Rädlein

Ernte 2020: Die Ampel geht auf Rot

Wird das Heu knapp?

Staubige Weiden, kaum Regen: Fast überall war das Frühjahr viel zu trocken. Droht nach den letzten beiden Dürrejahren jetzt eine Futterkrise? Studiendekan Prof. Dr. Dirk Winter im CAVALLO-Interview:

CAVALLO: Prof. Winter, Sie beschäftigen sich unter anderem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Pferdewirtschaft. Der trockene April hat viele alarmiert.
Dirk Winter:
Nutzpflanzen sind im Frühjahr je nach Regenmenge mehr oder weniger gut gewachsen. Stallbetreiber sollten sich aber dringend Alternativen überlegen, um ihre Ställe mit ausreichend und qualitativ gutem Raufutter versorgen zu können. Was leider zu selten praktiziert wird, sind Verträge mit Heulieferanten. Es lohnt sich auch für kleinere Betriebe darüber nachzudenken: Wo bekomme ich die Menge X zu einem bestimmten Preis Y her und zwar zu einer einwandfreien Qualität.

Die letzten beiden Jahre waren bereits zu trocken, sprich dem Boden fehlen Wasserreserven. Wird die Situation von Jahr zu Jahr dramatischer? In der Tat geht die Ampel auf Rot, wenn im ausgehenden Frühjahr nicht genügend geerntet werden kann. Dann fehlt zumeist auch nach dem zweiten Schnitt die ausreichende Menge für eine bedarfsgerechte Versorgung. In vielen Regionen gibt es tatsächlich keine ausreichenden Wasserreserven im Boden. Ernterisiken müssen besser abgeschätzt werden. Die Raufutterversorgung muss Priorität haben, auch vor eventuell etwas höheren Preisen. So kann ein Betrieb seinen Einstellern auch verlässliche Angaben machen, wo sich die Boxenpreise im Jahresverlauf bewegen. Wie das Wetter wird, ist Kaffeesatzleserei, aber das Risiko lässt sich durch einen klugen Einkauf minimieren.

Wo könnten sich die Heupreise denn in diesem Jahr bewegen? Im Mai lag der Preis für eine Tonne Rundballen Heu bei ca. 140 bis 170 Euro. Möglich, dass sich der Preis mit Luft nach oben stabilisiert und wir uns ungefähr auf Vorjahresniveau bewegen. Es gibt nicht viele Heureserven aus dem letzten Jahr. Falls es in den Regionen, die bislang schon zu trocken waren, auch in diesem Jahr zu wenig Wasser gibt, dann sieht es mit dem Grasaufwuchs eher schlecht aus. Zwar wurden Anbauflächen vergrößert, aber das hilft nur, wenn es genügend regnet.

Auch die Corona-Krise hat der Pferdewirtschaft zu schaffen gemacht. Für die Schulbetriebe war es tatsächlich katastrophal. Den Pensionsbetrieben geht es etwas besser. Finanziell sehr schwer haben es die Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Betriebe. Wie es langfristig weiter geht, das muss sich noch zeigen. Die Pferdewirtschaft insgesamt ist, meiner Einschätzung nach, aber gut aufgestellt.

Der Experte

Prof. Dr. Dirk Winter ist Studiendekan Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen. www.hfwu.de

Dürre in Deutschland

Für Pflanzen verfügbares Wasser bis 25 Zentimeter

Das Monitoring des Helmholtz-Instituts für Umweltforschung zeigt: In vielen Regionen war es Ende Mai bereits extrem trocken. Betroffen waren vor allem Regionen, die ansonsten eigentlich gut mit Niederschlag versorgt wer- den. Die Karte zeigt die nutzbare Feldkapazität für Pflanzen (nFK) an, sprich das für das Wachstum verfügbare Wasser: Die Farbe Orange bedeutet für Pflanzen bereits Trockenstress.

Dürremonitor Oberboden bis 25 Zentimeter

Die dunkelroten Flächen zeigen außergewöhnliche Trockenheit an, hellrot: extreme Trockenheit, orange: schwere Dürre. Die Agrarmeteorologie spricht von Dürre, wenn sich eine Pflanze aus dem Boden nicht ausreichend mit Wasser versorgen kann. Andreas Brömser: "Die oberen Bodenschichten sind trockener als im Mai 2019. Die Start-Bedingungen für den diesjährigen Sommer sind also eher ungünstig."

Im Test: Slowfeeder für Pferde

CAV Slowfeeder Heu fressen Aufmacher
Rund ums Pferd

Stroh als Futter und Einstreu?

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Pferdehaltung

Der CAVALLO-Podcast mit Cleverhorse.de

E-Learning, Reit-Apps, Online-Messen: Spätestens seit der Corona-Krise hat die Pferdewirtschaft einen gewaltigen Schritt in Sachen Digitalisierung hingelegt. Reitabzeichen und Pferdeführerscheine konnten aber bisher nur in mehrtägigen Kursen abgelegt werden. Das ändert sich nun: Cleverhorse.de ist eine neue digitale Plattform, die vor einigen Wochen an den Start gegangen ist. Zum einen bietet sie die Möglichkeit, den Theorie-Teil für eine Prüfung, genauso wie beim Auto-Führerschein, ganz bequem von zuhause aus zu bearbeiten. Zum anderen bringt sie Reitbetriebe und Prüfungsinteressenten zusammen. Wie es genau funktioniert, darüber haben wir mit Christine Munker und Martina Kratzer gesprochen. Christine Munker führt zusammen mit ihrem Mann die Geschäfte von Cleverhorse, Martina Kratzer ist als Expertin von Beginn an mit an Bord.

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