Corona-Special: Alle Infos für Reiter
Corona-Virus: Infos für Reiter
Cavallo Coach Lisa Rädlein

Brennpunkt Corona-Virus: Trainer müssen alles absagen

Wie die Corona-Krise Pferde-Ausbilder trifft

Turniere werden abgesagt, Lehrgänge gestrichen, Ställe lassen nur noch Pferdebesitzer rein: Die aktuelle Corona-Situation hat vor allem für Ausbilder harte Folgen. Denn wo Ställe abgeriegelt werden, fallen Reit-Kurse und Unterricht aus. Wie gehen Trainer mit der momentanen Lage um? Welche Alternativ-Angebote haben sie in petto – und wie können wir Reiter unsere Trainer unterstützen? CAVALLO hat sich bei mehreren Ausbildern umgehört.

Ausbilderin Claudia Butry (www.neuesreiten.de) lebt und unterrichtet vorwiegend im Allgäu. "Mit dieser Nähe zu Tirol und vielen rückreisenden Italien-Touristen sind die Sorgen hier groß", so ihre Erfahrung. 95 Prozent der Ställe, in denen sie normalerweise Reitunterricht gibt, haben diesen bereits untersagt, um so wenig externe Personen wie möglich auf dem Hof zu haben. Kurse und Unterricht hat die Trainerin bis nach Ostern abgesagt; sie hofft noch darauf, dass die Kurse Ende April wieder stattfinden können. "Da völlig unklar ist, wie lange die Situation so bleibt, sind auch Alternativtermine schwierig zu planen. Kann man in den Mai verschieben, oder ist das zu kurzfristig?", schildert sie ihr derzeitiges Gedanken-Karussell. Und sie ist ehrlich: "Länger als einen Monat kann ich das kaum durchhalten." Momentan arbeitet sie mit Hochdruck an Webinaren und Online-Unterricht.

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Claudia Butry lebt im Allgäu und nahe an der Krisenregion Tirol.

Trotzdem versucht sie, ihre positive Grundhaltung zu bewahren. "Hier geht es ums Gemeinwohl, da ist kein Platz für persönliche Befindlichkeiten. Und auch diese Krise geht vorbei. Meine Arbeit ist meine Passion, und ich werde das überstehen, um genauso – oder vielleicht besser – weiterzumachen", ist sie kämpferisch. Was ihr dabei besonders Mut macht: die Solidarität ihrer Reitschüler. Die bieten ihr an, Unterrichts-Gutscheine zu kaufen und diese einzulösen, wenn es wieder geht.

Den Unterricht eingestellt hat auch Dr. Britta Schöffmann (www.britta-schoeffmann.com) auf unbestimmte Zeit. "Auch wenn der ein oder andere Stall für sich (noch) gelockerte Regeln in Sachen Einzel-Unterricht beschlossen hat, so sind diese mit den beschlossenen Bestimmungen der Bundesregierung und der Länder und vor allem den darauf basierenden klaren Empfehlungen der FN letztlich nicht zu vereinbaren", sagt sie – und hofft, dass sich andere daran ein Beispiel nehmen. Ihren vorerst letzten Lehrgang hat sie Anfang März gegeben. "Das war auch der erste Lehrgang, den ich je gegeben habe, ohne jemandem die Hand zu schütteln, ohne jemandem nahe zu kommen und ohne eine Pause für Gespräche zu nutzen. Die Pause hab ich daher gleich weggelassen", sagt die Ausbilderin.

Cavallo Coach
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Dr. Britta Schöffmann gibt online Unterricht.

Die unterrichtslose Zeit will sie eventuell mit Webinaren oder Online-Unterricht überbrücken; da arbeitet sie derzeit an einem schlüssigen Konzept. Froh ist sie über ihren eigentlichen Hauptberuf als Autorin. "Andere Ausbilder haben es da nicht so gut", so Britta Schöffmann, "deshalb sollten alle helfen, durch Rücksichtnahme ein noch größeres Chaos und noch striktere Beschränkungen zu vermeiden. Wenn ich sehe und höre, dass sich immer noch überall zu Corona-Partys getroffen wird, finde ich es äußerst betrüblich, dass sich dieses Virus nicht nur an Rücksichtslose anheftet."

Kalt erwischt hat die aktuelle Lage Ausbilderin Christine Hlauscheck (www.bewegungs-freiheit.de). "Ich gebe ausschließlich Wochenendkurse, wo es auch immer sehr intensiv um den Sitz geht. Das heißt, wir machen normalerweise viele Übungen am Boden, bei denen mit Hilfestellung von mir oder einer zweiten Person aus dem Kurs gearbeitet wird. Das fällt jetzt schon mal komplett flach", so die Trainerin – teilweise werden ihr Kurse bis in den Juni hinein abgesagt.

