?

"Die Situation, in der sich der Reitanfänger befindet, bestimmt, wie bedeutend das erste Mal im Sattel ist", betont die Psychologin Tatjana Quiring. In ihrer therapeutischen Arbeit mit Pferden und in ihrem Umfeld als Reiterin hat sie erlebt, wie verschieden Menschen reagieren, die mit unterschiedlichen Erwartungen zum ersten Mal aufs Pferd steigen.

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Profis und Freizeitreiter Wie hat sich der erste Ritt angefühlt?
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Ihre Patienten, die nicht reiten lernen möchten, aber einfach nur den Wunsch haben, einmal auf einem Pferd zu sitzen, erleben diesen Moment sehr intensiv. "Das Gefühl, getragen zu werden, kann extreme Gefühle auslösen", weiß die Therapeutin. Manche werden sehr emotional und fangen sogar an zu weinen. "Plötzlich lösen sich Spannungen wie von selbst, als ob über Jahre hinweg festgezurrte Ketten gesprengt werden."

Doch es geht auch anders: Eine Patientin, die unter Adipositas litt, wollte unbedingt reiten lernen. Es war ihr jedoch aufgrund ihres Gewichts lange Zeit nicht möglich. Als sie endlich geschafft hatte abzunehmen und ihre erste Reitstunde erlebte, war sie zutiefst enttäuscht. Sie hatte sich das Gefühl ganz anders vorgestellt. Nie wieder stieg sie in den Sattel. "Stattdessen lebt sie ihre Pferdeliebe aus, indem sie Gnadenhofpferde betüddelt", erzählt Tatjana Quiring.

Erwachsene, die nach dem ersten Ritt nie wieder aufs Pferd steigen, hatten häufig zu hohe Erwartungen, so die Psychologin. Die Gefahr, desillusioniert zu werden, sei daher recht groß. Wer etwa schon ein klares Ziel vor Augen hat und beispielsweise mal Springreiter werden möchte, wird vielleicht enttäuscht sein, wenn der erste Ritt nicht so leicht gelingt wie erwartet.

Auch derjenige, der sein Leben lang davon träumte, auf dem Pferd zu sitzen, hat eine romantische Vorstellung, die selten mit der Realität übereinstimmt. Nicht jeder Reitanfänger sitzt gleich auf einem glücklichen und braven Schulpferd und genießt den ersten Ritt in der freien Natur. Wer stattdessen die erste Longenstunde in der dunklen Reithalle verbringt und vom Reitlehrer eine Sitzkorrektur nach der anderen hört, könnte die Situation schnell als frustrierend empfinden.

Die Ansprüche an sich selbst sind gerade bei Erwachsenen oft hoch. "Dann stehen wir uns selbst im Weg", erklärt Tatjana Quiring. "Wer alles möglichst perfekt machen möchte und gleich daran denkt, möglichst gerade und mit tiefen Absätzen auf dem Pferd zu sitzen, ist kaum in der Lage, das Gefühl des Reitens zu genießen."

Kinder haben es da wesentlich leichter: Sie sitzen so im Sattel, wie es ihnen am bequemsten erscheint und können sich so viel schneller auf das Reitgefühl einlassen. Ähnlich unverkrampft sitzen übrigens auch Menschen auf dem Pferd, die vor ihrem ersten Ritt überhaupt keine Erwartungen haben, sagt die Psychologin: "Das wäre zum Beispiel der Ehemann einer Reiterin, der ihr zuliebe im Urlaub mal einen Ausritt mitmacht. In der Regel klappt so ein erster Ritt erstaunlich gut und manche kommen sogar auf den Geschmack."

Wenn die erste Reiterfahrung richtig in die Hose geht

Ein brüllender Reitlehrer oder ein Pferd, das plötzlich buckelnd durch die Bahn schießt, kann dem Reitanfänger das Glück auf dem Pferderücken ganz schön vermiesen. Reitschul-Romantik? Von wegen. Viele Reiter erinnern sich an durchgehende Pferde, Kasernenton und ödes Abteilungsreiten.

Mit schlechten Erfahrungen gehen Reitanfänger je nach Persönlichkeit unterschiedlich um, erklärt die Klinische Sport- und Arbeitspsychologin Johanna Constantini (www.constantini.at): "Ein selbstsicherer Mensch steckt beispielsweise ein negatives Erlebnis leichter weg als ein sensibler Typ."

