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Nützliches Kompetenzzentrum oder Papiertiger? Was bringt das neue Bundeszentrum Wolf?

Unterschiedliche Verbände begrüßen das neue Bundeszentrum Weidetiere und Wolf. Gleichzeitig stellen Sie Forderungen an das neue Informations- und Beratungszentrum.

Lösungen und Möglichkeiten für eine gute Koexistenz erarbeiten – das ist die Aufgabe des Ende März neu gegründeten "Bundeszentrum Weidetiere und Wolf" in Eberswalde. Landwirtschaftsministerin Klöckner betonte bei der Eröffnung: "Wölfe und Nutztiere – beide haben Anspruch auf Schutz. Doch die Anzahl der Wolfsangriffe nimmt drastisch zu – trotz Herdenschutzmaßnahmen. Das verunsichert auch die Menschen vor Ort." Um diesen Konflikt zu entschärfen, habe sie das neue Bundeszentrum Weidetiere und Wolf gegründet.

Zentrum soll Forschung zum Herdenschutz voranbringen: Zu den Aufgaben des neuen Bundeszentrums soll zählen, eine jährliche, länderübergreifende Übersicht der angewandten Herdenschutzmaßnahmen zu erstellen sowie Übergriffe durch Wölfe zu erfassen. Schutzmaßnahmen will das Zentrum optimieren, etwa indem es neue Forschungsprojekte zu Herdenschutzmaßnahmen entwickelt. Auch die Entschädigungspraxis will das Zentrum verbessern und strategische Überlegungen zur Regulierung des Wolfs anstellen.

Die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) begrüßte die Gründung des Zentrums. Seit 2017 habe die Vereinigung gemeinsam mit anderen Verbänden von der Bundesregierung die Einrichtung eines bundesweit tätigen Herdenschutz-Kompetenz-Zentrums gefordert. Nach Auffassung der VFD und der Verbändeplattform "Bündnis Weidetierhaltung und Wolf” kann fachlich korrekt ausgeführter Herdenschutz durch Zäune und Herdenschutzhunde Wolfsrisse weitgehend verhindern.

Verbände fordern mehr Geld für das neue Zentrum: Es soll 2021 mit 300.000 Euro finanziert werden. Dies ist laut dem "Bündnis Weidetierhaltung und Wolf" ein Anfang, jedoch kaum ausreichend, um eine so komplexe Thematik wie Herdenschutz fachlich abzudecken. Zudem werde zur Einrichtung des Zentrums ein anderes Herdenschutzprogramm des Bundes gekürzt. "Wir hoffen, dass aus dem Zentrum kein Papiertiger wird. Die Chance zur Vernetzung von Herdenschutzpraxis und Forschung darf nicht vertan werden", so Ralf Schulte, Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik beim NABU (Naturschutzbund Deutschland).

Bauernverband verlangt stärkere Wolfs-Regulierung: Auch der Präsident des DBV (Deutscher Bauernverband), Joachim Rukwied, äußerte sich zum neuen Zentrum. Die Einrichtung eines Bundeszentrums Weidetiere und Wolf sei richtig und greife die Forderung des DBV auf, die mit der Ausbreitung der Wölfe in Deutschland auftretenden Probleme bei der Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und anderen Weidetieren zu beheben. "Das Bundeszentrum darf sich aber nicht auf Fragen des Zaunbaus und Herdenschutzes beschränken, sondern muss auch die Regulierung des Wolfes mit einbeziehen", so Rukwied.

Wie unterschiedlich die Interessen in Sachen Wolf sind, zeigt sich auch an den Reaktionen auf die Gründung des neuen Zentruns. Konflikte rund um das Thema Wolf zu entschärfen, soll künftig dessen Aufgabe sein. "Im Umgang mit dem Wolf müssen für alle Beteiligten sachgerechte Lösungen gefunden werden, die ökologisch sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert sind", heißt es auf der Seite der Bundesregierung.