CAV Meisterkreis Teaser
Johann
Tine Hlauschek bastelt an Projekten für die unterrichtslose Zeit.

"Wenn sich der Trend fortsetzt, wird es finanziell die nächste Zeit recht bitter", so Christine Hlauscheck. Sie hat daher Kontakt zu einer Unternehmensberaterin für Selbstständige in der Pferdebranche aufgenommen, "wir basteln an Projekten für die kurslose Zeit". Trotz allem ist sie optimistisch, "dass wir alle gemeinsam das Ganze gut und schnell überstehen. Und in jeder Krise liegen ja auch jede Menge Chancen!"

Parelli-Master-Instruktor Berni Zambail (www.zambail.com) switcht auf Video-Unterricht an. "Schicke mir ein Video der Herausforderung mit deinem Pferd oder schildere mir die Situation oder ein Thema, das du gerne anschauen möchtest", so der Ausbilder auf Facebook. Lösungsansätze sollen dann im Anschluss über Telefon oder Skype besprochen werden.

CAV 0108 Gurutest - Berni Zambail
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Berni Zambail gibt Video-Unterricht.

Digitale Angebote will Alexandra Schmid (www.pferdetraining-allgaeu.de) erstmal noch nicht angehen. "Ich will sehen, fühlen und am Pferd sein", sagt die Dualaktivierungs-, Equikinetic- und Equi-Classic-Work-Trainerin, ergänzt aber: "Man wird sehen." Sie hat sämtliche Kurse, Events und Einzelunterricht bis Ende April gestrichen. Würden die Einschränkungen länger dauern, gibt sie zu, wird es eng: "Rechnungen müssen bezahlt werden, ebenso wie die Beiträge zu Kranken- und Rentenversicherung, Steuern, Miete etc. Und dazu kommen die laufenden Kosten der Pferde, für die es kein Kurzarbeitergeld gibt."

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Maier
Alexandra Schmid möchte gerne weiter am Pferd arbeiten.

Parelli-Instruktor Ralf Heil (www.birkenhof-heil.de) ist zumindest froh um die Berittpferde, die er hat: "Das wird mich in den nächsten Wochen finanziell etwas unterstützen", sagt der Trainer, der Kurse und Reitschulunterricht für die nächsten zwei bis vier Wochen abgesagt bzw. verlegt hat. "Ich halte die derzeitigen Maßnahmen für sehr wichtig", betont er. "Wichtig ist es, ruhig und besonnen zu bleiben und zu schauen, was ich persönlich an Positivem aus dieser Misere herausziehen kann." Für Ralf Heil bedeutet das: Er wird wieder mehr Zeit mit seinen eigenen Pferden verbringen.

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Ralf Heil hat Berittpferde und mehr Zeit für seine eigenen Pferde.

Das hat auch Verhaltensforscherin Vivian Gabor (www.viviangabor.de) vor. "Aktuell sind sämtliche Kurse und vor allem die großen Vortragsveranstaltungen bis Mitte, Ende April abgesagt", erzählt die Ausbilderin. Vor allem bei Messen, für die sie gebucht war, sei noch nicht absehbar, wann diese überhaupt wieder stattfinden könnten. Veranstaltungen zu verschieben, dafür hat Vivian Gabor kaum Raum: "Das Jahr ist komplett voll, da kriege ich keine Alternativen mehr unter." Die momentane Auszeit nutzt sie vor allem für sich und ihre Pferde – "für die habe ich jetzt mehr Zeit als sonst, vor allem für meine Jungpferde".

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Weil das Jahr komplett voll ist, kann sie keine Veranstaltungen verschieben.

Podcast: Corona-Krise – was Pferdebesitzer jetzt bewegt

Die Corona-Krise hat auch die Reiter und die gesamte Pferdewelt fest im Griff – von abgesagten Messen, Turnieren, Reitunterricht, Reisen bis hin zu vielen Fragen von Pferdebesitzern zur Versorgung ihrer Pferde. Die CAVALLO-Redakteure sind als Pferdebesitzer und Reiter natürlich ebenfalls betroffen und auch die Arbeit in der Redaktion wird von der Pandemie beherrscht. Wie gehen wir persönlich und als Journalisten damit um? Dies erfahren Sie in einem sehr persönlichen Gespräch zwischen CAVALLO-Redakteurin Ute Stabingies und Chefredakteurin Linda Krüger in diesem Podcast. In den Shownotes finden Sie den Link zu unserer Corona-Sonderseite mit vielen wichtigen Infos rund um Reiten und Corona.

Du kannst den Podcast entweder gleich unten auf dieser Seite anhören oder zum Start auch bei Spotify, Apple Podcasts / iTunes, Acast, AudioNow und Deezer sowie nach und nach in vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

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