Der Super-Gau beim ersten Ritt könne das Aus für die Reiterkarriere bedeuten, ergänzt Psychologin Tatjana Quiring: "Ein Kontrollverlust, der durch einen Sturz oder ein durchgehendes Pferd erlebt wird, ist eine schockierende Erfahrung, die häufig dazu führt, dass Menschen mit dem Reiten aufhören."

Doch viele Reiter steigen trotz schlechter Erfahrungen und Angst weiterhin in den Sattel. Auch dahinter stecken, so Johanna Constantini, individuell unterschiedliche Gründe. Manche würden dranbleiben, um sich selbst etwas zu beweisen, manche, um anderen etwas zu beweisen. Dann gebe es noch jene, die ihre eigene Angst herunterspielen und sich damit zunehmend selbst überfordern.

"Überforderung ist grundsätzlich etwas, das in schlechter Erinnerung bleiben und dazu führen kann, dass Reiterträume aufgegeben werden", so die Psychologin. Ihre Empfehlung: "Jeder Reiter sollte sich nur an den eigenen Zielen und Motivationen orientieren. Sich diese Motive überhaupt erst vor Augen zu führen, kann ein erster Schritt zum eigenen Reiterglück sein."

Ob es beim ersten Ritt bleibt und wie ein Reitanfänger sich danach auf dem Pferderücken fühlt, hängt aber nicht nur von persönlichen Erwartungen und Erfahrungen ab. "Das Umfeld, in dem dieser erste Ritt stattfindet, hat einen großen Einfluss darauf, wie der Reiter die Situation empfindet und abspeichert", betont Tatjana Quiring. Wer vorher noch die Gelegenheit hatte, das Pferd beim Putzen und Satteln kennenzulernen, geht positiv ein-gestimmt an die Sache heran.

Ein ruhiges, zuverlässiges Pferd und ein einfühlsamer Reitlehrer, der nicht gleich mit Sitzkorrekturen kommt, sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Reitanfänger ein schönes Erlebnis hat. Tatjana Quiring: "Nur dann kann der Reiter sich entspannen und erinnert sich auch als Fortgeschrittener noch gerne an sein erstes Mal auf dem Pferd zurück. Je positiver die ersten Erfahrungen eines Reiters sind, desto besser kann er später schwierigere Momente und Phasen aushalten."

Claudia Butry: Völlig begeistert vom durchgehenden Pferd

Claudia Butry (49), Dressurausbilderin, waren die Bauernpferde auf Honduras viel zu langsam. "Meine ersten Reiterfahrungen habe ich als Achtjährige auf Honduras gesammelt. Meinen Vater hatte es beruflich dorthin verschlagen und ich genoss eine wunderbare Kindheit im Urwald, die ich meistens auf dem Pferderücken verbrachte.

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Claudia Butry (49), Dressurausbilderin, waren die Bauernpferde auf Honduras viel zu langsam.

Das war ziemlich abenteuerlich: Für unsere Ausflüge haben wir die Arbeitspferde der Bauern in der Umgebung gesattelt (oder auch nicht, wenn es keinen Sattel gab) und sind stundenlang durch die Natur geritten. Das erste Pferd, auf dem ich saß, war ein kleines weißes Pony, Espaviento hieß es.

Zu dem Jungen, der sich mit mir aufs Pony geschwungen hat, habe ich ganz hochmütig gesagt: Ich kann das, halt’ dich einfach an mir fest! Leider ist er kurz darauf heruntergerutscht und hat mich mitgezogen, sodass wir den Boden geküsst haben. Das Missgeschick kostete mich meine Schneidezähne.

Mir waren die armen Bauernpferde, die wahrscheinlich von der Arbeit furchtbar müde waren, viel zu langsam. Doch einmal durfte ich das Privatpferd eines Klassenkameraden reiten. Es ist sofort mit mir durchgegangen. Ich war begeistert. Glücklicherweise waren die Verhältnisse auf Honduras anders als hier: keine Straße weit und breit, nur ab und zu mal ein Zaun. Da konnten wir die Pferde kilometerweit gehen lassen, bis sie irgendwann von selbst stehenblieben.

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Als Achtjährige lebte Claudia Butry auf Honduras. Ihre ersten Reiterfahrungen: Ausritte im Dschungel.

Zurück in Deutschland habe ich dann tatsächlich einen kleinen "Kulturschock" erlebt. Meine Eltern kauften mir ein dreieinhalbjähriges Norweger-Araber-Mix-Pony. Das war etwas völlig anderes als die faulen Criollos auf Honduras. Ich bin immer im vollen Galopp über die Felder gebrettert – und das fand das Pony schnell genauso fein wie ich.

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Das erste eigene Pony: Norweger-Araber-Mix Flocky war eine Herausforderung.

Das führte dazu, dass ich Mitte der 1980er-Jahre in eine Reitschule ging, um zu lernen, wie ich mein Pony in den Griff kriege. Mit allen negativen Begleiterscheinungen: Abteilungsunterricht, stumpfe Pferde und ein brüllender Reitlehrer. Und zum ersten Mal auch Angst: Angst, das falsche Pferd zugeteilt zu bekommen, und Angst, dienstags nach dem Stehtag in der ersten Gruppe reiten zu müssen.

Ich bin ganz sicher: Wenn ich nicht vorher schon die unbeschwerte Zeit mit Pferden auf Honduras erlebt hätte, würde ich heute nicht mehr reiten. Das Schwimmen habe ich damals nämlich an den Nagel gehängt. Der Schwimmlehrer war genauso fies wie mein Reitlehrer."

Yvonne Gutsche: Das Pony legte sich plötzlich hin

Yvonne Gutsche (39), Pferdetrainerin, wurde auf Pony Rocky spazierengeführt. "Schon früh war für mich klar: Ich will reiten! Niemand konnte mich davon abbringen. Mit zwei Jahren saß ich das erste Mal auf einem Pferd. Daran erinnere ich mich zwar nicht mehr, aber seitdem nahm das Schicksal seinen Lauf. Für mich gibt es heute nichts Schöneres, als mit Pferden zu arbeiten.

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Yvonne Gutsche (39), Pferdetrainerin, wurde auf Pony Rocky spazierengeführt.

Meine erste Reiterfahrung, an die ich mich erinnere, habe ich mit etwa fünf Jahren gemacht. Mit meiner Familie besuchte ich oft die Besenwirtschaft eines Bauern. Eines Tages ging ich in den Stall und entdeckte dort das Pony Rocky.

Von da an durfte ich den Kleinen regelmäßig besuchen und er begleitete uns auf Spaziergängen. Traben war das Größte für mich. Aber nicht für meinen Vater: Während ich mich glücklich an Rockys Mähne festhielt, musste er das faule Pony in Gang halten und nebenher rennen.

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Für Pausen mit Imbiss war Pony Rocky immer zu haben.

Meine Eltern hatten damals keine Erfahrung mit Pferden – und Rocky war ein typisches Pony: Er wollte nur fressen, fressen, fressen. Einmal legte er sich bei einem Spaziergang einfach hin. Und ich saß drauf. Meine schockierte Mutter dachte, das Tier hätte einen Hitzschlag. Ein Handy für den Notruf hatten wir damals nicht. Also blieb uns nichts anderes übrig als zu warten, bis Rocky seine Pause für beendet hielt und wieder aufstand – sehr zur Erleichterung meiner Eltern.

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Yvonne Gutsches erstes eigenes Pferd war ein Herzenspferd: Traber-Wallach Queno.

Später dann ritt ich auf unserem Teich-Grundstück, wo auch Pferde standen. Dort lernte ich mein erstes eigenes Pferd kennen: Traber-Wallach Queno. Als ich ihn bekam, war ich etwa neun Jahre alt. Quenu war ein ganz treues Kerlchen – mein Herzenspferd. Mit meinen Cousinen konnte ich zu dritt auf ihm sitzen. Er war wie der Kleine Onkel von Pipi Langstrumpf."

Elisabeth Götzl: Endlich entspannen auf dem Pferd

Elisabeth Götzl (20) ist Spastikerin und lernte die Pferde als Patientin kennen.

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Stefanie Scherffius
Elisabeth Götzl (20), ist Spastikerin und lernte die Pferde als Patientin kennen.

"Ich war mehrere Jahre in der Hippotherapie. Meinen ersten Pferdekontakt hatte ich, als ich ungefähr sechs Jahre alt war. Wie genau die Therapie ganz am Anfang aussah, weiß ich deshalb nicht mehr konkret. Aber wir haben uns langsam herangetastet, bis ich auf dem Rücken sitzen konnte. Die Therapeuten haben mich erst einmal auf das Pferd gelegt und mich festgehalten. Später wurde ich auch draufgesetzt.

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Heidi Goetzl
Die achtjährige Elisabeth Götzl auf Therapiepferd Jerry.

Ich glaube, anfangs hatte ich vor dem Reiten schon ein bisschen Angst. Ein Pferd ist schließlich ein ziemlich großes Tier für ein kleines Mädchen. Doch das Reiten und der Kontakt zum Tier haben mir sehr viel gegeben. Als Spastikerin war ich fast immer sehr angespannt. Schon nach ein paar Therapien spürte ich, wie sich mein Körper auf dem Pferderücken entspannen konnte – das war ein sehr schönes Gefühl! Nach dem Reiten waren meine Hände und Beine viel lockerer und beweglicher. Ich erinnere mich auch, dass es mir gefallen hat, beim Tier zu sein und von seinem Rücken aus alles aus einer anderen Perspektive sehen zu können."

Johannes Egerer: Angst vorm Reiten

Johannes Egerer (61) ist seit der Jugend ein begeisterter Pferdeliebhaber, musste sich aber oft auf die Zähne beißen. "Als ich etwa elf Jahre alt war, habe ich begonnen, einem älteren Bauernehepaar bei der täglichen Stallarbeit zu helfen. Das Paar hatte keinen Traktor, sondern außer den Kühen ein Pferd. Ein Jahr später besuchte ich dann einen Pferdebesitzer, der mehrere Pferde hatte. Auch dort verbrachte ich immer mehr Zeit mit den faszinierenden Tieren, und meine Leidenschaft für Pferde wurde entfacht. Zunächst half ich aber nur im Stall mit.

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Johannes Egerer (61), ist seit der Jugend ein begeisterter Pferdeliebhaber, musste sich aber oft auf die Zähne beißen.

Irgendwann dachte sich der Pferdebesitzer wohl, es sei an der Zeit, mir etwas zurückzugeben. "Jetzt sitzt du mal drauf", sagte er. Er half mir beim Aufsteigen und los ging’s! Mir war ziemlich mulmig zumute. Puh! So habe ich meineerste Reitstunde an der Longe absolviert.

Schon bald ritt ich nicht nur im Ort, sondern bekam auch im 20 Kilometer entfernten Reitverein Reitunterricht. Oft nahm ich das Fahrrad, um dort hinzukommen. Am Wochenende radelte ich morgens los und erst abends wieder zurück. Den mühseligen Hin- und Rückweg auf dem Drei-Gänge-Drahtesel nahm ich für die Pferde allzu gerne in Kauf.

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Johannes Egerer mit etwa elf Jahren (um 1970).

Ich kann mich auch noch sehr gut an meinen ersten größeren Sprung mit dem Pferd erinnern. Ich war auf einem Turnier, und auf dem Abreiteplatz stand ein Hindernis. Der Besitzer meines Reitpferds meinte es wohl gut mit mir und forderte mich auf, den Sprung zu wagen. Mir rutschte das Herz in die Hose.

Das Hindernis war, wie ich damals fand, ziemlich hoch, und ich hatte wirklich Angst davor zu springen. Das Pferd aber war sehr brav und zuverlässig. Zum Glück! Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und steuerte das Hindernis an. Es klappte auf Anhieb. Ich war ganz schön stolz.

Ganz ehrlich: Früher hatte ich immer Angst vor dem Reiten.Irgendwann wurde Respekt daraus. Es war weniger das Tier, das mir Angst machte, sondern vielmehr das Gefühl, unbeholfen zu sein, wenn ich auf ihm saß. Dennoch ließ mich die Faszination für diese Tiere nie wieder los.

Wenn ich heute nochmal mit dem Reiten anfangen müsste, hätte ich gerne mehr emotionale, sensible Stunden mit den Pferden – die haben mir gefehlt. Auch wäre ich gerne einmal ohne Sattel geritten.

Vielleicht hat mich beim Reiten immer diese Unsicherheit begleitet, weil man mich damals einfach aufs Pferd gesetzt hat, ohne dass ich darauf vorbereitet war. Ich saß zwar im Sattel, hatte aber noch gar kein Gefühl fürs Tier. Ich denke, das Wichtigste ist, sich erst einmal Zeit zu nehmen, um das Pferd kennenzulernen."

Dr. Britta Schöffmann: Pferd ignoriert die kurzen Beine

Dr. Britta Schöffmann (61), FN-Richterin und Dressurreiterin, wurde von ihrem Reitpferd links liegen gelassen. "Mein Vater fuhr als junger Mann einmal die Woche zum Reiten in den Tattersall. Als Zweijährige muss ich dann wohl oft gebettelt haben: ‚Papa, mit!‘ So durfteich manchmal eine Runde auf den Pferden Benno und Heide drehen, während er mich geführt hat.

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Dr. Britta Schöffmann (61), FN-Richterin und Dressurreiterin, wurde von ihrem Reitpferd links liegen gelassen.

Als ich etwa sieben Jahre alt war, zogen wir in die Nähe eines Reitvereins. Dort fing ich an, Schulpferde zu reiten. Zum Beispiel Schwalbe, ein Schweres Warmblut. Die Bügel wurden dreimal umgeschlagen, damit ich sie mit meinen kurzen Beinen erreichen konnte.

Schwalbe hatte die Angewohnheit, wenn sie keine Lust mehr hatte, einfach in die Mitte der Bahn zu gehen und dort stehenzubleiben. Ich kleiner Zwerg hatte keine Chance gegen die große dicke Stute. Wenn ich ihr dann zu lästig wurde, hat sie einfach den Hals nach unten gezogen und die Kruppe angehoben – schwups lag ich im Dreck. Irgendwann habe ich nach so einem Erlebnis meinen Eltern eröffnet, dass ich keine Großpferde mehr reiten wolle und stattdessen in die Ponystunde möchte. Gesagt, getan. Und das war gut so.

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Reiterferien: Beim Wettrennen am frühen Morgen hatte die junge Britta die Nase vorne.

Im Reitverein gab es eine Kinder- und Jugendgruppe, mit der viel unternommen wurde: Nachtritte, Wettrennen, Ponyferien, Springen, Turniertraining. Das war toll und ich finde es schade, dass Reitanfänger heute nicht mehr so vielseitig ausgebildet, sondern oft gleich in die Sportschiene gedrückt werden.

Meine erste Turniererfahrung hatte ich übrigens bei einem Reiterwettbewerb auf Hubertus, dem Pferd von Bekannten. Ich kam mir damals total toll vor und fand es schick, beim Reiten meinen Kopf wie ein Geier im Takt von vorne nach hinten zu bewegen. Die Richter fanden das aber nicht so schön und straften das Geiern mit einer grünen Schleife ab – was dazu führte, dass ich in Tränen ausbrach.

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Dr. Britta Schöffmann auf ihrem ersten Turnier mit Schimmel Hubertus. Am Ende gab’s Tränen.

Meine Mutter drohte mir: ‚Wenn du heulst, weil du schlecht geritten bist, ist das Turnierreiten mit dem heutigen Tag beendet.‘ Danach habe ich nie wieder geweint, wenn etwas beim Reiten schief ging."

Dr. Maximilian Pick: Galopp-Ausritt als blutiger Anfänger

Dr. Maximilian Pick (83), Fachtierarzt für Pferde und Tierschutz, hippologischer Gutachter und seit über 50 Jahren Pferdebesitzer: "An meinen ersten Ritt erinnere ich mich noch sehr gut, denn er hat mich so beeindruckt! 1956 war ich in England. Mit meinen Freunden bin ich in London in den Richmond Park gegangen und dort saß ich das erste Mal auf einem Pferd.

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Dr. Maximilian Pick (83), Fachtierarzt für Pferde und Tierschutz, hippologischer Gutachter und seit über 50 Jahren Pferdebesitzer.

Am Anfang lief zur Sicherheit eine Person im Schritt und Trab neben mir her. Doch schon am zweiten Tag bin ich ausgeritten – und nicht nur im Schritt. Die Engländer sind da echt robust. Damit ich im Galopp nicht herunterfalle, nahmen mich zwei Reiter mit ihren Pferden in die Mitte.

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Hier fing es an: Dr. Maximilian Pick (links) 1956 auf einer Reitanlage im Richmond Park, London.

Der Ausritt war gigantisch! Nach dieser Erfahrung bin ich regelmäßig einmal in der Woche auf Schulpferden geritten. Auch wenn das damals eine teure Angelegenheit war, wollte ich mir das nicht nehmen lassen. Tatsächlich waren die ersten Erfahrungen im Sattel vor etwa 65 Jahren prägend für mein ganzes Reiterleben. Letztendlich bin ich auch deshalb Pferdetierarzt geworden."

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